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Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Verfasst: 02.02.2012, 08:53
von Imix
Morgaine47 hat geschrieben: Es gibt da wohl eine neue ominöse Studie, die herausgefunden hat, dass man ab 4 Monate Beikost geben sollte, da das Allergierisiko dann geringer ist. Gerüchteweise habe ich schon gehört, dass die Studie irgendwie von der Babykostlobby finanziert wurde, aber da ich nichts zu der Studie gefunden habe kann ich das nicht bestätigen.
Hallo Morgaine,
das ich ein Ausschnitt aus dem aktuellen Newsletter der ELACTA. Ist keine neue Studie...

Empfehlungen zum Einführungszeitpunkt der Beikost erneut in der Diskussion


Eine neue Veröffentlichung sorgt aktuell für hitzige Diskussionen: Ein britisches Forscher-Team rund um Dr.
Mary Fewtrell hat in der aktuellen Ausgabe des BMJ (British Medical Journal) einen Artikel veröffentlicht, in dem
sie die offiziellen Empfehlungen der WHO zum Zeitpunkt der Beikosteinführung in Frage stellen. Für ihre
Analyse haben sie keine neuen Studien verwendet sondern hauptsächlich die Studien re-analysiert, die bereits
den WHO-Empfehlungen im Jahr 2001 zugrunde lagen. Sie kommen zu dem Schluss, dass für schlechter
entwickelte Länder weiterhin die Empfehlung gelten sollte, Babys ungefähr 6 Monate voll zu stillen, wohingegen
sie für Industriestaaten wie Großbritannien empfehlen, die Beikost bereits ab dem 4. Monat einzuführen. Sie
argumentieren, dass andernfalls ein erhöhtes Risiko für Zöliakie, Eisenmangel und Allergien für diese Babys
bestehe und außerdem die frühere Einführung von Beikost möglicherweise zu einer besseren Gewöhnung an
Nahrungsmittel wie Gemüse mit Bitterstoffen führen könnte, so dass diese Kinder später lieber und häufiger
Gemüse essen würden als Kinder, die erst später mit Beikost in Kontakt kamen.


Schon diese Argumentation, schlechter entwickelte Länder 6 Monate vollstillen und Industrieländer 4 Monate ist so daneben...

Der Artikel, der als „Analyse“ überschrieben ist (also weder eine neue Studie beschreibt noch ein offizielles
Review vorhandener Studien darstellt, weil hierzu die vorgeschriebenen Methoden nicht eingehalten wurden),
hat in der internationalen und auch deutschsprachigen Medienlandschaft sofort ein enormes Echo erzeugt
(Spiegel, Tagesspiegel, Welt). Drei der vier Autoren geben an, dass sie innerhalb der letzten 3 Jahre auch an
Projekten gearbeitet haben, die von der Babynahrungs-Industrie finanziert wurden.

Viele Organisationen und Stillexperten haben auf den Artikel geantwortet und sehr differenziert dargelegt,
warum die Vorschläge der Autoren teilweise sogar kontraproduktiv sein können und wo die Schwächen ihrer
Argumentation liegen. Alle Antworten sprechen sich dafür aus, die aktuellen Empfehlungen, wonach die Beikost
„um den 6. Monat herum“ eingeführt werden soll, beizubehalten.
Statement von UNICEF/ BFHI, Antworten verschiedener Experten direkt bei BMJ (z.B. Miriam Labbok, Adriano
Cattaneo and Mary Renfrew), Statement der WHO (Randa Saadeh), Statement der Academy of Breastfeeding
Medicine (ABM), IBFAN und MAMI in Italien (auf italienisch)
Die nationalen Empfehlungen der Staatsregierungen bzw. der Gesundheitsbehörden basieren häufig auf den
WHO-Empfehlungen, werden jedoch auch unabhängig davon immer wieder überarbeitet und überprüft. Aktuell
hat Österreich seine Empfehlungen für die Einführung von Beikost um den 6. Monat veröffentlicht.


