Eisenreserven und -verwertung

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jusl
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Re: Eisenreserven und -verwertung

Beitrag von jusl »

Hallo,

das hängt vom einzelnen Nährstoff ab.

Unten ein aufschlussreicher Artikel von Denise Both, IBCLC zu dem Thema.

LG;
Julia


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Gibt es zu dünne Muttermilch?

Welchen Einfluss hat die Ernährung der Mutter auf die Qualität der Muttermilch?

Von Denise Both, IBCLC


Wohl jede von uns ("Stillberaterinnen" Anm. v. jusl) hat schon einmal eine Mutter getroffen, die der Meinung war, dass ihre Milch zu dünn für ihr Baby sei (oder die Schwiegermutter, Tante, der Ehemann oder sonst wer war dieser Meinung). Nicht selten glaubt die Mutter deshalb abstillen oder zufüttern zu müssen oder hat es bereits getan.

Was ist nun dran an der „dünnen Muttermilch"? Gibt es wirklich Frauen, deren Milch nicht nahrhaft genug ist? Kann die Mutter den Kaloriengehalt oder die Zusammensetzung der ihrer Milch durch die Ernährung wesentlich beeinflussen?

Obwohl sich Frauen in verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Kulturen sehr unterschiedlich ernähren gibt es so gut wie keine Unterschiede in der Zusammensetzung der Muttermilch. Es ist sehr schwierig bis unmöglich, die Milchzusammensetzung deutlich über die Ernährung zu beeinflussen. Dies mag ein Schachzug der Natur sein, um das Überleben des Babys zu sichern.

Ernährt sich eine Mutter nicht gut, so geht dies zunächst nicht zu Lasten der Qualität der Muttermilch, sondern zu Lasten der Mutter. Erst wenn die Reserven der Mutter erschöpft sind (zum Beispiel bei schwer unterernährten Frauen in Hungergebieten), kommt es zu Veränderungen der Muttermilch, die jedoch weniger die Qualität als die Quantität betreffen.

In wie weit lassen sich nun die einzelnen Bestandteile der Muttermilch tatsächlich beeinflussen?

Keinen Einfluss hat die Ernährung auf den Gehalt der Muttermilch an Eiweiß, Laktose, Wasser und Kalorien. Ebenso lässt sich die Fettmenge nicht beeinflussen, wohl aber die Zusammensetzung der Fette. Das Verhältnis von gesättigten und ungesättigten Fettsäuren steht in deutlichem Zusammenhang zur Ernährung der Mutter.

Wenig Einfluss lässt sich auf den Gehalt der Muttermilch an fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) nehmen. Zumindest durch eine kurzfristige Ernährungsumstellung lässt sich nichts bewirken. Bei unterernährten Frauen lässt sich durch die Gabe von fettlöslichen Vitaminen eine teilweise Steigerung des Gehaltes der Muttermilch feststellen.

Mit Ausnahme von Jod, Fluor und Mangan ist der Gehalt an Mineralstoffen in der Muttermilch nicht durch die Ernährung beeinflussbar. Dabei ist besonders wichtig zu wissen, dass sich der Eisengehalt der Muttermilch nicht steigern lässt.

Demgegenüber ist der Gehalt an wasserlöslichen Vitaminen (B, C) durchaus abhängig von der Ernährung der Mutter. Es kann jedoch nicht zu einer Überdosierung von diesen Vitaminen kommen, da ein eventueller Überschuss ausgeschieden wird.

Selbstverständlich ist eine gute und ausgewogene Ernährung der Mutter wünschenswert, aber aus dem oben gesagten lässt sich ableiten, dass es keine „zu dünne" Muttermilch gibt.

Dennoch gibt es einige wenige Ernährungsformen, die ein Risiko für die Qualität der Muttermilch darstellen. Die Milch von Müttern, die sich makrobiotisch oder streng vegan (ohne jegliche tierische Eiweiße) ernähren, kann einen Mangel an Vitamin B12, Vitamin D und Eisen aufweisen. Ein Mangel an B-Vitaminen ist ein Risiko für die geistige und körperliche Entwicklung des Kindes. Wollen Mütter, die diese Ernährungsformen für sich gewählt haben, auch in der Stillzeit streng auf jegliches tierisches Eiweiß verzichten, so muss überlegt werden, ob entweder die Mutter oder das Kind entsprechende Präparate einnehmen
Mummy
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Re: Eisenreserven und -verwertung

Beitrag von Mummy »

:shock: :shock:
Das hätte ich nun nicht gedacht! Heißt das dann dass ich nicht unbedingt täglich alles mögliche in mich reinstopfen muss?
-tu mir eh etwas schwer nicht zuviel Gewicht zu verlieren.
Ich hab manchmal ein sooo schlechtes Gewissen wenn ich nicht vollwertig gegessen habe!
Als der kleine dann anfangs so schlecht zugenommen hat habe ich mir oft die Schuld gegeben wegen der Ernährung. :oops:
Er bekommt aber schon alles nötige ab, oder? Also die MM besteht nicht nur aus Wasser und Fett?

