Ferbern die Zweite.....
Verfasst: 09.05.2012, 12:04
Anja ich bin auch in der DDR aufgewachsen aber Menschen können sich gsd immer entscheiden
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Ich lese dich total gerne und weiß auch, was du meinst und will nicht absichtlich "falsch" lesen. Bin selber auch Ossi und meine Familie sind begeisterte Ferberer/Nichstiller. Wenn du mich schon öfter gelesen hast, dann weißt du, dass ich einen sehr großen Leidensdruck bezüglich den Ansichten meiner Eltern habe und enorm unter meiner "Ferber-Mutter" gelitten habe. Der Druck ist immens, es zerreißt mich, dass ich meine Mutter ja nunmal liebe, weil sie eben meine Mutter ist, aber ansonsten macht sie einfach (fast) alles in meinen Augen falschLeila hat geschrieben:Eigentlich wollte ich hier nichts schreiben, und, um es vorweg zu nehmen: Ich finde auch, dass ferbern und respektloser Umgang (Respekt ist nicht gleich Narrenfreiheit für das Kind!) so nicht sein sollten.
ABER: Ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen, da war es üblich, den Kindern sehr früh klar zu machen, dass sie zu funktionieren haben. Die Eltern waren angehalten, die Kinder früh an den Rhythmus im Kindergarten / -krippe anzupassen, und dies wurde auch gemacht. Es war halt damals so, wenige haben das hinterfragt. So, und diese Kinder, die nichts anderes kennen gelernt haben (und ich möchte ausdrücklich betonen, dass die Eltern ihre Kinder trotzdem geliebt haben!) bekommen nun selbst Kinder. Sie haben keine anderen Methoden an der Hand, als eben die, die sie selbst kennengelernt haben. Und wenn dann das Umfeld (die eigenen Eltern, es hat ja schließlich so funktioniert) auch noch Druck macht (Siehe Kindergarten, feste Schlafenszeiten und so, ich denke, da wird auch noch die Schiene gefahren, dass Kinder zurechtgebogen gehören), dann ist es unglaublich schwer, dagegen anzukommen. Es wird einem doch immer suggeriert (schon bevor man selbst Kinder hat), dass die Kleinen den eltern auf der Nase rumtanzen, erzogen gehören etc.
So, und in einer solchen Situation wird nun eine junge Frau Mutter. Das Kind funktioniert nicht, wie man es immer liest und erzählt bekommt. Wisst ihr, wie schwer das ist, da raus zu kommen, das anders Denken und Fühlen konsequent zu verfolgen, wenn der partner vielleicht auch nicht wirklich mit macht? Es ist furchtbar schwer, aus eingefahrenen Mustern auszubrechen, das eigene Verhalten ständig zu reflektieren, und auch zu sich selbst kritisch zu sein? Vielleicht ist sie einfach noch nicht so weit. Das Erfordert eine Menge Arbeit. Und auch das Einsehen, dass man selbst nicht perfekt ist, und eben nicht alles so funktioniert, wie man es selbst gern hätte. Sich voll und ganz auf einen anderen Menschen einzulassen, sich selbst zurückzunehemen, wenn andere sagen, dass man das nicht darf / muss ist ganz schwer.
Anja
Maryam+Leo hat geschrieben:Das Problem ist ja, wenn ich dann da bin, sagt er "weg" zu mir und schubst mich weg. Klasse, Was will er denn nun?
Wenn ich da bin kuschelt er nicht mit mir wie vielleicht eure Kinder. Ich sitze neben seinem Bett, er schreit..... Soll das nun die Erfüllung der Bedürfnisse sein ? Wenn ich ihn auf den Arm nehmen will, haut er mich... klasse. wohl auch nicht das richtige.... .
(((bienenmeister)))) Das liest sich wirklich schlimm, dieser ganze Druck. Wir hatten das große Glück, bei der Großen weit genug weg von all dem zu sein, wir waren in Canada, von daher war der Einfluss meiner MA, die das wirklich nicht böse gemeint hat (!), überschaubar. Sie hat es so gelernt, wir haben mehr oder weniger so funktioniert (ich weniger), und das wollte sie mir weiter geben. Sie wollte mir was gutes tun, mir tipps geben. Dass das völlig daneben war, mußte ich ihr auch recht deutlich klar machen, wir haben viel gesprochen miteinander, und unser Verhältnis hat sich seitdem deutlich verbessert, aber ich mußte auch lernen, ihr keine Vorwürfe zu machen. Es war einfach damals die Zeit. Ich finde es bewundernswert, dass du dich dagegen auflehnst, das kostet eine Menge kraft. Und es gibt mütter, die können diese Kraft eben nicht aufbringen, weil sie weniger Probleme mit ihrer eigenen Erziehung haben.bienenmeister hat geschrieben:
Ich lese dich total gerne und weiß auch, was du meinst und will nicht absichtlich "falsch" lesen. Bin selber auch Ossi und meine Familie sind begeisterte Ferberer/Nichstiller. Wenn du mich schon öfter gelesen hast, dann weißt du, dass ich einen sehr großen Leidensdruck bezüglich den Ansichten meiner Eltern habe und enorm unter meiner "Ferber-Mutter" gelitten habe. Der Druck ist immens, es zerreißt mich, dass ich meine Mutter ja nunmal liebe, weil sie eben meine Mutter ist, aber ansonsten macht sie einfach (fast) alles in meinen Augen falsch![]()
Ich widerspreche Dir auf das Heftigste.
