Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
- rueckenwind
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Ehrlich gesagt fühle ich mich bei meinem Sohn nicht anders in der Verantwortung als bei meiner Tochter.
Ich wünsche mir, dass für beide ein rücksichtsvoller Umgang mit anderen selbstverständlich ist, dass sie beide eigene Grenzen wahrnehmen und die der anderen achten.
Zudem denke ich, dass sexuelle Übergriffigkeit kein rein männliches Problem ist, es aber vielfach leichter ist, es zu thematisieren und zu benennen. Ich glaube, dass Kinder beider Geschlechter lernen sollten, auf andere Menschen zu achten und Grenzen zu respektieren. Zudem sollten wir als Gesellschaft all unsere Stereotype zu männlicher und weiblicher Sexualität immer wieder unter die Lupe nehmen - unsere Geschlechterstereotypen allgemein hinterfragen. Ich finde es unendlich ermüdend, dass Männer so häufig als potentielle Täter und Frauen als Opfer gesehen werden und möchte hoffen, dass eine moderne, aufgeklärte, emanzipierte Gesellschaft das irgendwann überwinden kann.
Ich wünsche mir, dass für beide ein rücksichtsvoller Umgang mit anderen selbstverständlich ist, dass sie beide eigene Grenzen wahrnehmen und die der anderen achten.
Zudem denke ich, dass sexuelle Übergriffigkeit kein rein männliches Problem ist, es aber vielfach leichter ist, es zu thematisieren und zu benennen. Ich glaube, dass Kinder beider Geschlechter lernen sollten, auf andere Menschen zu achten und Grenzen zu respektieren. Zudem sollten wir als Gesellschaft all unsere Stereotype zu männlicher und weiblicher Sexualität immer wieder unter die Lupe nehmen - unsere Geschlechterstereotypen allgemein hinterfragen. Ich finde es unendlich ermüdend, dass Männer so häufig als potentielle Täter und Frauen als Opfer gesehen werden und möchte hoffen, dass eine moderne, aufgeklärte, emanzipierte Gesellschaft das irgendwann überwinden kann.
T. mit Rumpeltochter (04.11), Purzelsohn (08.13) und Flitzeline (08.19)
- Schokoflocke
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Es ist ermüdend, aber es ist eben immer noch unsere Realität, dass Männer häufig zu Tätern werden und Frauen oft zu Opfern. Und viele gesellschaftliche Strukturen unterstützen das immer noch. Da haben wir alle nochwas zu tun!
Unterwegs mit dem großen Bruder (5/13), dem mittleren Bruder (12/14) und dem kleinen Flöckchen (3/17)
- Schokoflocke
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
(Also das schreibst du ja auch, das soll kein Widerspruch sein).
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- rueckenwind
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Ich möchte auf keinen Fall die Gewalterfahrungen von Frauen kleinreden - ich hoffe, dass ist nicht so rübergekommen in meiner bräsigen Schlaflosigkeit.
Ich denke einfach, dass so viele Bilder über Sexualität (unbewusst) präsent sind, die ganz selten in Frage gestellt werden. Über die Willigkeit von Frauen und Männern, die Aufgabenverteilung beim Anbandeln und beim Sex... Und dazu gehört auch, Männer prinzipiell als Täter zu sehen und das finde ich ganz fürchterlich und auch irgendwie ungerecht.
Wenn Männer Belästigung durch Frauen erfahren, dann ist es ganz unglaublich schwer, das zu thematisieren, oft wird sich lustig gemacht. Das hat eine andere Qualität und Ausprägung sollte aber m.M.n. auch thematisiert werden. Ich kann mir die eingangs geschilderte Situation ebenso in anderer Rollenverteilung vorstellen und frage mich, ob es dann überhaupt aufgefallen wäre.
Also, schlussendlich ist da, für mich, kein unterschiedlicher Umgang mit meinen Kindern nötig und sinnvoll - ein Mensch, der feinfühlig für die Gefühle und Grenzen anderer und für die eigenen ist, und diese nicht überschreitet - das ist wohl der Kern des ganzen. Ein X-Chromosom und ein Penis sind nicht automatisch Tatwaffen sondern werden, auch gesellschaftlich, dazu gemacht.
