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AW: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 23.05.2012, 21:17
von MimiLotta
Hallo du
Ich lese gerade das Buch von Renz: Menschenkinder. Also aus der Evolution-Ecke machst du alles goldrichtig!
Lass dich nicht verunsichern. Dein Kind holt sich das, was es braucht von dir und sonst würde es schreien oder ähnliches....
Liebe Grüsse
MimiLotta
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Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 23.05.2012, 21:51
von Elena
meredith hat geschrieben:
(und apropos pathologischer 1:1 Bespassung, mir fiel im Mutterschaftsurlaub schon mal die Decke auf den Kopf...)
Genau, entweder wird die Mutter verrückt dabei oder sie geht voll drin auf, tut beides auf die Dauer nicht gut, glaube ich.
Eine Freundin meinte ein paar Wochen nach der Geburt des 2. Kindes zu mir: "Jetzt fühlt es sich noch viel mehr nach Familie an. Vorher war es mehr Vater-Mutter-Kind." Das triffts ganz gut, finde ich. Und Familie bedeutet eben auch, dass nicht jeder jederzeit Einzelbehandlung bekommt, sondern zeitweise auch einfach in der Gruppe mitläuft.
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 23.05.2012, 22:07
von LeMiss
vielen dank schonmal für eure meinungen.
man setzt sich zuwenig mit dem tragling auseinaner .... genau das war glaub ich die kernaussage.
wobei ich das schon auch zwiespältig sehe .... ist zwar eine völlig andere ausgangssituation, aber wenn meine vierjährige in ihrer phantasiewelt unterwegs ist und stundenlang mit ihrem prinzessinnenschloss spielt, lasse ich sie auch machen. ich bin zwar da wenn sie etwas will, das wars aber auch schon. sie braucht mich nicht und ich hab nicht das dringende bedürfnis mit da einzubringen. ich finds auch gut und wichtig, dass sie für sich etwas machen können.
und ich bin froh, wenn ich zeit hab für etwas anderes.
so ähnlich ist es bei dem kleinsten jetzt auch. er wird gewickelt, gestillt, gekuschelt und bestaunt, aber halt auch sehr sehr viel getragen - mehrere stunden täglich. aber er hat im prinzip keine wahl, er schläft vor sich hin und gut ist.
resignation und zufriedenheit wären da ja nicht zu unterscheiden, meinte meine gesprächspartnerin heute. "permanent" im tuch vermittle man das gefühl, dass das kind beiläufig wäre - keine wahl hätte, nicht wahrgenommen würde.
ich bin eher auf dem standpunkt das sehr junge baby braucht liebe, geborgenheit, schutz, schlaf und milch und nicht großartig mehr
ich freu mich echt über die konstruktive diskussion hier

Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 23.05.2012, 22:17
von Sibi
LeMiss hat geschrieben:
so ähnlich ist es bei dem kleinsten jetzt auch. er wird gewickelt, gestillt, gekuschelt und bestaunt, aber halt auch sehr sehr viel getragen - mehrere stunden täglich. aber er hat im prinzip keine wahl, er schläft vor sich hin und gut ist.
resignation und zufriedenheit wären da ja nicht zu unterscheiden, meinte meine gesprächspartnerin heute. "permanent" im tuch vermittle man das gefühl, dass das kind beiläufig wäre - keine wahl hätte, nicht wahrgenommen würde.
Was stellt die Dame sich denn konkret vor, was Du tun sollst, um Dein Kind mehr wahrzunehmen? Zu sagen, Resignation und Zufriedenheit sind nicht zu unterscheiden, ist ja schon etwas perfide.
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 23.05.2012, 22:20
von Roana
Ok, ich kann die Aussage schon verstehen, also wie man auf diesen gedanken kommt, unsere kleine, 8 Monate Alt, heute noch, also wirklich heute gab es zwei Situationen in denen mein Mann mir sagte, der sie vorne im Tuch trug und wir in der Stadt waren, er hätte sie kurz vergessen. Sie ist so lieb, mümmelte an einem Brötchen und war halt dabei. Aber ist das wirklich schlimm??? Ich finde nicht. Wie oft seh ich Kinder im kiwa die stundelang durch die gegen geschoben werden und niemand redet mit ihnen. Ich Rede übrigens mit meiner Tochter ziemlich oft, außer sie schläft. In den ersten drei Monaten auch noch während sie schlief. Ich hab ihr gefühlte 100000 am Tag gesagt das ich sie lieb hab und wie toll ich sie finde, so bin ich einfach, muss meine Begeisterung immer wieder von mir geben.
der vernachlässigte tragling
Verfasst: 23.05.2012, 22:28
von Fliegenpilz
Der Gedanke kam mir ehrlich gesagt auch schon recht oft. Das ist einer von zwei Gründen, warum ich sie nicht auf dem Rücken trage.
