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Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Verfasst: 14.12.2012, 13:04
von Sibi
Ich kann gerade nicht viel schreiben - aber es geht wirklich nicht um Rechtfertigungsdruck meinerseits, sondern mich interessiert einfach, worauf sich solche Menschen/Empfehlungen berufen - ob es irgendwas belastbares dazu gibt. Offenbar ja nicht - zumindest weiß Jusl nichts, das bestätigt mich in meinem Verdacht, dass hier zwei Ideologien gegeneinander kämpfen, oder eben auch nicht, wenn man es als solches erkennt und sich dem entzieht.
Mir reicht tatsächlich ein: "Warum sollte mein Kind nicht stillen? Für uns ist alles gut." Aber spannend finde ich trotzdem, ob und wie an den psychologischen Auswirkungen geforscht wird.
Re: AW: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Verfasst: 14.12.2012, 13:08
von honigtopf2010
Sagt Renz-Polster nicht im Grunde was dazu, wenn es über den Zusammenhang der Evolution spricht? Denn die Schritte stillen und abstillen sind ja nicht durch die heutige Gesellschaft geprägt sondern durch UrBedürfnisse, Instinkte also, die das Überleben sichern sollten? Ich kenne jetzt natürlich nicht die Argumentationskette und die Studien, auf die sich die genannten EntwicklungsPsychologen beziehen.
Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Verfasst: 14.12.2012, 13:20
von cosima83
jusl hat geschrieben:
Naja, also "wie man drauf kommt" finde ich persönlich eigentlich relativ naheliegend: In unserer Gesellschaft bestimmen momentan rein individualistische Werte wie Selbstverwirklichung, Durchsetzungsvermögen, Eigenständigkeit, Selbstbestimmung usw. das Wertebild. Die Freiheit, tun und lassen zu können was man will ist das höchste Gut eines Jeden, Flexibilität und Spontanität sind höchst positiv besetzt.
Langes Stillen hingegen hat (zumindest in der Wahrnehmung vieler Leute) zu tun mit dem Gegenteil von alldem: Orientierung an den Bedürfnissen Anderer, das sich Binden an andere Menschen, anderen (auch körperlich) zur Verfügung stehen, weniger flexibel sein zu können... solche Dinge lösen heute Stirnrunzeln aus ("Was stimmt nicht bei denen, dass die Mutter das freiwillig auf sich nimmt?")
Daran muss doch also irgendwas faul sein...

Ja, das glaub ich auch.
Selbstständigkeit kann doch heutzutage in den Augen vieler Menschen garnicht früh genug beginnen: Das Kind gehört ins eigene Bett, eigene Zimmer, es muss sich möglichst früh selbst beruhigen usw.
Der Grundsatz "Frühe Abhängigkeit fördert spätere Unabhängigkeit" ist in den Köpfen vieler (Fach)leute noch nicht angekommen. Hinzu kommt die lange Tradition der körperfernen Erziehung in den westlichen Ländern, die abgelegten Babies, die Kleinkinder im Laufstall, die (körperlichen) Strafen, u.ä.
Das aber auch (oder gerade) aus getragenen und lange gestillten Kindern stabile selbstständige Persönlichkeiten werden zeigen doch die ursprünglicheren Kulturen in Afrika, Asien, Südamerika oder auch ganz allgemein der Verlauf der Menschheitsgeschichte. Der Mensch wär im Laufe der Jahrtausende einfach verschwunden, wenn das lange Stillen nur Weicheier und Mamasöhnchen produziert hätte.

Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Verfasst: 14.12.2012, 13:28
von jusl
Der Mensch wär im Laufe der Jahrtausende einfach verschwunden, wenn das lange Stillen nur Weicheier und Mamasöhnchen produziert hätte.

Vermutlich.

Irgendwo hab ich mal gelesen (vielleicht weiß jemand, wo?..), dass kriegerische Völker mit einer ausgeprägten Aggressions- und Eroberungskultur durchschnittlich nur wenige Monate stillen, also viel kürzer als andere Gesellschaften. Und dass sogar bei einem Volk bekannt ist, dass dies innerhalb der Gesellschaft der Fall so praktiziert wird/wurde: Die späteren Krieger wurden früh von ihren Müttern getrennt. Frei nach dem Motto "nur die Harten komm' n' in'n Garten". (Also gibt's wohl doch Weicheier durch langes Stillen, die fürs Kriegeführen "leider" ungeeignet erscheinen.

)
Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Verfasst: 14.12.2012, 13:44
von cosima83
jusl hat geschrieben:Der Mensch wär im Laufe der Jahrtausende einfach verschwunden, wenn das lange Stillen nur Weicheier und Mamasöhnchen produziert hätte.

Vermutlich.

Irgendwo hab ich mal gelesen (vielleicht weiß jemand, wo?..), dass kriegerische Völker mit einer ausgeprägten Aggressions- und Eroberungskultur durchschnittlich nur wenige Monate stillen, also viel kürzer als andere Gesellschaften. Und dass sogar bei einem Volk bekannt ist, dass dies innerhalb der Gesellschaft der Fall so praktiziert wird/wurde: Die späteren Krieger wurden früh von ihren Müttern getrennt. Frei nach dem Motto "nur die Harten komm' n' in'n Garten". (Also gibt's wohl doch Weicheier durch langes Stillen, die fürs Kriegeführen "leider" ungeeignet erscheinen.

