Re: Ausnahmsweise Premilch - schlimm?
Verfasst: 27.05.2013, 13:29
Hallo Mimi,
da stellst Du eine interessante Frage:
:
Sussa, ganz sicher hast Du recht: Premilch ist nicht "giftig".
Das heißt aber nicht, dass es "nicht schadet" einem ansonsten vollgestillten Kind "ohne Not" Formula-Nahrung zu geben. Der von Katha verlinkte Fachartikel beschäftigt sich umfassend mit den Folgen von "einem einzigen Fläschchen" Formula-Nahrung - nicht alle davon gelten nur für Neugeborene oder in den ersten Wochen. Und ob Mimis Kind schon morgen oder aber erst in reichlich zwei Monaten Zeichen von Beikostreife zeigen wird, wissen wir ja nicht
.
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Meist sind Probleme beim Abpumpen (bei Müttern, die - wie Du - offenbar überhaupt keine Probleme damit haben beim Stillen genügend Milch zu bilden) schlicht Probleme damit, durch die Pumpe einen Milchspendereflex (kurz MSR) auszulösen. Der weit überwiegende Teil der Milch wird ja nach Auslösen des MSR während der Mahlzeit gebildet (nur winzige Mengen sammeln sich zwischen den Mahlzeiten an). Da Du ja in Anwesenheit Deines Babys pumpst, könnte es auf jeden Fall einen Versuch wert sein, während des Stillens an der jeweils anderen Brust zu pumpen. Der MSR wird nämlich praktischerweise immer beidseitig ausgelöst - und das übernimmt beim Stillen ja das Baby
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Der Schaden, den "ausnahmsweise Premilch" zu geben, machen kann, ist ja nicht nur die beispielsweise völlig veränderte Darmflora, die Wochen bräuchte, um sich wieder zu erholen, sondern kann durchaus auch ein psychologischer Effekt sein: Wenn man dann erstmal eine offene Packung Pre zuhause hat (die teuer war, und zudem ja einige Zeit nach dem Öffnen verworfen werden muss, weil sie verkeimt), ist die Versuchung groß, dann jetzt öfter mal Pre zu geben - vielleicht nicht nur bei beruflicher Abwesenheit, ... . Das kombiniert mit dem "Mahlzeitenkonzept", das sowieso oft mit Flaschenfütterung einhergeht und sich dann auch aufs Stillen übertragen kann, kann schneller zum Abstillen führen, als man beabsichtigt hatte.
Völlig unabhängig vom Problem, dass Euer Baby morgen Milch braucht und Du arbeiten musst: vielleicht hast Du irgendwann Zeit und Lust, Dich mal mit den Möglichkeiten des stillfreundlichen Zufütterns zu befassen. Bei einem fünf Monate alten Baby könnte ich mir z.B. Becherfüttern sehr gut vorstellen.
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Ich hoffe, Ihr findet eine irgendwie praktikable Lösung für morgen. Wenn Du trotz Abpumptipps nicht genügend Milchvorrat für morgen zusammenbekommst, Du Dir Dein Baby auch nicht bringen lassen kannst, die beruflichen Termine unverschiebbar sind, und Dein Partner Euer Baby auch mit Tragetuchtragen etc. nicht beruhigt bekommt, weil es eben Hunger hat, dann ist eine Packung (oder einige Portionen) Premilch als Notreserve sicherlich eine Beruhigung für die Nerven aller Beteiligten
Ein Testdurchlauf ist sicherlich sinnvoll, wenn eine Mama z.B. den ersten Kino-Abend plant und nicht sicher ist, ob das Baby die abgepumpte Muttermilch auch trinken wird, weil sie es noch nie probiert hat. Dann lohnt sich ein Spaziergang um den Block, während der Papa probiert, die Milch zu bechern - und notfalls kann man eben den Kino-Abend nochmal zwei Monate aufschieben und stattdessen eine DVD ausleihen
. Wenn Mimi aber unverschiebbare berufliche Termine hat - was würde ihr dann ein Testdurchlauf bringen, selbst wenn er im Drama endete?
Ob das Baby die Premilch nehmen wird, wird ihr Partner schon morgen noch früh genug merken, wenn er alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Vielleicht wartet Mimis Baby auch einfach auf Papas Arm auf Mama oder reicht doch mit den Muttermilchfläschchen. Dann hätte man im Testlauf ganz unnötig einem Vollstillkind Formulanahrung gegeben, ohne dass man an der Situation morgen irgendwas ändern könnte... Und wenn sich an der Situation etwas ändern ließe (z.B. durch "hinfahren und Baby auf Arbeit stillen lassen"), dann könnte man das auch ohne Testfüttern von Premilch einfach von vornherein so planen.