Ich denke einfach, dass so viele Bilder über Sexualität (unbewusst) präsent sind, die ganz selten in Frage gestellt werden. Über die Willigkeit von Frauen und Männern, die Aufgabenverteilung beim Anbandeln und beim Sex... Und dazu gehört auch, Männer prinzipiell als Täter zu sehen und das finde ich ganz fürchterlich und auch irgendwie ungerecht.
Wenn Männer Belästigung durch Frauen erfahren, dann ist es ganz unglaublich schwer, das zu thematisieren, oft wird sich lustig gemacht. Das hat eine andere Qualität und Ausprägung sollte aber m.M.n. auch thematisiert werden. Ich kann mir die eingangs geschilderte Situation ebenso in anderer Rollenverteilung vorstellen und frage mich, ob es dann überhaupt aufgefallen wäre.
Also, schlussendlich ist da, für mich, kein unterschiedlicher Umgang mit meinen Kindern nötig und sinnvoll - ein Mensch, der feinfühlig für die Gefühle und Grenzen anderer und für die eigenen ist, und diese nicht überschreitet - das ist wohl der Kern des ganzen. Ein X-Chromosom und ein Penis sind nicht automatisch Tatwaffen sondern werden, auch gesellschaftlich, dazu gemacht.
T. mit Rumpeltochter (04.11), Purzelsohn (08.13) und Flitzeline (08.19)
- rueckenwind
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Ich meine natürlich das Y-Chromosom, sollte wohl Mal in den schlecht-geschlafen-Thread umziehen 
T. mit Rumpeltochter (04.11), Purzelsohn (08.13) und Flitzeline (08.19)
- Kinsale
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Wie meinst du das denn? Wie werden Männer gesellschaftlich “zu Tätern gemacht”? Also was in der Gesellschaft bewirkt, dass Männer zu Tätern werden?
Ich finde ehrlich gesagt, die Erwähnung “aber auch Frauen” irgendwie ermüdend. Ja, auch Frauen- und das ist auch furchtbar. Aber es hat schon was von whataboutism.
Männer werden nicht als Täter “gesehen”. Sie sind die überwältigende Mehrheit der Täter (nicht nur ihn diesem Bereich).
Und da muss man sich doch fragen dürfen warum und was man da tun könnte, ohne erstmal aufzählen zu müssen, dass natürlich nicht alle Männer und auch Frauen... darum geht es doch überhaupt nicht.
Ich finde ehrlich gesagt, die Erwähnung “aber auch Frauen” irgendwie ermüdend. Ja, auch Frauen- und das ist auch furchtbar. Aber es hat schon was von whataboutism.
Männer werden nicht als Täter “gesehen”. Sie sind die überwältigende Mehrheit der Täter (nicht nur ihn diesem Bereich).
Und da muss man sich doch fragen dürfen warum und was man da tun könnte, ohne erstmal aufzählen zu müssen, dass natürlich nicht alle Männer und auch Frauen... darum geht es doch überhaupt nicht.
- Dickkopf-Mama
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Ich glaube das Problem ist (zumindest für mich), dass ich meine Jungen vorrangig davor schützen möchte Opfer zu werden und das Risiko, dass sie Täter sein könnten je nach Alter erstmal nicht vorrangig ist (außer natürlich, dass ich auch meinen Kindern versuche beizubringen, dass sie die Grenzen anderer sehen und respektieren. Ich habe ein Problem damit alle Jungen unter Generalverdacht zu stellen.
Vielleicht kann man dieses Gefühl so ein bisschen nachvollziehen, wenn man über die Frage nachdenkt: Was tut ihr damit eure Partner (sofern vorhanden) nicht zu Tätern werden?
Es ist (zumindest für mich) etwas anders generell darüber zu diskutieren was allgemein dafür getan werden kann das Jungen nicht zu Tätern werden (ubd daraus ggf. auch etwas für mich und meine Jungs mitzunehnen) als wenn meine Kinder persönlich unter Generalverdacht gestellt werden, das finde ich genauso unmöglich wie ein Generalverdacht gegen männliche Erzieher etc...
