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Re: Ist Stillen so schwierig?

Verfasst: 20.12.2013, 09:49
von Kinsale
Genau, die problemlos stillenden Mütter schreiben hier nicht, aber es gibt sie durchaus! :D Ich habe zum Beispiel beide Kinder vollkommen problemlos und auch von Beginn an schmerzfrei gestillt. Da ist natürlich auch viel Glück dabei, es gibt ja durchaus Voraussetzungen, die das verhindern könnten.

Was mir geholfen hat war: eine Hebamme, die mich im Voraus total bestärkt hat und ein wenig Stillwissen. (Hier habe ich damals noch nicht gelesen, aber empfehlenswertere Lektüre gibt's glaube ich nicht :wink: )

Nicht geholfen hat mir das Personal im "stillfreundlichen" Krankenhaus, das mir 6h nach der Geburt schon erklärt hat, ich habe zu wenig Milch und sollte jetzt DRINGEND mal zufüttern. Es gab zwei Tipps:
1. Bei jedem Quieken meines Kindes kam jemand, der mir erklärt hat, das sei Hunger und in Kürze sei zumindest verdursten zu befürchten.
2. Wenn mich jemand stillend gesehen hat, wurde mir gesagt, ich solle nicht so lange und oft stillen, das sei schlecht für die Brustwarzen und ich solle- wenn ich schon nicht aufhören will- zumindest Hütchen benutzen.

Ohne Stillwissen hätte ich mir vermutlich eine ganze Reihe nerviger Stillprobleme angelacht mit diesen Empfehlungen. Von daher würde ich schon sagen, Vorbereitung ist nicht schlecht um evtl. bescheuerten Ratschlägen von "Fachpersonal" oder Tipps aus der Verwandtschaft ("Ich hatte auch nach 4 Wochen zu wenig Milch!") etwas entgegen setzen zu können. Ansonsten: erstmal auf Dich und das Kind vertrauen, und Dich um Zweifel an die Beraterinnen hier wenden. :D

Re: Ist Stillen so schwierig?

Verfasst: 20.12.2013, 09:52
von Morgaine47
Vielleicht sollten wir hier mal einen Sammelthread aufmachen mit allen weitestgehend problemlosen Stillgeschichten zum Mutmachen.

Re: Ist Stillen so schwierig?

Verfasst: 20.12.2013, 09:52
von EUfqtw
Ich finde Stillen total easy, hatte immer genug Milch und auch keine Schmerzen. :D

(Dass ich mein erstes Kind nicht lange gestillt habe, lag nicht an Stillproblemen, sondern daran, dass man mir eingeredet hatte, sie verträgt die Milch nicht. Da kannte ich das Forum hier aber noch nicht ;))

Re: Ist Stillen so schwierig?

