Seite 2 von 3

Re: Stillen im Museum Teil 2

Verfasst: 07.02.2013, 14:07
von Meikesch
Und da wundert man sich, dass es immer weniger Kinder gibt... :cry:

Re: Stillen im Museum Teil 2

Verfasst: 07.02.2013, 15:25
von Campanula
Danke für Dein Update!

Momentan ist das ganz klar kein "Stillproblem" (auch, wenn es sich darum inhaltlich grad dreht - und Du kennst meine Stellung dazu ;-) ), sondern deutlich ein Beschwerde-Management-Problem.
Da ist ganz eindeutig jemand (der/diejenige, der/die Dir geschrieben hat) inkompetent im Umgang mit Beschwerden und hat so ziemlich alles falsch gemacht, was man da falsch machen kann :lol:
Da täuschen dann auch nicht vermeintlich verbindlich-ausgleichende Floskeln wie "ich bedaure" oder "ich hoffe" drüber weg.
Der Brief ist im Grunde genommen noch nicht mal dreist - viel schlimmer, der ist schlichtweg ohne jede Kompetenz verfasst.

Ich zerpflück das jetzt mal:

1. Es geht bei einem Konflikt überhaupt nicht an, dass man mit einer Konfliktseite ein persönliches Gespräch führt, mit der anderen aber nicht. An welcher Stelle hattest Du denn bei dieser Sache, Dich zu der Aussage der Wachperson zu äußern? Der/die Briefschreiberin hätte also bestenfalls die Schilderung der Wachperson neutral widergeben dürfen und dies ergebnisoffen an Dich weitergeben, um ggf Deine Stellungnahme zu erfragen oder ein gemeinsames Telefonat vorzuschlagen.
Sich statt dessen auf eine Seite zu schlagen - noch dazu nicht auf die des Kunden - ist schon mal fachlich völlig daneben. :twisted:

2. Ich kenne jetzt Deinen ursprünglichen Brief/Mail? nicht (hast Du den irgendwo anders hier gepostet?), gehe aber mal davon aus, dass Du darin geschildert hast, dass die Streitfrage sich ums Stillen drehte. ;-)
Insofern hätte der/die Briefschreiber/in in jedem Fall auf diesen Sachverhalt eingehen und dazu Stellung beziehen müssen - selbst, wenn sie annimmt, dass die Wachperson die Wahrheit sagt und es lediglich um eine Brezel ging. Sie hätte also in diesem Fall so etwas in den Brief einfügen müssen wie "was das Stillen betrifft, so ist es Ihnen selbstverständlich erlaubt, Ihr Kind ..." oder eben "was das Stillen betrifft, so ist dies in unseren Räumen untersagt, weil ..."
Sich gar nicht dazu zu äußern, ist ebenfalls schlichtweg schlechtes Beschwerde-Management.

3. Es ist korrekt, dass das Essen und Trinken im Ausstellungsbereich eines Museums untersagt ist. Hierfür gibt es auch gute, einleuchtende Gründe, die mit Versicherungsfragen beginnen. Ausstellungsstücke müssen versichert sein, und die Versicherung macht da bestimmte Vorgaben.
Hierauf hätte der/die Briefschreiber/in durchaus verweisen können und um Verständnis bitten.
Dies hätte einen deutlich besseren und bemühteren Eindruck gemacht, da es eine nachvollziehbare Begründung für die Einschränkung der "Bewegungsfreiheit" des Kunden geliefert hätte als ein schnöder Verweis auf die Hausordnung. Dies ist deutlich schlechter Stil und erzeugt den Charakter einer gewissen "Blockwart-Mentalität", da die Regel für den Kunden nicht nachvollziehbar ist.

Alles in allem ist das ein Brief von einer Person, die mit ihrer Aufgabe deutlich überfordert ist und von dem, was sie da tut (Kundenkontakt und Beschwerde-Management) herzlich wenig Ahnung hat.

