Liebe Sommerkind,
ich kann dich gut verstehen. Mein Kleiner hatte ja auch ein posteriores Zungenbändchen und ein verkürztes Lippenbändchen. Bei mir war das zermürbende jedoch nicht zufüttern sondern meine unerträglichen Schmerzen beim stillen. Bei uns wurde es im Alter von 12 Wochen durchtrennt. Er war exakt 3 Monate alt am Tag der OP. Die OP selbst hat nur ca. 1 Minute gedauert und danach mussten wir 4 Wochen "üben" und dehnen und mit 16 Wochen war auf einmal alles vorbei. Nichts tat mehr weh und stillen wurde schön (wenn man davon absieht, dass es nur nach dem Schlafen ging

Aber daran hab ich mich sehr gut gewöhnt bzw. hab ich das irgendwann, als er älter wurde, einfach auch nicht mehr so beachtet und dann ging es irgendwann wieder wach).
Was ich dir damit sagen will: Es kommt dir jetzt vor wie ein unendlicher Weg aber das ist es nicht. Es ist im Vergleich zur Lebenszeit deines Kindes ein Mikro-Zeitraum.
Auch ich muss sagen, nach meiner Recherche war mir die Durchtrennung nicht nur wegen des Stillens wichtig. Es kann zu massiven Sprachproblemen, Zahnfehlstellungen und Essproblemen kommen. All das in Kombi mit langwierigen Therapien wollte ich uns ersparen. Ich wollte lieber präventiv handeln. Ich kenne 2 erwachsene Männer mit einem posterioren Zungenbändchen ("das stillen hat von Anfang an nicht geklappt"). Den einen verstehe ich leider so gut wie gar nicht beim Sprechen, er lässt es aber nicht durchtrennen, weil seine Familie und engen Freunde gelernt haben, ihn zu verstehen. Und der zweite muss ein sehr seltsamer "Küsser" gewesen sein, denn seine Frau schickte ihn vor der Hochzeit noch zur Frenotomie, nachdem die Ursache rauskam... Jetzt ist alles schick bei den beiden. Du siehst also, es kann bis ins späte Alter relevant sein.
Ich möchte dich hiermit nicht überreden oder so, sondern dir nur zeigen, dass es auch noch um ein paar andere Dinge geht.
Ich glaube, dass viele hier versuchen wollten dich aufzubauen aber bei dir vielleicht ankam "Sie verstehen mich nicht. Sie sind stärker als ich. Ich schäme mich, dass ich so schwach bin." Glaub mir, zu meiner Zungenbändchen - Problem - Zeit habe ich mich auch saumäßig schlecht und unfähig gefühlt. Ein einziges Häufchen Elend und ich konnte nicht glauben, dass es jemals besser wird... Aber lass dir eines sagen: Jammer uns bitte hier die Ohren voll! So oft und so intensiv wie du es benötigst! Es ist wichtig für dich, dass du das Forum hier als Auffangnetz für deine Hilflosigkeit zulässt. Viele hier haben starke Stillprobleme in der Vergangenheit gehabt und können sich so gut in dich hineinfühlen und wollen dich mit ihren Kommentaren stärken und dir Mut machen.
Ich kann deinen Mann auch voll und ganz verstehen. Bei uns hat es zu der Zeit auch in der Beziehung gekriselt und mein Mann, der das stillen absolut unterstützt und alles Erdenkliche zu meiner Entlastung tat, machte mehrfach Kommentare in der Richtung "vielleicht doch lieber Flasche geben" und das nahm mir noch mehr den Mut. Aber er meinte es gut. Und ich hab ihm gesagt, wie wichtig es mir ist, eine Lösung zu finden, weil ich die Ursache des Problems bekämpfen will. Und Gott sei Dank hat er dann trotzdem mitgezogen - wenn auch mit viel Sorge und sicher auch Angst.
Wie dem auch sei: Es ist absolut deine Entscheidung. Und ihr müsst das als Familie wissen. Es bringt nichts, wenn du spürst, du hast keine Kraft mehr oder willst nicht mehr. Allerdings glaube ich, solltest du keinesfalls aufgeben, nur weil du jammerst. Du musst Jammern! Das ist ein Ventil um mit all der Überlastung fertig zu werden und dein gutes Recht!
Egal wie, du hast so viel geschafft, sogar von der Flasche weg nur noch zu stillen, was vor einiger Zeit noch undenkbar war. Du bist eine Löwenmutter!