Natürlich gibt es auch Kinder, die früher als 6 Monate beikostreif sind, aber die wenigsten nach 4 Monaten. Beikost soll den Kindern Freude bereiten, zu erfahren das Essen Spass macht. Sie sollen Lust darauf bekommen...
Giraeffchen hat geschrieben: Das Problem ist, dass Werbung und Zeitschriften, Kinderärzte und teils auch Hebammen so tun, als ob es nur einen Weg gäbe (bzw. als ob der eigene vorgeschlagene der einzig richtige sei). Dabei gibts für jedes Kind einen eigenen, gemessen an seinen jeweiligen Bedürfnissen.
Da hast du vollkommen Recht, es gibt nicht den einen Weg für alle Kinder. Aber von vielen wird es so behandelt, als wäre es eine hohe Wissenschaft für sich.

Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Verfasst: 02.02.2012, 10:25
von Elena
Seerose hat geschrieben:
marykate hat geschrieben:Hm, ich finde, BEIkost und Vollstillen schließen sich nicht unbedingt aus.
Doch, unbedingt. :wink:

Vollstillen heißt ja, daß das Kind keine andere Nahrung oder Flüssigkeit zu sich nimmt. Also sobald ein Kind zusätzlich z. B. Tee o. ä. bekommt, stillst Du nicht mehr voll.
Naja, Beikost geben heißt ja nicht, dass das Baby sie dann auch isst! :lol: Meiner Schwägerin wurde von einem Kinderarzt in den USA gesagt: "Im ersten Lebensjahr ist das Essen zum Spielen da!" :mrgreen:

Meine Schwägerin hat ihr erstes Kind in den USA bekommen und dort wurden gerade keine Mahlzeiten ersetzt, wie man es hier überall liest. Brei wurde oft nicht warm gemacht, sogar Fläschchen oft kalt gegeben, und es kam kein genau ausgewähltes Öl in den Brei. Dafür gab es andere unsinnige Empfehlungen, die es hier nicht gibt. So ein Blick über den Tellerrand entspannt ungemein. :mrgreen:

In der ZEIT (oder war es NIDO?) gab es vor einiger Zeit einen Artikel über Beikosteinführung und Allergien. Da wurde ziemlich klar, was ich auch von befreundeten Ärzten gehört habe: Dass man sich noch sehr unsicher ist darüber, wie Allergien wirklich entstehen und wie man das Risiko senken kann. In dem Artikel sagte ein Mediziner, der jahrelang die These vertreten hatte, man müsse allergene Lebensmittel im ersten Lebensjahr um jeden Preis meiden, er sehe sich mittlerweile gezwungen zuzugeben, dass vielleicht genau das Gegenteil wahr ist.

Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Verfasst: 02.02.2012, 10:34
von Elena
Imix hat geschrieben:
Natürlich gibt es auch Kinder, die früher als 6 Monate beikostreif sind, aber die wenigsten nach 4 Monaten. Beikost soll den Kindern Freude bereiten, zu erfahren das Essen Spass macht. Sie sollen Lust darauf bekommen...
Genau, und deswegen finde ich es genauso daneben, sich mit einer langen Vollstillzeit zu brüsten wie mit einer frühen Beikosteinführung. Beides KANN an den Bedürfnissen der Kinder vorbeigehen.

