Sind hier Unschooling-/Homeschooling-Interessierte Berliner?

Moderator: Marla84

NikesMom
hat viel zu erzählen
Beiträge: 244
Registriert: 26.09.2007, 14:53
Wohnort: Berlin

Re: Sind hier Unschooling-/Homeschooling-Interessierte Berli

Beitrag von NikesMom »

Lovis, welche freie Schule ist das denn?
Ich bin total fürs Unschooling, aber wenn beide Eltern arbeiten, halte ich es für sehr schwierig. Da braucht es ja doch ein größeres Netzwerk. Außerdem gibt es in D doch die Schulpflicht? Also ich habe es, als ich mich damit vor ein, zwei Jahren intensiver auseinandergesetzt habe, so verstanden, dass es in D gar nicht geht, sein Kind NICHT in die Schule zu stecken. Es sei denn, man findet WIRKLICH triftige Gründe, wie dass es keine Schulen in der Nähe gibt.
Wir wohnen auch wirklich sehr ungünstig, was alternative Schulen angeht, deswegen werden wir erstmal eine Regelschule hier probieren, die aber sehr empfohlen wird.
Meine Freundin studiert gerade Grundschulpädagogik, und immerhin sieht die Theorie schon ganz anders aus, als damals, als ich zur Schule ging, was ich gut finde.
So wie das Schulsystem jetzt ist, geben viele informierte Eltern ihre Kinder in "gute" Schulen, und die Kinder mit sozialen Auffälligkeiten werden in Grüppchen in den "nicht so guten" Schulten aufbewahrt. Das finde ich auch krass, denn ich glaube, gerade die Kinder könnten von den sozial kompetenteren noch etwas lernen - nur, wer möchte sein Kind zum Zweck des Allgemeinwohls in eine solche Schule mit schlechtem Ruf geben? Das ist eine echte Zwickmühle für mich: Auf der einen Seite der Wunsch, dass meine Kinder frei und interessegetrieben lernen können, auf der anderen Seite die Notwedigkeit, soziale Schichten zu mischen, um unsere Gesellschaft zu retten...
Mein Mann meint übrigens, dass es nicht so sehr auf die Schulform ankommt, sondern eher auf die Lehrer. Trotzdem bleibt natürlich die viele verlorene Zeit, in der die Kinder Dinge lernen, die sie wegen mangelnden Interesses in wenigen Wochen wieder vergessen haben...

Um auf die Frage zurückzukommen - ja, ich bin interessiert!
Mami von 3 kleinen Göttern (08/07 - 12/09 - 11/12)
Lovis
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 653
Registriert: 31.07.2007, 15:48
Wohnort: Berlin

Re: Sind hier Unschooling-/Homeschooling-Interessierte Berli

Beitrag von Lovis »

Potsdame hat geschrieben:@Lovis: natürlich ist es ein vorurteil, wenn man davon ausgeht, dass kinder auf einer normalen schule automatisch als streber abgestempelt werden. weil auf der normalen schule nämlich nur rüpel sind und lernen nicht möglich ist? ich fand deinen post provozierend.
Ich fand Deine Aussage, das seien dumme Vorurteile provozierend. In unserem alten Viertel gab es eine Menge Kinder im Grundschulalter. Mit einigen haben meine Kinder auch regelmäßig gespielt. Manche dieser Kinder haben genau das von mir beschriebene Verhalten gezeigt (sie besuchten übrigens die dort für uns zuständige Einzugsgrundschule). Ich sehe daher nicht, dass ich Vorurteile hätte, auch weil sowohl ich als auch mein Mann so etwas selbst erlebt haben und auch schon von anderen gehört haben, auch von (heutigen) Kindern. Das war also nicht nur in der Vergangenheit ein Problem. Wie viel Kontakt hast Du denn zu Schulkindern?
Potsdame hat geschrieben:
Lovis hat geschrieben:Warum meinen Uninformierte eigentlich so oft, sie wüßten Bescheid?
darf man nicht anderer meinung sein? ich kann doch sagen, dass ich das nicht gut finde, da ich der meinung bin wir tragen alle verantwortung für diese gesellschaft. und die wird nicht besser werden wenn eltern für ihre kinder alternativlösungen suchen.
Natürlich steht es jedem frei, eine eigene Meinung zu haben. Ich bin mir bewußt, dass unsere Entscheidung gegen die Regelschule dem deutschen Schulsystem nicht hilft. Nenne mir aber bitte einen vermünftigen Grund, warum ich meine Kinder, deren Aufwachsen sehr vom Mainstream abweicht, in eine Regelschule schicken soll. Die damalige Einzugsgrundschule war regelrecht dankbar, dass sie unsere Kinder nicht aufnehmen mußten, weil sie völlig überlaufen waren (Klassenfrequenz nahe 30).