Meine Familie hat mich schon in der Schwangerschaft TERRORISIERT, wie man ein Baby zu ERZIEHEN habe, und es hält an. Natürlich sei mein Kind ein Tyrann, ein Monster, ein Schreifasan, der alle um den Finger wickelt und die Mutti austrickst (und natürlich haben es mir alle vorher gesagt). Wenn er dann lacht und glücklich gluckst, ist er natürlich süß und herzig - aber wehe er funktioniert nicht nach Plan, lässt sich nicht in den Alltag der Erwachsenen integrieren.
Mein Kind hat noch keine einzige Minute in seinem Leben schreiend im Bett verbracht. Ich kann mir meine Augenringe um die Beine wickeln und ich kenne die Tage, an denen man völlig am Limit ist und nur noch mitweint.
Ich bin mit meinem Kind in meinen 4 Wänden - wieso sollte ich meinen Eltern zu liebe das Kind schreien lassen? Keiner sieht mich, ich muss dem Druck, der durch die Familie entsteht NICHT nachgeben. Sie können es ja nichtmal kontrollieren. Wenn ich meine Familie häufig sehe, geht es mir schlechter, weil ich dem Gegenwind standhalten muss, MUSS, für mein Kind! Es ist verzehrend, das tausendstemal NEIN sagen zu müssen auf Ansagen wie "Leg ihn doch mal in sein Bett, er ist ja ganz müde, er hat ein ganz kleines Gesicht, er schläft zu wenig, du hälst ihn künstlich wach (), bei uns hat es sowas nicht gegeben, er MUSS ins Bett usw usw usw usw". Die Lösung dafür ist einfach, Kontakt minimieren, nur hingehen, wenn man genügend Kraft dafür hat.
Aber zu Hause, warum bitte? Ich werde das niemals, NIEMALS verstehen!
Ich weiß dass es unangenehm ist, sich zurückzuerinnern. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich geferbert wurde (da sie es nicht auf die Babyzeit beschränkt haben, es hat wohl nicht so gut funktioniert wie gedacht). Ich weiß noch genau, wie es ist, schreiend, am Limit schreiend im Bett zu liegen und die Eltern kommen mit Absicht nicht. Mir wurde auch schon mal als Kind gesagt, wenn du nicht aufhörst, dann kommt die Mama nie wiederIch habe geweint, bis mir schlecht wurde. Einmal habe ich in Rage vors Bett gekotzt. Dafür gabs erst richtig Ärger.
Diese Erinnerungen tun weh - aber sie sind da. Und sie helfen mir, meinem Kind zu helfen. Lange habe ich Angst gehabt, ich könnte genauso werden wie meine Mutter, versehentlich, entgegen aller Absichten. Diese Angst habe ich nicht mehr!
Mein Schicksal und das meiner Kinder ist nicht an das meiner Eltern geknüpft.
Aber ich bewundere dich dafür, dass du Verständnis und Diplomatie aufbringen kannst. Das ist sehr klug!
greenie bird hat geschrieben:ok, dein kind möchte nicht auf den arm (das interpretierst du weil, er dich dann haut) es möchte nicht schlafen onwohl es müde ist, aber nicht allein. du 'respektierst' dass er nicht festgehalten werden möchte, aber nicht, dass er nicht allein schlafen will. ja, manchmal ist es schwer herauszufinden, was das kind braucht, denn es ist schwer das zu äußern.
auch teenager wissen, dass sie in die schule gehen 'sollen' (dein sohn weiß, dass er den schrank nicht ausräumen soll) aber sie schwänzen- es gibt so vieles, was man nicht machen soll. jeder macht anders auf sich aufmerksam, wenn ihm etwas fehlt, auch wenn man das an den handlungen nicht immer erkennt- der weg des allein lassens führt nicht zu einem gemeinsamen erfolg.
na da kann ich mich ja gar nicht einfühlenLeila hat geschrieben:
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Zum Thema "nicht sollen": Ich weiß mit meinen 31 Jahren, dass ich nicht die Schokolade essen soll, die vor mir auf dem Tisch liegt. Ich kann aber nicht anders...
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