Fliegenpilz, ich persoenlich finde Deine Gedankengaenge absolut lefitim und wuesste auch nic, weshalb Du sie hier nicht aeussern duerftest? Wo, wenn nicht bei SuT sollte man denn ueberso ein Thema kontrovers und differenziert diskutiere duerfen und koennen?!
Hier meine eigenen Gedanken dazu:
erstens: (wie ich ja immer so gerne wieder sage, ich weiss

): ja, stillen ist die NORMALE Form der Sauglingsernaehrung. Alles andere ist - zunaechst mal ganz wertfrei betrachet - eine Abweichung von dieser Norm.
Dafuer mag es in Einzelfaellen gute Gruende geben, aber Fakt ist auch, dass die schlechtstillquote in Deutschland sowie die verkuerzte Stilldauer v.a. an der mangelnden Stillfoerderung liegt.
Auch wenn das Stillen ein natuerlicher Prozess ist und unsere Kinder alle als kleine Instinkt-Stiller auf die kommen, sind gerade der Stillstart und die erste Stillphase ganz sensible Bereiche, bei denen Mutter und Kind Unterstuetzung und Rueckhalt benoetigen - und oftmals v.a. Informationen!
In Deutschland scheitert aber genau dies an a) mangelnder Unterstuetzung b) fehlender oder gar falscher Beratung (gerade auch in den Krankenhaeusern, wo es am noetigsten waere) und c) an der enormen, nicht zu unterschaetzenden Lobby der Kunstnahrungsindustrie.
Ich war noch nie jemand, der in irgend einem Bereich auf die boese, boese Industrie geschimpft hat, aber was diesbezueglich in punkto Stillen an grenzwertiger bis illegaler Lobby-Arbeit der Nahrungsmittel-Industrie betrieben wird, ist wirklich als negativer Einflussfaktor auf die Stillkultur in DE nicht zu unterschaetzen.
Es waere auch naiv zu glauben, dass die gleichen Firmen, die sich in Entwicklungslaendern diesbezueglich in hoechstem Maße unethisch bis kriminell verhalten, von Deutschland die Finger lassen wuerden - die Wege sind nur besser verschleiert

(diesbezueglich empfehle ich den Film "Formula for Desaster", der im Netz frei verfuegbar ist).
Kurz: die Stillsituation in Deutschland ist in hoechstem Maße beeinflusst und abhaengig von gesellschaftspolitischen wie wirtschaftlichen Faktoren und Interessen.
Auf den ersten Blick sieht es zwar so aus, als waere es "einfach" nur die Ansicht der breiten Masse, die meint, nicht oder kurz zu stillen oder die Stillen in dernOeffentlichkeit sowie das Stillen von Kleinkindern irgendwie merkwuerdig bis abstossend findet. Wenn man aber etwas hinter die Kulissen schaut, dann stellt sich heraus, dass die Menschen letztlich oft kaum eine wirkliche Chance auf eine eigene, freie Meinungsbildung haben, da ihnen hierfuer schlicht der Zugriff auf ALLE relevanten Informationen fehlt. Nur wer alle Fakten kennt, kann auch wirklich frei entscheiden. Wer nur ein verzerrtes Bild praesentiert bekommt, und das bekommen Muetter/Familien in Deutschland vermittelt, indem man ihnen z.B. erzaehlt, sie koennten nicht stillen, sie haetten nicht genug Milch, sie muessten aus diversen Gruenden abstillen etc., wenn man ihnen aktiv wie passiv das Stillen verweigert, indem man ihnen keine schmerzfreie Anlegetechnik zeigt, indem man ihnen im Krankenhaus kein Bett zum gemeinsamen Schlaf bereitstellt etc, und indem man ihnen die Empfehlungen der WHO vorenthaelt, ihnen dafuer aber erzahlt, dass Stillen nach 4-6 Monaten eher schaedlich sei - wenn Frauen also so ein verzerrtes Bild praesentiert bekommen von offizieller Seite, dann ist DAS der Ausloeser fuer die irritierten Reaktionen der Oeffentlichkeit auf das Thema Stillen... und nicht umgekehrt.
Stillen und der Umgang damit ist daher in der momentanen Situation absolut ein gesellschaftspolitisches Thema/Problem, kein privates, und kann daher auch nur auf dieser Ebene erfolgreich angegangen und geloest werden.
Daher bedarf es dringend oeffetlicher Signale, Regelungen und Foerderungen, um das, was natuerliche Normalitaet ist, auch wieder gesellschaftliche Normalitaet werden zu lassen.
Denn an diesem Punkt widerspreche ich Dir: Stillen ist "normal" - aber momentan eben nicht "selbstverstaendlich", und diesen Begriff hast Du in Deiner Argumentation verwendet.
Eine Selbstverstaendlichkeit muss es wieder werden, weil es normal ist - und dafuer bedarf es ausdruecklicher Foerderung von offizieller Seite!
Zweitens (aufbauend auf erstens

