Nein, ich würde nicht auf Fleisch verzichten wollen aus den verschiedensten Gründen - und ja, das konventionelle Fleisch ist alles in allem echt der größte Kompromiss, das sehe ich auch ganz selbstkritisch

. Das ist eben ein Zugständnis ans "nicht-alles-selbst-kochen" und mit anderen zusammen Essen Können, die eben erst langsam, durch unsere stetige Argumentation und immer-wieder-mal-vorsichtig-Ansprechen auf Bio umstellen.
Was ich mit meiner Argumentation nur ausdrücken wollte: mich nervt oft - und ja, diesem Argument bin ich im Leben schon wirklich oft begegnet - die Selbstsicht mancher Vegetarier, die aus Überzeugung Vegetarier sind "damit kein Tier meinetwegen sterben muss" und sich dann als so viel moralisch integerere Menschen darstellen/fühlen als ich als Fleischesser einer bin - und dann aber mal eben jeden Tag Milch(produkte) und/oder Eier konsumieren (im Extremfall dies noch nichtmal bio) und sich schlicht nicht informieren, dass dafür eben genauso auch Tiere sterben müssen. Teils wird dies von Vegetariern sogar verneint, wenn man sie drauf hinweist - und zwar von Leuten, die so konsequent vegetarisch leben, dass sie eine angebotene Tütensuppe beim Camping ablehnen, weil da ein paar einstellige Prozent Hühnerfett auf der Zutatenliste stehen. Das finde ich halt einfach Augenwischerei.
Ich hatte ja geschrieben, dass ich für meinen Teil durchaus ein Tier schlachten könnte, um es zu essen. Ich hab nie gesagt, dass ich nicht möchte, dass ein Tier stirbt für meine Ernährungsweise.
Ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten* dafür zu sorgen, dass die Tiere/Tierprodukte, die ich konsumiere mit so wenig Leid während des Lebens des Tieres einhergehen, wie möglich. Ich esse lieber ein Ei von einem einigermaßen glücklichen Huhn und habe in den letzten Jahren (über in Jahrzehnt) kein konventionelles Ei gekauft. Ich bezahle für meine laktosefreie Bio-Milch fast 2 EUR pro Liter - und entsprechend wenig Milch wird bei uns verbraucht. Ich koche selten mit Fleisch, weil ich hier selten an Bio-Fleisch komme, weil unser Supermarkt keins führt und ich selbst kein konventionelles kaufe. Sowas halt. Und ja, ich bin mir durchaus im Klaren, dass das in Summe noch nicht reicht, weil ich immer wieder auch Kompromisse mache und ich habe dann ein schlechtes Gewissen und versuche, weiter dran zu arbeiten.
(* und ja, diese Möglichkeiten sehe ich durchaus auch durch meine sozialen Bedürfnisse als hinreichend eingeschränkt, nur bedingt Grundsatzstreit mit meinen Eltern heraufzubeschwören, mit denen ich durchaus auch das ein oder andere Konfliktfeld zu beackern habe, das mir wichtig ist - Fragen der Kindererziehung z.B., so dass ich den Bogen nicht überspannen mag. Das mag anderen ein dürftiger Grund sein, das Leiden von Tieren billigend in Kauf zu nehmen - für mich ist es diesbezüglich erstmal ausreichend, dass ich es durch nicht allzu konfrontatives Vorgehen immerhin erreicht habe, bei meinen Eltern - bei denen wir seit einem Jahr oft mitessen - ein so großes Bewusstsein für Bio etc. zu schaffen, dass sie nun einmal wöchentlich extra zu einem Bio-Laden fahren und dort mehr als die Hälfte ihrer Lebensmitteleinkäufe zu bestreiten - inkl. Fleisch, aber eben (noch) nicht 100%. Fortschritt besteht manchmal eben aus vielen kleinen Schritten.)
Mir ging es nicht um ein flammendes Pladoyer pro Veganismus sondern um Ehrlichkeit sich selbst, seiner Kompromissbereitschaft, dem durch einen selbst erzeugten Leiden (sei es bei Tier oder Mensch - auch was für Kleidung/andere Produkte wir so konsumieren und wie die hergestellt wurden, ist ja ein großes Feld) ... gegenüber.