Ich habe fast schon Mitleid mit soviel galoppierender Inkompetenz, würde nicht leider genau SOWAS dazu führen, dass die Menschen immer weniger ins Museum gehen: Ihnen wird suggeriert, dass sie dort eigentlich nicht erwünscht sind und sich bei jedem Schritt überlegen müssen, ob sie auch nur Atem holen dürfen, während sie sich in einer Ausstellung befinden.
Sehr schade und enttäuschend - Museen können ein so tolles Erlebnis sein, wenn man nur ein wenig kundenorientierter arbeiten würde :evil:

Zurück zum Stillen:
Ich würde an Deiner Stelle noch einmal antworten, ggf. den ganzen anderen, irrelevanten Kram aus dem Antwortschreiben einfach mal ausklammern und beiseite lassen und konkret nach der Positionierung zum Stillen fragen.
Im Sinne von "Herzlichen Dank für Ihre Antwort - nur leider geht sie für mich am Kern der Sache vorbei. Vielleicht liegt ein Missverständnis vor und sie haben Ihre Kollegin vom Wachpersonal falsch verstanden, aber es ging mitnichten um die Mitnahme von Essen und Trinken in den Ausstellungsbereich, mein Kind hatte auch keine Brezel bei sich. Vielmehr habe ich mein Kind während des Besuchs Ihres Museums gestillt und wurde daran von Ihrem Wachpersonal gehindert. Gerne hätte ich hierzu noch Ihre Stellungnahme."

Dann muss das Museum da mal ausdrücklich Farbe bekennen.

Ich schüttel jedenfalls grad mal wieder fassungslos mit dem Kopf ...

Re: Stillen im Museum Teil 2

Verfasst: 07.02.2013, 16:02
von fragaria
Ganz ganz ganz peinlich für das Museum ... An die Presse schicken finde ich eine gute Idee :-)

Re: Stillen im Museum Teil 2

Verfasst: 07.02.2013, 18:59
von sabbelschnuut
Campanula hat geschrieben:Ich habe fast schon Mitleid mit soviel galoppierender Inkompetenz, würde nicht leider genau SOWAS dazu führen, dass die Menschen immer weniger ins Museum gehen: Ihnen wird suggeriert, dass sie dort eigentlich nicht erwünscht sind und sich bei jedem Schritt überlegen müssen, ob sie auch nur Atem holen dürfen, während sie sich in einer Ausstellung befinden.
Genau das ist eigentlich das Traurige daran, denn wenn die Personen, die hier mit dieser Beschwerdesache zu tun hatten, mal ein bisschen helle im Köpfchen wären, würden sie das Ganze als konstruktive Kritik sehen und sich überlegen "was können wir denn besser machen, damit sich unsere Kunden bei uns wohlfühlen". Aber sie scheinen ja nicht auf die Eintrittsgelder angewiesen zu sein - denn bei Läden wie Ikea oder so klappt das mit der Kinderfreundlichkeit ja auch. Und warum? Weil sonst keine Leute mehr kommen.

Re: Stillen im Museum Teil 2

Verfasst: 07.02.2013, 19:48
von elk
Grr... Solche Pfeifen! Das ist echt unglaublich.

Aber wieder mal ein toller Post, Campanula. Macht echt immer Spaß dich zu lesen!

Re: Stillen im Museum Teil 2

Verfasst: 07.02.2013, 21:07
von sternenweib
museen sind faktisch nicht auf einrittsgelder angewiesen. die ausstellung ist auch nur ein ganz kleiner bereich ihrer aufgaben. somit ist dieser "der kunde ist könig"-ansatz auch nicht unbedingt der richtige. ein museum ist kein laden.

Re: Stillen im Museum Teil 2

Verfasst: 07.02.2013, 21:18
von elk
sternenweib hat geschrieben:museen sind faktisch nicht auf einrittsgelder angewiesen. die ausstellung ist auch nur ein ganz kleiner bereich ihrer aufgaben. somit ist dieser "der kunde ist könig"-ansatz auch nicht unbedingt der richtige. ein museum ist kein laden.
Das mag rein wirtschaftlich stimmen, kann ich nicht beurteilen (auch wenn ich glaube, dass sich das von Museum zu Museum sehr unterscheiden kann).
Aber Museen sind sehr wohl auf zufriedene Besucher angewiesen, gerade wenn sie durch öffentliche Gelder finanziert werden. Denn eine Selbstverständlichkeit ist diese Finanzierung nicht (mehr). Und unzufriedene Besucher können sich gewaltig auf die Reputation und damit auch auf die Frage der öffentlichen Finanzierung auswirken.

