"Trockene" vs. "feuchte" Wundheilung?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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jusl
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Re: "Trockene" vs. "feuchte" Wundheilung?

Beitrag von jusl »

In Übereinstimmung und Ergänzung zu Mondenkind:

Letztlich dient ja Schorf genau dazu: dass DARUNTER die Haut "feucht" heilen kann! Das Problem an den BW ist dabei nur logischerweise: Schorf ist starr und reißt unter der mechanischen Belastung sofort wieder auf. Und damit ist auch die feuchte Wundheilung weg, denn das Microklima unterhalb des Schorfs geht ja kaputt, wenn der Schorf aufgeht. Deshalb ist es SEHR SINNVOLL, Schorfbildung in der Heilungsphase wunder BW zu MINIMIEREN und die "feuchte Wundheilung" eben ANDERS zu gewährleisten: mit Fett, geeigneten Salben und co.

Also: da gibt's eigentlich gar kein "trocken versus feucht". Sondern allenfalls "unklug versus klug". ;-)

LG
Julia
Sibi
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Re: "Trockene" vs. "feuchte" Wundheilung?

Beitrag von Sibi »

Ah, ich danke Euch. Die Krustenbildung hatte ich v. a. nachts - da hatte ich abends Lanolin draufgemacht und dann eben mehr oder weniger Luft dran gelassen. Jedenfalls hat es gereicht, um die Wunde (aus-)zutrocknen.
Fleur
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Re: "Trockene" vs. "feuchte" Wundheilung?

Beitrag von Fleur »

Ok, Schwarztee weglassen und dafür Beinwell-Salbe - oder ist die auch "unklug"? Bin gerade ratlos. Hab die Vorgehensweise Schwarztee + Beinwell von meiner Hebamme, mit der ich eigentlich sonst durchgehend positive Erfahrungen gemacht hab. Gibt es was homöopathisches, was die Wundheilung unterstützt? Arnika z.B.?
Viele Grüße
Fleur
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Sonnenweg
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Re: "Trockene" vs. "feuchte" Wundheilung?

Beitrag von Sonnenweg »

Fleur, da sagst du was! Ich hab jetzt auch irgendwie beides kombiniert!?
Man verzweifelt irgendwann so, dass man nichts unversucht lassen will, oder? :cry:

Ich hatte jetzt Quercus Essenz von Wala, Rotlicht, Schwarztee, Luft..
mit Wasser abspülen, MuMi, MultiMam, Lansinoh, Bepanthen, Medela Hydrogel Pads, Brustwarzenschilder...

Hab aus lauter Verzweiflung sogar gegen jede Überzeugung Stillhütchen probiert.
Die funktionieren von allem allerdings am wenigsten, Baby bekommt da nix raus und es tut trotzdem weh!

Mein kleiner Bär ist noch verspannt und drückt und malmt mit seinem Unterkiefer was das Zeug hält. (3 Wochen alt, heute Osteopathie..)
Unsere Stillpositionen sind abenteuerlich, weil meine BW seit einer Brustverkleinerung in anderem Winkel stehen als "normal"
Dazu kommt dann noch obendrauf Vasospasmus, schöne weiße BW, hart wie Stein und brennen wie Feuer.

Du hast mein ganzes Mitgefühl!!!

Ich teste jetzt die feuchte, und zwar ausschließlich feuchte WUndheilung, werd alles trockene weglassen.
Ich hab jetzt die Tips von hier befolgt und Heilwolle in eine Stilleinlage gestopft (wg. Wollallergie im direkten Hautkontakt) BW mit Lansinoh/Öl gecremt.
Sitze jetzt angezogen vor der Rotlichtlampe und wärme mich auf.

Ich hoffe, dir geht es bald besser und ich werde berichten, ob das nun endlich der Durchbruch wird..
Das Gras wächst nicht schneller, wenn ich daran ziehe.. manchmal vergesse ich das :oops:
Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!

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geryvoy
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Re: "Trockene" vs. "feuchte" Wundheilung?

Beitrag von geryvoy »

Hm schwierig.

Als Krankenschwester kann ich sagen dass man heute in der Medizin wirklich die feuchte Wundheilung propagiert (inkl. all den tollen Kompressen; Dekubitus, tolles Thema ;-)) Man erziehlt damit auch wirklich tolle Erfolge.

Dennoch - wenn ich jetzt von mir persönlich spreche - endete bei mir die feuchte Wundheilung in einem Disaster.
Bei meinem Sohn hatte ich nämlich vor zwei Jahren plötzlich nach 4,5 Monaten problemlosem Stillen wunde Brustwarzen und Vorhöfe.
Ich hab dann anfangs mit Lanolin eingerieben. Ziemlich schnell wurde es aber deutlich schlimmer. Dann hab ich mir Hilfe gesucht, weil das Stillen echt zur Tortur wurde. Die Brustwarzen waren rissig, offen. Ganz schlimm. Ich habe mich an meine Hebamme, an meine Frauenärztin - und als es nicht besser wurde auch an einen Hautarzt und schliesslich an die LLL gewandt.
Pilz wurde ausgeschlossen und ich hab wirklich ALLES probiert was die feuchte Wundheilung hergibt. Die LLL war toll, wir haben denke ich an alles gedacht. Aber nach zwei Monaten Stillen mit Brustwarzen die bald garnicht mehr da waren hab ich abgstillt. Es ging nicht mehr. Ich hab geweint und mich soooooo schlecht gefühlt. Ich hab so gerne gestillt und wollte das doch viel länger.
Meine Brustwarzen haben ein halbes Jahr gebraucht um wieder einigermassen in Ordnung zu kommen.