Mein Kind will und sucht rückversichernden Blickkontakt und ich bin sehr überzeugt, dass sie außer "dabei sein" auch Küsse, Streicheleinheiten und ins Ohr geflüsterte Lieblichkeiten braucht. Je öfter ich sie auf dem Rücken habe, desto unwohler wird mir dabei. Das liegt aber daran, dass sie einfach noch so verflixt klein und jung ist.
Vor dem Bauch kommen mir solche Gedanken fast nie, da doch SO oft das Kind direkt angesprochen wird (im Gegensatz zum KiWa) und auch ich laufend mit ihr interagiere - ob ich nun mit ihr spreche, summe oder im Schlaf den Rücken streichle.
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 23.05.2012, 22:31
von Sibi
Fliegenpilz hat geschrieben:
Mein Kind will und sucht rückversichernden Blickkontakt und ich bin sehr überzeugt, dass sie außer "dabei sein" auch Küsse, Streicheleinheiten und ins Ohr geflüsterte Lieblichkeiten braucht. Je öfter ich sie auf dem Rücken habe, desto unwohler wird mir dabei. Das liegt aber daran, dass sie einfach noch so verflixt klein und jung ist.
Ich wundere mich auch immer, wie gebetsmühlenartig hier das auf dem Rückentragen von früh an gepredigt wird - aus dem Grund, den Du nennst. In so jungem Alter finde ich die Kommunikation sehr schwer. Inzwischen ist das kein Thema, aber vor 6-9 Monaten wäre das für mich unvorstellbar gewesen.
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 23.05.2012, 22:38
von julmal
Ich dachte gerade, was will man anders machen, wenn man das Kind nicht im Tuch hat. Ich kenne das aus meiner Umgebung/ Verwandtschaft eher so, daß die Kinder im Bettchen oder Kiwa schlafen, und wenn sie sich melden, heraus genommen werden (ggf. mit Nuckel versucht zu beruhigen, wenn es noch zu früh ist...) Ja, ist das die Alternative??? Die Kinder, die im Stubenwagen anstatt auf den Rücken im Tuch schlafen sind garantiert nicht mehr in das Leben eingebunden!
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 23.05.2012, 22:45
von Kirschquark
Sibi hat geschrieben:Fliegenpilz hat geschrieben:
Mein Kind will und sucht rückversichernden Blickkontakt und ich bin sehr überzeugt, dass sie außer "dabei sein" auch Küsse, Streicheleinheiten und ins Ohr geflüsterte Lieblichkeiten braucht. Je öfter ich sie auf dem Rücken habe, desto unwohler wird mir dabei. Das liegt aber daran, dass sie einfach noch so verflixt klein und jung ist.
Ich wundere mich auch immer, wie gebetsmühlenartig hier das auf dem Rückentragen von früh an gepredigt wird - aus dem Grund, den Du nennst. In so jungem Alter finde ich die Kommunikation sehr schwer. Inzwischen ist das kein Thema, aber vor 6-9 Monaten wäre das für mich unvorstellbar gewesen.
Es ist schon früh möglich aber nicht zwingend nötig auf dem Rücken zu tragen. Ich denke (und da kann ich nur aus dernZuschauerperspektive sprechen) dass man, gerade wenn das ältere Kind noch recht klein ist, manchmal einfach den Platz vorne fürs erste braucht... fürs Knuddeln, Umarmen, Drücken.
Und im Haushalt ist es tw. schon praktischer wenn der Babypo nicht im Spülwasser hängt.
Ich habe aber auch eine Zeitlang gebraucht um mich mit dem Rucksack anzufreunden.... weil sie mir auf dem Rücken sooooo weit weg vorkam.
Re: der vernachlässigte tragling
Verfasst: 23.05.2012, 22:52
von Sibi
Das es hinten praktischer ist, finde ich auch. Ich habe auch als erstes Zuhause - für Hausarbeiten - auf den Rücken gewechselt mit ca 6 Monaten. Aber unterwegs und für längere Zeit und im Menschengewühl hätte ich mir das da nicht vorstellen können.