Re: Stillen im Museum Teil 2

Verfasst: 07.02.2013, 22:31
von Essy
Oh man, es ist echt traurig, daß soetwas Natürliches wie Stillen überhaupt zu Konflikten führt! In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich?

Re: Stillen im Museum Teil 2

Verfasst: 08.02.2013, 06:53
von Campanula
sternenweib hat geschrieben:museen sind faktisch nicht auf einrittsgelder angewiesen. die ausstellung ist auch nur ein ganz kleiner bereich ihrer aufgaben. somit ist dieser "der kunde ist könig"-ansatz auch nicht unbedingt der richtige. ein museum ist kein laden.
sternenweib, Museen sind sowohl auf Eintrittgelder, sehr viel mehr aber noch auf Besucherzahlen angewiesen.
Denn genau mit diese Zahlen sind fuer ein Museum die Argumentationsgrundlage, um andere Geldquellen sowohl zu verantworten als auch ueberhaupt erst zu erhalten.

Neben den bereits genannten Zuschuessen aus oeffentlichen Mitteln sind Museen aufgrund der Kuerzugen in oeffentlichen Etats immer mehr auf die Einwerbung von Drittmitteln (sprich: letztlich Sponsorengeldern) angewiesen.
Diese wiederum komken aus der freien Wirtschaft - und diese Geldgeber achten dann erst recht doppelt auf Effizienz wie auch Effektivitaet beim Einsatz und der Vergabe ihrer Unterstuetzungsgelder.
Erste Museen sind inzwischen uebrigens bereits gezwungen, ihre Existenz bzw den laufenden Betrieb komplett aus eigener Tasche zu bestreiten - da dies ueber Besuchergelder allein nicht geht (dennoch zaehlt auch hier jeder Euro, gerade bei Sonderausstellungen), erhaelt die Drittmitteleinwerbung noch mehr Gewicht.

Insofern ist das Kundengeschaeft fuer Museen soger von herausragender Bedeutung, denn es ist das Aushaengeschild und der Image-Faktor eines Museums. Und es ist daher auch sehr wohl eine hoch wirksame Stellschraube, um Druck auf so eine Institution auszuueben.
Die Zeiten, in denen es sich ein Museum leisten konnte, "einfach so fuer sich" vor sich hinzupuetschern, sind schon lange, lange vorbei ;-)

Dass der den Besuchern zugaengliche Qusstellungsbereich nur ein kleiner Teil des Museums ist und die Aufgaben eines Museum weit ueber die Betreuung der Dauerausstellung hinaus gehen, ist davon unberuehrt.
Mit Inventarieiserung, Forschung, Erhalt und der Depotsammlung wird man nie glaenzen koennen - das geht nurnuener den Publikumsbereich - und glaenzen muss man heutzutage, um ueberleben zu koennen. Auch als Museum.

Aber mal ganz abgesehen davon: selbst, wenn man dort tatsaechlich nicht auf Gelder und Kunden angewiesen waere, waere es meines Erachtens erst recht die Pflicht und Schuldigkeit, mit Besuchern hoeflich und auch kujdenorientiert umzugehen. Denn gerade bei aus oeffentlicher Hand finanzierten Haeusern gilt genau wie beim Parlament: "Dem deutschen Volke" :-D

Sorry, knapp an der OT-Grenze, aber letztlich dreht es sich darum, wie und warum man auf ein Problem mit Stillen in der Oeffentlichkeot reagieren kann ;-)

Re: Stillen im Museum Teil 2

Verfasst: 08.02.2013, 06:59
von Campanula
Argh, sensationeller Weise habe im momentan nicht mal meine sonst bewaehrten zwei, sondern sogar nur einen Finger frei, um auf meinem Mini-iPod rumzutippen: mit Daumen und Ringfinger halte ifh das Geraet fest und mit dem Zeigefinger der gleichen Hand versuche ich, die Buchstaben zu treffen :lol:

Bitte entschuldigt daher die vielen Vertipper - ich hoffe, der asinn meines Texts wird trotzdem noch klar.
Ich schreibe hier fast immer dann, wenn meine Tochter grad stillend auf mir liegt, da hab ich kaum eine Chance zu mehr Bewegungsfreiheit :lol:

elk: danke! :piepmatz: