Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

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inkognito
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von inkognito »

LaLeMi hat geschrieben:
Talgaro hat geschrieben:Ach und sicher gibt es auch Frauen, die andere verurteilen - für so ziemlich alles verurteilen sich gerade Mütter gerne.
Da liegt vermutlich dieser wie auch manch anderer Hase im Pfeffer ;-)
ja, ja das mütterbild in deutschland... hatten wir schonmal....
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LaLeMi
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von LaLeMi »

Jo, wahrscheinlich drehen wir uns langsam so ein bißchen im Kreis.
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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Talgaro
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Talgaro »

Da denke ich immer wieder an das Erlebnis mit der fremden Mutter, die sich genötigt sah MEINEM Kind den Mund zu säubern und mich fürs tragen meines Babys zu tadeln während sie ging und mich perplex zurück ließ... Andere Müter sind was wunderbares.
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
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LaLeMi
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von LaLeMi »

Ja, da kriege ich auch ne Krise bei sowas.
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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Gewitterwölkchen

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Gewitterwölkchen »

uvd hat geschrieben:vielleicht ist das buch ja auch nur eine perfide erfindung, um weiterhin für (unnötige) kaiserschnitte werbung zu laufen?
anvisiertes ziel: 100% ks-quote.
damit die, die sich bislang dagegen wehren, auch endlich einsichtig werden?
vielleicht ist das ganze ja nur ein marketing-gag? :wink:
ich glaub nicht, dass das intention ist.

ich hab das buch nun nicht gelesen, verstehe die kritik jedoch dahingehend, dass so eine art natürlichkeitswahn herrscht............ natürliche geburt um jeden preis, um sich hinterher heroisch zu fühlen? davon erzählen zu können?
ich hab hier schonmal geschrieben, dass ich mich an dem veröffentlichen von geburtsberichten, am besten noch mutterseelenallein in finnischen wäldern (gabs mal bei den raben), arg stoße!

es baut sich rund ums kind grad eine zwanghaftigkeit auf.....

..... wie, du gehst ins krankenhaus und willst ne pda? :shock:
..... wie, du fährst im kiwa und trägst nicht? :shock:
..... wie, du stillst schon nach nem jahr ab? :shock: (hierzu gabs ja schon den bekannten sz-artikel)
..... wie, dein kind bekommt zucker? :shock:
..... wie, du kaufst nicht bio? :shock:
....... man darf es gerne fortsetzen.

versteht mich nicht falsch, ich könnte die meisten der obigen fragen zu eurer zufriedenheit beantworten, stelle aber fest, dass es in diesem alternativen bereich sehr viel wertung und damit verbunden viel leistungsdruck gibt. tragekult, stillkult, geburt ohne schmerzstiller als schmerzkult?

bei manchen sicher, weil über die gewertet und geurteilt wird, die es anders gemacht haben. nicht offen. eher so "du kannst natürlich machen was du willst, aber ich hab es so und so gemacht.....

aha :roll:

ich stelle mir vor, dass das hier besprochene buch nicht weit vom sz-stillartikel entfernt ist. putzig find ich aber, dass alle über dieses buch diskutieren und keiner es gelesen hat. :lol: :lol: :lol: :lol:
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Altraia
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Altraia »

"Von Ausnahmen abgesehen, sind die Hebammen in Deutschland in ihrem Selbstverständnis tendenziell reaktionär und sadistisch – mit ihrer Begeisterung für ›natürliche‹ Geburten, ihrer Verherrlichung des Kreatürlichen, ihrer Warnung vor ›künstlichen Eingriffen‹ und ihrem Appell, nur wer den Gebärschmerz ›zulasse‹, könne eine gute Beziehung zu seinem Kind entwickeln.«
Aha. Im Artikel steht außerdem, dass Azoulays Bücher keinen besonderen Anklang gefunden hätten. Vielleicht aus gutem Grunde?
Liebe Grüße,
Christine mit Sohn (2/05), Tochter (6/07) und Tochter (2/14)
inkognito
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von inkognito »

[quote="Gewitterwölkchen"]

ich hab das buch nun nicht gelesen, verstehe die kritik jedoch dahingehend, dass so eine art natürlichkeitswahn herrscht............ natürliche geburt um jeden preis, um sich hinterher heroisch zu fühlen? davon erzählen zu können?
ich hab hier schonmal geschrieben, dass ich mich an dem veröffentlichen von geburtsberichten, am besten noch mutterseelenallein in finnischen wäldern (gabs mal bei den raben), arg stoße!

es baut sich rund ums kind grad eine zwanghaftigkeit auf.....

