Ich geh mal der Reihe nach:
Also, da hast Du ja wirklich schon ein ganz schön schwierige Zeit hinter Dir. Erst die postpartale Depression, dann die fachlich ungünstigen Tipps der Hebamme, dann (vermutlich unnötiges) Zufüttern, dann ein Reduktionsversuch auf eigene Faust voller Tränen - klasse, dass Du Dich aus eigener Kraft so berappelt hast und es jetzt noch mal "richtig" angehen möchtest.Jetzt ist mir schon vieles klarer, es geht mir natürlich auch besser.
Ich halte mich an keine Zeiten mehr, wenn er an die Brust will, kommt er dran... mein Wunsch nur noch: Vollstillen.
Ich hatte schon einen Versuch hinter mir, ganz unwissend wie es geht. "Einfach nur immer wieder anlegen" sagte man mir - das hielt ich einen Tag und eine Nacht aus, dann habe meinem so fürchterlich weinendem Baby ein Fläschchen gemacht, so konnte es nicht gehen ! Mein armes Baby !
Jetzt versuche ich es erneut, vorsichtig und langsam. Aber ich weiß nicht, ob ich es richtig mache. Wenn ich hier so lese - neee, dann bin ich noch nicht auf dem richtigen weg.
Ich weiß einfach nicht, ob mein Baby nun satt ist oder nicht... gebe ich Fläschchen oder nicht ?
Wir schauen mal, welche Verbesserungen bei Euch noch zu erreichen sind.
Oh, ich hoffe, Du weißt inzwischen auch, dass das eine VÖLLIG NORMALE Portionsgröße ist. Ein Baby, das nach Bedarf gestillt wird und z.B. 12 mal pro Tag trinkt (völlig normale Häufigkeit), käme mit dieser durchschnittlichen Mahlzeitengröße auf rund 600 ml täglich - eine VÖLLIG NORMALE Tagestrinkmenge für einen jungen Säugling.Ich habe "damals" beim abpumpen aus beiden Brüsten zusammen mal 40ml, mal 60ml bekommen, jetzt weiß ich dass man es nicht unbedingt mit der Menge gleichstellen kann, die ein Säugling raussaugt.
Offensichtlich hast das Pumpen bei Dir "damals" also allerbestes geklappt.
Mit "Trinkmenge" meinst Du jetzt "Zufüttermilchmenge", richtig? Falls ja:Seine ungefähren Trinkmengen waren (aktuell September und Anfang Oktober):
zwischen 350ml und 550ml am Tag.
Im dritten Lebensmonat liegt die durchschnittliche Tagestrinkmenge sehr wahrscheinlich im Bereich 600 bis 950 ml (Quelle) - genauer kann man's leider nicht sagen. Im günstigsten Fall lag der Zufüttermilchanteil also bei rund 40% des Gesamttagesbedarf, im ungünstigsten bei rund 90%. Der tatsächliche Wert liegt vermutlich irgendwo dazwischen, gaaanz grob geschätzt also bei 60-70%. Das bedeutet, dass Deine Milchprodukion
derzeit schätzungsweise ein gutes Drittel des Gesamtbedarfs beiträgt.
(Das erklärt auch, warum "einfach häufiger anlegen" in diesem Fall NICHT funktioniert (hat)!.. Da muss man schon etwas strukturierter herangehen.)
Ja, ganz bestimmt.Ich hoffe, ich habe an alle Infos gedacht und einigermaßen geordnet.
Kann man mir helfen ?
Günstig für Euch ist zweifellos, dass Dein Baby überhaupt noch an die Brust geht.
Also zunächst mal möchte ich Dich hinsichtlich Deiner Angst komplett beruhigen: Du hast ja hier im Forum schon etwas gestöbert und weißt entsprechend, dass hier ausnahmslos NIEMALS mit Hungerlassen des Babys o.ä. gearbeitet wird. Während SÄMTLICHER stillberaterischer Bemühungen hier hat immer oberste Priorität, dass das Baby gut versorgt ist. Und das werden wir definitiv auch in Eurem Fall sicherstellen.Wie gehe ich nun vor ? ....kann das nicht alleine, habe Angst mein Baby zu gefährden und/oder unter zu versorgen.
Genau DAZU nämlich dient die sorgfältige Dokumentation aller Zeichen GUTEN GEDEIHENS des Babys. Im wesentlichen ist das: Gewichtsentwicklung, Stillhäufigkeit, Zufüttermengen und Ausscheidungen. Aus der Kombination dieser Angaben lässt sich sehr sicher feststellen, ob das Baby gut gedeiht und die Nahrungsmengen entsprechend richtig sind oder nicht.
