Re: interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen
Verfasst: 03.09.2009, 16:37
Vielen Dank Karin, ich finde diese historischen Zusammenhänge wirklich spannend, wenn auch sehr traurig.
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Aus: "Ich und mein Mütterlein", Dr.med. Paul Croner, 1915"Die Ernährung durch die Amme hat nun einige sehr unangenehme Seiten. Erstens ist es das Schicksal des Ammenkindes, nun die Mutterbrust entbehren zu müssen und so leicht in Gefahr zu kommen. Die Forderung der Oberwarts, der Leiter der Berliner Wöchnerinnenunterkunft, daß auch das Ammenkind im Haushalte aufgenommen werden solle, ist schwer erfüllbar, denn es wird wenige so hochherzige Menschen geben, die sich mit dem Einzug von zwei schreienden Mitbürgern in ihr vorher so ruhiges Heim zufrieden erklären. Daß dann auch noch immer die Mutter Angst hat, die Amme könnte ihr eigenes Kind bevorzugen und besser pflegen, ist klar. Der zweite Punkt ist die Behandlung der Amme. Diese stützt sich natürlich auf die alte Überlieferung, daß durch eine Aufregung die Güte der Milch leiden könnte. Nun haben aber so viele Mütter ganz andere Sorgen als die Amme, und das Kind gedeiht doch. Es soll beobachtet worden sein, daß nach einem plötzlichen Schreck die Milch völlig versiegte. Man hat ihr also von vornherein zu zeigen, daß man davor keine Angst hat. Sie gehört zu den Dienstboten und ist als solcher freundlich, aber auch energisch zu behandeln. Droht sie mit Kündigung, dann lasse man ihr den Willen, denn ein 'Milchwechsel' schadet dem Kinde gar nichts, das ist auch nur unbewiesenes Gerede. In den Anstalten wird oft genug gewechselt ohne daß das Kind etwas davon merkt."
Dem schließe ich mich an...Nudelsuppe hat geschrieben:Vielen Dank Karin, ich finde diese historischen Zusammenhänge wirklich spannend, wenn auch sehr traurig.