Einfluss mütterlicher Ernährung auf Geschmack der Muttermilc

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

Thalia
hat viel zu erzählen
Beiträge: 206
Registriert: 28.01.2012, 20:58

Re: Einfluss mütterlicher Ernährung auf Geschmack der Mutter

Beitrag von Thalia »

jusl hat geschrieben:
Thalia hat geschrieben:Zumindest spricht sich die BzGA für ein absolutes Alkoholverbot in der Stillzeit aus, auch aufgrund der geschmacklichen Prägung und der Erhöhung des Risikos einer späteren Abhängigkeit. Siehe Seite 22: http://www.bzga.de/pdf.php?id=35e69147a ... 12686b8909 . Allerdings habe sie keine Quellenangaben dazu, die wären nämlich interessant. Aber am Ende muss jede für sich selbst entscheiden, ob sie etwas in der Stillzeit trinkt oder nicht. Ich trinke halt keinen Alkohol und mir fehlt er auch nicht. Das Einzige worauf ich mal Lust hätte wäre ein Stück Tiramisu.
Selbstverständlich spricht sich die BzgA dafür aus, keinen Alkohol in der Stillzeit zu trinken, das ist ja auch völlig richtig: es ist die "sicherste Alternative" (Zitat). Berücksichtige dabei, AN WEN diese Broschüre adressiert ist: Diese Materialien werden in Beratungsstellen und für Beratungsgespräche in Praxen genutzt - dort ist auch Kundschaft zu finden, die NICHT zu der Gruppe Mütter gehört, die sich brav und umfassend auf hohem intellektuellem Niveau in einem Ponyhof-haften Still-und-Trageforum zu allen möglichen Details rund ums Baby informiert... Außerdem: Mütter stillen hierzulande überwiegend nur WENIGE MONATE, d.h. die Broschüre kommt sowieso praktisch nur in den ersten Lebenswochen und -monaten zum Einsatz. In diesem Alter (eigentlich ja Vollstillzeit) ist das kindliche Verdauungssystem in der Tat NICHT auf feste Nahrung oder sonstige Fremdstoffe eingestellt, sondern es kommt lediglich mit Muttermilch oder Muttermilchersatz klar. In den ersten Lebenswochen sollte daher in der Tat KEIN Alkohol getrunken werden.

HIER IN DIESEM FORUM liegen die Anfragen aber anders: das Gesundheitsbewusstsein ist hoch, und ich kann mich kaum erinnern, dabei mal eine "Darf ich Alkohol trinken?"-Anfrage beantwortet zu haben von einer Mutter, deren Baby erst wenige Wochen alt ist. Normalerweise kommt das "Ach ich würd ja schon gern mal wieder ein Radler trinken"-Gefühl erst auf, wenn das Baby schon älter ist. Und dann, wie gesagt, sprich vom Stillen her nichts dagegen.

LG
Julia

Ich muss gerade etwas schmunzeln. Alkohol trinken und auch Alkoholismus (nichts anderes ist das z.B. auch das tägliche Trinken eines oder zweier Gläser Wein abends "zum Entspannen") ist in unserer Gesellschaft in allen Schichten präsent und auch anerkannt. Solange ich Ärztinnen kenne, die sogar in der Schwangerschaft auf ihr Gläschen Wein nicht verzichten konnten oder aber Frauenärzte höre, die der Meinung sind, dass das nicht schlimm sei mal ab und zu zu trinken, denke ich nicht, dass es Unsinn ist auf die Gefahren von Alkohol (egal ob in der Schwangerschaft, Stillzeit oder sonst) hinzuweisen. Egal an wen Deiner Meinung nach so eine BZGA-Broschüre gerichtet ist und welches intellektuelle Niveau im SUT vorherrscht. Meine persönliche und berufliche Erfahrung hat mich da eines Anderen belehrt. Gelegentlicher geringer Alkoholgenuß muss kein Stillhindernis sein, aber trotzdem überlege ich mir lieber vorher ob ich es wirklich brauche, denn das Kind bekommt davon etwas ab.
Thalia mit Tochter 10/2011
*gestillt, getragen und familiengebettet*
jusl
Jusl Almighty
Beiträge: 16020
Registriert: 19.03.2007, 10:54
Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators

Re: Einfluss mütterlicher Ernährung auf Geschmack der Mutter

Beitrag von jusl »

