Hallo Niku und herzlich Willkommen

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Ich würde Dir gerne auch meine Gedanken und Erfahrungen zum Thema Notkaiserschnitt erzählen, vielleicht ist ein hilfreicher Ansatz für Dich dabei, um mit dem Thema Frieden zu schließen.
Ich hatte aus verschiedenen Gründen sehr große Angst vor einer natürlichen Geburt, wollte aber wegen meinem Baby keinen geplanten Kaiserschnitt. Ich hab mich also trotz Ängsten dazu entschieden, normal zu entbinden und dann auch alles gemacht, um mich darauf vorzubereiten. Da mein Baby auch recht zierlich war (2.910g bei der Geburt), wurde ich gegen Ende der Schwangerschaft recht engmaschig überwacht. Bei einem dieser Kontroll-CTG´s gingen bei einer schon vorhandenen Wehe die Herztöne runter und mir wurde mitgeteilt, dass ich eingeleitet werde. Eingeleitete Geburten sollen ja noch schmerzhafter sein, als normale, spontane Geburten

. Aber bei diesem Gespräch, als mir die Notwendigkeit der Einleitung vom Oberarzt mitgeteilt wurde, hat er mir einen Satz gesagt, der mir vermutlich (zusammen mit der netten Betreuung durch die Hebammen) sehr geholfen hat, mit der Situation umgehen zu können. Er meinte zu mir, ich hätte mich entschieden für die Geburt ins Krankenhaus zu gehen, was zeigen würde, dass ich die Variante mit der größtmöglichsten Sicherheit für mich und mein Kind gewählt hätte. Und um das zu gewährleisten, wäre es jetzt nicht mehr möglich abzuwarten, wie es weiter geht, sondern einzugreifen und die Situation unter Kontrolle zu bringen bzw. zu haben.
Ich wurde sanft mit Tabletten eingeleitet und weiterhin kontrolliert und nach 12 Stunden waren die Herztöne meines Babys bei jeder Wehe so weit im Keller, dass die Hebamme aus dem anderen Kreißsaal heraus, wo sie gerade eine Geburt betreute, den Kaiserschnitt einleitete. Sie kam zu uns, teilte uns mit dass sie alles in die Wege geleitet hätte, untersuchte mich noch einmal kurz und schon war das Zimmer voller Ärzte und Hebammen, die mich in windeseile für den KS fertig gemacht haben. Wie sich rausstellte, hatte mein Baby die Nabelschnur so um sich geschlungen, dass es garnicht tiefgenug ins Becken rutschen konnte, damit die Wehen überhaupt wirksam gewesen wären und dass bei jeder Wehe die Nabelschnur abgedrückt wurde, weswegen die Herztöne in den Keller gingen.
Ich habe mit der Situation auch gehadert. Ich hatte solche Angst und mich dann trotzdem für eine spontane Geburt entschieden, und dann das. (Ich hatte auch eine Empfehlung zur Einleitung wegen der Größe des Krümels, aber mich auch da entschieden, mindestens noch einen Tag abzuwarten, was dann ja aber hinfällig war). Ich war ebenfalls traurig, hab geweint und mich gefragt, wie wohl eine normale Geburt gewesen wäre und mich für meine Ängste im Vorfeld gescholten. Bis mir wieder der Satz des Oberarztes am Beginn der Einleitung einfiel. Und ja, er hatte recht. Mein wichtigstes Bedürfniss, wenn ich meine Gefühle mal außer Acht lies (was im Wochenbett schon allein Hormonbedingt sehr schwierig war

), war es, ein gesundes, munteres Baby zu haben. Und es ist nunmal ein unumstößlicher Fakt, dass das ohne den KS einfach nicht der Fall gewesen wäre. Ich habe deshalb irgendwann für mich beschlossen (und ja, es war eine bewusste (Kopf)Entscheidung), mit diesem Thema meinen Frieden zu machen. Die Vergangenheit ruhen zu lassen, froh und dankbar zu sein, dass mein Baby alles gut überstanden hat und gesund ist und mich an ihm, dem hier und jetzt und seiner Entwicklung zu freuen, die er ohne den KS so nicht machen könnte.
Natürlich hat das alles seine Zeit gedauert. Und ich hab auch die Trauer zu gelassen und für mich den Weg gewählt, jedem der mir nicht direkt gesagt hat, dass es ihn nicht interessiert und er es nicht hören möchte, die Geschichte meiner Geburt zu erzählen. Und irgendwann hat das Gefühl der Trauer um die spontane Geburt dem der Dankbarkeit Platz gemacht, ein gesundes Baby zu haben, dem ein für ihn optimalster Start ins Leben gewährt wurde.
Ich denke, je mehr sich das Hormonchaos nach der Geburt legt, desto leichter geht es, sich mit dem Thema auszusöhnen. Ich hoffe, Du kommst über Dein Trauma hinweg und kannst auch Deinen Frieden mit der Situation schließen. Ich finde es gut, dass Du Dich mit dem Thema auseinander setzt und Hilfe holst! Und vielleicht klappt das Stillen doch noch, hier hast Du jedenfalls die kompetenteste Unterstützung, die Du Dir wünschen kannst! Und wenn nicht, dann genieße die Nähe beim Tragen doppelt

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Fühl Dich gedrückt, wenn Du möchtest
Liebe Grüße
Andrea