Lucccy hat geschrieben:Da finden sich aber auch hilfreiche Kommentare, z.B. dass die Petition recht "unausgereift" ist.
Das Mutterschutzgesetz dient ja dem Schutz der erwerbstätigen Mutter, d.h. man müsste ein anderes Gesetz finden, in dem man diesen Wunsch unterbringt. Und was ist "Öffentlichkeit"? Will man jetzt Restaurantbetreibern und anderen das Hausrecht absprechen oder ist "Öffentlichkeit" doch "nur" draußen und in staatlichen Gebäuben? Fragen über Fragen...
Daher kann ich verstehen, wenn man diese Petition so nicht mitzeichnet, sondern auf eine durchdachtere Version wartet.
Nun ja, vom Mutterschutzgesetz profitiert man aber auch, wenn man Arbeitslos ist. Also vielleicht nur dann, wenn man erwerbsFÄHIG ist, das kann schon sein. Aber ich glaube fast, dass die Möglichkeit zur Diskussion auch deswegen gegeben ist, um die Petition für den Fall, dass sie genügend Stimmen bekommt möglichst gut durchdacht in ein passendes Gesetz umzuwandeln.
Den Kommentar mit dem Hausrecht der Restaurantbetreiber fand ich aber ehrlich gesagt ein wenig dämlich. ich nutze mein Hausrecht als Gastgeber doch bei Leuten, die negativ auffallen durch unadäquates Verhalten. Meiner Meinung nach sollten also die Menschen rausfliegen, die sich über stillende Mütter beschweren - WENN schon. Ich selber habe in meinen - zugegeben erst - fünf Jahren als Gastgeberin EINMAL von diesem Recht gebrauch gemacht und das war dann ein ganz anderes Kaliber.
Und wenn Stillen in der Öffentlichkeit endlich überall nicht mehr als unadäqutes Verhalten angesehen wird, gibt es auch keinen Grund, auf das Hausrecht des Gastgebers zu pochen.
Auch den Hinweis mit Moscheen fand ich nicht überzeugend. Menschen, die ein Gotteshaus besuchen, halten sich an bestimmte Regeln. Man achtet beim Besichtigen von Kirchen darauf, dass man sich angemessen kleidet. Tut man das nicht, kann es sein, dass man angesprochen und gebeten wird, das Gebäude zu verlassen. Dadurch würde doch aber niemand auf die Idee kommen, die Kirche zu verklagen wegen seines Rechtes auf freie Selbstentfaltung oder so.
Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass plötzlich muslimische Frauen zu einem Stillflashmob in die Moscheen marschieren, um dort das Stillen einzufordern. Und allen Andersgläubigen sollte bei dem Besuch einer Moschee genügend Respekt eigen sein, bestimmte Sachen nicht zu tun.
Ich musste auch an Mayim Bialik denken - die Schauspielerin aus Big Bang Theory ist orthodoxe Jüdin und betreibt Attachement Parenting - inklusive Stillen eines Kleinkindes in der U-Bahn. Die Frau bekommt also den Spagat hin zwischen "Tznius" (angemessener) Bekleidung und selbstverständlichem Stillen.
Hm, vielleicht alles ein wenig durcheinander, aber das ging mir so durch den Kopf.
Und auch mir wurde himmelangst bei manchen Kommentaren. Sie rücken mir manchmal den Kopf wieder gerade. Denn hier wo ich lebe ist Stillen in der Öffentlichkeit überhaupt kein Problem und ich merke dann immer, wie gut ich es habe. Und werde richtig demütig bei dem Gedanken, wie viele Frauen sich das Recht auf Stillen in der Öffentlichkeit mit bösen Blicken und Kommentaren "erkämpfen" müssen.
Gute Nacht und liebe Grüße,
Heidisdottir