Keine Muttermilch kann später "Folgen" haben

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Buckelchen
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Re: Keine Muttermilch kann später "Folgen" haben

Beitrag von Buckelchen »

Hallo,
ich kenne ein kleines Mädchen mit einer ähnlichen Geschichte und ähnlichen Problemen. Meine Gedanken gehen auch in die Richtung Bindungsstörung...
:cry:
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Sakura
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Re: Keine Muttermilch kann später "Folgen" haben

Beitrag von Sakura »

Katha hat geschrieben:Finde ich total spannend: kann man die MuMi vom Bonding überhaupt trennen?
Das denke ich definitiv. In Kinder verstehen wird auf Seite 252 ein Experiment beschrieben: junge Affen werden von ihren Müttern getrennt, und kommen in einen Käfig. In dem Käfig der einen Äffchen ist eine Affenmutterattrappe aus Draht, an der Stelle ihre Brüste sind Milchflaschen, aus denen sich die jungen Äffchen Tag und Nacht frei bedienen kann, Stillen nach Bedarf also. Im Käfig der anderem Äffchen ist eine Affenmutterattrappe aus kuscheligem Fell, aber sie hat KEINE Milchflaschen.

Nach einiger Zeit müssen die kleinen Äffchen mit einer Bedrohung fertig werden: ein batteriebetriebener, trommelnder Bär wird in ihren Käfig gesetzt. Die Äffchen mit der kuscheligen Fellattrappenmama flüchtet sich quieckend zu selbiger und kuschelt sich ganz eng an sie. Die nach Bedarf gestillten Äffchen dagegen kauern sich in eine Ecke, oder erstarren einfach, wo sie gerade sind. Trotz Stillen nach Bedarf haben sie das wichtigste im Leben nicht erfahren: Kuscheln mit der Mama, und daher keine emotionale Bindung zu ihr aufbauen können.

Finde ich ziemlich eindrücklich.

Und eine schwierige Entwicklung (oder was auch immer) auf Stillen oder Nichtstillen zu reduzieren finde ich persönlich zu einfach gedacht. Vor allem, wenn es sich um ein frühes Frühchen handelt. Ich habe zwei ganz liebe Freundinnen, die trotz Wollens nicht stillen konnten, und an ihren Kindern ist nichts Auffälliges.
Sakura mit zwei tollen Mädels 04/11 und 05/13

Ich werde sie lehren, den eigenen Weg zu gehen,
vor keinem Popanz, keinem Weltgericht,
vor keinem als sich selber gerade zu stehen. (Reinhard Mey)

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Katha
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Re: Keine Muttermilch kann später "Folgen" haben

Beitrag von Katha »

Die Drahtaffen gefallen mir auch immer wieder.

Ach, irgendwie finde ich heute beim Schreiben wohl meinen Punkt nicht.

Was ich meinte war, dass die "natürliche" Verwendung, also an der Brust, ja gar nicht von Körperkontakt und Bonding zu trennen ist. Schreibt nicht auch Renz-Polster davon, dass stillende Mütter ihre Kinder so gut nie verstoßen? (Lektüre schon eine Zeitlang her)
Heißt allerdings nicht, dass ohne Stillen kein Bonding möglich ist:
Mein Freund war ein Frühchen Ende der 70er und hatte in den ersten Wochen (Keimhysterie der Zeit) weder Kontakt zu seiner Mutter noch MuMi (seine Eltern durften 1x die Woche durch die Scheibe winken, gruselig). Und er ist auch nicht auffällig bei der Bindungsfähigkeit.
Katha mit dem Hasen *01/2012
"Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken." Khalil Gibran[/color]

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Lösche Benutzer 1828

Re: Keine Muttermilch kann später "Folgen" haben

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Vorweg: ich glaube eher nicht bzw. wenig an Homöopathie (haben es mehrfach versucht.....)