)
Ob nun das Kriegeführen und ständige Erobern eine erstrebenswerte Lebensform der modernen Gesellschaft ist, ist fraglich....
Ja, im dritten Reich war sie das. Dementsprechend sahen die Erziehungsempfehlungen aus. Das Buch "Die deutsche Mutter und ihr erste Kind" war in fast jedem Haushalt zu finden und enthielt die Anleitung zur Erziehung von Menschen, die sich ohne weiteres dem Vaterland opfern bzw. selbstlos begannen weiteres Kannonenfutter zu produzieren.......
Davon ist noch einiges in den Köpfen hängen geblieben, leider.
In der heutigen Gesellschaft bekriegen sich nun nicht mehr Armeen, sondern Einzelpersonen: Eine Karriere, Statussymbole, ein möglichst voller Terminkalender, Arbeiten bis zum Umfallen......
Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Verfasst: 14.12.2012, 13:46
von elamshin
Wenn man noch in Betracht zieht, das zur Kriegsführung eine hohe Lenkbarkeit/Autoritätsfolgsamkeit der Soldaten notwendig ist, ergibt sich doch ein schönes Bild.
Ich kann mir auch nicht vorstellen das es ernsthafte Anhaltspunkt gibt die gegen eine erfolgreiche und positive Öffnung der Mutter-Kind Dyade durch LZS sprechen.
Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Verfasst: 14.12.2012, 14:58
von mirabelle
cosima83 hat geschrieben:jusl hat geschrieben:Der Mensch wär im Laufe der Jahrtausende einfach verschwunden, wenn das lange Stillen nur Weicheier und Mamasöhnchen produziert hätte.

Vermutlich.

Irgendwo hab ich mal gelesen (vielleicht weiß jemand, wo?..), dass kriegerische Völker mit einer ausgeprägten Aggressions- und Eroberungskultur durchschnittlich nur wenige Monate stillen, also viel kürzer als andere Gesellschaften. Und dass sogar bei einem Volk bekannt ist, dass dies innerhalb der Gesellschaft der Fall so praktiziert wird/wurde: Die späteren Krieger wurden früh von ihren Müttern getrennt. Frei nach dem Motto "nur die Harten komm' n' in'n Garten". (Also gibt's wohl doch Weicheier durch langes Stillen, die fürs Kriegeführen "leider" ungeeignet erscheinen.

)
Ob nun das Kriegeführen und ständige Erobern eine erstrebenswerte Lebensform der modernen Gesellschaft ist, ist fraglich....
Ja, im dritten Reich war sie das. Dementsprechend sahen die Erziehungsempfehlungen aus. Das Buch "Die deutsche Mutter und ihr erste Kind" war in fast jedem Haushalt zu finden und enthielt die Anleitung zur Erziehung von Menschen, die sich ohne weiteres dem Vaterland opfern bzw. selbstlos begannen weiteres Kannonenfutter zu produzieren.......
Davon ist noch einiges in den Köpfen hängen geblieben, leider.
In der heutigen Gesellschaft bekriegen sich nun nicht mehr Armeen, sondern Einzelpersonen: Eine Karriere, Statussymbole, ein möglichst voller Terminkalender, Arbeiten bis zum Umfallen......
Hallo Jusl!
meinst du vielleicht Michel Odent und sein tolles buch "Die Wurzeln der Liebe" ? Er geht darin sehr detailliert auf die genau von dir beschriebene Thematik ein. Ich find Odent so super, ich würde seine Bücher allen werdenden Müttern empfehlen...
Lg
Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Verfasst: 14.12.2012, 15:46
von marykate
mirabelle hat geschrieben:
Hallo Jusl!
meinst du vielleicht Michel Odent und sein tolles buch "Die Wurzeln der Liebe" ? Er geht darin sehr detailliert auf die genau von dir beschriebene Thematik ein. Ich find Odent so super, ich würde seine Bücher allen werdenden Müttern empfehlen...
Lg
leicht OT, aber ich muss es trotzdem loswerden:
Ich auch! Geburt und Stillen fand ich so genial und die Lektüre war für mich die beste Geburtsvorbereitung überhaupt!
Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Verfasst: 14.12.2012, 16:11
von Sibi
marykate hat geschrieben:
Ich auch! Geburt und Stillen fand ich so genial und die Lektüre war für mich die beste Geburtsvorbereitung überhaupt!
Dito, aber wir kommen vom Thema ab.

Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Verfasst: 14.12.2012, 17:17
von mirabelle
Sibi hat geschrieben:marykate hat geschrieben:
Ich auch! Geburt und Stillen fand ich so genial und die Lektüre war für mich die beste Geburtsvorbereitung überhaupt!
Dito, aber wir kommen vom Thema ab.

Nicht wirklich, denn Michel Odent geht durchaus "wissenschaftlich" an das Thema Stillen (und langzeitstillen) heran und erklärt sehr gut warum LZS physiologisch ist.
Lg