Vollstillen tatsächlich noch möglich ??

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jusl
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Re: Vollstillen tatsächlich noch möglich ??

Beitrag von jusl »

Hallo und herzlich willkommen hier.

Ich geh mal der Reihe nach:
Jetzt ist mir schon vieles klarer, es geht mir natürlich auch besser.
Ich halte mich an keine Zeiten mehr, wenn er an die Brust will, kommt er dran... mein Wunsch nur noch: Vollstillen.
Ich hatte schon einen Versuch hinter mir, ganz unwissend wie es geht. "Einfach nur immer wieder anlegen" sagte man mir - das hielt ich einen Tag und eine Nacht aus, dann habe meinem so fürchterlich weinendem Baby ein Fläschchen gemacht, so konnte es nicht gehen ! Mein armes Baby !

Jetzt versuche ich es erneut, vorsichtig und langsam. Aber ich weiß nicht, ob ich es richtig mache. Wenn ich hier so lese - neee, dann bin ich noch nicht auf dem richtigen weg.
Ich weiß einfach nicht, ob mein Baby nun satt ist oder nicht... gebe ich Fläschchen oder nicht ?
Also, da hast Du ja wirklich schon ein ganz schön schwierige Zeit hinter Dir. Erst die postpartale Depression, dann die fachlich ungünstigen Tipps der Hebamme, dann (vermutlich unnötiges) Zufüttern, dann ein Reduktionsversuch auf eigene Faust voller Tränen - klasse, dass Du Dich aus eigener Kraft so berappelt hast und es jetzt noch mal "richtig" angehen möchtest.
Wir schauen mal, welche Verbesserungen bei Euch noch zu erreichen sind. ;-)
Ich habe "damals" beim abpumpen aus beiden Brüsten zusammen mal 40ml, mal 60ml bekommen, jetzt weiß ich dass man es nicht unbedingt mit der Menge gleichstellen kann, die ein Säugling raussaugt.
Oh, ich hoffe, Du weißt inzwischen auch, dass das eine VÖLLIG NORMALE Portionsgröße ist. Ein Baby, das nach Bedarf gestillt wird und z.B. 12 mal pro Tag trinkt (völlig normale Häufigkeit), käme mit dieser durchschnittlichen Mahlzeitengröße auf rund 600 ml täglich - eine VÖLLIG NORMALE Tagestrinkmenge für einen jungen Säugling.
Offensichtlich hast das Pumpen bei Dir "damals" also allerbestes geklappt.
Seine ungefähren Trinkmengen waren (aktuell September und Anfang Oktober):
zwischen 350ml und 550ml am Tag.
Mit "Trinkmenge" meinst Du jetzt "Zufüttermilchmenge", richtig? Falls ja:
Im dritten Lebensmonat liegt die durchschnittliche Tagestrinkmenge sehr wahrscheinlich im Bereich 600 bis 950 ml (Quelle) - genauer kann man's leider nicht sagen. Im günstigsten Fall lag der Zufüttermilchanteil also bei rund 40% des Gesamttagesbedarf, im ungünstigsten bei rund 90%. Der tatsächliche Wert liegt vermutlich irgendwo dazwischen, gaaanz grob geschätzt also bei 60-70%. Das bedeutet, dass Deine Milchprodukion
derzeit schätzungsweise ein gutes Drittel des Gesamtbedarfs beiträgt.
(Das erklärt auch, warum "einfach häufiger anlegen" in diesem Fall NICHT funktioniert (hat)!.. Da muss man schon etwas strukturierter herangehen.)
Ich hoffe, ich habe an alle Infos gedacht und einigermaßen geordnet.
Kann man mir helfen ?
Ja, ganz bestimmt. :lol: Ob's mit dem Vollstillen klappt, kann nicht garantiert werden - frühes Zufüttern reduziert die Chancen auf späteres Vollstillen (das hat hormonelle Gründe), aber das hängt u.a. von den zugefütterten Mengen ab. Kannst Du Dich noch erinnern, wie viel in der ANFANGSZEIT des Zufütterns täglich ungefähr zugefüttert wurde?
Günstig für Euch ist zweifellos, dass Dein Baby überhaupt noch an die Brust geht.
Wie gehe ich nun vor ? ....kann das nicht alleine, habe Angst mein Baby zu gefährden und/oder unter zu versorgen.
Also zunächst mal möchte ich Dich hinsichtlich Deiner Angst komplett beruhigen: Du hast ja hier im Forum schon etwas gestöbert und weißt entsprechend, dass hier ausnahmslos NIEMALS mit Hungerlassen des Babys o.ä. gearbeitet wird. Während SÄMTLICHER stillberaterischer Bemühungen hier hat immer oberste Priorität, dass das Baby gut versorgt ist. Und das werden wir definitiv auch in Eurem Fall sicherstellen.
Genau DAZU nämlich dient die sorgfältige Dokumentation aller Zeichen GUTEN GEDEIHENS des Babys. Im wesentlichen ist das: Gewichtsentwicklung, Stillhäufigkeit, Zufüttermengen und Ausscheidungen. Aus der Kombination dieser Angaben lässt sich sehr sicher feststellen, ob das Baby gut gedeiht und die Nahrungsmengen entsprechend richtig sind oder nicht.