Am Stillen liegt das sicher nicht, eher an BIndungsproblemen. Und daran ist ja nun nicht nur das Stillen schuld.
Dann hätte ja jedes nicht gestillte Kind ein Problem- das finde ich nun mal wieder sehr vereinfacht.
Eine Frühgeburt, Krankenhaus - das sind schon traumatische Erfahrungen.

Aber: ich glaube auch, dass so was einen Menschen nicht für immer schädigen muss.
MEnschen sind erstaunliche Wesen - sie können vieles kompensieren, ertragen, verarbeiten.
Man kann so etwas sicher später auch auffangen.
Und wenn Hilfe benötigt wird, dann würde ich die sicher nicht durch Muttermilch lösen wollen.
mafrinian
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Re: Keine Muttermilch kann später "Folgen" haben

Beitrag von mafrinian »

Sakura hat geschrieben:
Katha hat geschrieben:Finde ich total spannend: kann man die MuMi vom Bonding überhaupt trennen?
Das denke ich definitiv. In Kinder verstehen wird auf Seite 252 ein Experiment beschrieben: junge Affen werden von ihren Müttern getrennt, und kommen in einen Käfig. In dem Käfig der einen Äffchen ist eine Affenmutterattrappe aus Draht, an der Stelle ihre Brüste sind Milchflaschen, aus denen sich die jungen Äffchen Tag und Nacht frei bedienen kann, Stillen nach Bedarf also. Im Käfig der anderem Äffchen ist eine Affenmutterattrappe aus kuscheligem Fell, aber sie hat KEINE Milchflaschen.

Nach einiger Zeit müssen die kleinen Äffchen mit einer Bedrohung fertig werden: ein batteriebetriebener, trommelnder Bär wird in ihren Käfig gesetzt. Die Äffchen mit der kuscheligen Fellattrappenmama flüchtet sich quieckend zu selbiger und kuschelt sich ganz eng an sie. Die nach Bedarf gestillten Äffchen dagegen kauern sich in eine Ecke, oder erstarren einfach, wo sie gerade sind. Trotz Stillen nach Bedarf haben sie das wichtigste im Leben nicht erfahren: Kuscheln mit der Mama, und daher keine emotionale Bindung zu ihr aufbauen können.

Finde ich ziemlich eindrücklich.

Und eine schwierige Entwicklung (oder was auch immer) auf Stillen oder Nichtstillen zu reduzieren finde ich persönlich zu einfach gedacht. Vor allem, wenn es sich um ein frühes Frühchen handelt. Ich habe zwei ganz liebe Freundinnen, die trotz Wollens nicht stillen konnten, und an ihren Kindern ist nichts Auffälliges.
Spannend...
Wie wurden denn die Fellatrappenaffen ernährt?
Viele liebe Grüße von

mafri
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Sakura
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Re: Keine Muttermilch kann später "Folgen" haben

Beitrag von Sakura »

Keine Ahnung, wie die anderen Äffchen ernährt wurden, wahrscheinlich mit der Flasche von den Pflegern. Die Quellen sind bei Renz-Polster ja angegeben, rauskriegen könnte man das, bin aber gerade zu faul, da nachzuforschen.

Ich habe das Kapitel zur Bindung gestern abend tatsächlich nochmal gelesen, und es ist soooo spannend, was er schreibt. In der Tat, Katha, eine stillende Mutter verstößt so gut wie nie ihr Kind. Aber es ist ja die Frage, wer hier in welcher Reihnefolge Bindungsprobleme hat, und ob überhaupt. Oder was hier das Problem ist. Das Leben ist sooooo vielschichtig, da spielen sooooo viele Faktoren rein, das beschriebe Mädchen ist ein komplexer Mensch, wer weiß, was da los ist oder nicht. Alles aufs Stillen zu reduzieren finde ich viel zu simplistisch.