Vielleicht kann man dieses Gefühl so ein bisschen nachvollziehen, wenn man über die Frage nachdenkt: Was tut ihr damit eure Partner (sofern vorhanden) nicht zu Tätern werden?
Es ist (zumindest für mich) etwas anders generell darüber zu diskutieren was allgemein dafür getan werden kann das Jungen nicht zu Tätern werden (ubd daraus ggf. auch etwas für mich und meine Jungs mitzunehnen) als wenn meine Kinder persönlich unter Generalverdacht gestellt werden, das finde ich genauso unmöglich wie ein Generalverdacht gegen männliche Erzieher etc...
Liebe Grüße von Meike mit drei Dickköpfen ( * 2007),( * 2010) und (*2013)
- rueckenwind
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Ich dachte eigentlich, ich hätte darauf recht ausführlich Bezug genommen und auch geschrieben, dass eine Tat (welcher Art auch immer), die andere nicht kleiner macht, um genau das, was du als "whatabautisms" bezeichnest zu vermeiden. Ich habe den Eindruck, dass du meinen Beitrag gar nicht richtig gelesen hast - denn es geht mir ja hauptsächlich darum, zu erläutern, warum ich es für wenig sinnvoll erachte, das mit meinen Kindern unterschiedlich geschlechtsspezifisch zu diskutieren, ihnen vorzuleben, sie zu 'erziehen'.Kinsale hat geschrieben: 14.10.2018, 09:58 Wie meinst du das denn? Wie werden Männer gesellschaftlich “zu Tätern gemacht”? Also was in der Gesellschaft bewirkt, dass Männer zu Tätern werden?
Ich glaube einfach, dass wir, als Gesellschaft ein Problem mit unseren gegenderten Stereotypen haben, es starke Tendenzen gibt, Männer als das potentiell gefährliche Geschlecht darzustellen (wie es z.B. bei der Diskussion über männliche Erzieher besonders deutlich wird) und Frauen als potentielle Opfer. Ich denke, dass auch unsere sexualisierten Stereotypen (Frauen zieren sich gerne, Männer wollen eigentlich immer, Konnotationen von Sex und Gewalt, Überreden..... da gibt es ja so unglaublich viel, das wir bewusst oder unbewusst an unsere Kinder weitergeben) ein wirklich großes Problem darstellen, dass sich definitiv auf die Wahrnehmung von Kindern auswirkt und auch auf die Rollen, die sie später mal einnehmen und die Sexualität, die sie später ausleben.
Ich wünsche mir ein Klima, in dem über Übergriffe sowohl von Frauen als auch von Männern gleichberechtigt gesprochen wird (ich meine nicht die Prozentzahlen), wir uns und unsere Kinder von diesen, in meiner Wahrnehmung sehr starken und dauerhaften, Stereotypen distanzieren.
Ich möchte beispielsweise keinesfalls, dass meine Tochter das Gefühl hat, man müsse sich vor Männern schützen, oder dass mein Sohn aufgrund seines Geschlechts als potentiell gefährlich wahrgenommen wird.
T. mit Rumpeltochter (04.11), Purzelsohn (08.13) und Flitzeline (08.19)
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Das was du beschreibst ist sicherlich ein wünschenswerter Soll-mal-so-sein Zustand, genauso wie Frauen in Führungspositionen, etc. - also generelle Gleichberechtigung.
Solange aber Männer immer noch über 90% der Übergriffe ausüben, sehe ich da sehr wohl auch eine Notwendigkeit, dem eigenen Kind das nötige Handwerkszeug mitzugeben um in der Ist-Gesellschaft zurecht zu kommen. Ich finde da „Mund aufmachen“ ganz wichtig, also dass auch Männer mal auf Sexismus hinweisen und nicht immer nur die bösen genderfeministischen Frauen. Da ist einiges in Bewegung, gerade auch in den jüngeren Generationen, das finde ich schön. Und das kann/sollte oder sogar muss in meinen Augen aktiv unterstützt und vermittelt werden. Nicht bei 5 Jährigen, aber später.