):
Niemand wird bestraft durch eine Stillfoerderung finanzieller Art. Eine Strafe waere eine zusaetzliche Abgabe fuer Nichtstillmuetter, eine dem entsprechende Steuer oder so. Das ist natuerlich ein Ding dernUnmoeglichkeit und waere absoluter Unfug.
Eine Foerderung hingegen beinhaltet immer eine Bevorzugung einer bestimmten Handlung/Aktion, denn sonst waere es ja eben keine Foerderung.
Der Hintergrund einer solchen Foerderung des Stillens wurde in den vorangegangenen Beitraegen bereits genannt: Es gibt nachgewiesene, wissenschaftlich belegte Nachteile, wenn ein Kind NICHT gestillt wird (auch hoer wiederhole ich mich gerne: es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass nicht etwa Stillen Vorteile hat. Sondern das ist die Norm, das normale Maß der Dinge. Nicht zu Stillen weicht negativ von dieser Norm ab. Wichtiger Unterschied in der Betrachtungsweise!)
Die Nachteile, die es mit sich bringt, wenn ein Kind nicht entsprechend den Empfehlungen der WHO gestillt wird (und hier schliesse ich auch die Stildauer mit ein) belasten das Gesundheitssystem in nicht unerheblichen Maße und bringen auf lange Sicht Folgekosten mit sicht, die von der Allgemeinheit getragen werden muessen. Es is also aus meiner Sicht voellig legitim, wenn das Stillen eine finanzielle Foerdrrung erfaehrt.
Gleiches gilt auch fuer die von Dir genannten Bonus-Systeme fuer anderenGesundheitsmaßnahmen, die die Krankenkassen ins Leben gerufen haben. Die dadurh erreichten Einsparungen machen die Ausgaben an Foerdergeldern wett, sie berechtigen diese also.
Und genau so herum wird auch ein Schuh aus der finanziellen Stillfoerderung:
Es werden hier keine Geschenke verteilt, sondern esmwird dadurch vielmehr eine umfangreiche Kosteneinsparung ermoeglicht, da sonst anfallende Folgekosten vermieden werden. Dass zudem das Geld noch an Familien gezahlt wird UND ein wichtiges Zeichen fuer die Stellung desmStillens in dernGesellschaft gesetzt wird, ist dabei dann eher positiver Nebeneffekt
Bei allen meinen Ausfuehrungen moechte ich ausdruecklich betonen: ich stehe absolut zu der Aussage, dass keine Frau stillen MUSS, sondern, dass vielmehr jede Frau die relle Chance haben muss, stillen zu koennen, wenn sie dies wuenscht.
Aber ich spreche hier wohl gemerkt von Frauen, die wirklich frei eine Entscheidung treffen koennen, weil sie ausfuehrlich und umfassend ueber die Nachteile des'Nicht-Stillens informiert sind, keinerlei sozialen Druck aus ihrem Umfeld erfahren UND in jeder Hinsicht die notwendige praktische Stillunterstuetzung erhalten koennen.
Und genau dies ist momentan in Deutschland nicht der Fall. Weshalb die so ist, habe ich unter Punkt 1'dargelegt. Und damit schliesst sich der Kreis meines Textes
Ich hab jetzt mal wieder mit Stillkind im Arm auf dem iPod getippt und kann meinen Text nicht mehr einsehen oder korrigieren - Tipp- und sonstige Fehler bitte ich daher zu entschuldigen, geht leider nicht anders.