Genaus DAS möchte ich ab jetzt auch Dir vorschlagen. Bitte dokumentiere ab jetzt täglich: Babygewicht (morgens unter möglichst gleichen Bedingungen gemessen, sieh dazu unbedingt unsere Grundinfo Gewicht, Gedeihen und korrektes Wiegen), Stillhäufigkeit, Zufüttermengen und Anzahl Pipiwindeln und Anzahl Stuhlwindeln.
Das ist schonmal ein guter Ansatz. Babys trinken normalerweise durchschnittlich 8-12 mal in 24 Stunden. Wenn die Milchproduktion gesteigert werden soll, eher mind. 10-12 mal anpeilen.Ich lege jetzt häufiger an , Schnullergabe versuche ich zu reduzieren.
Weiterhin kann der Gebrauch künstlicher Sauger (Schnuller, Flasche (egal welche Marke)) die Fähigkeit des Babys beeinträchtigen, mit korrekter Technik und effektiv an der Brust zu saugen. Deshalb ist es ratsam, auf eine stillfreundliche Zufüttermethode umzusteigen. In der nächsten Zeit werden wir gemeinsam herausfinden, welche Methode für Euch geeignet sein könnte.
Das ist durchaus möglich. Genauer wissen wir das erst, wenn wir mehr Daten haben (streng "verwertbar" sind nur diejenigen Daten seit Ihr eine eigene Waage habt.). Müssen wir abwarten, sehen wir bald.- wenn mein Baby an der Brust nur noch nuckelt, sich anschließend zufrieden streckt und lacht... ist es dann satt ??
Auch pappsatte, speckig-dicke Vollstillbabys ziehen mitunter direkt nach dem Stillen noch eine Flasche weg, wenn sie eine angeboten bekommen. Das liegt daran, dass der Saugreflex häufig stärker ist als der Sattreflex. Bei Flaschen stimuliert der harte Sauger den Saugreflex viel stärker als das weiche Brustgewebe. Babys können sich dann sozusagen kaum "wehren" - sie "müssen" dann saugen (Reflex halt). Heißt also nix - anhand weggezischter Flaschen lässt sich nicht feststellen, ob für diese Flasche jetzt noch tatsächlich Bedarf bestand oder nicht.- wenn "eigentlich ja", warum zieht er dann immer noch anschließend aus der Flasche (teilweise 100ml und mehr), wenn er es angeboten bekommt ?
Das machen wir hier gemeinsam. Das Konzept sieht ganz grob so aus: (sofort) umsteigen auf eine stillfreundliche Methode, und dann in kleinen Schritten (nämlich so, dass sich die Brust der gesteigerten Nachfrage physiologisch anpassen kann) die Zufüttermilch nach und nach in Richtung Vollstillen reduzieren. Währenddessen sehen wir anhand der Daten, ob das Tempo usw. OK ist.- wie reduziere ich die Fläschchengabe auf verantwortungsvolle Weise und in den richtigen Schritten ?
Keine Ahnung (vielleicht ist sein Magen überdehnt und das stört ihn?), aber im Grunde ist die Antwort auch eh egal- warum schreit er nach Fäschchengabe und nach der Brust nicht, obwohl er nach dem Fläschchen doch satter sein muss ??
Auch hier kann ich derzeit nur mutmaßen: Naheliegend wäre z.B., dass die Milchproduktion derzeit für längere Mahlzeiten noch nicht ausreicht, oder dass die Saugtechnik wegen der künstlichen Sauger ineffizient ist (und deswegen in der Tat "sehr anstrengend für wenig Ertrag" sozusagen). Oft sind schon allein durch das Weglassen künstlicher Sauger hierbei deutliche Verbesserungen zu erreichen.kann es sein, dass er hauptsächlich nur Vormilch trinkt ? Da er immer nur extrem kurz intensiv saugt und dann oft nur "lullert" und rasch einschläft ? ....ist es ihm zu anstrengend ?
Nein.Er lutscht (wenn er tagsüber unter Aufsicht auf dem Bauch schläft) zum einschlafen immer auf seiner Faust !?!?
Bedeutet das IMMER Hunger ?
Kannst Du mit diesen ersten Hinweisen etwas anfangen?
Rückfragen immer gerne.
LG
Julia