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Re: Klinik rät in den ersten 72Stunden vom stillen ab

Verfasst: 01.07.2012, 23:09
von Katha
Hm, beim Kreissaal angucken in der Uni wurde auch erzählt, dass man während de Wehen keinen Hunger habe.

Hätte ich da gehungert... :)

Klinik rät in den ersten 72Stunden vom stillen ab

Verfasst: 01.07.2012, 23:31
von (miri)
Katha hat geschrieben:Hm, beim Kreissaal angucken in der Uni wurde auch erzählt, dass man während de Wehen keinen Hunger habe.

Hätte ich da gehungert... :)
Ich hatte da tatsächlich weder Hunger noch Durst(und wäre dann deswegen beinahe umgekippt), aber ich hatte auch keine 30std zu kämpfen. Und ehrlich gesagt sind die Gründe nichts essen zu dürfen ja auch schon längst überholt.

Re: Klinik rät in den ersten 72Stunden vom stillen ab

Verfasst: 02.07.2012, 07:25
von Lösche Benutzer 11664
Oh, das ist sooo schade. Ich war auch in einer Klinik mit etwas seltsamem Stillmanagement, wenn ich meinen Mann nicht gehabt hätte, der rund um die Uhr aufgepasst hat, dann wäre zugefüttert worden. Ich konnte mich die ersten Tage leider kaum kümmern, aber er hat unseren Sohn immer wieder bei mir angelegt, gewickelt, etc. und ihn nie mit dem Pflegepersonal allein gelassen. Ohne diese Unterstützung wäre es wohl sehr schwierig gewesen, überhaupt zu stillen!

Re: Klinik rät in den ersten 72Stunden vom stillen ab

Verfasst: 02.07.2012, 07:28
von Traumwind
Kirschquark hat geschrieben:
greenie bird hat geschrieben:oder Glukose...?aber es erspart dem Personal vermutlich einiges an Arbeit :(



ǝlıqoɯ ɯoɹɟ ʇuǝs
selbst das kann ich mir grad kaum vorstellen - Entweder: Kind hat Hunger, Mama legt Kind an, stillt, fertig.
Oder: Kind hat Hunger, Mama klingelt, Schwester läuft zu Mama, zurück in die Milchküche, macht die Flasche, läuft zurück ins Zimmer, Mama gibt Flasche, klingelt wieder, Schwester läuft zu Mama, bringt die Flasche zurück in die Milchküche, leert die Flasche aus, steckt die Flasche in den Flaschenspülervaporisator, geht zurück ins Schwesternzimmer.

Für mich klingt die Flasche nach mehr Arbeit.

Ich nehme an, dass die das wirklich glauben. Aber ich finds schon traurig, dass sich manche Ärzte mit dem Thema auch nicht genauer beschäftigen wollen...
Meine Freundin hat fertige Fläschchen, die nicht mal aufgewärmt wurden, ins Zimmer bekommen. :roll: ... und ja, ich habe es selbst gesehen, sonst wäre ich nicht so entsetzt darüber gewesen... und sie war beratungsresistent und erzählt heute, dass sie nicht stillen konnte. ;)

Re: Klinik rät in den ersten 72Stunden vom stillen ab

Verfasst: 02.07.2012, 08:09
von cosima83
Ich war hier in der Uni-Klinik.
Das Stillmanagement auf der Wöchnerinnenstation war ok.
Aber das auf der Kinderstation war unter aller Sau. ich habe auch "Es komt ja eh fast nix" hören müssen, von einer ganz jungen Schwester, die auch sonst gerne veraltetes Lehrbuchwissen runter ratterte.
Ein Kommentar über die Menge kam jedes Mal beim Stillen oder spätestens beim Wiegen danach, auch gerne "Ich mach schonmal das Fläschchen warm!"
Das macht ner jungen Mami Mut, oder?! :roll:
Gut, dass ich es besser wusste und die Ohren auf Durchzug stellte.
Mausl musste jede Mahlzeit 50 ml trinken. Wenn ich das nicht brachte (oh Wunder!), wurde mit Primergen nachgefüttert, bzw. das abgepumpte Kolostrum aufgefüllt.
Die Kleinen wurden so in einen 4-Stunden Rythmus gepresst. Als ich mal stillte, musste ich mir anhören, die Kleine wäre doch erst um 17 Uhr wieder dran. Dabei trank sie gerad seelig. :roll:
Mausl lag leider am Monitor und ich bettlägerig auf der Wöchnerinnen, ich konnte also nicht wie eine Löwin dazwischen springen, aber unsere Stillbeziehung hat es Gott sei Dank unbeschadet überstanden.
Toll, war der Moment, als ich Mausl nach dem Milcheinschuss das erste Mal stillte und ich nach dem Wiegen auf den Flur trat und ganz stolz "Fünfzig Milliliter!" sagte und die Schwester nichts mehr entgegnen konnte. :lol:

