Um sowas herauszufinden, müsste man im Prinzip die beiden Daten unabhängig erheben:Pummelfee hat geschrieben: 01.10.2021, 10:18 Guten Morgen,
ich habe eine Weile auf Milchprodukte verzichtet weil F starke Koliken hat. Jetzt habe ich am Dienstag Käse gegessen um zu testen ob er reagiert. Er hat seit 2 Tagen wieder stärker mit seinem Bauch und dem Stuhlgang zu kämpfen. Kann es am Käse liegen? Oder eher unwahrscheinlich?
Irgendwie trau ich mich gar nicht mehr was zu essen weil ich dauernd denke, er reagiert darauf![]()
auf einem Blatt notierst Du, an welchen Tagen im Monat Du Milchprodukte gegessen hast
auf einem anderen Blatt notiert unabhängig davon (vorzugsweise eigentlich jemand anderes, der Deinen Speiseplan nicht bewusst wahrnimmt!) das Befinden des Babys.
Man kann "hat mit seinem Bauch zu kämpfen" bei einem Baby ja nur sehr indirekt ablesen, und auch andere Dinge (Reizüberflutung, Erlebnisse, Wetteränderung, Entwicklungsschübe, Zähne, Infekte, ...) können zu Unwohlseinsäußerungen führen. Das unterliegt also in dem Moment, wo Du WEISST, an welchen Tagen Du Milchprodukte gegessen hast, einer starken Verzerrung der Wahrnehmung, indem Du dann natürlich versucht bist, da einen ursächlichen Zusammenhang (Käse --> Quengeligkeit) zu sehen.
Es kann sogar sein, dass Du durch Deine unbewusste Anspannung und verstärkte Beobachtung Dein Verhalten änderst und auch beim Kind zu Anspannung und Verhaltensänderung führst...
Hast Du denn in der "Weile", in der Du auf Milchprodukte verzichtet hast, jeden Tag notiert, wie Dein Baby sich verhält und ob da Tage mit Bauchwehanzeichen/Mühe beim Stuhlgang/... dabei waren, oder wurde Deine Aufmerksamkeit erst wieder drauf gelenkt, als Du Käse gegessen hattest?
War das Baby-Verhalten, das Du mit Milchproduktverzicht wegbekommen wolltest denn vorher jeden Tag über längere Zeit zu beobachten? Oder kam und ging das?
Wir neigen bei Babyverhalten sehr stark zu selektiver Wahrnehmung. Das heißt nicht, dass da kein Zusammenhang bestehen kann. Aber bevor man dauerhaft seine komplette Ernährung als Mutter umstellt, sollte man solide Daten haben.
[Menschen neigen zu Muster_über_erkennung - also zur Erkennung von Mustern, wo gar keine sind. Das hat seit Jahrzehntausenden unser Überleben gesichert (Jahreszeiten, Sternbilder, Mondzyklen etc. erkennen)], aber führt auch zu solchen Dingen wie "wenn die Mutter Lauch isst, bekommt das Baby Blähungen" oder "von Zitrusfrüchten bei der Mutter bekommt das Baby einen wunden Po" und ähnlichen, in jeder Kultur übrigens unterschiedlcihen(!) Ernährungsregeln für Stillende. Wenn man sowas empirisch in Studien untersucht, lässt sich das nicht belegen - denn schwören viele Mütter, einen eindeutigen Zusammenhang bei ihrem Baby zu erkennen. Wir merken uns dann halt die Daten, die ins erwartete Muster passen und ignorieren unbewusst die "Ausreißer", die nicht zur angenommenen Regel passen - obwohl vielleicht bei objektiver Datenerhebung durch einen neutralen Dritten gleichviele Daten zur Regel passen wie nicht...]