Genaus DAS möchte ich ab jetzt auch Dir vorschlagen. Bitte dokumentiere ab jetzt täglich: Babygewicht (morgens unter möglichst gleichen Bedingungen gemessen, sieh dazu unbedingt unsere Grundinfo Gewicht, Gedeihen und korrektes Wiegen), Stillhäufigkeit, Zufüttermengen und Anzahl Pipiwindeln und Anzahl Stuhlwindeln.
Ich lege jetzt häufiger an , Schnullergabe versuche ich zu reduzieren.
Das ist schonmal ein guter Ansatz. Babys trinken normalerweise durchschnittlich 8-12 mal in 24 Stunden. Wenn die Milchproduktion gesteigert werden soll, eher mind. 10-12 mal anpeilen.
Weiterhin kann der Gebrauch künstlicher Sauger (Schnuller, Flasche (egal welche Marke)) die Fähigkeit des Babys beeinträchtigen, mit korrekter Technik und effektiv an der Brust zu saugen. Deshalb ist es ratsam, auf eine stillfreundliche Zufüttermethode umzusteigen. In der nächsten Zeit werden wir gemeinsam herausfinden, welche Methode für Euch geeignet sein könnte.
- wenn mein Baby an der Brust nur noch nuckelt, sich anschließend zufrieden streckt und lacht... ist es dann satt ??
Das ist durchaus möglich. Genauer wissen wir das erst, wenn wir mehr Daten haben (streng "verwertbar" sind nur diejenigen Daten seit Ihr eine eigene Waage habt.). Müssen wir abwarten, sehen wir bald. ;-)
- wenn "eigentlich ja", warum zieht er dann immer noch anschließend aus der Flasche (teilweise 100ml und mehr), wenn er es angeboten bekommt ?
Auch pappsatte, speckig-dicke Vollstillbabys ziehen mitunter direkt nach dem Stillen noch eine Flasche weg, wenn sie eine angeboten bekommen. Das liegt daran, dass der Saugreflex häufig stärker ist als der Sattreflex. Bei Flaschen stimuliert der harte Sauger den Saugreflex viel stärker als das weiche Brustgewebe. Babys können sich dann sozusagen kaum "wehren" - sie "müssen" dann saugen (Reflex halt). Heißt also nix - anhand weggezischter Flaschen lässt sich nicht feststellen, ob für diese Flasche jetzt noch tatsächlich Bedarf bestand oder nicht.
- wie reduziere ich die Fläschchengabe auf verantwortungsvolle Weise und in den richtigen Schritten ?
Das machen wir hier gemeinsam. Das Konzept sieht ganz grob so aus: (sofort) umsteigen auf eine stillfreundliche Methode, und dann in kleinen Schritten (nämlich so, dass sich die Brust der gesteigerten Nachfrage physiologisch anpassen kann) die Zufüttermilch nach und nach in Richtung Vollstillen reduzieren. Währenddessen sehen wir anhand der Daten, ob das Tempo usw. OK ist.
- warum schreit er nach Fäschchengabe und nach der Brust nicht, obwohl er nach dem Fläschchen doch satter sein muss ??
Keine Ahnung (vielleicht ist sein Magen überdehnt und das stört ihn?), aber im Grunde ist die Antwort auch eh egal ;-) - denn er soll ja möglichst schnell überhaupt keine Flaschen mehr kriegen (sondern notwendige Zufüttermilch stillfreundlich zugefüttert bekommen).
kann es sein, dass er hauptsächlich nur Vormilch trinkt ? Da er immer nur extrem kurz intensiv saugt und dann oft nur "lullert" und rasch einschläft ? ....ist es ihm zu anstrengend ?
Auch hier kann ich derzeit nur mutmaßen: Naheliegend wäre z.B., dass die Milchproduktion derzeit für längere Mahlzeiten noch nicht ausreicht, oder dass die Saugtechnik wegen der künstlichen Sauger ineffizient ist (und deswegen in der Tat "sehr anstrengend für wenig Ertrag" sozusagen). Oft sind schon allein durch das Weglassen künstlicher Sauger hierbei deutliche Verbesserungen zu erreichen.
Er lutscht (wenn er tagsüber unter Aufsicht auf dem Bauch schläft) zum einschlafen immer auf seiner Faust !?!?
Bedeutet das IMMER Hunger ?
Nein.

