Re: Stillchaos- möchte gerne wieder voll stillen
Verfasst: 06.12.2012, 11:24
Hallo Fredda,
ganz nüchtern betrachtet ergibt sich ein eindeutiges Bild, was die Gewichtsentwicklung betrifft: abgesehen von der langsamen Zunahme in der Zeit nach der Geburt ergeben sich gar keine Auffälligkeiten.
In den ersten beiden Lebensmonaten lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bei rund 190 g. Das ist unauffälliger Wert, der für sich genommen keinerlei Hinweis auf ein Problem gibt. Berücksichtigt man nur die Zeit ab KH-Einweisung und Zufüttern, lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bei 250 g, ebenfalls ein unauffälliger Wert. (Ausführliche Info dazu findest Du in unserem Grundinfo-Thread zu Gedeihen und Gewichtskontrolle, bitte unbedingt lesen!..)
Nach den ersten beiden Lebensmonaten lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bis heute bei rund 160 g. Ebenfalls ein unauffälliger Wert für Babys dieses Alters.
Unterm Stich heißt das: Dein Baby ist gut entwickelt, die Gewichtsentwicklung verlief mit der bisherigen Zufütter-Vollstill-Geschichte unauffällig.
Mehr nicht.
Also mehr geben die Daten nicht her. Das bedeutet, dass wir jetzt schauen müssen, ob wirklich eine Zufütterindikation besteht, oder ob möglicherweise ohne Zufütterindikation zugefüttert wurde, was sich wiederum massiv aufs Stillverhalten, Besorgnis, Stresspegel usw. ausgewirkt und dann letztlich die Situation erst geschaffen hat, die Zufüttern tatsächlich notwendig machte.
Die gängige Methode, um genau dies herauszufinden, ist das schrittweise Verringern von Zufüttermilch, bei gleichzeitiger Doku der Kriterien für gutes Gedeihen (u.a. Gewicht). Diese Doku machst Du sowieso schon, bist also eh nichts anderes gewohnt sozusagen
, von daher würde das keine Umstellung für Dich bedeuten. Wichtig ist dabei, dass die Gewichtsdaten korrekt interpretiert werden - ich schlage vor, dass wir das hier zusammen machen. Die Aussage "Seit 14 Tagen sind die Gewichtswerte nicht signifikant gestiegen." ist korrekt, aber die Aussage "Seit 14 Tagen hat mein Baby nicht zugenommen und deshalb muss ich jetzt zufüttern!" nicht unbedingt. 
Gewichtsdaten unterliegen natürlicherweise hohen Schwankungen, d.h. systematische und statistische Messfehler sind sehr hoch. Legt man lediglich das Konzept zu Grunde, dass Babys grundsätzlich kontinuierlich "zunehmen" (also Muskel- und Knochenzellen bilden und Fettpolster zulegen usw.), würde man kontinuierlich steigende Werte erwarten und sofort in Sorge geraten, wenn Stagnation oder gar Verringerung der Werte abzulesen sind (weil dann zwangsläufig Fettpolster und Muskelzellen "abgebaut" würden). Allerdings fehlt in diesem Konzept die absolut wichtige Berücksichtigung der Tatsache, dass Fettpolster und Körperwachstum nicht die einzigen Faktoren sind, die die Zahl auf der Waage bestimmen, sondern dazu kommt das "echte Leben"
: Füllstand von Magen, Blase und Darm, Infekte und weitere Energieverbraucher wie Impfungen, Hitze, Frieren, Schreien, Grundumsatz, Wachstums- und Mobilitätsschübe und so weiter und so fort, dazu die unumgängliche Wägeungenauigkeit des Messvorgangs selbst. All dies zusammen hat zur Folge, dass "echte" Gewichtsunterschiede, die kleiner sind als 100-200 g, im häuslichen Bereich kaum bestimmt werden können. Eine Windelportion allein kann gut und gerne 100 g ausmachen... Du WEISST aber nicht, wie voll der Darm Deines Babys gerade ist, niemand weiß das. Ein Baby kann gestern 4000 g und heute "nur" 3950 g gewogen, aber "in echt" zugenommen haben! Nur messen kann man das auf diese Weise leider nicht. 
Dies vielleicht als kleinen Einblick dazu, dass med. aussagekräftige Gewichtsdateninterpretation alles andere als trivial ist.
Als Beispiel mag ich das hier herausgreifen:
Eins möchte ich Dich gerne noch fragen: Wie geht es DIR persönlich eigentlich mit dem vielen Gewichtsmessen? Stressfaktor? Sicherheits-Strohhalm? Kontrollbedürfnisbefriedigung? Würdest Du gerne seltener messen? Oder gerne häufiger?
Vielleicht magst Du ein bisschen berichten, wie es Dir psychomäßig damit geht.
Du möchtest gerne vollstillen - hier ist ein strukturiertes, sicheres, stressarmes Vorgehen ratsam. Ganz konkret schlage ich folgendes vor:
* Notiere Dir die tägliche Zufüttermenge. Wie genau diese verteilt ist - nach jedem Stillen ein bisschen, oder einmal eine große Portion o.ä. - ist egal.
* Verzichte auf künstliche Sauger. Keine Schnuller, keine Hütchen, keine Flaschensauger mehr. Notwendiges Zufüttern sollte wenn irgend möglich stillfreundlich passieren.
* Ab morgen (oder ab einem beliebigen anderen Tag
) bietest Du 10-15 ml weniger an als die Ausgangzufüttermenge. Die Verteilung ist wieder egal.
* An Tag 2 wieder 10-15 ml weniger als an Tag 1.
* Häufiges Stillen ist unbedingt notwendig während Zufütterreduktionszeiten. Babys trinken normalerweise durchschnittlich 8-12 mal in 24 Stunden. Ratsam ist also, mindestens 10-12 mal in 24 Stunden das Stillen anzubieten. Das heißt: IMMER wenn das Baby muckt, quietscht, sucht, hampelt....: STILLEN.
* Während dieser Reduktionszeit ist die Kontrolle und Dokumentation aller Zeichen guten Gedeihens notwendig. Das heißt im wesentlichen: Kindsgewicht, Zufüttermenge, Anzahl Pipi- und Stuhlwindeln. Eine TÄGLICHE Gewichtsmessung ist dazu NICHT notwendig. 2-3 mal wöchentlich reicht. (siehe meine Frage oben!..)
* Für Stressarmut sorgen. Nervige Verwandtenbesuche, Ganztagsausflüge oder ausufernde Haushaltspflichten MÜSSEN auf später vertagt werden. Sehr gerne dürfen Dir liebe Leute Essen kochen, für Dich einkaufen und eine Waschmaschine anschmeißen.
Kennst Du schon unsere Linksammlung Stillwissen? Dort findest Du viele Infos, die Dich betreffen, z.B. zu Zufütterreduktion und künstlichen Saugern ("Saugverwirrung").
Ich hoffe, diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich, Rückfragen immer gerne und
LG
Julia
ganz nüchtern betrachtet ergibt sich ein eindeutiges Bild, was die Gewichtsentwicklung betrifft: abgesehen von der langsamen Zunahme in der Zeit nach der Geburt ergeben sich gar keine Auffälligkeiten.
In den ersten beiden Lebensmonaten lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bei rund 190 g. Das ist unauffälliger Wert, der für sich genommen keinerlei Hinweis auf ein Problem gibt. Berücksichtigt man nur die Zeit ab KH-Einweisung und Zufüttern, lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bei 250 g, ebenfalls ein unauffälliger Wert. (Ausführliche Info dazu findest Du in unserem Grundinfo-Thread zu Gedeihen und Gewichtskontrolle, bitte unbedingt lesen!..)
Nach den ersten beiden Lebensmonaten lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bis heute bei rund 160 g. Ebenfalls ein unauffälliger Wert für Babys dieses Alters.
Unterm Stich heißt das: Dein Baby ist gut entwickelt, die Gewichtsentwicklung verlief mit der bisherigen Zufütter-Vollstill-Geschichte unauffällig.
Mehr nicht.