..... wie, du gehst ins krankenhaus und willst ne pda? :shock:
..... wie, du fährst im kiwa und trägst nicht? :shock:
..... wie, du stillst schon nach nem jahr ab? :shock: (hierzu gabs ja schon den bekannten sz-artikel)
..... wie, dein kind bekommt zucker? :shock:
..... wie, du kaufst nicht bio? :shock:
....... man darf es gerne fortsetzen.

versteht mich nicht falsch, ich könnte die meisten der obigen fragen zu eurer zufriedenheit beantworten, stelle aber fest, dass es in diesem alternativen bereich sehr viel wertung und damit verbunden viel leistungsdruck gibt. tragekult, stillkult, geburt ohne schmerzstiller als schmerzkult?

bei manchen sicher, weil über die gewertet und geurteilt wird, die es anders gemacht haben. nicht offen. eher so "du kannst natürlich machen was du willst, aber ich hab es so und so gemacht.....

aha :roll:

genau. und da ist sut nicht weit vom "mainstream" entfernt.
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LaLeMi
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von LaLeMi »

Stimmt, 18 Seiten mehr oder minder über ein jederfrau unbekanntes Buch *g*

Aber ja, stimmt schon, der aufgebaute Druck ist letztlich teilweise ja der Gleiche.
Ich könnte auch die meisten Fragen zufriedenstellend beantworten *g* - zufriedenstellend für SuT-Mikrokosmos, in "meiner (realen) Welt"bin ich damit ein Alien.
Es gibt aber ja auch Regionen in Deutschland, in denen das anders ist - so meine ich es in der SZ-LZS-Diskussion über Berlin mitbekommen zu haben?

Und natürlich ist es provokant formuliert - andererseits ist das ja auch ein Artikel ÜBER Azolay ... zudem bin ich des Französischen nicht ausreichend mächtig (Lateinerin...), um ein frz. Buch im Original zu lesen, aber ich habe das Gefühl, daß vielleicht manche sprachliche Nuance o.ä. gerade in der Übersetzung aus dem Französischen leicht verloren geht (kann sich z.B. jemand an die Bücher von Corinne Maier erinnern? Vom Ansatz her IMHO z.T. ganz interessant, auf Deutsch unlesbar - Französisch leider keine Ahnung hier...)
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Talgaro »

inkognito hat geschrieben:
Talgaro hat geschrieben:Ich glaube diese Ideal ist nicht sehr verbreitet - das ist der Punkt auf den ich hinaus will :wink: .
dann doch mal zur lektüre übergehen :wink:
Ändert sich durch meine Lektüre was an den Statistiken?
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
Das Muli
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Das Muli »

Hallo,
also nachdem ich jetzt nach und nach so ziemlich alles hier gelesen habe, komme ich mal wieder zum Schluß, dass es einfach nicht möglich ist: Man kann nicht "allgemein" über "die Geburt" sprechen. Geburt ist so etwas intimes, privates, höchst individuelles, dass kaum jemand sich wirklich in eine andere Person hineinversetzen kann, ohne ihr Unrecht zu tun. Man kann gut über sich selbst und sein eigenes Empfinden sprechen - aber es wird irgendwie nie richtig treffend, wenn man versucht, das ganze zu Verallgemeinern oder Empfehlungen für den besten Weg abzugeben... Es ist ein bißchen wie beim Sex - ich würde mir auch nicht anmaßen, diesbezüglich zu urteilen, was "für Frauen im allgemeinen" am allerschönsten, befriedigendsten, aufregendsten ist - einfach weil ich weiß, dass jeder ganz unterschiedliche Prägungen, Empfindungen, Ängste hat. Man kann ja auch niemanden "überreden", was er gut oder schlimm finden soll - somit kann ich mit überzeugenden Argumenten alleine auch niemandem eine bestimmte Geburtsform schmackhaft machen.
Sandküste hat geschrieben: "Sind denn wirklich diejenigen, die zu Hause bleiben/ins Geburtshaus gehen/mit Geburtsplan/Beleghebammen im Krankenhaus auftauchen, diejenigen die nicht selbstbestimmt gebären oder sind es die anderen, die sich der Routine des Krankenhauses ergeben?"
ich finde, gerade eine selbstbestimmte Geburt ist ein Zeichen von Zivilation. Ich finde die scheinbar tollen Errungenschaften der Medizin oftmal sehr unmenschlich - und das hat Auswirkungen auf das gesamte Menschsein. Denn es ist eben nicht egal, wie und wo Frauen gebären und Kinder geboren werden.
..
...und selbstbestimmt heißt eben für mich: Jede Frau darf selbst bestimmen, ob sie nun einen WunschKS will, ob sie sich nur zuhause auf der Couch oder mit PDA-Möglichkeit, Kinderstation und OP in der Nähe wirklich gut fallen lassen kann, ob sie lieber möglichst wenig Schmerzen haben möchte oder ob sie es wichtig findet, alles ganz genau zu fühlen.

