Hallo Momolina,
ich habe den Eindruck, dass Du möglicherweise die alltäglichen Herausforderungen, die ein Baby so mit sich bringt, irrtümlich als Stillprobleme einordnest. Keine Sorge, das passiert vielen Müttern.
Ich geh mal der Reihe nach:
R. ist nun bald 13 Wochen alt, ich stille ihn nach Bedarf und er wächst und gedeiht sehr gut (Geburtsgewicht 4020g und nun fast 6500g).
Sehr gut. Wo immer die Schwierigkeiten liegen, das hervorragende Gedeihen beeinträchtigen sie ganz offensichtlich nicht.
R. nimmt von Anfang an den Schnuller, das gab auch in meinen Augen nie Probleme. Nun ist es, wenn er stillt, dass er nach einiger Zeit anfängt zu schreien. Dann ist er mit Schnuller ruhig. Nehme ich den Schnuller raus und sofort die Brust rein, saugt er kurz und schreit wieder. Also wieder Schnuller rein, Schnuller raus, Brust rein, ein Paar Schlucke trinken - wieder Geschrei. Ist es möglich, dass er nur Nuckeln mag und das mit Brust einfach nicht kann? Nach einiger Zeit saugt er jedoch wieder gierig an der Brust, löst wieder Spenderreflexe aus und trinkt - bis zum nächsten Schreianfall.
Kann das am Schnuller liegen? Ich habe schon versucht ihn loszuwerden, aber es geht nicht, er schreit sich dumm und dusselig - bis der Schnuller die Lippen berührt.
Am naheliegendesten in folgendes Szenario (für mich hier auch wahrscheinlicher als Saugverwirrung): R. stillt gut, ist irgendwann satt und möchte nicht mehr weitertrinken (äußert dies durch Schreien). Saugen mag er noch, entsprechend ist er als schnullergewöhntes Kind dann mit dem Schnuller glücklich. Du bietest ihm erneut die Brust an, er probiert auch höflich, aber es kommt wieder Milch. Da er satt ist und eigentlich gar nichts mehr trinken wollte, weint er wieder. Und so weiter.
Abends pumpt er sich recht zu, trinkt enorm viel und ich habe das Gefühl, dass ihm da die Milchmenge nicht genügt. Früher hat er länger durchgeschlafen, war zufriedener. Inzwischen trinkt er abends beide Brüste komplett leer, obwohl ich eigentlich nur eine Brust pro Milchmahlzeit gebe. Habe ich zu wenig Milch?
Klares Nein. Frauen haben zwei Brüste, um BEI BEDARF mal eine oder auch beide Seiten geben zu können. Es kommen immer wieder mal Zeiten, wo ein Baby zur Abwechslung mal beide Seiten mag. Übrigens: man darf auch "drei" geben.

Nach der zweiten Seite einfach noch mal zur ersten zurückwechseln, wenn das Baby mag. Das regt die Milchbildung definitiv gut an.
Und brüllt er vielleicht deshalb wie oben weil er noch mehr will und nichts mehr kommt?
Wie gesagt: beim Weinen tippe ich eher auf "Mama will die ganze Zeit, dass ich noch was trinke, aber ich bin satt". Oder auch: Brustschimpfphase.
Und er schläft auch nicht mehr so gut.
Wie schlief er denn vorher?

Meiner Beobachtung nach lässt sich beinahe jedes Baby in eine der folgenden beiden Gruppen einordnen:
Gruppe 1: Babys schlafen in den ersten Lebenswochen lange am Stück, und hören aber mit ein paar Monaten damit auf. Sie melden sich ab dann häufig nachts, brauchen mehr nächtliche Betreuung, und ganz ehrlich: das bleibt dann auch ziemlich lange so.

Gruppe 2: Babys schlafen überhaupt nie lang am Stück, sondern von Anfang an so, wie die Gruppe 1-Babys ab ein paar Monaten.
Du scheinst eindeutig ein Gruppe 1-Kind zu haben. Völlig normal.
Ich habe nun angefangen, die gerade getrunkene Seite mal gleich zu pumpen. Einmal um anzuregen, da ich einfach das Gefühl habe, es ist zu wenig.
Für "zu wenig" gibt es keinerlei Hinweise. Dein Baby nimmt super zu und verhält sich ganz normal.
Inzwischen ist tagsüber ein Stillabstand von etwa einer Stunde gang und gebe, wenn er schläft auch mal 2,5 - 3 Stunden. Abends sind es auch mal nur 10min. Sollte ich die Mahlzeiten doch rauszögern, ihn vertrösten, mehr nach der Uhr stillen um die Mahlzeiten länger/effektiver zu gestalten? Manchmal trinkt er dann nämlich wirklich nur wenige Schlucke und ist fertig...
Die von Dir beschriebene Mahlzeitenhäufigkeit klingt völlig unauffällig. Stillen nach Bedarf ist definitiv das Beste, was man machen kann; für die Einführung eines künstlichen Rhythmus gibt es keinen Grund.
Wenn Du das Gefühl hast, er ist eigentlich satt und trotzdem quengelig, kannst Du ihm Schnuller oder die "leere" Brust zum Nuckeln anbieten, oder auch ganz andere Beruhigungsmethoden probieren: schwungvolles Herumlaufen, Tragen im Tragetuch, ein Spaziergang, Schaukeln, Wiegen oder Singen... hier ist etwas sportlicher Ehrgeiz gefragt.
Habe ich vielleicht zu wenig Milch? Was kann ich da machen außer Malzbier (bähhh) und Pumpen? Oder sollte ich nichts machen?
Ich würde definitiv gar nichts machen. Außer weiterhin ganz flexibel nach Bedarf stillen und wie es gerade passt, eine, zwei oder auch "drei" Seiten anbieten.
ich mag doch, dass er besser schläft statt schlechter

Ja, welche Mutter nicht...

aber die unterm Strich stressärmere und unfrustigere Variante ist definitiv: einfach akzeptieren. Ganz normales Babyverhalten (welches ohnehin nur kaum bis gar nicht von außen beeinflussbar ist).
Aber nun die große Frage - sollte ich dann gar keinen Schnuller geben? Oder nur zur Not (Autofahren ist eine sehr große Notsituation bei uns!!!)? Oder langsam reduzieren?
Generell empfehlenswert ist - aus viiielen Gründen: Schnuller nur so wenig wie möglich. Das heißt: in Notsituationen, und wenn er schlicht und einfach als letzte Maßnahme dabei hilft, Stress und Geschrei beim Baby zu vermeiden. Das heißt konkret:
* beim Autofahren
* wenn er nach dem Stillen nicht ANDERS zu beruhigen ist (erstmal die anderen Sachen wie Tragen, Schaukeln usw. probieren).
* Baby nicht mit dem Schnuller im Mund schlafen lassen, sondern nach dem Einschlafen rausziehen
* in fröhlichen Wachphasen NIEMALS den Schnuller anbieten bzw im Mund lassen
LG
Julia