Kannst Du mit diesen ersten Hinweisen etwas anfangen?
Rückfragen immer gerne.

LG
Julia
Merle78
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Re: Vollstillen tatsächlich noch möglich ??

Beitrag von Merle78 »

Hallo Julia,

ich möchte als erstes DANKE sagen ! Für den Zuspruch (bei allen) und besonders dieser langen, ausführlichen und hilfreichen Antwort !!

In Betreuung der Hebamme bin ich nicht mehr, wenn ich sie auch noch jederzeit anrufen könnte. Doch es ist ja klar: zu diesem Thema möchte ich bei ihr keine Hilfe mehr suchen.
Als ich schrieb´, dass ich Sorge habe mein Baby wird unterversorgt, meinte ich das allein auf mich bezogen ! Darauf, wenn ich den Weg zum (evtl) Vollstillen auf eigene Faust versuchen würde ! Mit der Unterstützung hier fühle ich mich schon deutlich wohler ! DANKE für die Mühe !!

Nur wenn ich jetzt zurück blicke, macht es mich traurig wie es gelaufen ist. Ich wünschte, ich könnte mit meinem jetzigen Wissen nochmal starten.
Die ersten Tage/Nächte legte ich ihn ja immer wieder an, dann sollte ich ein drei-vier Stunden Rhythmus finden.
(diese Empfehlung/Anweisung bekamen/bekommen wir alle) Da er nicht zur Ruhe kam = er wird nicht satt !
Dazu kam, dass ich ja eh psychisch unten war...
Ich habe auch zu der Zeit überhaupt nicht im Kopf gehabt, dass das häufige anlegen normal ist !! Irgendwie doch, aber ...alles war weg, ich habe eben einfach nur noch auf meine Hebamme gehört und musste doch Ruhe finden.
Naja, und dann sollte eben zu gefüttert werden, weil er vielleicht auch nicht genug bekommt (und ich nicht belastbar) und dann alle vier Stunden eine ordentliche ml-Menge.
Wenn ich zurück denke, was hätten wir uns für "Qualen" sparen können, es wurde nur anstrengender.
Ich habe angelegt, Fläschchen gegeben. Später (um die Muttermilchmenge zu kontrollieren) abgepumpt, Flasche gegeben. Teilweise war er schon vor Hunger am schreien während ich noch am abpumpen war.... dann habe ich es zeitlich gezogen, dass es sich nicht überschneidet und war nur noch mit Pumpen und Füttern beschäftigt...
Dann habe ich STOP gesagt, so geht das nicht mehr. Also Pumpe weg und wieder anlegen. Anhand der durchschnittlich abgepumpten Menge wurde dann festgelegt, wie viel er nach dem anlegen anschließend noch aus dem Fläschchen trinken sollte.
...aber er mochte oft nicht, hat geweint und gespuckt - aber er MUSSTE doch trinken...
Jetzt sitze ich hier mir laufen so viele Tränen und mache mir Vorwürfe !! DAS hätte nicht sein müssen !! Wo war mein Mutterinstinkt ?!?! ...er kam spät, es verging viel Zeit, bis ich der Hebamme nur noch sagte: "ja, er trinkt super" und wir hier machten und ihn trinken ließen, wie er gerade mochte.
Wenn unsere Hebamme es sicher (in ihrem Sinn) nur gut meinte oder es eben ihre Einstellung dazu ist.