Das soll jetzt aber nicht heißen dass ich schlecht esse.
Liebe Grüße
von mir mit
Kuschelmaus 07/05 und Schnuffelbär 05/09
jusl
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Re: Eisenreserven und -verwertung

Beitrag von jusl »

Ein schlechtes Gewissen ist definitiv völlig unangebracht.
Das Kind ist einer stillenden Mutter, die sich ausschließlich von Nutella, Pizza und Hamburgern ernährt ist zweifellos besser ernährt als ein künstlich ernährtes Kind.

Letzlich ist es ja höchst sinnvoll eingerichtet von der Natur, dass die Mumi-Zusammensetzung weitgehend UNabhängig von der mütterlichen Ernährung ist - dies garantiert, dass egal ob Mütter in Grönland, Brasilien oder China leben, ihre Milch immer "gleich gut" ist.

Fakt ist aber auch: Ausgeprägte Fehl- oder Mangelernährung geht v.a. zu Lasten der MÜTTERLICHEN Gesundheit. Insofern lohnt es sich doch zu schauen, dass man zwischen Nutella und Hamburgern auch mal einen Apfel reinfährt ;-)

LG;
Julia
Mummy
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Re: Eisenreserven und -verwertung

Beitrag von Mummy »

Das ist natürlich klar. Das sollte ja auch nicht heißen dass ich mich so ernähre.
Das schlechte Gewissen kam eher daher dass ich es nicht schaffe jeden Tag von allem etwas zu essen, was ich und mein kleiner braucht. Das war mein Wunsch, aber es ist einfach meist nicht machbar. Ich hätte mir wohl nicht jeden Tag so nen Streß deshalb gemacht und werde es einfach lockerer angehen. Wenn ich am Tag nur ein Obst zu mir nehme dann denke ich jetzt, dank Deiner Info´s dass es OK ist. Und ich mir nicht noch ne Banane, ein paar Kiwis ect. reinzwingen muss. )zusätzlich zum anderen essen natürlich) :wink:

Und der doofe Kia hat mich kurz so unter Druck gesetzt. Pfff
Liebe Grüße
von mir mit
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Nuala
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Re: Eisenreserven und -verwertung

Beitrag von Nuala »

Danke jusl für deine Erklärungen!

Darf ich noch einmal die Frage aufgreifen wie das mit den Eisenreserven des Babys ist: Wo sind die? Und wie verbrauchen sie sich?
Sins Blutkontrollen notwendig und ab wann?

Ich frage generell nicht nach weil ich unsicher bin - auch ich denke dass sich ein Kind im Großen und Ganzen holt was es braucht (ich habe ein BLW-Stillkind und viel Vertrauen in die Kompetenz und Gespür meines Babys) - sondern weil mich die Hintergrundfakten interessieren. Eben gerade WEIL man so vieles HÖRT... :wink: Und manchmal möchte man einfach mehr sagen als nur: "Ich vertraue darauf, dass mein Kind das richtig macht. Ich biete ihm gesundes vegetarisches Essen an und stille es, das passt schon."
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Re: Eisenreserven und -verwertung

Beitrag von jusl »

Darf ich noch einmal die Frage aufgreifen wie das mit den Eisenreserven des Babys ist: Wo sind die? Und wie verbrauchen sie sich?
Das ist kompliziertes Thema - ich bin keine Biochemikerin, deshalb kann ich das nur ganz rudimentär erklären: das Eisen ist im Wesentlichen im Hämoglobin gebunden, also im roten Blutfarbstoff, der die roten Blutkörperchen eben rot färbt. (deshalb kann Blässe auch auf Eisenmangel hindeuten). Hämoglobin ist maßgeblich am Sauerstofftransport beteiligt.
Es gibt verschiedene Sorten Hämoglobin, u.a. auch eine Sorte, die nur während der Schwascha und in den Monaten nach der Geburt gebildet wird. Föten weisen eine stark erhöhte Hämoglobinmenge auf - dies gleicht sozusagen die Sauerstoff-Knappheit im Mutterleib aus. Nach der Geburt steht mit der Lungenatmung dann viel Sauerstoff zur Verfügung, deshalb wird viel überschüssiges Hämoglobin abgebaut - zu Bilirubin, was wiederum von der Leber in eine ausscheidbare Form abgebaut wird. Da dieser Umstellungsprozess in den ersten Lebenstagen und -wochen oft noch etwas schleppend läuft, sammelt sich Bilirubin an, bis die Leber hinterherkommt - das ist die altbekannte Neugeborenengelbsucht.

