Vom Dauernuckeln wegkommen...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Nina
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Re: Vom Dauernuckeln wegkommen...

Beitrag von Nina »

Ich bin echt am verzweifeln. Letzte Nacht habe ich versucht, sie nicht dauernuckeln zu lassen. Abends wie immer gestillt, und dann als sie fast schlief, abgedockt. Sofort ein Riesengeschrei, sie hat sich richtig reingesteigert, hat mich weggeschubst, mir dauernd im Gesicht gekratzt... ich habe es echt lange ausgehalten, bestimmt so 30-40 Min., dann bin ich eingeknickt und habe sie doch gestillt, da meine Große auch gejammert hat wegen dem Geschrei :-( Dann schlief sie erstmal, aber nachts hat sie wieder ganz lange nuckeln wollen und irgendwann tat es einfach nur noch so tierisch weh, daß ich sie dem Papa übergeben habe, der dann mit ihr aufgestanden ist und sie rumgetragen hat. Es war schrecklich, sie hat die ganze Zeit geschrien, ich konnte natürlich null schlafen. Irgendwann bin ich dann doch runter, da war der Arme ganz fertig mit den Nerven. Dann habe ich sie rumgetragen, und sie ist eingeschlafen, aber im Bett war sie wieder wach und ich habe doch wieder gestillt :-(

Sie nimmt kein Fläschchen, keinen Schnuller, keinen Daumen, nichts. Ich glaube auch, daß kaum noch Milch kommt, denn heute früh war die Windel trocken. Deswegen ist es auch so unangenehm. Sie ist aber auch nicht so ganz fit, hat Husten und geröteten Hals, und auch viele entzündete Hautstellen, die arme Maus. Morgen gehen wir erstmal zum KiA.

Ich möchte echt gerne bald eine Lösung für nachts finden, denn im Moment geht es mir noch einigermaßen, da kann ich dran arbeiten. Aber mehrere Nächte wie die letzte schaffe ich nicht am Stück, bin schon sehr fertig heute :-(
LG,

Nina mit Emily (08/05), Jonathan (02/08 ), Katharina (01/11) und Überraschungs-Doppelpack (05/12)

Tief im Winter lernte ich endlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer lag.
(Albert Camus)
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Nema
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Re: Vom Dauernuckeln wegkommen...

Beitrag von Nema »

Ohje, Du Arme! Das liest sich wirklich schrecklich. Zum Glück lief es bei uns besser, bzw. ich hatte nicht so einen zeitlichen Druck schnell etwas ändern zu müssen und habe daher auf einen Zeitpunkt gewartet, da ich das Gefühl hatte, sie kann mit einer sanften Veränderung umgehen. Wobei es bei uns mit Abdocken und liegenbleiben auch nicht funktioniert hat. Besser ging eben abdocken und dann aufstehen, singen, im Arm wiegen. Aber wahrscheinlich müsst Ihr da Eure ganz individuelle Lösung finden. Wünsche Euch dafür alles Gute und viel Kraft!
Nema mit Tochter (2010) und Sohn (2013)
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tussi
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Re: Vom Dauernuckeln wegkommen...

Beitrag von tussi »

meine maus hat damals auch weder flaschen noch schnuller genommen, aber ich hab ihr die flasche immer wieder angeboten u als bei mir dann gar nix mehr kam, hat sie eines abends, durstig wie sie nach einem bad war, die ganze flasche weggesüffelt. dafür hab ich aber bestimmt eine packung pre verbraten. nach 2 monaten fläschchen hat sie auf 1x auch geschnullert.
ich drück dir die daumen, dass sie sich auf eine veränderung einlässt.
ich würd auch versuchen, nicht aufs ewige herumtragen auszuweichen. das haben wir nämlich damals auch angefangen u hatten dann ewig den tragesalat mitten in der nacht.
lg tussi

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Wenn aus Liebe Leben wird, hat das Glück einen Namen.
jusl
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Re: Vom Dauernuckeln wegkommen...

Beitrag von jusl »

Hallo Nina,

Konflikte wie Deiner gerade finde ich immer sehr schwer zu beraten, denn bei ihnen reicht es nicht, nur an ein paar Schräubchen zu drehen (in den meisten Stillberatungen reicht das ;-)). Oder anders gesagt: Was manche Mutter als ein harmloses Schräubchen empfindet, ist für eine andere ein Riesenberg, der kaum zu bewältigen ist.