Und: relativ weit hinten in dem Kapitel über Bindung bei Renz-Polster (also irgendwo nach Seite 252) steht nochwas spannendes: egal, wie ein Mensch als Kind gebunden war - übers Leben gesehen bis ins höhere Alter waren irgendwann kaum noch Unterschiede feststellbar, was gelungenes, glückliches Leben angeht. Ein Mensch ist eben keine Gans, die sich in der ersten Stunde ihres Lebens an etwas hängt, und dann lebenslang darauf geprägt ist. Ein Kind, ein Mensch ist zäh, er/sie kann immer wieder neu Bindung und Vertrauen und Liebe erfahren und lernen, egal wie die erste Stunde seines Lebens aussah.
Sakura mit zwei tollen Mädels 04/11 und 05/13

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Re: Keine Muttermilch kann später "Folgen" haben

Beitrag von hobbes_tiggar »

HAllo

also ich finde dieses Affenexperiment nicht passend.. es ist ja gleich eine totale Extreme
Wenn Mütter ihren Kindern Fläschchen geben dann ist das nicht so extrem.. man kann ja auch beim Fläschchen geben kuscheln und viel
Nähe geben und deswegen füttert ja keine Mutter Attrappe und das Kind wird ja auch nicht von der Mutter weggesperrt..

liebe Grüße Helga (mit 11 Sternchen im Herzen)

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blueberry
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Re: Keine Muttermilch kann später "Folgen" haben

Beitrag von blueberry »

hobbes_tiggar hat geschrieben:HAllo

also ich finde dieses Affenexperiment nicht passend.. es ist ja gleich eine totale Extreme
Wenn Mütter ihren Kindern Fläschchen geben dann ist das nicht so extrem.. man kann ja auch beim Fläschchen geben kuscheln und viel
Nähe geben und deswegen füttert ja keine Mutter Attrappe und das Kind wird ja auch nicht von der Mutter weggesperrt..
Naja, für die Situation eines Frühchens, das wenig von seinen Eltern besucht wird und vielleicht in einer etwas "altmodischen" Säuglingsstation die ersten Wochen verbringt, in der wenig auf Körperkontakt geachtet wird und viel Wert auf "Kind nicht stören und immer im Brutkasten lassen" gelegt wurde (die Kleine ist ja wohl schon ein paar Jahre alt), kann das Äffchenexperiment aber vielleicht schon ziemlich gut den Nagel auf den Kopf treffen, fürchte ich :(
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Re: Keine Muttermilch kann später "Folgen" haben

Beitrag von hobbes_tiggar »

blueberry hat geschrieben:
hobbes_tiggar hat geschrieben:HAllo

also ich finde dieses Affenexperiment nicht passend.. es ist ja gleich eine totale Extreme
Wenn Mütter ihren Kindern Fläschchen geben dann ist das nicht so extrem.. man kann ja auch beim Fläschchen geben kuscheln und viel
Nähe geben und deswegen füttert ja keine Mutter Attrappe und das Kind wird ja auch nicht von der Mutter weggesperrt..
Naja, für die Situation eines Frühchens, das wenig von seinen Eltern besucht wird und vielleicht in einer etwas "altmodischen" Säuglingsstation die ersten Wochen verbringt, in der wenig auf Körperkontakt geachtet wird und viel Wert auf "Kind nicht stören und immer im Brutkasten lassen" gelegt wurde (die Kleine ist ja wohl schon ein paar Jahre alt), kann das Äffchenexperiment aber vielleicht schon ziemlich gut den Nagel auf den Kopf treffen, fürchte ich :(
ja so gesehen stimmt...

allerdings ist dann der Problempunkt eher diese trennung als die fehlende Muttermilch
sondern es wäre der Fehlende Körperkontakt oder frühe Trennung von Mutter und Kind die richtigere Überschrift..

ja und das fehlende Bonding wurde ja schon eh gesagt..

liebe Grüße Helga (mit 11 Sternchen im Herzen)

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Fliegenpilz
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Re: Keine Muttermilch kann später "Folgen" haben

Beitrag von Fliegenpilz »

Tschuldigung, für mich klingt das total verschoben. Klassisches 'cum hoc ergo propter hoc'. Wo Störche leben, werden mehr Kinder geboren (das ist statistisch bewiesen!) - ergo bringt der Storch die Kinder. Na klaar.
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