Die gängige Methode, um genau dies herauszufinden, ist das schrittweise Verringern von Zufüttermilch, bei gleichzeitiger Doku der Kriterien für gutes Gedeihen (u.a. Gewicht). Diese Doku machst Du sowieso schon, bist also eh nichts anderes gewohnt sozusagen
Gewichtsdaten unterliegen natürlicherweise hohen Schwankungen, d.h. systematische und statistische Messfehler sind sehr hoch. Legt man lediglich das Konzept zu Grunde, dass Babys grundsätzlich kontinuierlich "zunehmen" (also Muskel- und Knochenzellen bilden und Fettpolster zulegen usw.), würde man kontinuierlich steigende Werte erwarten und sofort in Sorge geraten, wenn Stagnation oder gar Verringerung der Werte abzulesen sind (weil dann zwangsläufig Fettpolster und Muskelzellen "abgebaut" würden). Allerdings fehlt in diesem Konzept die absolut wichtige Berücksichtigung der Tatsache, dass Fettpolster und Körperwachstum nicht die einzigen Faktoren sind, die die Zahl auf der Waage bestimmen, sondern dazu kommt das "echte Leben"
Dies vielleicht als kleinen Einblick dazu, dass med. aussagekräftige Gewichtsdateninterpretation alles andere als trivial ist.
Als Beispiel mag ich das hier herausgreifen:
Wenn ein Kind gestern 4650 wiegt und viel gepinkelt hat und reichlich zugefüttert wurde, dann darf ein Messwert von 4660 am Folgetag keinesfalls zu "Panik" führen! (Oder war es etwas anderes, was Panik auslöste? Falls es tatsächlich die Gewichtsdaten waren: SO funktioniert die Interpretation nicht. Man kann NIEMALS mit nur zwei Werten die Gewichtsentwicklung im Zeitraum dieser zwei Werte bestimmen. Wenn man die Zunahme innerhalb einer Woche wissen will, muss man ÖFTER während dieser Woche messen. Wenn man die Zunahme innerhalb eines Tages wissen will, muss man ÖFTER während dieses Tages messen.)4.12. 4650g. Nach 6 Stunden fast trockene Windel, alle anderen Windeln voll Pipi, 170ml Muttermilch über den Tag verteilt zusätzlich abgepumpt und zugefüttert
5.12. 4660g. Panik bekommen und 150ml Pre gegeben
Eins möchte ich Dich gerne noch fragen: Wie geht es DIR persönlich eigentlich mit dem vielen Gewichtsmessen? Stressfaktor? Sicherheits-Strohhalm? Kontrollbedürfnisbefriedigung? Würdest Du gerne seltener messen? Oder gerne häufiger?
Vielleicht magst Du ein bisschen berichten, wie es Dir psychomäßig damit geht.
Du möchtest gerne vollstillen - hier ist ein strukturiertes, sicheres, stressarmes Vorgehen ratsam. Ganz konkret schlage ich folgendes vor:
* Notiere Dir die tägliche Zufüttermenge. Wie genau diese verteilt ist - nach jedem Stillen ein bisschen, oder einmal eine große Portion o.ä. - ist egal.
* Verzichte auf künstliche Sauger. Keine Schnuller, keine Hütchen, keine Flaschensauger mehr. Notwendiges Zufüttern sollte wenn irgend möglich stillfreundlich passieren.
* Ab morgen (oder ab einem beliebigen anderen Tag
* An Tag 2 wieder 10-15 ml weniger als an Tag 1.
* Häufiges Stillen ist unbedingt notwendig während Zufütterreduktionszeiten. Babys trinken normalerweise durchschnittlich 8-12 mal in 24 Stunden. Ratsam ist also, mindestens 10-12 mal in 24 Stunden das Stillen anzubieten. Das heißt: IMMER wenn das Baby muckt, quietscht, sucht, hampelt....: STILLEN.
* Während dieser Reduktionszeit ist die Kontrolle und Dokumentation aller Zeichen guten Gedeihens notwendig. Das heißt im wesentlichen: Kindsgewicht, Zufüttermenge, Anzahl Pipi- und Stuhlwindeln. Eine TÄGLICHE Gewichtsmessung ist dazu NICHT notwendig. 2-3 mal wöchentlich reicht. (siehe meine Frage oben!..)
* Für Stressarmut sorgen. Nervige Verwandtenbesuche, Ganztagsausflüge oder ausufernde Haushaltspflichten MÜSSEN auf später vertagt werden. Sehr gerne dürfen Dir liebe Leute Essen kochen, für Dich einkaufen und eine Waschmaschine anschmeißen.
Kennst Du schon unsere Linksammlung Stillwissen? Dort findest Du viele Infos, die Dich betreffen, z.B. zu Zufütterreduktion und künstlichen Saugern ("Saugverwirrung").
Ich hoffe, diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich, Rückfragen immer gerne und
LG
Julia