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Viel Erfolg erstmal für Deine Abpumpversuche heute und dann alles Gute für morgen - welche Lösung auch immer Ihr finden werdet.
LG, blueberry
da stellst Du eine interessante Frage:
es kommt ein bisschen darauf an, was man unter "schlimm" verstehtMimi83 hat geschrieben:Was denkt ihr, wie schlimm ist es, wenn ich ausnahmsweise Premilch gebe?
Sussa, ganz sicher hast Du recht: Premilch ist nicht "giftig".
Das heißt aber nicht, dass es "nicht schadet" einem ansonsten vollgestillten Kind "ohne Not" Formula-Nahrung zu geben. Der von Katha verlinkte Fachartikel beschäftigt sich umfassend mit den Folgen von "einem einzigen Fläschchen" Formula-Nahrung - nicht alle davon gelten nur für Neugeborene oder in den ersten Wochen. Und ob Mimis Kind schon morgen oder aber erst in reichlich zwei Monaten Zeichen von Beikostreife zeigen wird, wissen wir ja nicht
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Ob es andere Möglichkeiten gibt, ist aus der Ferne jetzt schwer zu beurteilen - ich weiß ja nicht, was Du arbeitest, wie weit Du von zuhause weg sein wirst und welche Transportmöglichkeiten (Auto, öffentliche Verkehrsmittel) es zwischen Eurer Wohnung und Deiner Arbeitsstätte gibt. Du schreibst:Mimi83 hat geschrieben:Fühle mich zwar nicht zu 100% wohl damit, aber sehe im Moment keine andere Möglichkeit?
Da Du ZWEI verschiedene Auswärtstermine hast: viele Mütter haben ausgesprochen gute Erfahrungen damit gemacht, sich ihr Baby zum Stillen bringen zu lassen. Die Betreuungsperson ist ja eh mit dem Baby beschäftigt - ob sie dazu zu Hause wartet oder "einen Ausflug" macht, ist da meist egal. Zudem stehen einem als stillende Mutter auch gesetztliche Stillpausen während der Arbeitszeit zu (die nicht nachgearbeitet werden müssen). Vielleicht ließe sich ja in dieser Richtung etwas organisieren (z.B. ein kurzer "Stilltreff" auf einem Parkplatz, während Du von einem Termin zum nächsten unterwegs bist? Oder Dein Partner verbringt einige Zeit (mit Tragetuch spazierendgehend, in der Cafeteria Deines Arbeitsplatzes, wenn es eine solche gibt, ... ?) in der Nähe Deiner Arbeit und Du stillst zwischendurch mal. Und die restliche Zeit ließe sich von Deinen geschrumpften (aber, wenn ich das richtig deute: mindestens noch eine Mahlzeit umfassenden?) und heute im Laufe des Tages abgepumpten Milchvorräten bestreiten?Mimi83 hat geschrieben:Morgen habe ich aber 2 Auswärtstermine
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Diese "Tricks" gibt es in der Tat. Schau mal in unsere LINKSAMMLUNG STILLWISSEN unter dem Punkt "Tipps zum erfolgreichen Abpumpen".Mimi83 hat geschrieben:Am Tag ist es für mich schwierig abpumpen, da ich nach dem Trinken mindestens eine Stunde (lieber länger) warten muss damit ich überhaupt ein bisschen war rausbringe, aber dann hat er ja schon bald wieder HungerOder gibt es da Tricks
?
