Dein Kind ist erst VIER Monate alt und Du bekommst schon solche Fragen gestellt?!

Das ist ja drollig!
Meist hilft ein Perspektivwechsel ganz gut:
Wir leben in einer Gesellschaft, in der aus vielen (historischen wie soziologischen) Gründen das Stillen in den letzten 50 Jahren teilweise fast ganz abgeschafft wurde.
Die Menschen, die Du nun in Deiner Umgebung findest und die Dir solche Fragen stellen, wissen es einfach nicht besser. Sie sind selbst in einem stillunfreundlichen Umfeld aufgewachsen und haben ähnliche Aussagen selbst mal gehört, bzw. kennen halt keine stillenden Mütter - v.a. nicht jenseits der Beikostreife

Diese eigenen Erfahrungen haben logischerweise ihr Wertesystem geprägt. Total verständlich.
Das heißt aber NICHT, dass sie deswegen in irgendeiner Weise recht haben!

Wie gesagt: sie wissen es halt nicht besser, das muss man sich einfach vor Augen halten ... und sie in gewisser Weise dafür bemitleiden. Ist doch schade, dass sie selbst so uninformiert sind, obwohl die Faktenlage ganz anders aussieht.
Denn: über Jahrhunderte hinweg haben Mütter ihre Kinder LANGE gestillt. Aus guten Gründen, und an diesen Gründen hat sich nichts geändert.
Biologisch wie auch psychologisch ist es von der Natur vorgesehen, Kinder lange zu stillen - in jedem Fall weit über die Einführung von Beikost hinaus.
Dies ist nicht nur eine alte, lieb gewonnene Tradition, sondern der Nutzen und die Sinnhaftigkeit (für Mutter und Kind!) sind längst wissenschaftlich genau untersucht und mit Fakten belegt.
Dies wiederum spiegelt sich in der bereits erwähnten Empfehlung der Weltgesund(!!!)heitsorgansiation wider, die ausdrüclich eine Stillzeit von MINDESTENS zwei Jahren empfiehlt.
Dies ist keine neue wissenschaftliche Erfindung, sondern schließt wie gesagt nahtlos an das an, was Mütter weltweit aus vielen guten Gründen schon IMMER auf natürliche Weise praktiziert haben, wenn man man sie ließ.
Der Bruch in unserer Kultur fand dem gegenüber erst vor ganz kurzer Zeit statt und ging einher mit vielen andeem Unfug (Trennung von Mutter und Kind direkt nach der Geburt, Belassen des gesunden Neugeborenen für teils sogar mehrere Wochen auf einer separaten Säuglingsstation, wo es die Mutter nur einmal am Tag sehen und anfassen durfte ... bis hin dazu, dass man in unserer angeblich so aufgeklärten Zeit vor gerade mal 40-50 Jahren sogar Operationen an Neugeborenen OHNE Betäubung vornahm, da man davon ausging, dass sie ohnehin noch kein Empfinden hätten *grusel*.).
Aus genau DIESER Zeit stammt die "Vorschrift", man würde dem Kind durch das Stillen schaden (und man dürfe es nur alle xy Stunden anlegen, seinem Schreien nicht nachgeben etc.).
Die meisten Vorgehensweisen aus dieser Zeit kommen uns heute total gaga und teils sogar grausam vor. Nur der Mythos bzgl. des bösen, bösen Stillens hält sich noch hartnäckig ... weil es die Menschen eben leider selbst nicht mehr anders erfahren haben und keine korrekten Informationen dazu erhalten.
Wenn man sich dies vor Augen hält und noch dazu auf das eigene Gefühl als Mutter hört: kann man da nicht einfach nur Mitleid mit denjenigen haben, die es leider nicht besser wissen und selbst nicht anders kennen gelernt haben?
Da wird aus einem "Grabenkampf" mit "Gegnern" ganz schnell ein umgekehrtes Verhältnis (auch wenn die Sprüche und Fragen natürlich trotzdem nerven

).
Mein Tipp: betrachte Deine Begegnungen mit solchen Menschen weniger als Auseinandersetzung und Verteidigung von Deiner Seite, sondern mehr als Aufklärungsarbeit an Menschen, die vielleich auch gerne anders wollte, wenn sie den könnten/wüssten ... und denen sooooo viel schöne Erfahrungen mit dem eigenen Kind im Bezug auf das Stillen verwehrt bleiben.