Jetzt versuche ich mal alles weitere zu beantworten und zu ergänzen.
Ich hatte immer alles aufgeschrieben:

23.07. 2900g (Geburt)
24.07. (bis 28.07.) nur gestillt, 8-10x angelegt, nasse Windeln und Stuhl vorhanden.
25.07. Entlassung aus KH (auf Wunsch, von Arzt und Hebamme aber auch keine Einwende)
26.07. 2660g (im KH noch 2620g)
28.07. ca. 2700g (genaues Gewicht weiß ich nicht mehr, hatte es mir auch nur so notiert :( )
Beginn Zufütterung.
Die weiteren Gewichtdaten habe ich ja schon alle aufgeführt.

28.07. 6x gestillt, 50ml pre (ab Abend)
29.07. 7x gestillt, 130ml pre
30.07. 7x gestillt, 130ml pre
01.08. 5x gestillt, 120ml pre
....so führt es sich die ersten Wochen weiter, mit Notiz dabei, dass er nur mit viel "Motivation" aus Fläschchen trinkt :cry:
(ich würde so viel dafür geben DAS rückgängig zu machen !!)

Dann kam die Pumpe zum Einsatz (ab dem 05.08. bis ca.16.08.)
Durchschnittlich habe ich alle vier Stunden abgepumpt und bekam immer zw. 45ml und 60ml heraus (beide Seiten zusammen)

DAS war unser Start....

Jetzt ganz aktuell: (gestillt nach Bedarf !)

13.10. 5520g 8x gestillt, 150ml pre (auf 1 Mahlzeit) , immer nasse Windeln, 2x Stuhl
14.10. 5580g 11x gestillt, 260ml pre (auf 3 Mahlzeiten), immer nasse Windeln, kein Stuhl
15.10. 5630g 7x gestillt, 220ml pre (auf 3 Mahlzeiten), immer nasse Windeln, 2x Stuhl
16.10. 5720g

Pre Angeboten, wenn er an Brust unzufrieden blieb und an Faust nuckelte.
am 13.10. (aus Unwissenheit) Nachschlag gegeben, bis er nicht mehr wollte)
die anderen Tage zw. 60ml und 100ml angeboten OHNE Nachschlag, wenn Flasche leer => schlief dann auch.
heute morgen: 60ml in Flasche drin, 40ml (nach stillen) aber nur getrunken.

Stillfreundliche Zufütterung:
Habe ich gelesen. Hm... ich glaube am ehesten kann ich mich mit dem BES anfreunden !
Wie ist deine Meinung dazu ?? Ist das was für uns ? ...ist ein Gefühl von mir.

Ja :? und dann muss ich hier auch erwähnen, dass ich eine Stillprobe gemacht habe und erst ANSCHLIESSEND hier darüber gelesen habe.
Es waren da 70g Unterschied (gestillt hatte ich da bds, jedoch noch nicht im Wechsel um ihn wacher zu halten)

Dazu eine weitere Frage.
Wenn ich nun häufig anlegen muss/soll, um die Nachfrage zu steigern, der kleine Mann aber friedlich schläft !?! Soll ich ihn dann saft wachstreicheln oder schlafen lassen ? (wenn er z.B. schon 3,5 Std. zufrieden schläft ? )
Allerdings trinkt er an der Brust dann schlecht, wenn er müde ist.

fragende Grüße
Merle

..und nochmal DANKE !!
Ein Sohn, geboren Ende Juli 2013.
"Wissen macht Milch" :D
Merle78
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Re: Vollstillen tatsächlich noch möglich ??

