Warum PRE?

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darkdragonsoule
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Re: Warum PRE?

Beitrag von darkdragonsoule »

das habe ich bei den raben gefunden,da geht es um die zusammensetzung von mumi und kunstmilch:

Eiweiße (Proteine) bestehen aus einer Kette von Aminosäuren, die wie Perlen aneinandergereiht sind. Die meisten Aminosäuren (Perlensorten) kann der Mensch selbst herstellen, einige „essentielle“ nicht. Diese müssen gegessen werden. Die Werte in MM sind bei Spiller nachzulesen. In KM sind alle essentiellen Aminosäuren in so hoher Konzentration vorhanden, dass es auch nach dem Verdünnen noch immer zu große Mengen von jeder Sorte sind. Dagegen ist die Konzentration einer anderen Aminosäure, Taurin, zu niedrig. Taurin fördert das Gehirnwachstum.
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jusl
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Re: Warum PRE?

Beitrag von jusl »

Mie hat geschrieben:Ihr lieben (voll)Stillenden.

Als allererstes möchte ich euch Recht geben, dass zum Zufüttern die Premilch absolut ausreichend ist und die Beraterin mit der 1er Empfehlung übers Ziel hinaus geschossen ist. Ich kann mir sogar vorstellen, dass das die Stillbeziehung ruinieren könnte, wenn man die sättigendere 1er Milch gibt.

Aber ihr lebt leider auch mit ein paar Halbwahrheiten, die ich gerne aufklären würde:

Vor 3 Tagen erst hatte ich diese Diskussion mit einer Bekannten die nur den halbwissenden, firmengesponsorten Berichten glaubte, daraufhin habe ich mir die Zutatenseiten der 1er Milchen angeschaut. Nicht aller, aber der bekanntesten.
In den meisten 1er-Milchen ist KEIN anderer Zucker, außer dem natürlichen Milchzucker, der da rein gehört. Besagte Bekannte wollte gerade auf Aptamil 1 umsteigen weil ihr Sohn nicht mehr satt genug wurde von Pre*
Sie sagte, in "billigen" Milchen ist noch Kristallzucker und Fruchzucker, der in Aptamil nicht ist. Auf die Verpackung hat sie nicht geschaut. Ich aber. Fazit: die allermeisten Milchen haben KEINEN anderen Zucker außer Milchzucker drin. ABER ausgerechnet Aptamil 1 hat neben dem Milchzucker noch 2 andere Milchzuckerarten, eine davon ist Fructose, die andere kannte ich nicht. (ihr könnt euch ja selbst die Inhaltsstoffe anschauen, kann man auch online).
Viel bedenklicher finde ich, dass in allen 1er-Milchen die ich angesehen habe, Taurin drin ist. Das ist doch der Muntermacher aus RedBull, oder?

*Ich möchte keine Diskussion über Pre als Nonplusultra anfangen, nur meine persönliche Erfahrung wiedergeben.
Pre ist der MuMi am nächsten, weil es im Eiweis volladaptiert ist (da gibts übrigens auch 1er Milchen die das sind und nach Bedarf gegeben werden können). ABER MuMi passt sich dem steigenden Energiebedarf des wachsenden Babys an und das kann Pre nicht. Meine persönliche Erfarung ist dass Babys, die Pre als Alleinnahrung bekommen, irgendwann nicht mehr satt werden davon. Nicht alle, aber manche. Ich würde also 1er Milch nicht von vorneherein verteufeln.
Zum Zufüttern zum Stillen würde ich aber keine 1er Milch empfehlen, das ist völliger Quatsch.
Liebe Mie,

bei allem aufklärerischen Wohlwollen, aber auch in Deinem Beitrag sind einige "Halbwahrheiten" versteckt; ich versuch's mal aufzudröseln ;-)

Anfangsnahrungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie als alleiniger Muttermilchersatz gegeben werden können; diese sind immer im Eiweiß "volladaptiert" (d.h. in der Menge angepasst"). Die Bezeichnung "1" wird - je nach Firma - entweder für Anfangsnahrung benutzt, die keine anderen Kohlenhydrate (Kohlenhydrate, nicht nur Zucker!) außer Laktose enthält (bei anderen Firmen heißt diese Milch "Pre") oder für Anfangsnahrung, die neben Laktose weitere Kohlenhydrate enthält (meist von Firmen, die auch "Pre" im Sortiment haben). Laktose als alleiniges Kohlenhydrat ist dabei nicht unbedingt das Nonplusultra (Muttermilch enthält neben Laktose als Hauptkohlenhydrat hunderte weitere verschiedene(!) Kohlenhydrate, z.B. sogenannte Oligosaccharide). Was allerdings weithin als verzichtbar gilt, ist, neben weiteren Zuckersorten (etwa Fruktose, Maltose oder Glukose), schlichtweg STÄRKE als billiger Sattmacher. Mindestens diese ist in quasi allen "1"-Milchen von Firmen, die auch "Pre" anbieten, enthalten.

Als sinnvolles Einsatzgebiet von "1"-Milch bei nichtgestillten Babys gilt der Umstand, wenn Babys dauerhaft deutlich über einen Liter "Pre" am Tag trinken. Diese enormen Mengen an Flüssigkeit belasten die Nieren - deshalb kann es dann sinnvoll sein auf "1" zu wechseln, wenn das Baby davon dann weniger trinkt.

Der durchschnittliche Energiegehalt von Muttermilch ist über die Stillzeit hinweg konstant. Wachsende Babys haben nämlich quasi keinen "steigenden Energiebedarf"; sie werden zwar schwerer, aber der "Energiebedarf pro kg Körpergewicht" sinkt, je größer sie werden. Zusätzlich benötigte Energie wird bis zum Beikostalter schlicht über die bei Bedarf steigende MENGE an Muttermilch geliefert; dies geht ebenso mit "Pre", wenn diese nach Bedarf gefüttert wird.

LG,
Julia

PS: "Taurin" ist eine Aminosäure-ähnliche Substanz und fördert einige Stoffwechselvorgänge im Körper, es spielt z.B. eine Rolle im Aufbau von Gehirn, ZNS und Herz (ist auch in der Mumi vorhanden!). Der Muntermacher in Red Bull heißt "Koffein" ;-)
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Mie
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Re: Warum PRE?

Beitrag von Mie »

Danke euch beiden für die Aufklärung bzgl Taurin (ist mir nur so aufgefallen als ich die Inhaltsstoffe durchgelesen habe. Als meine Tochter Flaschenmilch bekam, stand das noch nicht drauf).

Das Stärke der Sattmacher in den Kunstmilchen ist, ist mir bekannt. Darauf wollte ich auch garnicht weiter eingehen, mir ging es nur darum, dass viele immer schnell behaupten, in sämtlichen 1er Milchen sei Prinzipell Kristallzucker und Fruchtzucker und andere Zuckerarten, was schlichtweg nicht stimmt. Es gibt übrigens auch 2er Milchen ohne weiteren Zucker, die haben dann aber gerne andere Geschmacksstoffe drin und das ist eh wieder eine andere Baustelle :roll:
Als sinnvolles Einsatzgebiet von "1"-Milch bei nichtgestillten Babys gilt der Umstand, wenn Babys dauerhaft deutlich über einen Liter "Pre" am Tag trinken. Diese enormen Mengen an Flüssigkeit belasten die Nieren - deshalb kann es dann sinnvoll sein auf "1" zu wechseln, wenn das Baby davon dann weniger trinkt.
Das werde ich mir mal merken. Das ist gut zusammengefasst und erklärt! Genau das war bei der o.g. Bekannten der Fall. Der Sohn kam locker auf 1,5-2l Pre in 24 Stunden. Doch etwas viel, wie auch der Kinderarzt meinte.
Der durchschnittliche Energiegehalt von Muttermilch ist über die Stillzeit hinweg konstant. Wachsende Babys haben nämlich quasi keinen "steigenden Energiebedarf"; sie werden zwar schwerer, aber der "Energiebedarf pro kg Körpergewicht" sinkt, je größer sie werden. Zusätzlich benötigte Energie wird bis zum Beikostalter schlicht über die bei Bedarf steigende MENGE an Muttermilch geliefert; dies geht ebenso mit "Pre", wenn diese nach Bedarf gefüttert wird.
Das ist mir neu. Ich habe damals von meiner Stillberaterin gelernt, dass der steigende Energiebedarf (weil das Kind mehr wach ist und mobiler wird) auch von der MuMi gedeckt wird. Sie erklärte (hatte das auch schriftlich, ist aber schon 2 Jahre her, die Forschung schläft ja nicht) dass die Muttermilch sich im Laufe des Babylebens anpasst. Aber ich lerne auch gerne dazu :)
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Re: Warum PRE?