Wie ich oben schon schrieb, ist unsere Lösung so weit entfernt von der Regelschule, dass ich sie nicht als alternativ zueinander ansehen würde.
Potsdame hat geschrieben:dieses betrifft ja nicht nur schulen, sondern den gesamten bildungssektor, wie kidnergärten und universitäten. ich kenne kindergärten, die machen regelmäßig ausflüge zu arbeitsplätzen der eltern und werden rumgezeigt. gute bildung und staatliche einrichtungen muss sich nicht ausschließen.
Sicher, es muss aber auch nicht zusammenpassen. Die damalige Einzugsgrundschule hatte sogar unter Mainstream-Eltern einen guten Ruf. Unser Schlafzimmerfenster ging in Richtung von deren Schulhof und alleine schon der Kasernenhofton dort hat mich abgeschreckt. Vielleicht ist das ja in Deinem Umfeld anders, aber die für uns zuständige Einzugsgrundschule (die heutige übrigens auch) ist meiner Meinung nach eben keine gute Schule (völlig unabhägig von Migrantenanteil oder sozialer Durchmischung).
Potsdame hat geschrieben: Ich habe in keinem satz etwas gegen freie schulen gesagt, ich habe lediglich gesagt:
und gegen zuhause unterrichten spricht ein argument: sozialisierung. auch ein kind braucht eine gemeinschaft aus anderen kindern.
Da zitiere ich der Einfachheit halber mal:
coccolone hat geschrieben:Haben eure Kinder nur soziale Kontakte in der Schule?! Nachmittags koennen sie sich doch auch mit Schulkindern treffen. Ich verstehe nicht, wo das Problem ist.

Keine Ahnung wie's in D ist, aber in UK, USA, etc. gibt es home-/unschooling Netzwerke. Das ist in D sicherlich aehnlich. Die Kinder kommen also regelmaessig unter andere Kinder und koennen ihre sozialen Kontakte auch ohne Schule pflegen.
Potsdame hat geschrieben:
Lovis hat geschrieben:Ich möchte einfach nicht, dass meine Kinder ausbaden müssen, was Politiker in vielen Jahren verpeilt haben.
wir leben in einer demokratie, dachte ich
Ja, aber haben die nicht von mir gewählten Politiker der letzten Jahrzehnte (da durfte ich teilweise noch gar nicht wählen) Entscheidungen getroffen, mit denen ich einverstanden bin?
Potsdame hat geschrieben:
Lovis hat geschrieben:Haben eure Kinder nur soziale Kontakte in der Schule?!
ich weiß ja nicht wie es zu eurer kinderzeit war, aber wir waren schon alle am ehesten mit klassenkameraden befreundet. schon die trennung zu gymnasium und realschule hat viele freundschaften aufgelöst.
Unsere Kinder haben auch außerhalb der Schule soziale Kontakte. Ich selbst habe zu Schulzeiten mit Gleichaltrigen wenig anfangen können und war eher mit jüngeren befreundet, weswegen Kontakte selten über die Schule liefen. Ich halte im Übrigen überhaupt nichts von der in Deutschland so geliebten Alterstrennung.

