Ich habe mir jedenfalls angewöhnt die wenigen Male in denen das Stillen (für unsere Verhältnisse) gut klappt, so richtig zu genießen. Das hilft zwar nicht in Momenten in denen die Nerven völlig blank liegen, aber dazwischen ist ja auch immer Nicht-Still-Zeit und da werden am Ende doch die Entscheidungen getroffen. Während ganz schlimmer Brustschreiphasen habe ich oft wütend beschlossen "Das war's jetzt, so stille ich nicht! Mir doch egal, ob es das Beste für das Baby ist, es ist eben nicht das Beste für mich.". Wenn sich die Situation beruhigt denke ich dann meistens, dass es schon heftig ist, es aber abseits davon noch ganz andere Still-Momente gibt. Und dann stille ich einfach weiter
Haben die anderen Mamas mit denen Du Dich austauschst denn gar keine Stillprobleme? Oder haben die nur diese Brustschreiphasen und unbedingt reizarmes Stillen nicht? In meiner Rückbildungsgruppe war tatsächlich noch eine andere Mutter mit dem Brustschreien. Die anderen Mütter hatten, bis auf eine Einzige, alle andere Schwierigkeiten zu bewältigen. Der Austausch hat jedenfalls total geholfen, auch wenn es andere Probleme waren. Ich fühlte mich dann nicht mehr so schuldig und minderwertig.
Inzwischen hab ich durch das Forum, Facebook Gruppen und den Rückbildungskurs so viele Stillgeschichten gelesen und gehört, dass ich mir denke, es gibt gar nicht die eine richtige Art es zu tun. Auch wenn das in Fachzeitschriftartikeln und Büchern oft so verkauft wird. Ich meine, solange Dein Baby gut gedeiht, darfst Du auch herum experimentieren. Du sagst ja selber, ihr habt eine Stillbeziehung. Und in der darf es Dir mindestens genauso gut gehen wie dem Baby.
Hast Du das mit dem "länger weggehen" eigentlich mal ausprobiert? Also trotz der schwierigen Stillsituation. Neulich hatte E wieder den halben Tag die Brust angeschrien und ich lag am Ende weinend mit ihr ihm Bett. Abends war ich mit meiner besten Freundin verabredet. Ich wollte das natürlich dann absagen, weil ich dachte, so können wir ja nirgends hin. Mein Partner hat mich aber zum Glück überredet, dass wir dennoch fahren. Er hat gesagt "Du kannst jetzt nicht jede Verabredung mit Deinen Freundinnen absagen, nur weil die Kleine quakt. Du brauchst das für Dich und wir fahren da gleich hin. E muss da jetzt durch. Und wenn es nicht klappt, fahren wir zurück.". Gesagt, getan. Sie musste dann natürlich als wir bei meiner Freundin ankamen gestillt werden und hat erst mal fast 20 Minuten nur gebrüllt, bis sie sich doch entschlossen hat, zu stillen. Danach hat sie geschlafen und die nächsten Male stillen gingen besser. Ich hatte danach jedenfalls ein paar sehr schöne Stunden mit meiner besten Freundin, in denen ich super Kraft tanken konnte. Meine Freundin hat selbst 5 Kinder, für die war das gar kein Problem. Mir hat es sehr geholfen, jemanden um mich zu haben, der dabei gelassen bleibt.
Vielleicht kennst Du auch so jemanden, bei dem Du es erst mal versuchen kannst, um Dich langsam vorzutasten. Vielleicht kannst Du von vorneherein schildern wie die Situation gerade ist und die Verabredung darauf auslegen, dass Du Dich irgendwo reizarm zurück darfst und/oder Du schnell wieder aufbrechen kannst. Vielleicht kannst Du auch jemanden mitnehmen, der Dich unterstützt. Sei es nur, dass Du nicht selbst mit einem schreienden Baby Auto fahren musst. Wenn Du unsicher bist, würde ich sagen, versuche kleine Schritte zu machen. Wenn Du da gute Erfahrungen machst, willst Du bestimmt von ganz alleine mehr davon und traust Dich dann auch wieder mehr.
Mir hat es geholfen, mir zu überlegen, was im allerschlimmsten Fall passieren kann, wenn ich dies oder das tue. Meistens ist das Allerschlimmste doch nur halb so wild. Ich hab mir dann gedacht, mein Baby stillt zuhause schlecht, das kann es woanders genauso gut bzw. schlecht
Ich wünsche Dir, dass Du den Mut findest, so oft es geht etwas zu tun, was Dir Freude bereitet. Wenn wir schon so viele Stunden am Tag im dunklen Zimmer mit einem weinenden Baby verbringen, dann soll wenigstens die Zeit dazwischen schön sein.