Es gab auch eine kompetente Schwester, die hatte selbst zwei Kinder gestillt.
Ärzte bekam ich wegen Feierteig kaum welche zu Gesicht und meine Hebamme hab ich auf der Staion auch nich wiedergesehen.
Eine Stillberaterin AFS , mit der später sprach, schlug die Hände überm Kopf zusammen. Sie hatte das Personal vor zwei Jhren geschult, aber es ist wohl kaum was hängen geblieben. Scheinbar sieht das Stillmanagement eine regelmäßige Nachschulung nicht vor.
Da es nicht unsere Wunschklinik war, hab ich mich damit nicht auseinander gesetzt. Ich hatte aber Gott sei Dank die besagte Stillberaterin, meine (Langzeit) stillende Nachsorhebi und euch. :D
Aber leider ist nicht jede Mama so gut abgesichert und aufgeklärt. :cry:

Re: Klinik rät in den ersten 72Stunden vom stillen ab

Verfasst: 02.07.2012, 08:41
von Paramecium
Ich denke einfach, dass frau heute viiiel aufgeklärter ist / sein kann als unsere Elterngeneration. Wir haben doch Zugang zu wesentlich mehr Informationen, die wir uns selbst beschaffen können. Es ibt Stillgruppen, wir können Hebammen zur Vorsorge nehmen. Das tun aber die allerwenigsten! Wenn ich schwanger bin, interessiere ich mich doch eigentlich für diese besondere Zeit und lese gerne alles darüber, was ich kriegen kann. So ziemlich alle haben Internetzugang und früher oder später stolpert man doch auch über Stillfragen. Mir ist es so schleierhaft, warum sich die Frauen nicht über das Stillen informieren. Wenns dann nicht klappt, sind die (schlecht ausgebildeten) Schwestern und Ärzte im KH schuld. Sicher muss da vieles in der Ausbildung verbessert werden, aber man kann sich doch gerade heute nicht darauf verlassen, alles (richtig) serviert zu bekommen. Ich muss dabei immer an Kant denken:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht aus Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.

Das ist so wahr! Eas liegt doch in unserer Hand, was andere Menschen mit uns machen. Ich habe mein 2. Kind wegen Frühgeburt im KH bekommen. Da hat man mich nichtmal gefragt, ob ich stille oder ob es klappt. Hat keinen interessiert. Ich habe mich nach einem halben Tag dann selbst entlassen, weil ich mit den merkwürdigen Ansichten des Kinderarztes nicht konform ging. Man muss doch nicht alles ertragen und Unerfahrenheit ist m.M.n. heute kein Grund mehr, um alles mitzumachen. Es gibt soooo viele Informationen, man muss sie nur nutzen!

Klinik rät in den ersten 72Stunden vom stillen ab

Verfasst: 02.07.2012, 08:53
von greenie bird
hmmm...also vor fünf Jahren war ich schwanger, ich wusste nicht, dass es Stillberaterinnen gibt und bin auch nicht darüber "gestolpert". Wenn ich im i-net geschaut habe, dann habe ich mich über die sws informiert. Zum Stillen hatte ich die Einstellung: ich versuche es halte so lang durch, wie ich schaffe: hoffentlich 6 Monate :!:
Und in den Zeitschriften wurden auch noch keine Stillberatungen beschrieben- heute rate ich jeder schwangeren Freundin sich davor damit zu befassen und sich um eine Stillberaterin zu kümmern, weil ich das besser auch getan hätte.


ǝlıqoɯ ɯoɹɟ ʇuǝs

Re: Klinik rät in den ersten 72Stunden vom stillen ab

Verfasst: 02.07.2012, 09:11
von Piratin
Uii traurig für die Mutter, dass sie das mitmachen musste und noch trauriger für das Neugeborene. :(

Solche Erzählungen machen mich immer ganz traurig und wütend. Jede Schwangere die ich treffe, infomiert sich Stunden über den optimalen Kinderwagen und andere Dinge der Grundausstattung. Aber kaum eine- der ich begenet bin- macht sich Gedanken über die Ernährung ihres Kindes. Es ist doch nicht zuviel verlangt, dass man sich informiert. Die allerwichtigsten Grundinfos zum Stillen (wie, wann, warum und was passiert da überhaupt) passen auf 2 A4 Seiten. Die 10 Minuten kann ich mir in 40 Wochen nun wirklich nehmen- sollte man meinen...

Nebenbei: ich wäre sehr vorsichtig beim nennen von Kliniken wenn man sich nicht 100% sicher ist, dass es wirklich dort war. Stichwort Rufschädigung.