Meist sind Probleme beim Abpumpen (bei Müttern, die - wie Du - offenbar überhaupt keine Probleme damit haben beim Stillen genügend Milch zu bilden) schlicht Probleme damit, durch die Pumpe einen Milchspendereflex (kurz MSR) auszulösen. Der weit überwiegende Teil der Milch wird ja nach Auslösen des MSR während der Mahlzeit gebildet (nur winzige Mengen sammeln sich zwischen den Mahlzeiten an). Da Du ja in Anwesenheit Deines Babys pumpst, könnte es auf jeden Fall einen Versuch wert sein, während des Stillens an der jeweils anderen Brust zu pumpen. Der MSR wird nämlich praktischerweise immer beidseitig ausgelöst - und das übernimmt beim Stillen ja das Baby
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Der Schaden, den "ausnahmsweise Premilch" zu geben, machen kann, ist ja nicht nur die beispielsweise völlig veränderte Darmflora, die Wochen bräuchte, um sich wieder zu erholen, sondern kann durchaus auch ein psychologischer Effekt sein: Wenn man dann erstmal eine offene Packung Pre zuhause hat (die teuer war, und zudem ja einige Zeit nach dem Öffnen verworfen werden muss, weil sie verkeimt), ist die Versuchung groß, dann jetzt öfter mal Pre zu geben - vielleicht nicht nur bei beruflicher Abwesenheit, ... . Das kombiniert mit dem "Mahlzeitenkonzept", das sowieso oft mit Flaschenfütterung einhergeht und sich dann auch aufs Stillen übertragen kann, kann schneller zum Abstillen führen, als man beabsichtigt hatte.
Das kann hierbei ein nicht unwesentlicher Faktor sein. Auch wenn der Wechsel zwischen Flasche und Brust lange Zeit scheinbar problemlos funktioniert, verkürzt das (auch nur gelegentliche) Fläschchengeben oft die Stillzeit-Dauer erheblich. Die Trinktechniken, das Mundgefühl, der Mahlzeitenverlauf, ... an Brust und Flasche unterscheiden sich einfach erheblich (gut erklärt im Link "Was ist Saugverwirrung?" aus unserer LINKSAMMLUNG) und die meisten Babys entwickeln irgendwann (oft erst im zweiten Lebenshalbjahr) eine deutliche Präferenz und verweigern dann entweder die Flasche oder die Brust komplett. Was von beidem lässt sich nicht vorhersagen.TineZ hat geschrieben: Und die Flasche ist er ja schon gewöhnt.
Völlig unabhängig vom Problem, dass Euer Baby morgen Milch braucht und Du arbeiten musst: vielleicht hast Du irgendwann Zeit und Lust, Dich mal mit den Möglichkeiten des stillfreundlichen Zufütterns zu befassen. Bei einem fünf Monate alten Baby könnte ich mir z.B. Becherfüttern sehr gut vorstellen.
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Ich hoffe, Ihr findet eine irgendwie praktikable Lösung für morgen. Wenn Du trotz Abpumptipps nicht genügend Milchvorrat für morgen zusammenbekommst, Du Dir Dein Baby auch nicht bringen lassen kannst, die beruflichen Termine unverschiebbar sind, und Dein Partner Euer Baby auch mit Tragetuchtragen etc. nicht beruhigt bekommt, weil es eben Hunger hat, dann ist eine Packung (oder einige Portionen) Premilch als Notreserve sicherlich eine Beruhigung für die Nerven aller Beteiligten
Das würde ich hingegen nicht machen. Wozu auch?TineZ hat geschrieben:Würde aber auf jeden Fall auch vorher mal einen Versuch machen, wenn Du in der Nähe bist, nicht dass er es dann verweigert und das ganze in einem Drama endet...
Ein Testdurchlauf ist sicherlich sinnvoll, wenn eine Mama z.B. den ersten Kino-Abend plant und nicht sicher ist, ob das Baby die abgepumpte Muttermilch auch trinken wird, weil sie es noch nie probiert hat. Dann lohnt sich ein Spaziergang um den Block, während der Papa probiert, die Milch zu bechern - und notfalls kann man eben den Kino-Abend nochmal zwei Monate aufschieben und stattdessen eine DVD ausleihen
Ob das Baby die Premilch nehmen wird, wird ihr Partner schon morgen noch früh genug merken, wenn er alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Vielleicht wartet Mimis Baby auch einfach auf Papas Arm auf Mama oder reicht doch mit den Muttermilchfläschchen. Dann hätte man im Testlauf ganz unnötig einem Vollstillkind Formulanahrung gegeben, ohne dass man an der Situation morgen irgendwas ändern könnte... Und wenn sich an der Situation etwas ändern ließe (z.B. durch "hinfahren und Baby auf Arbeit stillen lassen"), dann könnte man das auch ohne Testfüttern von Premilch einfach von vornherein so planen.
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Viel Erfolg erstmal für Deine Abpumpversuche heute und dann alles Gute für morgen - welche Lösung auch immer Ihr finden werdet.
LG, blueberry