Verfasst: 20.12.2013, 09:54
von julia1982
Es wurde hier nun schon viel richtiges geschrieben. Ich finde es auch toll, dass du dich schon vor der Geburt informierst. Ich muss sagen was ich am schwersten und hinderlichsten empfunden habe, waren die Anweisungen des Krankenhauspersonals und teilweise auch von Hebammen. Man muss ja bedenken, du bist im absoluten Ausnahmezustand nach der Geburt. Total nah am Wasser gebaut und unsicher. Bei mir ging es damit los, dass mir die Hebammen sagten, ich solle ihn doch ruhig mal ausschlafen lassen direkt nach der Geburt, also nicht anlegen (er schlief einfach und weinte gar nicht). Dann hatte keiner so recht Zeit mir beim Anliegen zu helfen, es kamen immer alle sofort mit Hütchen um die Ecke und hatten kaum Geduld mit ihm und mir. Und dann wurde er auch noch gelb und mir wurde im Brustton der Überzeugung erklärt, ich müsste ihn jetzt unter der UVLampe lassen. Ich könne abpumpen und es werde dann per Fläschchen zugeführt. Dazu muss ich vielleicht sagen, dass ich in dem Krankenhaus selber als Kinderärztin arbeite. Und trotzdem hat es mich alle Kraft gekostet, die ich hatte , mich diesen Anweisungen entgegenzustellen und habe jedes Mal geweint wenn die dann das Zimmer wieder verlassen haben. Ich hatte schon den Ruf auf der Station, die aufmüpfige zu sein und die Schwestern waren entsprechend unfreundlich. Mir wurden so viele falsche Dinge erzählt, wie Hütchen sind nie ein Problem in Bezug auf die Milchmenge, sechs mal am Tag ist genug etc. etc. Ich kann dir sagen, dass mich diese Aussagen in der jetzigen Situation überhaupt nicht angreifen würden, ich weiß ja wie oft ein neugeborenes zu trinken hat und würde das einfach so machen wie ich es für richtig halte. Das Wissen hatte ich da zwar auch, Aber nach der Geburt bist du in einem ganz anderen Zustand. Du bist so verletzlich und angreifbar und natürlich auch unsicher und überwältigt. Das darf man nicht unterschätzen. Deswegen finde ich es toll, dass du dich vorher informierst. Mich hst es Löwenkräfte gekostet unsere Stillbeziehung zu verteidigen. ohne die richtigen Infos hätte ich bestimmt darauf gehört und wer weiss, ob ich heute noch stillen würde...
Vielleicht schreibst du dir die wichtigsten Infos noch einmal heraus, wie oft sollte ein Neugeborenes trinken, warum Stillproben nur in absoluten Ausnahmefällen Sinn machen, wieviel Gewichtsverlust nach der Geburt normal ist, dass die Stilldauer nicht begrenzt werden sollte und auch Nuckeln für Deine Milchbildung wichtig ist etc. Dann kannst du nämlich diesen Fehlinformationen etwas entgegensetzen, was ja auch schon geschrieben wurde. Ich denke, mit den richtigen Informationen braucht man keine Angst vor dem Stillstand zu haben, aber ein Selbstläufer ist Stillen in meinem Umfeld leider auch meistens nicht.
Neben der klassischen Stilliteratur fand ich auch das entsprechende Kapitel in dem Buch von Gonzales " mein Kind will nicht essen " richtig gut. Das Buch wird dann eh noch nützlich, wenn die Beikost ansteht und ab spätestens 16. Woche alle erzählen, du müsstest jetzt unbedingt sofort mit Brei anfangen und "eine Portion" sei 200g und sollen eine Stillmahlzeit ersetzen... ;)
Alles Liebe für Euch!

Re: Ist Stillen so schwierig?

Verfasst: 20.12.2013, 10:01
von schokoliebe
Es ist auf jeden Fall gut, sich vorher zu informieren wo man im Fall der Fälle schnell kompetente Hilfe bekommen kann.
Bei meinem ersten Kind dachte ich während der Schwangerschaft auch, dass das Stillen selbverständlich klappen würde.
Dann hatte ich eine Frühgeburt und nichts hat geklappt. Wenn ich dieses tolle Forum vorher schon gekannt hätte, wäre unser Stillstart bestimmt besser verlaufen.
Mein 2. Kind dagegen kam termingerecht und wir hatten überhaupt keine Stillprobleme.
Jedenfalls wünsche ich Dir alles Gute!!!

Re: Ist Stillen so schwierig?

Verfasst: 20.12.2013, 10:02
von mafe
Ich habe mir im Vorfeld keine Gedanken gemacht und mich nicht informiert, weil ich dachte, dass es schon klappen wird. Leider ging dann am Anfang alles schief: Kind war zu schwach zum Saugen, falsche Beratung im KH, jeder hatte ne andere Meinung und so ziemlich alle waren von der "alten Schule" was Stillrhythmus usw angeht. Und dann wurde mit Flasche zugefüttert usw usf. Nach ich aber unbedingt stillen wollte, habe ich es mir mühsamst zurück erkämpft. Jetzt im Nachhinein ist wohl das A und O eine kompetente!!! Nachsorge (Hebamme) zu haben, dje sich mit Stillen und Co. richtig gut auskennt und einem Vertrauen schenkt.

Falls wir ein 2. Kind bekommen sollten, hat es für mich oberste Priorität solch eine Hebamme zu finden...

Alles Gute! ;)

Re: Ist Stillen so schwierig?

