skalbaggee hat geschrieben:Alle kamen mit guten Ratschlägen wie toll stillen ist und ich soll es ja weiter machen und haben mich so irgendwie unter druck gesetzt.
Das kann ich mir gut vorstellen. Unser Wunschdenken erfährt in der Realität häufig einen kräftigen Dämpfer. Wir haben uns alles so schön ausgemalt, und wenn die Situation dann eintritt, dann sieht es ganz anders aus

Nix mit kleinem Baby im Bett rumkuscheln, dass dabei sanft und friedlich ab und an an der Brust nuckelt. Statt dessen ein anspruchsvolles Persönchen, das genau weiß was es will und dies auch ständig, aber leider ziemlich uneindeutig, lautstark kundtut. Wir sind ständig am rennen und machen und stillen, die Romantik bleibt häufig total auf der Strecke, Erholung und Entspannung sowieso. Vom Schlaf gar nicht zu reden. Woher - zum Kuckuck - haben die Millionen anderen Stillmütter diesen selig-verklärten Blick, wenn sie ihrem Baby die Brust geben?
Und wir können nicht raus aus diesem Laufrad, denn unsere Kinder lieben uns einfach zu sehr. Sie geben sich nicht mit weniger zufrieden. Sie wollen unbedingt uns.

Dass deine Tochter die Flasche ablehnt - könntest du es als ihre vorbehaltlose, uneingeschränkte Liebeserklärung an dich sehen? Und annehmen? Sie schenkt dir ihr ganzes Herz und Vertrauen damit. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke dabei, dem Stillen doch etwas Schönes, persönlich Berührendes abzugewinnen. Natürlich wird das wahrscheinlich nicht gleich bei jedem Stillen klappen. Aber vielleicht ja erstmal nur einmal am Tag, wenn du dich ganz bewusst darauf einlässt. Vielleicht gibt dir das etwas Kraft, noch länger durchzuhalten.
skalbaggee hat geschrieben:Ich MUSS also stillen.!!!!
Nein, musst du nicht. Aber du darfst. Das ist ein Unterschied. Dein Mädchen wird über kurz oder lang auch aus der Flasche trinken, wenn du das denn wirklich und ernsthaft willst. Kein Baby macht den Märtyrer und verhungert heldenhaft, nur weil es die Brust nicht haben kann. Aber deine Tochter spürt sicher dein Unglücklichsein mit der Situation und klammert sich an dich, so wie es ihm die Natur einprogrammiert hat. Vielleicht fühlt sie auch deine innere Unsicherheit, ob du das Stillen wirklich aufgeben möchtest, und versucht dir nur bei deiner Entscheidung zu helfen.
skalbaggee hat geschrieben:Heute hatte sie wieder ein total schlechten tag und hat kaum getrunken.....und ich habe gefüllte 1000mal meine Brust hervorgeholt und wieder eingepackt. Die ersten drei Monate hatte sie viel Bauchschmerzen und hat zeitweise ganz schlecht oder ganz viel getrunken. Das war eine harte Zeit.
Jawoll, es gibt leider keinen Fahrplan, der dauerhaft gültig ist

Das hat mich in meinem ersten Babyjahr auch arg alle gemacht

Diesmal geht es mir da viel besser, weil ich einfach jeden Tag nehme, wie er kommt, und einfach mein Baby bestimmen lasse, wann es an die Brust will, wie lange und ob es daran trinkt oder sich nur trösten will. Das klappt erstaunlich gut. Mir ist inzwischen völlig Wurscht, ob er viel oder wenig , häufig oder selten trinkt. Ich bin mir inzwischen völlig sicher, dass er das komplett und zuverlässig allein managen kann. Babys sind irre schlau

Aber die Sicherheit hatte ich beim ersten Kind natürlich noch lange nicht und war zwangsläufig auch ständig am "anbieten"
