Fchen hat geschrieben:in Spielgruppen habe ich den Eindruck, das Konzept mit "nach dem Essen stillen" führt vielleicht zu einer deutlichen Reduzierung des Stillens tagsüber, aber spätestens nachts möchte Kind weiter stillen, zumindest wird sich darüber oft etwas beklagt
Fchen, selbst nach Beikostreife (und viele viele Kinder bekommen Brei deutlich VOR ihrer individuellen Beikostreife gefüttert!) stellt sich das Verdauungssystem und die Verdauungssäfte der Babys erst sehr langsam auf feste Nahrung ein. Will heißen: sie essen brav die gesamte Portion Brei, weil sie Hunger haben, und sind danach satt, wollen also nicht mehr / nur wenig stillen. Aber können das Essen nicht so verwerten, haben also nachts echten Nährstoffbedarf und Hunger, den sie dann über Stillen decken. Und das Konzept "nach dem Essen stillen" muss ja auch nicht bedeuten, dass diese Kinder überhaupt nach Bedarf gestillt werden. Wie würde reagiert werden, wenn ein solches Kind 20 Minuten vor dem Mittagessen einen eindeutigen Stillbedarf anmeldet? "Jetzt nicht, es gibt gleich Essen"?
Dabei wirkt dieses klassische Ersatzkostempfehlung so, als wäre es eine sanfte, bedürfnisorientierte Methode, früher abzustillen, wenn dies gewünscht wird
Naja, was heißt sanft. Abstillen ist abstillen. Ab einem gewissen Alter kommen Kinder damit mehr oder weniger gut zurecht. Und wenn es weniger Mamamilch gibt, dann muss Kind ja irgendwas anderes essen, um satt zu werden. Die klassischen Breimahlzeiten sind glaube ich nicht auf Sanftheit ausgerichtet, sondern auf Sinnhaftigkeit, also Nährstoffversorgung, damit das Baby trotz fehlender Muttermilch soweit wie möglich mit allem versorgt wird (daher z.b. die dringende Empfehlung, den Fleisch-Kartoffel-Gemüse-Brei und den Getreide-Obst-Brei milchfrei zu halten, damit das Baby das Eisen resorbieren kann).
Was sind Eure Erfahrungen - wann können sich Kinder überhaupt durchschnittlich (!) abstillen, wenn Mahlzeit um Mahlzeit so sanft ersetzt wird, die Brust aber auf nie auf Wunsch enthalten wird?
Das habe ich sehr lange gemacht, und der Effekt war, dass Kind nur winzige Minimengen gegessen hat, sich an der Stillfrequenz aber NIX geändert hat (auch nachts nicht, selbst wenn sie mal viel zu Abend gegessen hatte). Wie hier geschrieben wurde, Stillen und Essen waren hier zwei getrennte Dinge. So wie ich das überblicke, berichten die Forumsmamis hier im Durchschnitt, dass sich ihre Kinder im dritten Lebensjahr selbst abgestillt haben.
wird die Stilldauer tatsächlich davon beeinflusst, ob vor oder nach dem Essen gestillt wird?
Ich glaube, die Stilldauer wird am meisten dadurch beeinflusst, ob WIRKLICH ehrlich nach Bedarf des Kindes gestillt wird. Auch wenn Mama sich voll die Mühe gegeben hat, und frischen Brei aus teurem Gemüse aus dem Bioladen gekocht hat, und Kind gerade mal einen Löffel davon isst, und dann nicht mehr will, sondern lieber stillen. Oder ob abends versucht wird, noch zwei oder drei Löffel mehr in das Kind rein zu kriegen (kuck mal, ein Flugzeug), damit es nachts länger schläft. Oder ob nachts mal versucht wird, Stillen durch Streicheln zu ersetzen, weil es muss ja nun mal ein Ende haben mit der nächtlichen Stillerei. DIESE Dinge habe ich bei uns selbst und im gesamten Bekanntenkreis als den EIGENTLICHEN Knackpunkt erlebt.
Essen am Familientisch gibt es, wenn mein Mann und ich essen, und eben zwischendurch immer, wenn ich das Gefühl habe, sie könnten gerade Interesse an Essen haben.
Klingt super.
Langsam isst sie wohl schon solche Mengen, dass sie tagsüber dann auch weniger stillt.
Das halte ich für völlig unbedenklich, vorausgesetzt Kind darf wirklich ehrlich nach seinem Bedarf entscheiden, ob es stillen oder essen mag.