Verfasst: 20.12.2013, 10:12
von carrymehome
ich habe professionell nix mit Stillen zu tun, daher sind das persönliche Tips...

Generell noch etwas für deine Psyche:
nach den ersten Tagen, wenn die Zunahme wieder passt: ein (gesundes) Kind verhungert und verdurstet nicht so schnell! Nicht jedes Schreien hat was mit Hunger zu tun (auch wenn das Nuckeln sehr beruhigend wirkt). Vertrau auf dein Gespür und Wissen und nimm jeden Ratschlag, drehe ihn viermal und schaue ob er wirklich passt. Wenn du deiner Hebamme vertraust, glaube am ehesten ihr. Misstraue gänzlich jeder Art von Kinderarzt (*)...

- du kannst einen Säugling nicht verwöhnen. Gib ihm alle Nähe die du geben kannst (und bereit bist zu geben)
- Nuckeln ist ein Grundbedürftnis bei vielen Kindern (wie ausgeprägt kommt aufs Kind an), wenn es zuviel wird probier (mit Rücksprache an die Hebamme) den Schnuller
- es gibt Tage da ist der Hund drinnen - Kind dockt oft an/ab; es schmerzt; schnalzt mit der Zunge; jammert; MSR verzögert wegen Stress....das macht nichts. So ist es und das geht ohne Schaden fürs Kind vorbei (solange es nur kurz ist, sonst steckt vielleicht wirklich ein Problem dahinter).
- Schmiere deine Brustwarzen die ersten Wochen mit Lanolin ein (sooft wie geht), bevor sie wund werden
- es tut einige Zeit weh (aber nicht schlimm, eher nervig), weil die Brust ein bisschen wund ist und immer ein wenig Milchstau ist
- Wenn du Stillen willst mach dir klar warum und wenn du es willst dann mache es vor allem aus Überzeugung (ich fand stillen in den ersten 6 Wochen nur ätzend und sonst nichts).
- die ersten 6 Wochen sind mühsam aber interessant. Da helfen Wärme/Kühlpads, ausreichend Stilleinlagen, korrektes Ausstreichen (lass dir das zeigen)...und Spielereien wie verschiedene Stillpositionen (youtube hilft) und vor allem viel Zeit...manchmal hilft auch einfach was lesen, wenn es mal wieder zu lange dauert...

UND dann wenn sich das eingespielt hat: braucht man kaum mehr Stilleinlagen, die Brust ist wieder normal (weich und Grösse), das Kind ist in ratzenix fertig mit dem Trinken und alles ist palletti :-) und das bleibt dann auch so...


*) Mein erster Kinderarzt hat einer Bekannten das Stillen total vergeigt, weil er der Meinung war das Kind wären zu dünn, sie sollen zufüttern. Darauf blieb nach ein bisschen Zeit die Milch weg. Die Kleine ist auch mit Zufüttern weiter eher ein schlankes grosses Kind (Mutter und Vater sind beider >180cm und ganz schlank)...
Sie beisst sich heute noch in den Hintern, dass sie nicht nochmal die Hebamme gefragt hat, ob das Zufüttern gut sei.

Re: Ist Stillen so schwierig?

Verfasst: 20.12.2013, 10:12
von nido56
Oh, ich sehe gerade in der Vorschau, dass andere schon alles gesagt haben. Egal, ich schicke es jetzt trotzdem so ab:

Darueber denke ich auch viel nach (es gab da schonmal einen thread, aber den finde ich gerade nicht). Ich bin total naiv ans Stillen rangegangen, habe mich nur wenig informiert, wiel ich eben dachte, dass eine sooo natuerliche Sache einfach von allein funktionieren wird. Tja, und dann kam mein Kleiner und saugte erstmal nicht an der Brust, und weil er sehr klein und leicht war, hat man mir im Krankenhaus grosse Angst gemacht und mich zum Zufuettern per Flasche "gezwungen". Es hat uns dann ueber einen Monat gekostet, eine entspannte Stillbeziehung aufzubauen... In meinem gesamten Freundeskreis hatte mindestens die Haelfte massive Stillprobleme, entweder weil die Mutter starke Schmerzen hatte oder weil das Baby nicht genug zunahm.