Beitrag von susannehanssen »

Das finde ich sehr komisch, vor allem weil die Mütterberaterinnen in der Schweiz eine gute Zusatzausbildung haben, viele waren bei mir in der Stillberatungsausbildung. Aber hin und wieder gibt es wohl falsche Infos. In unserem Spital erhalten alle Kinder bis 1 Jahr Pre, vor allem die gestillten, nur auf besonderen Wunsch der Eltern wird nach Beratung 1er gegeben. Unsere Frühchen erhalten in erster Linie eigene Muttermilch, dann Spendermilch (nach Absprache der Eltern), dann normale Pre-Milch.
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Re: Warum PRE?

Beitrag von jusl »

Natürlich wird der Energiebedarf (bis zum Beikostalter) vollständig von der Mumi gedeckt - aber nicht weil sich an der Mumi was ändert. Es ist nicht möglich aufgrund einer Milchprobe hinsichtlich Fett, Eiweiß und Kalorien zu unterscheiden, ob dessen "Besitzerbaby" 3 oder 30 Monate alt ist (vorausgesetzt, dass jeweils mehrmals täglich gestillt wird.)

LG;
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Mie
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Re: Warum PRE?

Beitrag von Mie »

Wieder was dazu gelernt :)
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Anke*F
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Re: Warum PRE?

Beitrag von Anke*F »

Als sinnvolles Einsatzgebiet von "1"-Milch bei nichtgestillten Babys gilt der Umstand, wenn Babys dauerhaft deutlich über einen Liter "Pre" am Tag trinken. Diese enormen Mengen an Flüssigkeit belasten die Nieren - deshalb kann es dann sinnvoll sein auf "1" zu wechseln, wenn das Baby davon dann weniger trinkt.

Der durchschnittliche Energiegehalt von Muttermilch ist über die Stillzeit hinweg konstant. Wachsende Babys haben nämlich quasi keinen "steigenden Energiebedarf"; sie werden zwar schwerer, aber der "Energiebedarf pro kg Körpergewicht" sinkt, je größer sie werden. Zusätzlich benötigte Energie wird bis zum Beikostalter schlicht über die bei Bedarf steigende MENGE an Muttermilch geliefert; dies geht ebenso mit "Pre", wenn diese nach Bedarf gefüttert wird.
ich steh grad auf dem schlauch... was ist wenn ein baby mehr als 1l mm trinkt ? ist das kein problem für die nieren ?
(hoffe das mit dem zitieren klappt..)
danke schonmal für die aufklärung,
lg anke
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Anke*F
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Re: Warum PRE?

Beitrag von Anke*F »

oh mann... das mit dem zitieren hat natürlich nicht geklappt! :?
@ jusl, hoffe du findest meine frage trotzdem !
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Re: Warum PRE?

Beitrag von jusl »

Doch, dauerhaft, also wochenlang viel zu große Flüssigkeitsmengen können die Nieren schädigen. Die allermeisten vollgestillten Babys trinken beim Stillen nach Bedarf weniger als 1 Liter. Durchschnittlich sind's etwa: 500-1000ml. Als Mittelwert findet sich in der Literatur meist etwa 650-700 ml täglich.
Es muss sich sicher keine Mutter Sorgen machen, wenn ihr Kind mal ne Weile immer 1100ml am Tag trinkt. Aber dauerhaft 1500 wäre nicht so gut.

LG;
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nicolehanna
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Re: Warum PRE?

Beitrag von nicolehanna »

ich kann nicht stillen und meine vier kinder sind bzw. waren alle flaschenkinder. irgenwann sind wir immer auf die 1er umgestiegen. natürlich passt sich die pre nicht an, ist ja klar - wie soll sie das auch - aber generell ist es schon möglich, die pre durchgängig zu geben.
verteufeln würde ich die 1er auch nicht. schlimmer finde ich allerdings 2er und 3er.
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