Re: Klinik rät in den ersten 72Stunden vom stillen ab

Verfasst: 02.07.2012, 09:29
von Paramecium
Piratin hat geschrieben: Jede Schwangere die ich treffe, infomiert sich Stunden über den optimalen Kinderwagen und andere Dinge der Grundausstattung. Aber kaum eine- der ich begenet bin- macht sich Gedanken über die Ernährung ihres Kindes. Es ist doch nicht zuviel verlangt, dass man sich informiert. Die allerwichtigsten Grundinfos zum Stillen (wie, wann, warum und was passiert da überhaupt) passen auf 2 A4 Seiten. Die 10 Minuten kann ich mir in 40 Wochen nun wirklich nehmen- sollte man meinen...
Genau das meine ich! Da wird unter Schwangeren gefachsimpelt, welche tollen Modelle an Kiwas es gibt. Aber die richtig wichtigen Dinge sind außen vor. Ich war doch auch mal stillunerfahren, aber ich bin durch Foren und Artikel zur Schwangerschaft über Stillfragen gestolpert und habe mich informiert. Wir hatten wirklich 10 schwere Tage zu Beginn, aber durch all diese Infos habe ich mich geweigert, die Flasche zu geben. Und es hat geklappt, völlig ohne Unterstützung! Meine Hebamme hatte zu dieser Zeit leider keine Ahnung vom Stillen (hat sich gottseidank inzwischen geändert).

Re: Klinik rät in den ersten 72Stunden vom stillen ab

Verfasst: 02.07.2012, 09:33
von Leyket
Paramecium hat geschrieben:Mir ist es so schleierhaft, warum sich die Frauen nicht über das Stillen informieren. Wenns dann nicht klappt, sind die (schlecht ausgebildeten) Schwestern und Ärzte im KH schuld.
Also um ehrlich zu sein, wäre meine erste Informationsquelle bezgl Stillen mein Frauenarzt/Hebamme/Kinderschwestern im KH gewesen. Dass diese teilweise völlig falsche Informationen weitergeben war bis vor ca einem Jahr überhaupt nicht klar.
Meine Vor- und Nachsorgehebamme aus der Frauenarztpraxis ist zufälligerweise gerade in Stillberaterinnenausbildung gewesen, nur diesem glücklichen Zufall war wohl zu verdanken, dass ich nach der Geburt dann doch noch an das richtige Stillwissen geraten bin. Im Krankenhaus jedenfalls wurden keine guten Grundsteine für eine gesunde Stillbeziehung gelegt. Und grad entbunden im Wochenbett war ich so fertig, dass ich einen Tag vor Entlassung quasi um Abstilltabletten gebettelt habe, damit das Elend endlich ein Ende hat. Diese Gedrücke und Geschiebe an meiner Brust (von den Schwesterhänden), das ewige Wiegen und das Gefühl zu versagen (ich hatte keine Ahnung von Milcheinschuss, Kolostrum ect., denn ich hatte mich auf das Fachwissen verlassen, was ich in der Klinik erwartete. Stattdessen wurde dort völlig überflüssige, nicht indizierte Stillproben durchgeführt, die den Stillstart meiner Meinung nach nur erschwerten, statt dass sie ihm dienten.
Paramecium hat geschrieben:Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht aus Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.
Unsere Vorfahren hatten Vorbilder in ihren eigenen Vorfahren. Die fehlen mir und ganz vielen anderen ebenso. Wir haben heute doch kaum mehr Familien-/Dorfverbünde, in denen babygerechte Säuglingspflege vermittelt wird. Meine Vorfahren ferbern, füttern Flasche ect.
Paramecium hat geschrieben:Das ist so wahr! Eas liegt doch in unserer Hand, was andere Menschen mit uns machen. Ich habe mein 2. Kind wegen Frühgeburt im KH bekommen. Da hat man mich nichtmal gefragt, ob ich stille oder ob es klappt. Hat keinen interessiert. Ich habe mich nach einem halben Tag dann selbst entlassen, weil ich mit den merkwürdigen Ansichten des Kinderarztes nicht konform ging. Man muss doch nicht alles ertragen und Unerfahrenheit ist m.M.n. heute kein Grund mehr, um alles mitzumachen.
Ich hab um vorzeitige Entlassung gebeten, weil ich mit meinem Baby endlich in Ruhe gelassen werden wollte, woraufhin man mir mit dem Jugendamt drohte :!: Mit der Begründung, dass in meinem Mutterpass eine der Risikonummern die einer psychischen Vorbelastung sei. (Das war dann auch der Moment, in dem ich um die Abstilltabletten bettelte). Meine Nachsorgehebamme konnte das Drama dann Gott sei Dank endlich auflösen, als mein Freund sie anrief und ins KH bat.
Einer jungen Mutter im Wochenbett mit dem Jugendamt zu drohen halte ich für nicht sonderlich feinfühlig. Überhaupt eine Person mit bereits bestehender psychischer Vorbelastung derart unter Druck zu setzen zeugt mE auch nicht gerade von besonderem Verständnis. Wirklich selbstbestimmt fühlte ich mich nicht, und noch weniger als ich versuchte mich gegen die Fremdbestimmungen zu wehren.
Paramecium hat geschrieben:Es gibt soooo viele Informationen, man muss sie nur nutzen!
Man muss nur wissen, wo man die richtigen Quellen findet. Falsche Informationen gibt es nämlich auch sehr viele, leider :(