Da habe ich mich schon gefragt, ob bei uns Europaeerinnen irgendetwas koerperlich nicht mehr funktioniert (zu spaete Schwangerschaften, daher keine genuegende Milchbildung, Einfluss von lange eingenommenen hormonellen Verhuetungsmitteln oder was weiss ich). Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Stillen zwar ganz natuerlich aber auch ziemlich kompliziert ist. Eigentlich lernt man das wohl durch Beobachtung und Erfahrung im sozialen Umfeld. Nun sind wir aber groesstenteils ohne direkten, haeufigen Kontakt zu stillenden Muettern aufgewachsen, viele von uns sind sogar selbst nicht gestillt worden. Statt dessen haben wir von klein auf gehoert, dass unsere Muetter "keine Milch hatten", das Stillen schwierig, schmerzhaft und mit grossen Opfern verbunden ist etc. Diese Botschaften graben sich ein und koennen uns unbewusst beeinflussen.

Man muss sich nur mal anschauen, was passiert, wenn Saeugetiere, die im Zoo unter nicht artgerechten Bedingungen aufgewachsen sind, selbst Junge haben: oft versorgen die Muttertiere sie nicht richtig und die Jungen wuerden sterben, wenn nicht jemand eingreifen und sie mit der Flasche aufziehen wuerde. Ich denke, unsere Generation ist sozusagen "nicht artgerecht" gross geworden. Daher fehlt uns zwar nicht die koerperliche Voraussetzung, aber sehr wohl das erlernte Verhalten beim Thema Stillen.

Vor der Geburt des kleinen Piraten hatte ich irgendwie den Anspruch, instinktiv und ohne Hilfe problemlos zu stillen. Den habe ich jetzt nicht mehr. Bekaeme ich noch ein Kind, wuerde ich einiges anders machen, aber vor allem wuerde ich vor der Geburt Kontakt mit einer Stillberaterin aufnehmen, so dass ich im Zweifelsfalleschnell jemand vertrauenswuerdigen zur Hand haette, der mich unterstuetzen koennte.

Re: Ist Stillen so schwierig?

Verfasst: 20.12.2013, 10:21
von nido56
mafe, Deine Geschichte klingt 1 zu 1 wie meine. Kind geht nicht an die Brust, Krankenhaus macht Panik, sofort zufuettern, jeder sagt was anderes, keiner hat Zeit fuer eine kompetente Beratung, und schon haben wir den Salat...

Immerhin hatte die ganze Panikmache bei uns wahrscheinlich auch ein Gutes: Ich hatte nie, wirklich ueberhaupt NIE irgendwelchen Schmerzen beim Stillen. Ich denke, das hatte auch etwas damit zu tun, dass wir so damit beschaeftigt waren su schauen, wie oft er stille, wie oft er dabei schluckt, wie lange er trinkt, ihn wachzuhalten etc. etc., dass mir alles andere egal war. Ich erinnre mich noch, das mich eine Schwester stillen sah und meinte, meine Stillposition waere falsch und ich muesste mich anders hinsetzen, und ich nur dachte "Leck mich, der trinkt gerade gut, einen Teufel werde ich tun, jetzt die Position zu wechseln!" Ich habe also den Kleinen einfach machen lassen, und der hat das zum Glueck super hingekriegt. Vielleicht sind auch die saugschwachen Kinder einfach sanfter, keine Ahnung.

Re: Ist Stillen so schwierig?

Verfasst: 20.12.2013, 10:54
von julia1982
carrymehome hat geschrieben:Misstraue gänzlich jeder Art von Kinderarzt (*)...
...

Öhm joa, ich bin selbst Kinderärztin. Am besten alle pauschal verurteilen! Schublade auf und wieder zu. Danke auch. *ironie off*

@Carrymehome: Und ne Hebamme, die im Wochenbett nen Schnuller empfiehlt, sollte dann aber auch dazu sagen, dass die Stillbeziehung durch JEGLICHE ART von künstlichen Saugern gerade im Wochenbett gefährdet werden kann!