Ich denke, klar ist: Dein Baby hat sich an X schlichtweg gewöhnt und nun verständlicherweise Schwierigkeiten, sich ab jetzt an Y zu gewöhnen. Ich erlebe Babys in Sachen Anpassungsvermögen als extrem unterschiedlich. Manche Babys folgen ihren Müttern praktisch "überall hin", egal was sie mit ihnen veranstalten. Die Mütter denken sich: "Alles easy, ich weiß gar nicht, was die anderen Mütter immer haben. Ich hab echt alles super im Griff." :lol: - und unterschätzen dabei völlig den Einfluss, den der Charakter, das Temperament und die Persönlichkeit des Kindes auf diese ganze Beziehungsgestaltung hat. (Manche dieser Mütter merken dann beim Geschwisterchen, wovon ich hier rede. ;-)). Genauso gibt es Babys, die massive Schwierigkeiten haben, Veränderungen zu akzeptieren. Das sind Babys, die man 3 Jahre lang ferbern könnte, ohne dass sie auch nur 1 Minute länger durchschlafen. Ich persönlich bewerte das übrigens differenziert; "Oh, klasse, so ein charakterstarkes Kind!" und "Hm, charakterstark hin oder her - ressourcenschonendes (und damit sozio-biologisch kluges!) Verhalten ist das seitens des Kindes leider nicht." liegen meines Erachtens recht nah beieinander.

Deweiteren habe ich die Erfahrung gemacht, dass auch (und gerade!) die "schwierigen" Kinder seeeehr von einer ganz klaren, zentrierten (in sich! Nicht "im Kind"!) und vertrauensvollen HALTUNG DER MUTTER profitieren. Mit "klar" meine ich, dass sich Eltern darüber klar sein sollten, was sie eigentlich möchten. Wie stelle ich mir mein Kind vor? Wie stelle ich mir meine Beziehung zum Kind vor? Wie stelle ich mir unser Zusammenleben vor? Was sind meine Grundüberzeugungen hinsichtlich Menschenbild und Erziehung? - das halte ich da für wichtige Fragen. Mit "zentriert" meine ich, dass sich Eltern darüber klar sein sollten, dass sie eine Leitfunktion haben. Ich möchte hier auf gar keinen Fall einen Erziehungsstil-Diskussionsthread lostreten :lol: , aber Fakt ist für mich: Kinder lernen durch Nachahmung, brauchen Führung und Orientierung. Dafür sind die Eltern zuständig und Eltern sollten (nicht nur dürfen) erwarten, dass sich ihr Kind AN IHNEN ausrichtet, nicht umgekehrt. "Vertrauensvoll" halte ich ebenfalls für einen wichtigen Punkt: Was kann mein Kind schon? Was kann und darf ich ihm zumuten? GLAUBE ich ("an mich"!), dass ich es schaffen werde, die Veränderungen tatsächlich umzusetzen, die ich mir wünsche? - diese Fragen würden zu diesem Stichpunkt passen.

Vielleicht bringt es Dir ja etwas, Dich mit diesen Fragen bewusst auseinander zu setzen.

Um die Pointe vorneweg zu nehmen: Ich bin davon überzeugt, dass Dein Kind sich anpassen wird, wenn Du es ihm zutraust. "Stillen geht ab jetzt nicht mehr", das ist ein Fakt wie das Wetter: man kann sich darüber aufregen, auch zetern und heulen, aber es lässt sich nun mal nicht ändern. Jede andere schlussendliche Reaktion als ein achselzuckendes "Dann regnet es halt, machen wir das beste draus." wäre einfach völlig sinnlos. Diese Erkenntnis (oder besser gesagt: dieses Gefühl) muss sich bei Deinem Kind erst noch durchsetzen. Dein Baby braucht das Stillen vermutlich noch, voraussichtlich wird es sich also Ersatz suchen. Biete möglichst viel FREI davon an, leg Schnulli und Wasserflasche mit ins Bett, Dein Kind kann dann wählen. Du möchtest nachts schlafen. Dann schlaf! Leg Dich neben Dein Kind, Augen zu, mehr passiert nicht. Dein Baby wird lernen: "Alles OK, ich brauche keinen Rabatz zu machen, weil keine Gefahr im Verzug ist (Mama schläft ja!) und mein Rabatz nützt auch eh nichts, weil er mir auch nicht das zurückbringt, was ich möchte." Diesen zweiten Punkt zu verstehen, dazu hatte Dein Baby bis jetzt noch gar keine Gelegenheit. Der Rabatz hat ja jedesmal DOCH das zurückgebracht, was sie wollte. Das ist ein Lernprozess, und dabei braucht sie Eure HILFE. Hilfe ist nicht, hinterher nach stundenlangem Theater, mit schlechtem Gewissen und schmerzenden Brüsten DOCH zu stillen. Sondern Hilfe wäre, diese Nächte GEMEINSAM durchzustehen, wie stürmisches Wetter eben. Den Sonnenschein kannst Du für sie nun mal nicht anknipsen, beim Wetter ist Dir das völlig klar - versuche, dieses Wissen auch auf Euren Stillkonflikt anzuwenden.
Sie WIRD sich umgewöhnen, ganz sicher. Trau es ihr zu. Erkenne an, dass sie momentan noch wütend ist und gegen Änderungen protestiert - tröste sie wenn sie mag, aber mehr nicht.