Beitrag von Merle78 »

jusl hat geschrieben:
Ich habe "damals" beim abpumpen aus beiden Brüsten zusammen mal 40ml, mal 60ml bekommen, jetzt weiß ich dass man es nicht unbedingt mit der Menge gleichstellen kann, die ein Säugling raussaugt.
Oh, ich hoffe, Du weißt inzwischen auch, dass das eine VÖLLIG NORMALE Portionsgröße ist. Ein Baby, das nach Bedarf gestillt wird und z.B. 12 mal pro Tag trinkt (völlig normale Häufigkeit), käme mit dieser durchschnittlichen Mahlzeitengröße auf rund 600 ml täglich - eine VÖLLIG NORMALE Tagestrinkmenge für einen jungen Säugling.
Offensichtlich hast das Pumpen bei Dir "damals" also allerbestes geklappt.

LG
Julia
Ohhh man... :cry: und somit hätte er wohl doch "eigentlich" genug MuMi bekommen ?? ...ich hätte ihn doch ernähren können ? :| Puhhhh....
Ich bin gespannt, wie weit wir kommen. Der Wille ist da und die Kraft ziehe ich mir aus den kleinen Erfolgen !
Ein Sohn, geboren Ende Juli 2013.
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Lothlorine
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Re: Vollstillen tatsächlich noch möglich ??

Beitrag von Lothlorine »

Hallo Merle,

auch von mir nur eine große Portion Energie und Mut, dranzubleiben. Auch wir mussten/sollten/haben zugefüttert, auch unsere Kleine hat noch Flaschen abgezogen und dann gespuckt, auch wir haben Protokolle geführt, gewogen, laut Hebi zu wenig abgepumpt bekommen, auch ich hatte Angst mein Baby verhungert, war verzweifelt, fühlte mich unfähig, habe viel geweint... Aber: Mir war das Stillen wichtig und ich blieb dran, wie du. Und wir haben es geschafft: Seit der 5. Woche stillten wir voll und tun das heute noch! Allerdings isst unser Pfadi mit einem Jahr auch andere Sachen, aber über Mamamilch geht nichts! Also: Weiter so, ihr schafft das! :7:
Großes Pfadi (09/2012) und kleines Pfadi (05/2016)
jusl
Jusl Almighty
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Re: Vollstillen tatsächlich noch möglich ??

Beitrag von jusl »

Ohhh man... :cry: und somit hätte er wohl doch "eigentlich" genug MuMi bekommen ?? ...ich hätte ihn doch ernähren können ? :|
Mit Sicherheit.
Nur wenn ich jetzt zurück blicke, macht es mich traurig wie es gelaufen ist. Ich wünschte, ich könnte mit meinem jetzigen Wissen nochmal starten.
Das kann ich gut verstehen - so geht es ganz vielen Müttern, auch denen, bei denen die Anfangszeit weniger schwierig war als bei Euch. Klar, hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Du warst auf Hilfe und Unterstützung angewiesen, das ist im Wochenbett ja auch ganz normal. Schade ist dann, wenn Mütter dann nur unzuereichende Unterstützung bekommen, sei es fachlich oder menschlich oder wie auch immer. Denn die Mütter können "von allein" da ja nicht raus. Wenn Hebamme oder Arzt sagen "So ist das!" - dann sagt normalerweise keine Mutter "Glaub ich nicht!". ;-) Auf den Rat von Profis sollte man sich ja eigentlich verlassen können.
Wenn ich zurück denke, was hätten wir uns für "Qualen" sparen können, es wurde nur anstrengender.
[...]
Jetzt sitze ich hier mir laufen so viele Tränen und mache mir Vorwürfe !! DAS hätte nicht sein müssen !! Wo war mein Mutterinstinkt ?!?!
Damit hast Du vermutlich Recht. Viele Mütter empfinden Wut und Trauer, wenn sie merken, was ihnen und ihren Kindern da verloren gegangen ist. Diesen Gefühlen darf man durchaus Raum lassen - wichtig ist nur, dass man nicht dabei stehen bleibt. Irgendwann muss man das abhaken und nach vorn schauen. Ein eigenes schlechtes Gewissen, Wut auf die Hebamme, Trauer um verpasste Stillzeiten oder die Enttäuschung über vermeintliches Versagen als Mutter - all dies sind normale Gefühle, aber sie sind keine gute Motivation, bestehende Stillprobleme jetzt noch anzugehen, denn die ziehen einfach zu viel Energie ab. Energie wirst Du demnächst aber reichlich brauchen, wenn Du das Ruder noch herumreißen und für eine glückliche Stillbeziehung kämpfen möchtest. ;-)
Und wir unterstützen Dich gerne dabei.