Verbraucht wird Eisen also letztlich zur Blutbildung; die Eisenreserven aus der Schwascha gehen mit dem Abbau an sich überschüssigen Hämoglobins dahin.

Für genaure Infos empfielt sich das Studium entsprechender Biochemie- bzw. Physiologiebücher.
Sins Blutkontrollen notwendig und ab wann?
BLUTkontrollen sind erst notwendig bei konkretem Verdacht auf Eisenmangel (oder sonstigen Nährstoffmangel, der bequem mittels Blutbild diagnostiziert werden kann).
Eine ALLGEMEINE Kontrolle (d.h. Überprüfung von Gesundheits- und Entwicklungsstand des Babys, Längenwachstum und Gewichtszunahme, Anfälligkeit für Bagatellerkrankungen, Haut, Augen, Motorik usw.) durch einen Kinderarzt empfielt die AFS für vollgestillte Kinder, die auch deutlich nach 6 Monaten noch jegliche feste Nahrung verweigern (und natürlich für Kinder, die außer besonders langer Vollstillzeit WEITERE Risikofaktoren für Eisenmangelanämie mitbringen).
Diese zusätzliche Untersuchung sollte zwischen der U5 und U6, also mit etwa 9 Monaten stattfinden. Die Mehrheit der Babys weist auch zu diesem Zeitpunkt sicherlich keinen Anhaltspunkt für eine Eisenmangelanämie auf - manche aber eben schon, und dann ist eine Abklärung mittels Blutkontrolle sinnvoll.

Ich hoffe, ich konnte Deine Fragen zufriedenstellend beantworten.

LG;
Julia
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Nuala
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Re: Eisenreserven und -verwertung

Beitrag von Nuala »

Ja, danke Julia! :knutsch
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Re: Eisenreserven und -verwertung

Beitrag von Lolomama »

Hallo!

Bei Lea wurde bei der U4 mit ca. 4 Monaten anlässlich einer Blutkontrolle gesagt, dass sie einen "leichten" Eisenmangel hat. Ich glaube, der Eisen lag bei 11 oder so (12 wäre ideal). Nun ist sie 6 Monate und eine Woche alt und nimmt überhaupt noch keine Beikost, sie scheint aber nicht schläfrig zu sein. Blass ist sie aber schon immer gewesen.

Ich frage mich, ob es Sinn machen würde, beim KiA eine erneute Blutkontrolle durchführen zu lassen, ob ihren Eisenwert zu kontrollieren oder lieber warten bis sie 9 Monate alt ist, wenn sie sonst keine "Anzeichen" zeigt?
mit grosser Tochter (2009), kleiner Tochter (2013) und kleinem Sohn (2018)
jusl
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Re: Eisenreserven und -verwertung

Beitrag von jusl »

Ich würde beim Kia nachfragen, in welcher Zeiträumen er Kontrollen für sinnvoll hält.

Bei Kindern, die bereits einen leichten Eisenmangel haben, ist jedenfalls besonders sinnvoll darauf zu achten, dass die erste Beikost, WENN das Kind denn mag, EISENHALTIG ist und dazu NICHT die Muttermilchmenge verringert.
(Also "statt Stillen mittags nen Gemüsebrei" wäre in der Tat eher ungünstig)

LG;
Julia
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Re: Eisenreserven und -verwertung

Beitrag von Lolomama »

Ja, ich weiss, dass die erste Beikost möglichst eisenhaltig sein soll. Die KiÄ meinte, vor allem grünes Gemüse hätte diese Eigenschaft. Für rotes Fleisch ist sie ja eh noch zu jung. Naja, momentan mag sie noch nichts essen, weder grünes noch sonstiges Gemüse oder Obst oder so... ich versuche aber, mich nicht stressen zu lassen.
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