Seite 3 von 5

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 18.03.2012, 13:15
von tania
all diese überlegungen gehen ja darum, was für die mutter angenehmer ist - eine durchaus legitime aber sehr einseitige herangehensweise. spätestens wenn das kind auf der welt ist, wird das baby ihr mittelpunkt sein. es war tatsächlich MEIN innerstes bedürfnis, dass es meinem kind gut geht. und da gibt es sehr sehr viele gründe, die eindeutig fürs stillen sprechen.

aber in bezug auf die mutter: es geht halt nicht nur um das füttern an sich. flaschenkinder sind häufiger und schwerer krank als stillkinder (als statistische tendenz eindeutig, im einzelfall natürlich mit 1000 gegenbeispielen, aber es geht darum, dass das gleiche stillkind häufiger krank wäre, würde es nicht gestillt werden). das ist eine enorme belastung auch für die eltern. dann ist ein flasche geben von beginn an eine entscheidung fast ohne rückkehrmöglichkeit. ich kann jederzeit abstillen, ich kann nicht jederzeit abflaschen und einfach stattdessen stillen. stillen ist teil des physiologischen vorgangs der schwangerschaft und der geburt. nicht umsonst muss man medikamente nehmen, die den milcheinschuss direkt unterdrücken. die hormone, die beim stillen frei werden, helfen mit durchwachten nächten und erschöpfung umzugehen. genauso wie eine natürliche geburt ist stillen eine unglaubliche arbeit des körpers. ich habe mich so fähig und stark gefühlt. ich habe ein mensch in mir wachsen gehabt, ich habe ihn geboren und dann habe ich ihn genährt (bis er mit 12 kilo anfing selber zu essen). wenn mein jetzt dreijähriger krank wird und für ein paar tage ausschließlich stillt, bin ich einfach nur platt in anbetracht dessen, was mein körper leistet.

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 18.03.2012, 13:18
von mayra
Ich finde diese Auflistung sehr aufschlussreich: http://www.afs-stillen.de/front_content.php?idcat=7

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 18.03.2012, 16:29
von tania
oh, vielen dank dafür! hat etwas von informations-overkill :lol: aber liest sich echt gut!

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 18.03.2012, 16:48
von Sagittaria
Noch mehr Input für Hungrige, die des englischen mächtig sind:

http://www.notmilk.com/101.html

:wink:

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 20.03.2012, 20:07
von Minja
Hallo!

Ich denke man kann es sich auch offen lassen, man muss ja auch erstmal erleben wie es sich anfühlt zu stillen. Es ist aber sicher ein großer Vorteil wenn man gut informiert und mit Unterstützung in die Stillbeziehung geht. Deine Schwägerin hat ja nun schon ein bisschen gesehen wie du stillst und damit schon eine gute Erfahrung mehr!

Warum festlegen? Warum etwas entscheiden was man noch nicht kennt?

Ich weiß du wolltest eigentlich ein paar Argumente... :wink:

Stillen ist einfach die ausgewogene und bekömmliche Nahrung für Säuglinge!
Nichtstillen verzögert die Rückbildung der Gebärmutter!
Brustkrebsrisiko sinkt durch das Stillen, dabei spielt die Länge der Stillzeit auch eine Rolle!
Umweltgedanke: bei Künstlicher Säuglingsnahrung -> Müll, Energieverbrauch, Viehhaltung usw.

Grüße von Minja die ihre kleine Maus noch viel und gerne stillt

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 20.03.2012, 20:25
von animaus
Im englischen Link steht was drin, was ich bisher nicht wusste: Nicht nur senkt das Stillen bei der stillenden Mutter das Risiko für Brustkrebs, sonder auch beim den gestillten weiblichen Säuglingen um jeweils bis zu 25 %.

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 20.03.2012, 21:44
von missabonum
Ich kann jetzt noch mal übers "Fläschchengeben" berichten..... als Pflegemutter kann ich ja (leider) nicht stillen:

Es klingt anfangs immer gut, "Fläschchenbabys würden nur alle 4 Stunden ihre Flasche trinken" ... aber ehrlich, ich kenne kein Baby, das das so macht!!!!

Babys sind Babys mit ihren Bedürfnissen, egal ob gestillt oder Flasche.

Mein Neugeborerer, hat am anfang (die ersten 2 Monate mindst) mindesten 12 Flaschen (PreMilch) am Tag gehabt..... mal mehr mal weniger malö ganz wenig ..... da war alles dabei, nach 30 Minuten, nach 1 Std, nach 10 min, nach 2, 3, 4, oder auch mal 5 Std........

Ich habe ab und an mal aufgeschrieben, wieviel Milch er denn trinkt und es war meist jeden Tag gleichviel, aber völlig unterschiedlich verteilt....

D. h. aber man ist ständig am vaporisieren, am Fläschen zubereiten, am Fläschen waschen und am Füttern sowieso....... ich hatte fast 20 Flaschen im Einsatz und fand es immer noch streßig......

Da die Kleine so empfindlich sind, muß man anfangs wirklich alles frisch zubereiten und immer vaporisieren...... da ist man gut beschäftigt.....

Und leider kann man nachts die Flasche nicht im Liegen geben, da war ich besonders neidisch auf die stillenden Mütter 8)

Ich habe auch Mütter beobachtet, die behaupten ihr Kind trinkt nur alle 3 Stunden.......... das sieht dann in der Praxis so aus:

Sie machen eine vollere Flaschen (nach Packungsanweisung) und dann wird das Kind gefüttert, nun mag es nicht so viel auf einmal und macht viele Pausen. letztendlich sitzen sie 2, 5 Std mit einer Flasche da bis die leer ist und machen dann 30 Minuten später (also 3 Std nach Beginn der "Mahlzeit") einen neue Flasche........ auch nicht streßfreier.....

