Hallo Frauwalfisch,
schön, dass das Stillen inzwischen so gut klappt!
Zu Deinen Fragen:
Zum einen: ich lese immer wieder, dass die Milch quasi während des Stillens produziert wird, nach Bedarf also, und dass eine Brust nicht "leer" sein kann.
Das ist richtig - Brüste funktionieren nicht wie Flaschen, die vor der Mahlzeit gefüllt werden müssen und dann irgendwann leer sind, sondern produzieren nach Bedarf. Prinzipiell kann das Baby also auch gut und gern eine Stunde (oder länger) an einer Brust sein und dort immer wieder Milch erhalten.
Weshalb bietet man dann überhaupt noch die zweite Brust an? Wenn die erste doch Milch hat, solange welche benötigt wird? Irgendwie steh ich da aufm Schlauch.
Weil die von den Brüsten produzierte Milch in ihrer Zusammensetzung variabel ist. Ich zitier mich mal selbst aus einem anderen Thread:
Mit der Milchbildung funktioniert das (vereinfacht gesagt) so:
Die Brust speichert zwischen den Mahlzeiten nur wenige Milliliter Milch, der Hauptanteil der Milch wird während des Stillens gebildet - und zwar jeweils NACH auslösen eines Milchspendereflexes (MSR). Das Baby löst einen MSR aus, trinkt die dann produzierte und von der Brust aktiv nach vorn gedrückte Milch und nuckelt dann solange es mag. Dann löst es durch ein spezielles Saugverhalten gezielt den nächsten MSR aus usw. usf. Mit jedem MSR steigt der Fettgehalt der Milch, so dass die Milch vom anfänglichen "Durstlöscher" über "Suppe" und "Hauptgang" allmählich immer mehr zum kalorienreichen "Sahne-Dessert" wird.
Beim Wechsel auf die zweite Seite kommt wieder zuerst die durstlöschende Milch usw.
Wenn das Baby keine weiteren MSR mehr auslöst, kann es auch einfach weiter an der Brust nuckeln und so sein Saugbedürfnis stillen, ohne noch viel Milch trinken zu müssen (z.B. beim Einschlafstillen).
Dieser gesamte Ablauf kann bei einem geübten Turbotrinker mit geringem Saugbedürfnis in 3 Minuten vorbei sein und bei einem kleinen Genusstrinker auch mal gern 40-60 Minuten dauern. Viele Babys wechseln das auch munter über den Tag hinweg ab: mal kurze Snacks, mal lange gemütliche Mahlzeiten, mal mehr fettarme Milch zum Durstlöschen, mal ein Mehrgängemenü mit Extra-Nachschlag.
Es gibt noch mehr, vom Baby gezielt gesteuerte Variationsmöglichkeiten: eine Seite oder zwei (oder noch mehr Wechsel), Abstände zwischen den Mahlzeiten länger oder kürzer... all das macht aus Deinen Brüsten ein "Selbstbedienungsbuffet" für Dein Baby, das es genau auf sein Wachstum, die Jahreszeit, seine Laune, den Appetit, ... abstimmen kann.
Wenn keine besonderen Umstände (etwa Gedeihstörungen, mütterliche Milch-Überproduktion, o.ä.) vorliegen, ist es darum am sinnvollsten, das Baby alle drei "Stellschrauben" - Mahlzeitenabstand, Mahlzeitenlänge und Anzahl der Seiten - überwiegend selbst steuern zu lassen. Und dazu gehört eben im Allgemeinen, dass man einem Baby, nachdem es an der ersten Seite dauerhaft losgelassen hat, die zweite Seite zumindest anbietet. Die kann es dann nehmen oder auch nicht.
kittykaye hat geschrieben:Bei uns zeigte mini ihre Unzufriedenheit an einer zu langsamen brust durch:abdocken schimpfen andocken saugen abdocken schimpfen usw

Solches Verhalten könnte statt "hier fließt es mir zu langsam" also z.B. auch heißen "ich hab keinen Hunger mehr aber noch Durst - hier ist mir die Milch grad zu kalorienreich - lass mich mal zum Durstlöschen noch an der zweiten Seite paar Schluck nehmen"
Oder "ich wachse grad, durch häufiges Seitenwechseln will ich mal paar Tage lang die Produktion ankurbeln", usw. ...
Glücklicherweise machen die Babys das in der Regel allein zwischen sich und der Brust aus und wir müssen es nicht wissen
Meine Tochter ist nach einer Brust auch eigentlich zufrieden und möchte nicht mehr. Oder soll ich die zweite trotzdem noch anbieten?
Woran merkst Du ohne Anbieten, dass sie nicht mehr möchte? (Meine Kinder sind auch überwiegende "nach-einer-Seite-pappsatt"-Babys. Phasenweise wollte zumindest die Kleine aber dann doch beide Seiten

)
Zu den Nächten:
Ist es möglich, nachts nur mit der einen Brust zu stillen und dann ab morgens wieder abzuwechseln? Oder wird dann die Milchproduktion irgendwie einseitig angeregt?
Prinzipiell ist das natürlich möglich - gutes Gedeihen vorausgesetzt. Es ist ja auch komplett einseitiges Stillen möglich. Wie Du schon vermutest, wird dann aber eben Deine rechte Brust deutlich mehr zur Milchbildung angeregt als Deine linke.
Babytochter schläft auf meiner rechten Seite, links schläft der Mann.
Ich habe, wenn ich z.B. irgendwo mit Baby zu Besuch war und nur die Wandseite "rausfallsicher" war, dann zum Seitenwechsel einfach jeweils vor dem Stillen Kopf- und Fußende vertauscht (Kopkissen ans Fußende, Baby um 180 Grad drehen, losstillen, weiterschlafen)

. So bleibt das Baby immer auf der gleichen Bettseite und man kann dennoch die untere Brust geben und nach dem Stillen einfach liegenbleiben. Wäre das eine Option?
"Mit der oberen Brust Stillen" ist nicht bei jeder Frau bequem möglich - das hängt u.a. sehr von der Brustgröße ab, ob man sich da zum seitlich liegenden Baby nur "bisschen weiter vor neigen" muss oder quasi einarmigen Liegestütz über einem Baby in Rückenlage machen müsste

(Baby in Rückenlage ist bei manchen Stillpaaren zudem ungünstig).
LG, blueberry