Du vermittelst mir das Gefühl, ich müsse mich für meinen Lebensweg mit meinen Kindern rechtfertigen oder gar entschuldigen. Ich würde mich aber trotzdem freuen, wenn Du, Potsdame, mir meine Frage noch beantworten würdest:
Lovis hat geschrieben:Wie setzt Du Dich denn für ein besseres Bildungssystem ein?
@NikesMom, annanna und Mirimama: Ihr habt eine PN.
Liebe Grüße, Cornelia

mit dem Großen (03/2003), der Großen (07/2004), der Kleinen (05/2007), der Kleinsten (03/2010) und dem Nachzügler (03/2014)

Unteres Normalgewicht, ich komme!
Bild
Benutzeravatar
nkruemel
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 973
Registriert: 13.05.2008, 12:15
Wohnort: Berlin-Köpenick

Sind hier Unschooling-/Homeschooling-Interessierte Berliner?

Beitrag von nkruemel »

Ich möchte mich nicht in diese Diskussion einmischen, weil sie in meinen Augen nichts bringt. Aber diese:
Mirimama hat geschrieben:In meinem Kopf habe ich schon ein komplettes Konzept entworfen für ein Unschooling-Schulprojekt, damit es legal ist, in dem ich als Lehrerin meine und andere Kinder frei lernen lassen kann. Das hat so einen Spaß gemacht, dass ich bis hin zu einem typischen Tagesablauf mal eben alles geplant habe... :D
finde ich spannend. Magst du mehr erzählen?
Liebe Grüße von nkruemel ( 04/82 )
mit Nr.1 ( 03/79 ) zum Anlehnen, Nr. 3 ( 02/08 ) an der Hand und Nr. 4 ( 07/10 ) im Tuch

"Kinder sind für Erwachsene am wertvollsten, wenn sie schwierig sind" - Jesper Juul
Benutzeravatar
gadjodilo
gehört zum Inventar
Beiträge: 427
Registriert: 26.08.2010, 05:29
Wohnort: Luxemburg

Sind hier Unschooling-/Homeschooling-Interessierte Berliner?

Beitrag von gadjodilo »

*abo*
Lebe zwar noch nicht mal in D (aber auch wir hier haben Schulpflicht) und ich hab ziemlichen Bammel vor der Einschulung... Die gsd noch weiter weg ist. Bis dahin lese ich gerne alles zum Thema, und ich beneide jene die wie Lovis eine freie Schule gefunden haben die ihnen entspricht!


Liebe Grüsse, Caro mit kleinem Entdecker 08.2010
Sent using Tapatalk
Liebe Grüsse
Caro mit Minimax *08.2010
und *** im Herzen
Potsdame
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1805
Registriert: 14.07.2011, 18:07

Re: Sind hier Unschooling-/Homeschooling-Interessierte Berli

Beitrag von Potsdame »

Du vermittelst mir das Gefühl, ich müsse mich für meinen Lebensweg mit meinen Kindern rechtfertigen oder gar entschuldigen
wieso das denn? das liest du aus meinen beiträgen raus, weil du es rauslesen willst.
das ist genauso absurd, wie die aufregung vieler frauen in diesem forum über beiträge aus dem netz, bei denen andere frauen stillen ekelig finden.
du kannst dein eigenes kind von mir aus von rübezahl unterrichten lassen. ich fände es jedoch schöner, wenn eltern, die mit schulen unzufrieden sind, die schulen belagern würden bis sich etwas ändert, anstatt zu resignieren.
wieviele eltern seid ihr in eurer freien schule? 20? 30? oder mehr? stelle dir vor, 30 eltern würden massiv gegen eine schule protestieren. ich glaube nicht, dass das ohne konsequenzen bleiben würde.
Wie setzt Du Dich denn für ein besseres Bildungssystem ein?
ich stecke mittendrin.

gegenfrage: bist du gern zur schule gegangen?
Mops kam im Juli 2010 und wurde lange getragen und gestillt. Jetzt fährt er lieber Laufrad und will sich seine Milch unbedingt selbst eingießen :-)

Wieviel Erdbeereis muss der Mensch noch essen, dass er endlich einmal sagt, ich bin dafür?
(Am Ende denk ich immer nur an dich, Element of Crime)
annanna
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 876
Registriert: 23.07.2010, 15:56

Re: Sind hier Unschooling-/Homeschooling-Interessierte Berli

Beitrag von annanna »

@potsdame: aber einzelne schulen können doch gar nicht so viel selbst verändert. die unterliegen so vielen bestimmungen von außen...
mit Küken 02/2010
Lösche Benutzer 1828

Re: Sind hier Unschooling-/Homeschooling-Interessierte Berli

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Potsdame: da hast Du aber sehr, sorry, naive, Vorstellungen........
Und selbst die schönste REgelschule ist noch immer was anderes als eine freie Schule oder eine reformpädagogische Schule.