Generell auf die Gefahren von Alkohol hinzuweisen ist selbstverständlich kein Unsinn. Wenn Du meine Antworten genau liest, wirst Du feststellen, dass es dort immer ausdrücklich um die Auswirkungen hinsichtlich des Stillens geht, nicht um ANDERE Auswirkungen.
Meine persönliche und berufliche Erfahrung hat mich da eines Anderen belehrt.
Vollkommen in Ordnung, keine Frage. Aber persönliche und berufliche Erfahrungen einer Einzelperson eignen sich nicht automatisch als generelle Empfehlung für alle.
Gelegentlicher geringer Alkoholgenuß muss kein Stillhindernis sein, aber trotzdem überlege ich mir lieber vorher ob ich es wirklich brauche, denn das Kind bekommt davon etwas ab.
Hier muss ich klar widersprechen. Das Wort "brauchen" impliziert bereits einen ungesunden Umgang mit Alkohol. Und wenn nur geringe Mengen konsumiert werden, bekommt das Kind davon NACHWEISLICH nichts ab, da der Alkohol mütterlicherseits bereits wieder abgebaut ist, ehe er überhaupt in der Milch ankommt.
Ich bin ohne Wenn und Aber dabei, wenn es um die Aufklärung über die Gefahren des Alkoholkonsums geht. Aber ebenso wichtig ist mir, dabei vernünftig bei den Fakten zu bleiben.

LG
Julia
Benutzeravatar
klimaforscherin
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 7128
Registriert: 06.05.2010, 19:22
Wohnort: bei der Pyramide

Re: Einfluss mütterlicher Ernährung auf Geschmack der Mutter

Beitrag von klimaforscherin »

Bitte nicht Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und in der Stillzeit zusammenwerfen. Das ist ein Riesenunterschied!
In der SWS entspricht der Blutalkoholgehalt des Kindes dem der Mutter. In der Stillzeit eben noch lange nicht! (Wenn es überhaupt messbar ist.) Ein Promille Milchalkoholgehalt ist erstmal richtig viel (da muss man ganz schön bechern), ist aber trotzdem ein Zehntel einer reifen Banane.
Grüße
klimaforscherin
mit Wetterfrosch 2010 und Schwälbchen 2012

Bild Bild
jusl
Jusl Almighty
Beiträge: 16020
Registriert: 19.03.2007, 10:54
Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators

Re: Einfluss mütterlicher Ernährung auf Geschmack der Mutter

Beitrag von jusl »

Bitte nicht Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und in der Stillzeit zusammenwerfen. Das ist ein Riesenunterschied!
Danke. Ich werde ebenfalls nicht müde, dies immer wieder hervorzuheben...
Benutzeravatar
Isa_Belotti
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 718
Registriert: 21.09.2011, 23:17

Re: Einfluss mütterlicher Ernährung auf Geschmack der Mutter

Beitrag von Isa_Belotti »

klimaforscherin hat geschrieben: Ein Promille Milchalkoholgehalt ist erstmal richtig viel (da muss man ganz schön bechern), ist aber trotzdem ein Zehntel einer reifen Banane.
Bitte nochmal genauer erklären :). Das mit den Bananen habe ich schon häufiger gehört, aber noch nicht verstanden. Zum Glück mag ich keine Bananen ;)
jusl
Jusl Almighty
Beiträge: 16020
Registriert: 19.03.2007, 10:54
Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators

Re: Einfluss mütterlicher Ernährung auf Geschmack der Mutter

Beitrag von jusl »

In der Schwangerschaft hat das Ungeborene den SELBEN Blutalkoholgehalt wie die Mutter, weil beide plazentar verbunden sind. Hat die Mutter z.B. 1 Promille (da fühlt eine eher alkohol-ungewohnte Frau sich für gewöhnlich schon deutlich betrunken), hat das Ungeborene ebenfalls 1 Promille im Blut, so als hätte es ebenfalls HochPROZENTIGES getrunken - und das mit einer winzigen, unreifen Leber, die den Alkohol praktisch noch gar nicht richtig abbauen kann. Das ist ausgesprochen gefährlich für die gesunde Entwicklung des Ungeborenen! Es lässt sich keine "ungefährliche Untergrenze" angeben. Deshalb gilt in der Schwangerschaft eine strikte Null-Toleranz-Grenze.