Ich hoffe, dass Dir diese in der Tat seeehr allgemein formulierten Ansätze irgendetwas nützen - konkreter konnte ich nicht, da ich Euch einfach zu wenig kenne.

LG
Julia
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Drachenblut
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Re: Vom Dauernuckeln wegkommen...

Beitrag von Drachenblut »

Wow Jusl, das hast Du wirklich toll geschrieben!!!
LG Drachenblut mit ihrer 3köpfigen Brut :-)

Erfahrungen sind wie Apfelkuchen:
am besten selbstgemacht!


(Tochter 1997, Sohn 1998, Sohn 2007)
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Nema
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Re: Vom Dauernuckeln wegkommen...

Beitrag von Nema »

Kann mich Drachenblut nur anschliessen. Ganz tolle Worte, in denen viel Weisheit steckt und die man auf viele Lebenssituationen mit Kindern anwenden kann!
Nema mit Tochter (2010) und Sohn (2013)
EhMiws

Re: Vom Dauernuckeln wegkommen...

Beitrag von EhMiws »

Oh ja , jusl, wirklich toll geschrieben!
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Salo81
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Re: Vom Dauernuckeln wegkommen...

Beitrag von Salo81 »

Huhu,

vielleicht mag sie ja einen Trinklernbecher?

Lg
Salo
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joli.81
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Re: Vom Dauernuckeln wegkommen...

Beitrag von joli.81 »

Nina, ich kann mir gut vorstellen, dass diese anstrengende Nacht schon was gebracht hat und dein Kind vom Dauernuckenln ein Stück weggekommen ist... es braucht natürlich Zeit... sie wird lernen, längere Strecken am Stück zu schlafen, auch wenn du wie du sagst "einknickst" und sie doch stillst. Das schreibt zum Beispiel Pantley auch: wenn es für dich irgendwann nicht mehr okay ist, dann tu, was du immer tust - manche sagen zum Beispiel: ab 4 Uhr morgens mache ich einfach alles, um noch ein bisschen Schlaf zu kriegen und ziehen ihr Ding nur bis dann durch. Man muss einfach kucken, was zu einem passt... radikal "es gibt nix mehr" zu sagen ist sicher der schnellste Weg, aber auch der anstrengendste!

Jusl, dein Text hat mich auch sehr angesprochen...

Gute Besserung auch für Katharina, was sagt denn der Kinderarzt? Wenn das Baby nicht fit ist, ist das ganze natürlich noch blöder :(
Liebe Grüße, M. mit 3 Jungs und 2 Mädels (April 2001 - März 2005 - Februar 2008 - Mai 2011 - Juni 2014) ich blogge unter www.familienlebenmitgott.wordpress.com
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Philippa
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Re: Vom Dauernuckeln wegkommen...

Beitrag von Philippa »

Mensch Nina, das hört sich echt schlimm an... Ich dachte ja schon, mir geht es momentan schlecht mit unserer Situation, aber wenn ich dich lese, schäme ich mich geradezu... Ich wünsche euch wirklich, dass ihr das hinbekommt!

Jusl, vielen Dank für deine Worte und Erklärungen. Da kann ich auch sehr viel für uns rausziehen!
Eure Philippa mit dem kleinen Mann 3/2008 und der kleinen Miss 1/2011
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