Jetzt versuche ich mal alles weitere zu beantworten und zu ergänzen.
Ich hatte immer alles aufgeschrieben:
Super, sehr vorbildlich. :wink:
28.07. 6x gestillt, 50ml pre (ab Abend)
29.07. 7x gestillt, 130ml pre
30.07. 7x gestillt, 130ml pre
01.08. 5x gestillt, 120ml pre
....so führt es sich die ersten Wochen weiter, mit Notiz dabei, dass er nur mit viel "Motivation" aus Fläschchen trinkt :cry:
(ich würde so viel dafür geben DAS rückgängig zu machen !!)
Deine Daten geben in jedem Fall sehr viel Anlass zur Zuversicht, denn mit größenordnungsmäßig 150 ml PRE täglich von Anfang an habt Ihr ja gar nicht soooo viel zugefüttert. Könnte also sein, dass sogar Vollstillen noch möglich ist. Finden wir in nächster Zeit ganz in Ruhe heraus. ;-)
13.10. 5520g 8x gestillt, 150ml pre (auf 1 Mahlzeit) , immer nasse Windeln, 2x Stuhl
14.10. 5580g 11x gestillt, 260ml pre (auf 3 Mahlzeiten), immer nasse Windeln, kein Stuhl
15.10. 5630g 7x gestillt, 220ml pre (auf 3 Mahlzeiten), immer nasse Windeln, 2x Stuhl
16.10. 5720g
Ebenfalls prima, denn offensichtlich braucht Dein Baby gar nicht so viel PRE.
Stillfreundliche Zufütterung:
Habe ich gelesen. Hm... ich glaube am ehesten kann ich mich mit dem BES anfreunden !
Wie ist deine Meinung dazu ?? Ist das was für uns ? ...ist ein Gefühl von mir.
Ja, das kann sehr gut sein, dass das BES das richtige für Euch ist - wäre auch mein Vorschlag gewesen. Dann würde ich also vorschlagen:
Besorg Dir ein BES und - ganz wichtig - DIESE Broschüre (die Gebrauchsanweisung allein reicht nicht).
Wenn das BES eher da sein sollte als die Broschüre, kannst Du die Wartezeit schon mal nutzen und Dich ausgiebig (ohne Baby) mit dem BES vertraut machen. Wie das genau geht, steht HIER.
Ja :? und dann muss ich hier auch erwähnen, dass ich eine Stillprobe gemacht habe und erst ANSCHLIESSEND hier darüber gelesen habe.
Es waren da 70g Unterschied
Ist doch nicht schlimm :lol: - 70 g jedenfalls ist eine großzügige Mahlzeitengröße, die keinerlei Hinweis auf ein grundlegendes Problem liefert.
Wenn ich nun häufig anlegen muss/soll, um die Nachfrage zu steigern, der kleine Mann aber friedlich schläft !?! Soll ich ihn dann saft wachstreicheln oder schlafen lassen ? (wenn er z.B. schon 3,5 Std. zufrieden schläft ? )
Allerdings trinkt er an der Brust dann schlecht, wenn er müde ist.
Wenn er MAL 4 Stunden schläft, ist das nicht schlimm. Aber im DURCHSCHNITT sollten es halt 10-12 Mahlzeiten in 24 Stunden sein. Wenn er zu oft zu lange schläft, dann freundlich aber bestimmt wecken (nicht im Tiefschlaf, sondern wenn er "zuckt"), erstmal für gute Laune sorgen, und dann stillen. ;-)

In Ordnung so?