In der Stillzeit hat nicht das Baby, sondern die Muttermilch den selben Blutalkohlgehalt wie die Mutter, also z.B. ebenfalls 1 Promille. Diese Milch muss das Baby erst trinken, d.h. es nimmt eine Flüssigkeit zu sich, die 1 Promille Alkohol enthält - ProMILLE, nicht ProZENT! DAS ist der wesentliche Unterschied. Die Milch muss das Baby dann erst verstoffwechseln usw., d.h. der Blutalkoholgehalt des Babys wird WEIT WEIT unterhalb dem den Mutter liegen.
Da die Leber des Babys aber immernoch nicht so gut funkioniert wie bei einem Erwachsenen, vertragen Babys VIEL VIEL WENIGER als Erwachsene. Deshalb sollte das Baby möglichst wenig abkriegen, und das möglichst selten. Wenn eine Mutter WENIG trinkt, z.B. EIN Bier, oder EIN Glas Weinschorle o.ä., dann lässt das den Alkoholgehalt der Muttermilch derart wenig steigen, dass dieser praktisch unter der Nachweisgrenze liegt, insb. wenn die Mutter erst nach 1-2 Stunden wieder stillt. Damit ist der Konsum GERINGER Mengen Alkohol in der Stillzeit hinsichtlich des Stillens UNBEDENKLICH.

Der Hinweis auf die Bananen bezieht sich auf die Tatsache, dass viele Lebensmittel von Natur aus geringe Mengen Alkohol enthalten. Praktisch alle reifen Obstsorten und Fruchtsäfte beispielsweise, Kefir, Sauerkraut...
Das bedeutet, dass ein Kind, das bereits Beikost zu sich nimmt, über Obst und co Alkohol aufnimmt (Bananen enthalten DEUTLICH MEHR Alkohol als die Milch einer Mutter, die gerade eine Weinschorle getrunken hat). Wer also seinem Kind bereits Apfelsaft und Bananen zumutet, der darf in der Stillzeit bezogen auf die Gesundheit des Babys definitiv auch geringe Mengen Alkohol trinken.

LG
Julia
Thalia
hat viel zu erzählen
Beiträge: 206
Registriert: 28.01.2012, 20:58

Re: Einfluss mütterlicher Ernährung auf Geschmack der Mutter

Beitrag von Thalia »

jusl hat geschrieben:
Bitte nicht Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und in der Stillzeit zusammenwerfen. Das ist ein Riesenunterschied!
Danke. Ich werde ebenfalls nicht müde, dies immer wieder hervorzuheben...
Ich glaube nicht, das ich das tue. Laut "Arzneierordnung in der Schwangerschaft und Stillzeit" erhält der vollgestillte Säugling rund 10% der gewichtsbezogenen Alkoholmenge seiner Mutter. Für mich persönlich ist das immer noch zuviel und daher trinke ich keinen Alkohol solange ich keine so langen Stillpause habe, dass der Alkohol sicher abgebaut ist. Ich denke das kann jede von uns mit diesem Wissen selbst für sich und ihr Kind entscheiden.
Thalia mit Tochter 10/2011
*gestillt, getragen und familiengebettet*
Benutzeravatar
NettyRamirez
schreibt ganz schön oft
Beiträge: 132
Registriert: 06.08.2012, 20:25

Re: Einfluss mütterlicher Ernährung auf Geschmack der Mutter

Beitrag von NettyRamirez »

Das ist alles sehr interessant, vorallem, dass man doch alles essen darf...mir wurde im stillfreundlichen KH und auch von den Hebammen erzählt, ich müsse auf (fast) alles verzichten...freu mich schon auf die nächte Zwiebel :D :D :D
Bild
getragen, gestillt, familiengebettet
moettchen
hat viel zu erzählen
Beiträge: 228
Registriert: 06.07.2012, 10:57
Wohnort: Großraum Stuttgart

Re: Einfluss mütterlicher Ernährung auf Geschmack der Mutter

Beitrag von moettchen »

jusl hat geschrieben:In der Stillzeit hat nicht das Baby, sondern die Muttermilch den selben Blutalkohlgehalt wie die Mutter, also z.B. ebenfalls 1 Promille. Diese Milch muss das Baby erst trinken, d.h. es nimmt eine Flüssigkeit zu sich, die 1 Promille Alkohol enthält - ProMILLE, nicht ProZENT! DAS ist der wesentliche Unterschied. Die Milch muss das Baby dann erst verstoffwechseln usw., d.h. der Blutalkoholgehalt des Babys wird WEIT WEIT unterhalb dem den Mutter liegen.
Da die Leber des Babys aber immernoch nicht so gut funkioniert wie bei einem Erwachsenen, vertragen Babys VIEL VIEL WENIGER als Erwachsene. Deshalb sollte das Baby möglichst wenig abkriegen, und das möglichst selten. Wenn eine Mutter WENIG trinkt, z.B. EIN Bier, oder EIN Glas Weinschorle o.ä., dann lässt das den Alkoholgehalt der Muttermilch derart wenig steigen, dass dieser praktisch unter der Nachweisgrenze liegt, insb. wenn die Mutter erst nach 1-2 Stunden wieder stillt. Damit ist der Konsum GERINGER Mengen Alkohol in der Stillzeit hinsichtlich des Stillens UNBEDENKLICH.