Jetzt stille ich mein zweites Kind und hatte dasselbe Problem prompt wieder. Bereits nach acht Wochen problemlosem Stillen. Ich hab schon wieder geweint weil ich Angst hatte dass es wieder auf Abstillen hinausläuft.
Und da ich jetzte wusste dass das feucht halten bei mir ein Schuss in den Ofen war hab ichs diesemal komplett anders gemacht.
Ich hab Schüsslersalze eingenommen und meine Arnikatinktur aus dem Kühlschrank geholt.
Ich hab ein Schnapsglas mit abgekochtem Wasser gefüllt, Arnikatinktur hineingegeben (sicherlich gut 20 Tropfen), das Glas auf die Brustwarze aufgesetzt so dass auch der Vorhof noch gut mit drin war. Dann hab ich mit der Tinktur alles gut eine Minute lang umspült und habs dann an der Luft trocknen lassen. Und dann bin ich sooft es ging (sicherlich 20 von 24 h) mit offenem Still BH rumgelaufen und hab Luft drangelassen. Klar wird das Gewebe schorfig, und klar wurde es beim Stillen wieder etwas gelöst. Aber die Prozedur hab ich anfangs nach jeden Stillen wiederholt. Sonst hab ich NICHTS! weiter auf die Brustwarzen "geschmiert". Und schon nach drei Tagen war beinahe alles wieder in Ordnung. Nach einer Woche war das Thema erledigt.
Meine Haut an den Brustwarzen ist auch nicht mehr trocken (wie sie in der Anfangsphase der Heilung - ja, Heilung! - war, klar, durch den Alkohol in der Tinktur), sondern wieder vollkommen geschmeidig.

Ich möchte nur deutlich machen dass man trotz aller medizininscher Erkenntnisse und Empfehlungen auch die Individualität eines jeden beachten sollte. Ausserdem gabs vor der "Idee der feuchten Wundheilung" auch die trockene Wundheilung. Die durchaus auch manches Mal erstaunlich gut funktioniert hat. Man hat dann festgestellt dass die feuchte Wundheilung besser ist. Aber nunmal nicht bei jedem.

Ich bin jedenfalls soooooo unbeschreiblich froh dass ich dieses Horrorszenario wie bei meinem Sohn nicht nochmal durchmachen musste.

Ich müsste mal in meinen Büchern nachlesen, dann kann ich noch mehr dazu sagen. Ich bin einfach ein bisschen zu lange raus aus dem Job, als dass ich alle Zusammenhänge noch deutlich erläutern könnte ohne Fehler zu machen ;-)
LG
Yvonne

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Re: "Trockene" vs. "feuchte" Wundheilung?

Beitrag von Sonnenweg »

Aua :-( das ist ja auch heftig!

Die Arnikatinktur "heilt" aber nur, die gerbt doch nicht, oder?
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geryvoy
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Re: "Trockene" vs. "feuchte" Wundheilung?

Beitrag von geryvoy »

Naja, die Arnikatinktur enthält natürlich ne ordentliche Menge Alkohol. Aber da man das ja gut verdünnt hats bei mir auch nicht gebrannt.
"Derb" und trocken werden die Brustwarzen bzw. die Haut erst einmal schon. Aber sobald die wirklichen wunden Setllen bei mir verheilt waren und ich die Tinktur abgesetzt habe, hat sich auch die Haut wieder komplett normalisiert. Alles wieder ganz geschmeidig ;-)
LG
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Re: "Trockene" vs. "feuchte" Wundheilung?

Beitrag von Sonnenweg »

Ah ok, das ist bei der Quercus-Essenz auch so!

Wir üben jetzt das asymmetrische Anlegen http://www.stillkinder.de/pdf/assymetri ... echnik.pdf
und bisher läufts ganz gut. Rechts ist schon wieder richtig gut im Vergleich.
Jetzt muss nur noch links folgen und dann stillen wir einfach.. und hören damit nicht mehr auf :-D :7:
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Sibi
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Re: "Trockene" vs. "feuchte" Wundheilung?

Beitrag von Sibi »

Ich kann grad keine PDFs öffnen, aber ich habe hier auch 7 Tage lang mit abstrusen Positionen gestillt. Seit gestern geht wieder normal im Liegen und Wiegehaltung.

Ich habe letztlich eine Kombi aus Lanolin tagsüber mit immer mal wieder Luft gemacht und nachts Multi-Mam-Kompressen benutzt. Die Voraussage der Stillberaterin, dass es eine Woche dauert, bis wieder alles gut ist, hat genau gestimmt.
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