Was die Frage angeht, wieso Frauen, die einen KS hatten, sich oft herabgesetzt fühlen, von "stolzen Ohne-Hilfe-Gebärerinnen" :wink: - ich denke, dieses Posting erklärt es fast von selbst:
uvd hat geschrieben: ich kann nicht mehr umhin, frauen zu bedauern, die das so nicht erleben können oder wollen. mir drängt sich nur ein einziger vergleich auf: wer vergewaltigt wurde, der kann man die schönheit der sexualität und des orgasmus nicht erkennen.
kaiserschnitt verhält sich zu natürlicher geburt wie künstliche befruchtung zu erfülltem sexleben.
klar kann man auch so kinder zeugen und zur welt bringen. aber ich bedaure all jene, die nicht wissen, was ein orgasmus ist. ich bedaure all jene, die keine erfüllte sexualität leben können und ich bedaure all jene, die geburt nicht so erleben können, wie sie natürlich und ungestört abläuft: urgewaltig, weiblich, kraftvoll, stärkend, wundervoll, unbeschreiblich, wahnsinnig, anstrengend, atemraubend, gigantisch.

ich weiß, daß jede geburt so sein sollte und alles, was davon abweicht, finde ich mittlerweile traurig und bedauernswert, schade. beraubt um eine essentielle erfahrung, die man in ihrer gänze erst beurteilen kann, wenn man sie gemacht hat.
und nein, eine gut verheilende operation, deren wundschmerzen man mit schmermitteln gut in den griff bekommen kann, ist damit nicht im entferntesten zu vergleichen, auch wenn dabei ebenfalls ein kind zur welt kommt.
Ich hatte 2 KS, ich hätte gerne selbst geboren und ich war auch sicher, dass ich das kann. Ich konnte nicht.
Als ich dieses Posting gelesen habe, hat es mich schon etwas getroffen: Wer "bedauert" wird, bemitleidet wird, der ist einfach NICHT auf selber Stufe. Der hat es eben nicht so toll gepackt. Wer will gerne bemitleidet werden? Es ist kein besonders tolles Gefühl. Wenn man liest, dass "eine Geburt genau SO SEIN MUSS", dann bekommt man das Gefühl, dass das eigene Geburtserlebnis eben nur eine zweite Wahl war, irgendwas hat man falsch gemacht oder aus irgendeinem Grund durfte man nur den Ausschuss haben, nicht das Premiumerlebnis. Das kann einen schon kränken, finde ich.

Ich habe eigentlich nichts gegen Stolz - für mich gehört das auch zu einem gesunden Selbstbewußtsein dazu, dass man stolz darauf ist, wenn man etwas anstrengendes, schweres, mühsames gemeistert hat. Ich glaube auch, dass es geht: Stolz sein, ohne andere herabzusetzen. Denn jeder andere darf auf SEINE Leistungen ja ebenso stolz sein, Stolz hat für mich nichts mit Vergleichen zu tun ("besser" sein), sondern nur mit dem Gefühl, mit sich zufrieden zu sein. Und das geht auch bei einer Geburt. Ich bin zumindest auf mein zweites Geburtserlebnis ebenfalls in diesem Sinne stolz, obwohl es ein NotKS war - weil ich eben eine sehr schwierige Situation gut durchgestanden habe. Und weil ich das Gefühl habe, dass ich nichts falsch gemacht habe, dass ich nicht schuld war, das es nicht geklappt hat (beim ersten KS bin ich mir nicht sicher...). Und ich bin auch froh, dass ich mich entschieden habe, so schnell in ein KKH zu fahren, so dass eben alles gut ausgegangen ist.

Ich gestehe jedem gerne seinen Stolz über geleistete Gebärarbeit zu - nur dann eigentlich nicht mehr, wenn derjenige stolz verkündet "dieses absolute Geburtserlebnis sei das Ergebnis ihrer eigenen Leistung" (dh nämlich, andere sind einfach zu blöd und zu schwach um es auch so toll hinzukriegen...).

LG Muli
Das Muli mit großem Fohlen (11/04) und kleinem Fohlen (12/07)
...und jaaaa ich weiß dass sich Mulis eigentlich nicht vermehren...aber ich bin nunmal das Tragtier der Familie

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