Dann gibt es gerne noch das Argument, dass ja auch mal der Vater füttern kann... ja das stimmt, aber ehrlich, die meisten Väter arbeiten, die können nicht die ganze Nacht die Flasche geben.... und tagsüber sind sie nicht da....... das Kind bindet sich sehr schnell an die "Hauptbezugsperson" und trinkt auch nur bei ihr richtig gut.......

Allerdings gibt es natürlich auch jede Menge Eltern mit Bindungsstörungen, die das Kind eh nicht so nahe an sich ran lassen, die es ertragen, wenn es stundenlang weint, die ziehen von Anfang an einen Rhythmus von alle 3 oder 4 Std durch....... aber die sind zum Glück doch wenige.....

Achja und noch die Kostenfrage: Mit der billigsten Milch ca 50.-€ im Monaten, noch oben keine Grenze, ich denk mal mit der teueresten ca 160.-€,

Naja und man muß immer ausreichend unterwegs dabei haben, Flaschen, Sauger, abgekochtes Wasser und Pulver....... da ist die Wickeltasche schon voll und mehr als einmal mußte ich von einer netten Einladung oder einem spontan Treffen eher heim, weil mein Milchpulvervorrat zu knapp bemessen war.........

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 20.03.2012, 21:59
von missabonum
missabonum hat geschrieben:.......

Mein Neugeborerer, hat am anfang (die ersten 2 Monate mindst) mindesten 12 Flaschen (PreMilch) am Tag gehabt..... mal mehr mal weniger mal ganz wenig ..... da war alles dabei, nach 30 Minuten, nach 1 Std, nach 10 min, nach 2, 3, 4, oder auch mal 5 Std........
.........
Nochmal zur Erklärung, ich gebe die Flasche nach Bedarf, wie Stillen......

... wenn das Baby Hunger anzeigt biete ich ihm Milch an.
... wenn es hungrig ist trinkt es, soviel es will (egal ob 10 ml oder 100ml ist mir egal)
... wenn es satt anzeigt, dann ist die Mahlzeit beendet.....
... und wenn es wieder Hunger anzeigt, gibt es die nächste Flasche , das kann nach wenigen Minuten sein, oder nach einigen Stunden...... wie eben bei Stillbabys auch.....

meine Babys hatte auch noch nie starkte Probleme mit Blähungen und ich stimme da eher der Meinung meines Kinderarztes zu, der sagt: Kinder haben oft die Blähungen durch zuviel schreien (lassen), als dass sie wegen der Blähungen zu viel schreien... :wink:

Oben genanntes Baby jedenfalls hat fast nie geweint....... :lol: :lol:

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 20.03.2012, 22:21
von jusl
Achja und noch die Kostenfrage: Mit der billigsten Milch ca 50.-€ im Monaten, noch oben keine Grenze, ich denk mal mit der teueresten ca 160.-€,
Das sind evtl. nur die Kosten für das Pulver. ;-) Ein Baby braucht durchschnittlich ca 100-130 g Pulver pro Tag. Eine 600 g- Packung kostet je nach Hersteller so zwischen 6 und 12 Euro (Vollhydrolysate liegen bei 35,- ...die mal außen vor) und reicht entsprechend gut 4 bis höchstens 6 Tage, normales Pulver kostet also zwischen gut 40 und 70 Euro monatlich (Vollhydrolysate entsprechend 3-6 mal mehr). Und das auch nur, wenn praktisch nichts weggeschüttet wird, diese Annahme ist jedoch unrealistisch, wenn man a) wirklich nach Bedarf und b) hygienisch einwandfrei füttern will, wie sehr schön in missabonums Posting zu lesen ist.

Plus Wasser für die Zubereitung
plus Wasser zum Reinigen
plus Strom
plus höhere Müllgebühren
plus Flaschen
plus Verbrauchsmaterial wie Sauger
plus Zubehör wie Flaschenbürste oder -Wärmer
plus Fahrtkosten für häufigere Kinderarztbesuche
plus Medikamentenkosten wegen häufigerer Krankheiten.

All dies zusammen ist durchschnittlich, je nach Quelle, pro künstlich ernährtem Kind eine 4-stellige Summe in Euro.

Nicht eingerechnet sind allgemeine Krankheitskosten wegen späterer häufigerer Krankheiten, die Kosten durch fehlende Eltern am Arbeitsplatz, weil sie ihr krankes Baby pflegen und die Kosten der Umweltschäden durch Herstellung und Transport (man denke an die unzähligen Tonnen Aluminium, die allein für die Verpackung nötig sind).

Aus den USA:
102.473 Dollar Mehrkosten wegen Nekrotisierender Enterocolitis im Durchschnitt für jedes nicht gestillte kleine Frühgeborene (LBW) unter Berücksichtigung der zusätzlichen Todesfälle und 458 Dollar für jedes nicht gestillte Kind wegen Mittelohrentzündung und Magen-Darm-Erkrankungen. (Weimer, J.: The Economic Benefits of Breastfeeding: A Review and Analysis. ERS Food Assistance and Nutrition Research Report No. 13. USDA Economic Research Service, Washington, D.C. 2001) · 331.475 Dollar Mehrkosten für jedes nicht gestillte Kind im ersten Lebensjahr allein durch Atemwegsinfekte, Mittelohrentzündung und Magen-Darm-Erkrankungen. (Ball TM, et al: Health care costs of formula-feeding in the first year of life. Pediatrics 1999;103:870-876) Quelle

Nichtstillen kostet also nicht nur die Eltern, sondern die ganze Gesellschaft eine stolze Summe. ;-)

LG
Julia

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 20.03.2012, 22:25
von missabonum
Ohja, das muß man ja auch noch alles rechnen.....