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Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 30.05.2012, 14:56
von bienenmeister
Steff hat geschrieben:
Für mich war diesbezüglich Liedloff hilfreich, weil sie mir einen anderen Blickwinkel auf Gelassenheit gegenüber nächtlichen Störungen gegeben hat, wenn ich von außen suggeriert bekam, dass das Verhalten meines Babys nicht normal sei.
Oh ja! Gegenüber allen Störungen! Ich würde ja aus dem Fenster springen, wenn ich diese Gelassenheit nicht hätte. Und Liedloff hat mir Mut gemacht zu dieser Gelassenheit. Diese Gelassenheit als RICHTIG zu empfinden.
Ich wünsche mir sehr eine Schwester, die häufig genug hier ist, dass sie zur Bezugsperson für mein Kind wird. Habe ich aber nicht (statt dessen eine, die den Kleinen nur sieht, wenn wir uns bei meinen Eltern über den Weg laufen und dann immer scharf drauf ist, ihm Brei zu geben

). Mit Großeltern ist es genauso. Und das ist das Glucken-Dilemma. Was machste denn, wenn dein Kind nunmal permanent getragen werden will? Die Großeltern sagen nur: Ja Kiwa schiebe ich, tragen tu ich nicht!
Aber mein Kind hat leider keine Alternativen. Denn von den Großeltern geferbert zu werden ist keine Alternative. Meine Mutter würde ihn sogar wach und gut gelaunt in ein Bett legen und dann das Zimmer verlassen, damit er "endlich lernt alleine zu schlafen".
Vielleicht mutet dass bei uns als Mama-Fixiertheit an, dass mein Kind permanent bei mir ist. Aber das tut es durchaus aus Mangel an Alternativen. Ich fände es wunderschön, wenn er eine große Familie hätte, die präsent sei. Oft bin ich traurig, er ist so ein Goldschatz, aber keiner kommt und mag sich mit ihm beschäftigen

Ich bin eigentlich durchaus überzeugt davon, dass (wie Liedloff auch schreibt

) er sich in einer intakten Familie mit mehreren Bezugsperson (noch) besser entwickeln würde.
Aber diese kann ich ihm nicht bieten

Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 30.05.2012, 23:47
von posy
Leider komme ich erst jetzt wieder zum Nachlesen hier. Hui, einen Augenblick hatte ich Angst, dass der Thread abstürzt.
Es tut mir leid, wenn ich durch meine Frage hier alles in Schieflage gebracht habe.
Gelassenheit ist ein wichtiges Stichwort. Gerade beim ersten Kind ist man so verletzlich, wird dauernd verglichen, beurteilt, fühlt sich selbst so stark in der Verantwortung und das hat viele Rolle gleichzeitig zu erfüllen. Da ist es gar nicht leicht, gelassen den eigenen Weg zu finden und zu gehen.
Ich war auch aus Mangel an Alternativen eine Glucke. Keine Familie in der Nähe, keine Freunde die einspringen können. Als meine Große 6 Monate alt war, war ich völlig am Ende, vor Schlafmangel, hauptsächlich. Im Rückblick denke ich, dass das hart an der Depression war.
Und dauernd die Sprüche. "Mach' es dir doch nicht so schwer." Jaja, danke für' s Gespräch.
Daher ist es mir so wichtig, dass man sich selbst nicht verliert, auch auf sich schaut. Immer im Rahmen der Möglichkeiten, natürlich.
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 31.05.2012, 00:13
von Steff
Dein letzter Satz ist ganz wichtig. Und natürlich wieder ein ganz anderer Blickwinkel.
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 31.05.2012, 00:15
von Felice
Steff hat geschrieben:Hier mehrere Ausschnitte aus dem selbstironischen Buch Elternkrankheiten:
http://www.brigitte.de/liebe/familie/el ... 08/10.html
u.a.
Zurschaustillen (lat.: mopsus bohei)
Beschreibung:
Tamtam ums Stillen
Verlauf:
- Die Mutter schaut beim Abendessen im Bekanntenkreis wichtigtuerisch auf ihre Armbanduhr und wundert sich: "Komisch, Mark- Oliver müsste eigentlich längst mal wieder andocken."
- Die Mutter macht alle Umstehenden darauf aufmerksam, dass in diesem Augenblick die Milch einschießt, und unterstreicht diesen großen Moment durch das Vorzeigen zweier feuchter Flecken.
- Die Mutter packt unter großem Getöse ihre im Still-BH eingelegten Riesenbrüste aus und sagt: "Tja. Drei Nummern größer. Doppel-D."
- Die Mutter zerrt das verblüffte Kind aus dem Tiefschlaf und legt es an die linke Brust: "Gell, Mark-Oliver, hmmm, das schmeckt dir!"
- Die Mutter legt das wieder eingeschlafene und nicht die Bohne hungrige Kind nun an die rechte Brust: "Jaha, du kleiner Nimmersatt, du weißt, was gut ist! Also, der saugt mich noch mal leer, der kleine Feinschmecker!"
- Nachdem das Kind bis unter die Halskrause abgefüllt ist, kommentiert die Mutter die nun aufgetragenen Speisen: "Zwiebeln? Geh mir weg damit! Davon müssen wir die ganze Nacht pupsen, gell, Mark-Oliver? Erdbeeren? Davon kriegt Mark-Oliver einen total wunden Popo. Ooooh, nee, Tomaten! Geht gar nicht. Habt ihr zufällig Kümmel-Fenchel-Anis-Tee da?"
- Nach beendeter Vorführung packt die Mutter Brust und Kind ein, legt ihren Kopf lauschend an den zum Bersten gefüllten Mark-Oliver und ruft freudig in die Runde: "Na, da knattert aber jetzt ganz schön was! Ich glaub, wir gehen mal nach Hause!"
Chance:
Abstillen