LG
Julia
Merle78
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Re: Vollstillen tatsächlich noch möglich ??

Beitrag von Merle78 »

Hallo Lothlorine,

auch dir danke für den Zuspruch und deinen Erfahrungsbericht !! ...das tut gut.


Hallo Julia,

ich schaue jetzt nach vorn. Ich habe auch keine Wut in mir, eher Traurigkeit. Allerdings muss ich auch fairer halber sagen: bei meiner Depression hat meine Hebamme mir wirklich verantwortungsvoll zur Seite gestanden und geholfen... Stillen hat sie eben andere "Ansicht". :(
Aber wie gesagt: ich gucke jetzt nach vorn ! Jawohl !

Es baut mich schon auf, dass alles gar nicht so schlecht aussieht :D

Mache ich denn jetzt erst mal so weiter wie bisher ?
Ich habe z.B. heute noch gar kein pre gegeben gehabt. Mein kleiner Schatz wirkte nach dem stillen zufrieden, rosa Wangen, streckte sich und hatte zwei mal sogar einen richtigen Milchbart :o jetzt erst am Abend (nach jetzt 9x stillen) wirkte er immer noch unzufrieden nach dem letzten stillen, zog und "zerrte" an der Brust, ebenso saugte er auf seiner Faust.
Darauf hin habe ich ihm pre angeboten, möglichst aufrecht sitzend. Zwischenzeitlich stupste er den Sauger mit der Zunge raus, "suchte" und "forderte" danach aber wieder.
Insgesamt trank er dann 100ml (Flasche leer). Um ihn nicht (nur durch Reflex) zu überladen, bot ich ihm dann nur nochmal die Brust, um zu sehen ob er tatsächlich noch will. Dabei sah´ ich sogar Milch in seinem Mund :o bis er von alleine wieder abließ.

Als ich ihn dann auf seine Decke ablegte, lief es auch schon aus ihm raus. Das erste mal seit einiger Zeit spuckte er wieder. (vielleicht zwei Esslöffel voll)
Was sagt mir das jetzt ??
Hatte er doch genug und einfach so ein Saugbedürfnis (Faust/Schnuller) ??
Nach dem Spucken saugte er auch weiter auf seiner Faust und blieb unruhig. In diesem Fall habe ich ihn dann mal wieder den Schnuller angeboten, da auch kuscheln und tragen ihn nicht beruhigte.

Aber es ist doch unmöglich, dass sich meine Milchmenge soooo schnell so steigert ? Oder ist sein Magen kleiner geworden, weil er nicht mehr regelmäßig (bzw. vierstündlich) so große Mengen mit einer Mahlzeit bekam ?

Die Broschüre habe ich mir bestellt (BES) und lese mich hier fleißig weiter durch.

LG Merle
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Re: Vollstillen tatsächlich noch möglich ??

Beitrag von jusl »

Oder ist sein Magen kleiner geworden, weil er nicht mehr regelmäßig (bzw. vierstündlich) so große Mengen mit einer Mahlzeit bekam ?
:lol: Ich glaube nicht, dass ein Babymagen *durch normale Ernährung* plötzlich kleiner werden kann.
Mache ich denn jetzt erst mal so weiter wie bisher ?
Ja, einfach erstmal wie bislang. Stillen nach Bedarf, mind. 10-12 mal täglich anpeilen, mit der täglichen Doku beginnen. Zufüttern per Flasche nur, wenn Du das Gefühl hast, es muss sein - aber dann ganz entspannt. ;-)
Und dann geht's demnächst mit BES los.
Als ich ihn dann auf seine Decke ablegte, lief es auch schon aus ihm raus. Das erste mal seit einiger Zeit spuckte er wieder. (vielleicht zwei Esslöffel voll)
Was sagt mir das jetzt ??
Keine Ahnung. :lol: Ich glaub, nix.
Aber wie gesagt: ich gucke jetzt nach vorn ! Jawohl !
Prima. :D

LG
Julia
Merle78
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Re: Vollstillen tatsächlich noch möglich ??