Ich habe meinen Kindern mit jeweils ca. 5 Monaten Beikost angeboten, weil ich nach 7 Monaten wieder arbeiten gegangen bin und ich dachte, es wäre praktisch, wenn Papa in meiner Abwesenheit Brei füttern kann. Naja, Die eine hat pünktlich mit 7 Monaten 1-2 Breimahlzeiten gegessen, die andere mit etwa 9 Monaten. Bei der Großen habe ich mir noch Gedanken gemacht, ob das so normal ist, bei der Kleinen nicht mehr. :lol: Ich persönlich kenne auch kein Kind, das mit 4 Monaten wirklich Brei gegessen hat, aber viele Eltern, die sich monatelang den Kopf darüber zerbrachen, ob ihr Kind bald verhungert oder sonst irgendwie verkümmert. :roll:

Dabei kann man es echt entspannt haben: Bei uns sitzt die Kleine mit am Tisch, wenn wir essen, und bekommt ein Stück Brot in die Hand, das sie je nach Tagesform isst, auf den Boden krümelt oder auf dem Tisch plattdrückt. Genauso geht es mit Gemüsestücken. Neulich hat die große Schwester ihr ein Stück Fleischwurst gegeben, DAS fand sie toll. :shock:

Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Verfasst: 02.02.2012, 11:18
von arwen
Ich finde, dass ganz konkrete Zeitangaben völliger Blödsinn sind. Es ist doch nicht so, dass es beim Baby einen Schalter gibt "Beikostfähigkeit an/aus", und wenn das Baby dann genau 6 Monate alt ist (oder 4), dann - zack - Schalter an und es funktioniert.

Meine feste Überzeugung ist, dass die 6 Monate einen Durchschnittswert darstellen, also dass viele Kinder dann ungefähr beikostreif sind, manche aber halt erst mit 7 oder 8 Monaten und manche schon mit 4 oder 5 Monaten.

Bei meinen Kindern hing es übrigens zusammen mit wachsender Mobilität. Wenn sie robben gelernt haben, haben sie auch angefangen, größere Mengen (also mehr als 1-2 Löffel oder Stückchen) zu essen. Und das war bei Kind 1 mit 7,5 Monaten, bei Kind 2 mit 6,5 Monaten und bei Kind 3 mit 5,5 Monaten.


Die LAM-Methode zum Verhüten (Stillen als Verhütung) funktioniert übrigens auch noch, wenn die Kinder geringe Mengen Beikost (bis 15 %) essen, wenn die übrigen Faktoren stimmen (u.a. regelmäßiges Stillen, Kind jünger als 6 Monate, noch keine Periode bei der Frau)

Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Verfasst: 02.02.2012, 12:08
von Yadela
Es ist eigentlich nur schade, dass viele verunsicherte Mütter die Beikostreife völlig missachten. Oder gar mit dem Spruch kommen, der Arzt hat aber gesagt.

Ich fand es wichtig, dass unsere Tochter alleine sitzen kann.
Ja, ich habe sie in den Hochstuhl gesetzt, aber ohne Kissenstütze und was ich schon alles gehört habe und dass sie sich ihr Essen selbst nimmt und in den Mund steckt.

Sie hat vor dem 5. Monat schon häufig gequengelt, wenn wir gegessen haben. Auf meinem Schoß sitzen während dem Essen ging gar nicht, weil ihre Finger ständig in meinem Essen waren.
Also hat sie mit 5 Monaten ihre 1. Kartoffel bekommen und war glücklich, diese eeeennnndlich lutschen zu können.

Danach ging es mit dem Essen ratz fatz.
Inzwischen ist sie 11 Monate wir stillen noch 2-Mal. Tagsüber verweigert sie inzwischen und nachts schläft sie.
Hauptsache das Kind ist zufrieden.

Und ich bin mir 100% sicher, dass das nächste Kind komplett anders sein wird.

Nur mein Vorsatz, wer vor dem 6. Monate was festes zu essen will, muss es selbstständig essen, wird gleich bleiben

Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Verfasst: 12.02.2012, 13:28
von Lizzy
Gibt es denn noch eine andere Empfehlung für vollstillen, also nicht nur "bis mind. zum 6. Monat"???
In letzter Zeit muss ich mir immer wieder anhören, was hier auch schon geschrieben wurde.. nämlich, dass MuMi allein nach dem 6. Monat nicht mehr den Nährstoffbedarf des Baby decken kann. Und das, wenn ich meinem Baby "richtige Nahrung" verweigere, würde es früher oder später kein Interesse mehr am Essen haben und dann gibts erst richtig Probleme!!!!
Ich kann es nicht mehr hören und bins leid, zu diskutieren.. zumal dann immer wieder auf irgendwelche Ratschläge selbsternannter Experten gepocht wird :roll:
Außerdem gibts hier ab und zu ein paar Löffelchen Obstmus, aber: "das kann ja nicht satt machen" - solls auch garnicht :twisted:

Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Verfasst: 12.02.2012, 16:43
von Moogie81
Weiß ich leider auch grad nicht. Aber ich sag dann immer: Es heißt "Bei"kost und soll nebenbei gegeben werden. #
Ansonsten guck mal hier: http://velb.org/docs/ls-1_2010-was-du-stillst-noch.pdf
da ist eine Tabelle drin wie die Energieversorgung bei Stillkindern läuft und was die von der Beikost mitnehmen.

LG

Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Verfasst: 12.02.2012, 17:03
von Roana
Mmh ich weiß nicht mehr wo ich das gelesen/gehört habe (hab mir den Thread jetzt nicht ganz durchgelesen :oops: ) Aber ich meine mir wurde mal gesagt in den ersten 12 Monaten sollte Milch (Mumi) das Hauptnahrungsmittel sein. Und alles was man sonst gibt eben BEI-Kost.

Ich persönlich bin der Meinung die Beikost muss auch nicht satt machen können, dafür gibs ja noch die Milch.

Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Verfasst: 12.02.2012, 21:21
von farfromthat
Elena, das war die Nido. Hab ich auch gelesen... Was ich anber auch interessant fand war die Information, dass in vielen Kulturen das zufüttern von vorgekauter Nahrung schon mit wenigen Wochen begonnen wird und man nun vermutet, dass dies das Allergierisiko senkt. Und zwar weil dem Baby durch den mütterlichen Speichel inaktiverte Allergene präaentiert werden. Die Black Box der Allergieentstehung. :wink:

Generell macht es mich aber irgendwie immer so traurig, dass Eltern so wenig darauf vertrauen die Signale ihrer Kinder wahrzunehmen und sich irgendwelche Empfehlungen wünschen. Das schafft ja einfach Probleme wo sonst keine wären...

Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Verfasst: 12.02.2012, 21:35
von 4tiere
Lizzy hat geschrieben:Gibt es denn noch eine andere Empfehlung für vollstillen, also nicht nur "bis mind. zum 6. Monat"???
In letzter Zeit muss ich mir immer wieder anhören, was hier auch schon geschrieben wurde.. nämlich, dass MuMi allein nach dem 6. Monat nicht mehr den Nährstoffbedarf des Baby decken kann. Und das, wenn ich meinem Baby "richtige Nahrung" verweigere, würde es früher oder später kein Interesse mehr am Essen haben und dann gibts erst richtig Probleme!!!!
Ich kann es nicht mehr hören und bins leid, zu diskutieren.. zumal dann immer wieder auf irgendwelche Ratschläge selbsternannter Experten gepocht wird :roll:
Außerdem gibts hier ab und zu ein paar Löffelchen Obstmus, aber: "das kann ja nicht satt machen" - solls auch garnicht :twisted:
Genau das meine ich. Wer in Gottes Namen hat die 6 Monate festgelegt?! Was kann ich entgegnen, wenn ich länger als 6 Monate voll stille?!
Es kann doch nicht sein, dass die Natur den Babys das Bedürfnis auf Stillen gegeben hat und dann aber die Muttermilch nicht ausreicht in Punkto Nährstoffe. So blöd ist doch die Natur nicht! :roll:
Elena hat geschrieben:Meiner Schwägerin wurde von einem Kinderarzt in den USA gesagt: "Im ersten Lebensjahr ist das Essen zum Spielen da!" :mrgreen:
Super Haltung, die übernehmen wir. Danke!