Hallo Nina,
Konflikte wie Deiner gerade finde ich immer sehr schwer zu beraten, denn bei ihnen reicht es nicht, nur an ein paar Schräubchen zu drehen (in den meisten Stillberatungen reicht das

). Oder anders gesagt: Was manche Mutter als ein harmloses Schräubchen empfindet, ist für eine andere ein Riesenberg, der kaum zu bewältigen ist.
Ich denke, klar ist: Dein Baby hat sich an X schlichtweg gewöhnt und nun verständlicherweise Schwierigkeiten, sich ab jetzt an Y zu gewöhnen. Ich erlebe Babys in Sachen Anpassungsvermögen als extrem unterschiedlich. Manche Babys folgen ihren Müttern praktisch "überall hin", egal was sie mit ihnen veranstalten. Die Mütter denken sich: "Alles easy, ich weiß gar nicht, was die anderen Mütter immer haben. Ich hab echt alles super im Griff."

- und unterschätzen dabei völlig den Einfluss, den der Charakter, das Temperament und die Persönlichkeit des Kindes auf diese ganze Beziehungsgestaltung hat. (Manche dieser Mütter merken dann beim Geschwisterchen, wovon ich hier rede.

). Genauso gibt es Babys, die massive Schwierigkeiten haben, Veränderungen zu akzeptieren. Das sind Babys, die man 3 Jahre lang ferbern könnte, ohne dass sie auch nur 1 Minute länger durchschlafen. Ich persönlich bewerte das übrigens differenziert; "Oh, klasse, so ein charakterstarkes Kind!" und "Hm, charakterstark hin oder her - ressourcenschonendes (und damit sozio-biologisch kluges!) Verhalten ist das seitens des Kindes leider nicht." liegen meines Erachtens recht nah beieinander.
Deweiteren habe ich die Erfahrung gemacht, dass auch (und gerade!) die "schwierigen" Kinder seeeehr von einer ganz klaren, zentrierten (in sich! Nicht "im Kind"!) und vertrauensvollen HALTUNG DER MUTTER profitieren. Mit "klar" meine ich, dass sich Eltern darüber klar sein sollten, was sie eigentlich möchten.
Wie stelle ich mir mein Kind vor? Wie stelle ich mir meine Beziehung zum Kind vor? Wie stelle ich mir unser Zusammenleben vor? Was sind meine Grundüberzeugungen hinsichtlich Menschenbild und Erziehung? - das halte ich da für wichtige Fragen. Mit "zentriert" meine ich, dass sich Eltern darüber klar sein sollten, dass sie eine Leitfunktion haben. Ich möchte hier auf gar keinen Fall einen Erziehungsstil-Diskussionsthread lostreten

, aber Fakt ist für mich: Kinder lernen durch Nachahmung, brauchen Führung und Orientierung. Dafür sind die Eltern zuständig und Eltern sollten (nicht nur dürfen) erwarten, dass sich ihr Kind AN IHNEN ausrichtet, nicht umgekehrt. "Vertrauensvoll" halte ich ebenfalls für einen wichtigen Punkt:
Was kann mein Kind schon? Was kann und darf ich ihm zumuten? GLAUBE ich ("an mich"!), dass ich es schaffen werde, die Veränderungen tatsächlich umzusetzen, die ich mir wünsche? - diese Fragen würden zu diesem Stichpunkt passen.
Vielleicht bringt es Dir ja etwas, Dich mit diesen Fragen bewusst auseinander zu setzen.
Um die Pointe vorneweg zu nehmen: Ich bin davon überzeugt, dass Dein Kind sich anpassen wird, wenn Du es ihm zutraust. "Stillen geht ab jetzt nicht mehr", das ist ein Fakt wie das Wetter: man kann sich darüber aufregen, auch zetern und heulen, aber es lässt sich nun mal nicht ändern. Jede andere schlussendliche Reaktion als ein achselzuckendes "Dann regnet es halt, machen wir das beste draus." wäre einfach völlig sinnlos. Diese Erkenntnis (oder besser gesagt: dieses Gefühl) muss sich bei Deinem Kind erst noch durchsetzen. Dein Baby braucht das Stillen vermutlich noch, voraussichtlich wird es sich also Ersatz suchen. Biete möglichst viel FREI davon an, leg Schnulli und Wasserflasche mit ins Bett, Dein Kind kann dann wählen. Du möchtest nachts schlafen. Dann schlaf! Leg Dich neben Dein Kind, Augen zu, mehr passiert nicht. Dein Baby wird lernen: "Alles OK, ich brauche keinen Rabatz zu machen, weil keine Gefahr im Verzug ist (Mama schläft ja!) und mein Rabatz nützt auch eh nichts, weil er mir auch nicht das zurückbringt, was ich möchte." Diesen zweiten Punkt zu verstehen, dazu hatte Dein Baby bis jetzt noch gar keine Gelegenheit. Der Rabatz hat ja jedesmal DOCH das zurückgebracht, was sie wollte. Das ist ein Lernprozess, und dabei braucht sie Eure HILFE. Hilfe ist nicht, hinterher nach stundenlangem Theater, mit schlechtem Gewissen und schmerzenden Brüsten DOCH zu stillen. Sondern Hilfe wäre, diese Nächte GEMEINSAM durchzustehen, wie stürmisches Wetter eben. Den Sonnenschein kannst Du für sie nun mal nicht anknipsen, beim Wetter ist Dir das völlig klar - versuche, dieses Wissen auch auf Euren Stillkonflikt anzuwenden.
Sie WIRD sich umgewöhnen, ganz sicher. Trau es ihr zu. Erkenne an, dass sie momentan noch wütend ist und gegen Änderungen protestiert - tröste sie wenn sie mag, aber mehr nicht.
Ich hoffe, dass Dir diese in der Tat seeehr allgemein formulierten Ansätze irgendetwas nützen - konkreter konnte ich nicht, da ich Euch einfach zu wenig kenne.
LG
Julia