Beitrag von Merle78 »

Guten Morgen !
Merle78 hat geschrieben: Ich habe z.B. heute noch gar kein pre gegeben gehabt. LG Merle
Da habe ich mich vertan ! :shock: ich hatte doch den Morgen 60ml angeboten, wovon er 40ml getrunken hat.
Dann kopiere ich mal meine Auflistung hier wieder rein, inkl. neuer Daten:

13.10. 5520g 8x gestillt, 150ml pre (auf 1 Mahlzeit) , immer nasse Windeln, 2x Stuhl
14.10. 5580g 11x gestillt, 260ml pre (auf 3 Mahlzeiten), immer nasse Windeln, kein Stuhl
15.10. 5630g 7x gestillt, 220ml pre (auf 3 Mahlzeiten), immer nasse Windeln, 2x Stuhl
16.10. 5720g 10x gestillt, 140ml pre (auf 2 Mahlzeiten), immer nasse Windeln, 2x Stuhl
17.10. 5690g :|

LG Merle
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Re: Vollstillen tatsächlich noch möglich ??

Beitrag von jusl »

Vielen Dank für die korrigierte Liste. Nur ganz schnell:

Auf Deinen :| -Smilie möchte ich unbedingt eingehen. Wenn ich richtig verstehe, soll dieser andeuten, dass Du über den Messwert heute morgen nicht erfreut warst. Dazu:
Es hat analysemethodisch KEINEN SINN, auf EINZELWERTE zu schauen. Gewichtsmesswerte unterliegen HOHEN Schwankungen, die durch den (unbekannten) Füllstand von Magen, Blase und Darm zustandekommen, durch (unbekannten) Energieverbrauch und normalen (unbekannten) Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen und Atmen usw. Diese Fehlerquellen lassen sich NICHT abschalten. Deshalb SCHWANKEN die gemessenen Werte um den "wahren" Wert (den wir nicht kennen ;-)). Dazu kommen noch messtechnische Fehlerquellen.

Interpretieren lassen sich dementsprechend NUR MESSREIHEN, keine Einzelwerte. Die Messreihe, die bislang zur Verfügung steht, umfasst nur 4 Werte und ist damit zu klein für fundierte Aussagen. Die Tendenz dieser Messreihe ist aber super: 170 g innerhalb 4 Tagen ist extrem viel, und die anderen Messwerte sind mit der Annahme "170 g in 4 Tagen" verträglich. Von daher:
Der :| -Smilie passt ÜBERHAUPT NICHT :lol: , sondern der hier: :D

Also: bitte einfach nur die Daten aufschreiben, OHNE den Einzelwerten eine Bedeutung zukommen zu lassen. Und die MessREIHEN analysieren wir später GEMEINSAM, in Ordnung?

LG
Julia
Merle78
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Re: Vollstillen tatsächlich noch möglich ??

Beitrag von Merle78 »

jusl hat geschrieben:Der :| -Smilie passt ÜBERHAUPT NICHT :lol: , sondern der hier: :D

Also: bitte einfach nur die Daten aufschreiben, OHNE den Einzelwerten eine Bedeutung zukommen zu lassen. Und die MessREIHEN analysieren wir später GEMEINSAM, in Ordnung?

LG
Julia
:D Jawohl !
Danke für die extrem schnelle Antwort !

Hm, der smile war als "na, da bin ich ja gespannt wie es weiter geht" gemeint, eher neutral, aber stimmt: erfreut war ich nicht.
Ich gelobe Besserung ! :oops:

LG Merle
Ein Sohn, geboren Ende Juli 2013.
"Wissen macht Milch" :D
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