Ja, man ist durch medizinisches Personal schnell verunsichert, gerade in so aufgewühlten Zeiten wie dem Frühwochenbett...

Und wenn dann noch mit "unverantwortlich" und "das machen wir hier bei allen Babys so, das hat noch keinem geschadet" und ähnlichem "argumentiert" wird...
So meinte meine Nachsorgehebamme z.B., dass ich meinem Neugeborenen (am dritten? vierten? Lebenstag) unbedingt teelöffelweise Lebertee geben solle, damit er nicht zu gelb wird. Auf meine Einwände, das in ein Kind doch aber nur Muttermilch gehöre, meinte sie, es sei doch aber nur Tee - und davon doch auch "nur" zwei Teelöffel am Tag. Und schon war ich am Grübeln, ob ich nicht doch überempfindlich reagiere und den Tee geben sollte...
Ich konnte mich zumindest anhand meiner "Literatur" vergewissern, dass zwei TL (immerhin 10 ml!) in so einem kleinen Magen durchaus eine riesige Menge sind,
Und ich wusste dass Wasser/Tee/Glukoselösung bei der Bilirubinausscheidung nichts nützen - im Gegenteil. Naja, das "wusste" ich nur so halb - so sehr ich mir halt im Wochenbett auf einmal (un-)sicher war...

Auf ein "naja, aber morgen dann spätestens" konnte ich die HEbamme vertrösten, dazu war ich mir sicher genug.
Glücklicherweise erinnerte mich mein Mann daran (ich kam nicht selbst drauf!

), dass ich doch genau für solche Fragen das Forum hier hätte (ich war nämlich verzweifelt dabei, meine Stillbücher durchzuschauen und hab genau zu diesem Punkt in der Hektik nichts gefunden

), und so hab ich nen Thread zu Lebertee aufgemacht, am selben Abend die Antworten bekommen, die ich brauchte, und dann mit großer Bestimmtheit meiner Hebamme gesagt, dass garantiert kein Tee in mein Baby kommt - ich ihn aber gern in größeren Mengen trinken werde, damit die Wirkstoffe beim Baby ankommen

.
Deshalb ist es so wichtig, sich VOR der Geburt darüber Gedanken zu machen, welche Informationskanäle man im Zweifelsfall nutzen kann, wo man Infos und Hilfe herbekommt und auf wessen Wort man was geben will. Und dass der Mann das notfalls auch weiß - falls man es im Hormondusel vergisst
---------------
zu stillfreundlichen Krankenhäusern: naja, man kann halt nur bestimmte Kriterien anlegen, in regelmäßigen Abständen kontrollieren - und dann das Beste hoffen. Stillfreundliche Krankenhäuser sind in punkto Stillförderung das beste, was wir in Deutschland haben (wenn es um Krankenhäuser geht). Das Personal muss bestimmte Fortbildungen zum Stillen gemacht haben, es müssen gewisse Kriterien erfüllt sein (m.W. z.B. stillfreundliches Zufüttern, wenn Zufüttern wirklich nötig; kein Schnullereinsatz seitens des KKHs, 24-h-Rooming in möglich - und gefördert, etc.) usw. usf.
Wie dies dann aber von der einzelnen Krankenschwester umgesetzt wird, die vielleicht vorher jahrzehntelang unter einem stillunfreundlichen Chef der Gynäkologie gearbeitet hat (als Beispiel jetzt mal) - tja, das ist dann eben leider immernoch Glückssache
Es dauert einfach sehr lange, bis sich neue Ansichten und Wissen in den Köpfen durchgesetzt haben. Was man z.B. als Auszubildende in einem Lehrbuch lernt, ist das eine, was einem dann die als Mentorin fungierende altgediente Schwester auf Station sagt, leider oft was anderes...