Der Hinweis auf die Bananen bezieht sich auf die Tatsache, dass viele Lebensmittel von Natur aus geringe Mengen Alkohol enthalten. Praktisch alle reifen Obstsorten und Fruchtsäfte beispielsweise, Kefir, Sauerkraut...
Das bedeutet, dass ein Kind, das bereits Beikost zu sich nimmt, über Obst und co Alkohol aufnimmt (Bananen enthalten DEUTLICH MEHR Alkohol als die Milch einer Mutter, die gerade eine Weinschorle getrunken hat). Wer also seinem Kind bereits Apfelsaft und Bananen zumutet, der darf in der Stillzeit bezogen auf die Gesundheit des Babys definitiv auch geringe Mengen Alkohol trinken.

LG
Julia
So wie Du es hier erklärst, hatte ich es auch in der Vergangenheit beim lesen der Threads zum Thema Stillen und Alkohol verstanden und habe auf Basis dieser Infos nach ca. 5-6 Monaten auch (wie vor meiner Schwangerschaft) nach einem guten Essen auch mal 1 Ramazzotti, Jägermeister o.Ä. getrunken. Ich finde aber, daß z.B. der Tenor in der von Dir empfohlenen Broschüre doch um einiges schärfer ist - wenn ich nur diese Info gelesen hätte, dann hätte ich solch "harten Alkohol" überhaupt nicht getrunken, max. mal ein Radler oder eine Weinschorle.

Hmm und zeitlich verstehe ich die aktuelle Diskussion so, daß man in jedem Fall abwarten sollte, bis das Kind Beikosterfahren ist und demnach die natürlichen Alkoholquellen wie Bananen & Co schon kennt, richtig?
mit großem Moettchen (08/2010) an der Hand und kleinem Moettchen (03/2013) auf dem Arm
jusl
Jusl Almighty
Beiträge: 16020
Registriert: 19.03.2007, 10:54
Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators

Re: Einfluss mütterlicher Ernährung auf Geschmack der Mutter

Beitrag von jusl »

Kann man leicht ausrechnen:

Ein 0,2 l Glas Weinschorle (halb Wein mit 12 % Alkohol und halb Wasser) entspricht ungefähr 12 ml Alkohol (= ungefähr 10 g Alkohol).

Ein 2 cl Glas Jägermeister (35 % Alkohol) entspricht ungefähr 7 ml Alkohol (= ungefähr 5,5 g Alkohol). Also weniger als die Weinschorle.

In der Tat ungünstig gewesen wären 0,2 l Jägermeister. *kleiner Scherz* ;-)

Wie Du den Ton der Broschüre auffasst, kann ich nicht beurteilen. Aber ich kann Volumenprozente ausrechnen. Müttern, die sich wegen des Themas Alkohol in der Stillzeit Sorgen machen, empfehle ich, dies ebenfalls zu tun. Ausrechnen, wie viel Alkohol wo drin, ausrechnen, welchen Blutalkoholgehalt der Konsum dieser Menge nach sich zieht (bzw. vom Promillerechner ausrechnen lassen), ausrechnen, wie viel Alkohol dann noch beim Kind ankommen kann. Wenn man selbst die Informationsbeschaffung und damit die Verantwortung übernimmt, ist man auch nicht mehr darauf angewiesen, sich zu fragen, welche der vielen Broschüren denn nun wohl Recht hat.
Hmm und zeitlich verstehe ich die aktuelle Diskussion so, daß man in jedem Fall abwarten sollte, bis das Kind Beikosterfahren ist und demnach die natürlichen Alkoholquellen wie Bananen & Co schon kennt, richtig?
Nein, ob das Kind schon Bananen KENNT, ist unerheblich. Der wesentliche Punkt ist, dass die kindliche Leber ab dem Beikostalter geringe Mengen Alkohol nachweislich problemlos abbauen kann. Wäre dem nicht so, dann müsste auf H*pps Trauben- und Apfelsaft ja die Warnung stehen: "Achtung, Schwips droht, für Babys ungeeignet.". ;-)

LG
Julia
Antworten

Zurück zu „Stillforum“