Solange aber Männer immer noch über 90% der Übergriffe ausüben, sehe ich da sehr wohl auch eine Notwendigkeit, dem eigenen Kind das nötige Handwerkszeug mitzugeben um in der Ist-Gesellschaft zurecht zu kommen. Ich finde da „Mund aufmachen“ ganz wichtig, also dass auch Männer mal auf Sexismus hinweisen und nicht immer nur die bösen genderfeministischen Frauen. Da ist einiges in Bewegung, gerade auch in den jüngeren Generationen, das finde ich schön. Und das kann/sollte oder sogar muss in meinen Augen aktiv unterstützt und vermittelt werden. Nicht bei 5 Jährigen, aber später.
- Pupu
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Es ist ja auch weiterhin gesellschaftlich die Norm, dass Jungs/Männer diejenigen sind, von denen erwartet wird, dass sie auf die Mädchen/Frauen zugehen. Überspitzt gesagt: Jungs sind die "Jäger" und Mädchen die "Beute". Das fällt mir immer wieder auf - wie oft sieht man z.B. (auch in den Medien) Männer, die herausgeputzt an der Bar sitzen und hoffen, dass eine Frau sie anspricht und z.B. zum Tanzen auffordert oder auf ein Bier einlädt? Meistens ist es andersrum - Frauen wollen bemerkt werden, angesprochen werden, senden teilweise kryptische Botschaften (wann kapiert er denn endlich dass ich ihn mag etc), in der Hoffnung, dass ER auf SIE zugeht. Mal krass formuliert: beim Paarungsritual des Menschen locken die Weibchen mit ihren Schmuckfedern die Männchen an, aber der Mann muss den Paarungstanz initiieren. (Zum Paarungsritual muss dann auch noch gehören, dass das Weibchen sich erst ein wenig ziert. Könnte ja sonst jeder kommen...)
Das hat jetzt natürlich mit der Ausgangssituation zunächst nicht viel zu tun. Aber es ist ein Teil des Hintergrundes. Die "Paarungsregeln" in unserer Gesellschaft sind komplex und subtil - und es ist nicht verwunderlich, dass da gerade auf dem Schulhof vieles ausprobiert wird. Wie soll man es lernen, wenn man es nicht übt? Und wo gehobelt wird, fallen Späne - nicht alle können die Regeln sofort perfekt beherrschen, also wird es auch in der aufgeklärtesten Gesellschaft immer zu Zwischenfällen kommen, wo einer über die Stränge schlägt und ein anderer sich nicht mehr wohlfühlt. Zu einem gewissen Grad gehört das wohl einfach dazu.
Aber - und damit schlage ich den Bogen zur Ausgangsthematik - dann muss es entsprechendes Feedback geben. Man muss es nicht sofort kriminalisieren, aber es muss ein DEUTLICHES Zeichen gesetzt werden, dass eine Grenze überschritten wurde und dass das NICHT okay war. Eben damit auch ein Lernerfolg eintritt, wo die Grenzen tatsächlich sind.
Das hat jetzt natürlich mit der Ausgangssituation zunächst nicht viel zu tun. Aber es ist ein Teil des Hintergrundes. Die "Paarungsregeln" in unserer Gesellschaft sind komplex und subtil - und es ist nicht verwunderlich, dass da gerade auf dem Schulhof vieles ausprobiert wird. Wie soll man es lernen, wenn man es nicht übt? Und wo gehobelt wird, fallen Späne - nicht alle können die Regeln sofort perfekt beherrschen, also wird es auch in der aufgeklärtesten Gesellschaft immer zu Zwischenfällen kommen, wo einer über die Stränge schlägt und ein anderer sich nicht mehr wohlfühlt. Zu einem gewissen Grad gehört das wohl einfach dazu.
Aber - und damit schlage ich den Bogen zur Ausgangsthematik - dann muss es entsprechendes Feedback geben. Man muss es nicht sofort kriminalisieren, aber es muss ein DEUTLICHES Zeichen gesetzt werden, dass eine Grenze überschritten wurde und dass das NICHT okay war. Eben damit auch ein Lernerfolg eintritt, wo die Grenzen tatsächlich sind.
Lg aus Finnland von Pupu mit Wildgurke
(02/09), Quatschbanane
(08/11) und zwei Minimöhrchen 
(07/17)
"I'm not procrastinating. I'm doing side quests!"
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