Und: durchd en Druck, den die immer mehr ansteigende Zahl der freien Schulen (also Schulen in freier Trägerschaft) auf die anderen, staatlichen Schulen ausübt, wird sehr wohl Druck auf das System ausgeübt. Denn es wird deutlich, dass die Eltern eben das alte System nicht mehr wollen. Da findet schon ein Umdenken statt - aber langsam. Leider.
Und: ich lasse meine Kinder da nicht an erster Front kämpfen, wenn es gute Alternativen gibt. Dazu sind sie mir zu wertvoll. Und ich halte diese Jahre im Leben eines Menschen für zu wichtig.
Lösche Benutzer 1828

Re: Sind hier Unschooling-/Homeschooling-Interessierte Berli

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

ich sehe gerade - Dein Kind ist noch sehr, sehr jung....warte doch mal ab, bis die EInschulung vor der TÜr steht, dein bisher freies uns wissbegieriges Kind zur Schule MUSS......da denkt man oft noch um und will es eben nicht diese Mühle stecken.....
Benutzeravatar
annikki
Dipl.-SuT
Beiträge: 4447
Registriert: 10.02.2011, 11:32
Wohnort: Sachsen

Re: Sind hier Unschooling-/Homeschooling-Interessierte Berli

Beitrag von annikki »

ich habe mich nicht mit den konzepten beschäftigt, aber ich stelle mir das sehr schwierig vor. bei lesen, schreiben, rechnen also grundschulsachen, mag man das noch hinbekommen, aber dann chemie, physik... das kann, glaube ich, kein elternteil alles leisten. experimente, gerade in der chemie sind doch auch sehr wichtig, um das ganze zu verstehen. also das so zu realisieren, ich weiß nicht recht.

in australien geht das wohl so in der grundschule, dass über funk der lehrer aufgaben korrigiert und den "rest" die mama zu hause macht, aber ich glaube ab einem bestimmten alter müssen die kinder dann auch in die schule / internat.

schwierig, schwierig, würde ich sagen.

mein wunsch für mein kind ist es nicht. wir wollen aber auch von dem staatlichen schulsystem kein gebrauch machen und werden unseren sohn bei einem privaten träger anmelden. (mehlhorn-schulen)

aber mal sehen, wer weiß, vielleicht kann man hier noch was lernen :wink:
Liebe Grüße Anni

mit Sternentochter Lilly 10/05, mit Bärchen 04/07 und Fröschlein 03/11 und Knöpfchen 06/14
Potsdame
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1805
Registriert: 14.07.2011, 18:07

Re: Sind hier Unschooling-/Homeschooling-Interessierte Berli

Beitrag von Potsdame »

nochmal: ich hab doch gar nichts gegen freie schulen. das ist doch schön. ich finde unschooling blöd.

zum thema freie schulen habe ich ledglich gesagt, dass es schön wäre, wenn alle eltern gemeinsam für ein besseres schulsystem einzutreten, anstatt zu resignieren. vielleicht bin ich zu idealistisch, in euren augen ist das schlicht naiv. ist das ein grund, mir den mund zu verbieten? mir wurden in keinem beitrag vorzüge von einem alternativen schulsystem aufgezeigt.
Und: durch den Druck, den die immer mehr ansteigende Zahl der freien Schulen (also Schulen in freier Trägerschaft) auf die anderen, staatlichen Schulen ausübt, wird sehr wohl Druck auf das System ausgeübt
warum dann nicht offen darüber diskutieren?
Mops kam im Juli 2010 und wurde lange getragen und gestillt. Jetzt fährt er lieber Laufrad und will sich seine Milch unbedingt selbst eingießen :-)

Wieviel Erdbeereis muss der Mensch noch essen, dass er endlich einmal sagt, ich bin dafür?
(Am Ende denk ich immer nur an dich, Element of Crime)
Antworten

Zurück zu „Berlin und Brandenburg“