Sensationell !!!
Keine Sorge, alles andere hab ich auch gelesen und finde es gut, wie hier alle noch mal die Kurve gekriegt haben.
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 31.05.2012, 00:27
von Steff
Der ist auch nicht schlecht
Elternkrankheit
Oralbefriedigung (lat.: mjam mjam)
Beschreibung:
Elterliche Erregung beim seltenen Genuss von Junkfood
Auslöser:
- Eltern und Kind sitzen vorbildlich mit Kohlrabischnitzen, hefefreien Dinkelgrünkernschnitten mit Paprikagesichtern vor dem Fernseher, da erscheint eine riesige Werbe-BiFi auf dem Bildschirm.
- Eltern und Kind sitzen vorbildlich mit einem Bund Radieschen, Vollkornknäckebrot und hartgekochten Eiern auf dem Badetuch im Freibad, da zieht die pommesgeschwängerte Duftfahne des Schwimmbadbüdchens herüber.
- Eltern und Kind sitzen vorbildlich mit Möhrensticks und Frischkäse im Kino, da ertönt das laute Chipstüten-Knistern der Sitznachbarn.
Reaktion:
Nach einer fundierten, mit mahnender Stimme vorgetragenen Rede über die Grundpfeiler gesunder Ernährung (13 Sekunden) geben die Eltern sich hemmungslos einer Cheezy-Crust-Salami-Party-Bestellpizza, dreimal XXL-Pommes rot-weiß mit Cola-Vanille oder der Packung King-Size-Double-Hot-Nacho hin.
Höhepunkt:
Oh Gott, jaaaaaaaaaa!
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 31.05.2012, 08:17
von Jeanny
Aber mein Kind hat leider keine Alternativen. Denn von den Großeltern geferbert zu werden ist keine Alternative. Meine Mutter würde ihn sogar wach und gut gelaunt in ein Bett legen und dann das Zimmer verlassen, damit er "endlich lernt alleine zu schlafen".
Wach ins bett gelegt zu werden, hat aber nichts mit ferbern zu tun. Ich lege meine Kinder auch wach ins Bett und bin dann froh, wenn sie alleine einschlafen. In den meisten Fällen erzählen sie noch ein wenig oder schauen sich ihre Hände an oder...oder.....und schlafen dann friedlich ein.
Würde ihnen das nicht gefallen, dann würden sie sich wohl melden. Wenn mein Kind weint, dann hole ich es aus dem Bett. Ich habe noch keines meiner Kinder schreien lassen.....Wollte halt nur mal darauf hinweisen das es durchaus Kinder gibt, die ohne Probleme, ohne sschreien usw. alleine im Bett einschlafen und dabei den Eindruck machen auch ganz froh über die "Auszeit" zu sein. So wie du es schreisbt, klingt es ja als würde man seinem Kind wer weiß was antun, wenn man es mal ins Bettchen legt.
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 31.05.2012, 09:13
von Sibi
Jeanny hat geschrieben:Wollte halt nur mal darauf hinweisen das es durchaus Kinder gibt, die ohne Probleme, ohne sschreien usw. alleine im Bett einschlafen und dabei den Eindruck machen auch ganz froh über die "Auszeit" zu sein.
Ich gebe zu, dass das momentan jenseits meiner Vorstellungskraft liegt.

Trotzdem bezweifle ich nicht, dass es solche Kinder geben wird.
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 31.05.2012, 09:30
von EhMiwm
Hat mal jemand die ISBN von dem Buch?

Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 31.05.2012, 09:34
von bienenmeister
Ein Baby das ohne Einschlafbegleitung einschläft - herzlichen Glückwunsch.
Wie ich schon schrieb, geht das mit meinem Kind nicht. Du bist ja recht neu hier im Forum. Les dich doch erstmal ein und schau dich um, du findest ETLICHE Berichte, die an meinem näher dran sind als an deinem.
AW: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 31.05.2012, 09:41
von WiLada
Jeanny hat dein Kind denn einen Schnuller? Uns ist das auch schon paar mal "aus Versehen* passiert aber nur wenn sie richtig müde war und vorher auf dem arm sehr lange getragen wurde.
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