Hm schwierig.
Als Krankenschwester kann ich sagen dass man heute in der Medizin wirklich die feuchte Wundheilung propagiert (inkl. all den tollen Kompressen; Dekubitus, tolles Thema

) Man erziehlt damit auch wirklich tolle Erfolge.
Dennoch - wenn ich jetzt von mir persönlich spreche - endete bei mir die feuchte Wundheilung in einem Disaster.
Bei meinem Sohn hatte ich nämlich vor zwei Jahren plötzlich nach 4,5 Monaten problemlosem Stillen wunde Brustwarzen und Vorhöfe.
Ich hab dann anfangs mit Lanolin eingerieben. Ziemlich schnell wurde es aber deutlich schlimmer. Dann hab ich mir Hilfe gesucht, weil das Stillen echt zur Tortur wurde. Die Brustwarzen waren rissig, offen. Ganz schlimm. Ich habe mich an meine Hebamme, an meine Frauenärztin - und als es nicht besser wurde auch an einen Hautarzt und schliesslich an die LLL gewandt.
Pilz wurde ausgeschlossen und ich hab wirklich ALLES probiert was die feuchte Wundheilung hergibt. Die LLL war toll, wir haben denke ich an alles gedacht. Aber nach zwei Monaten Stillen mit Brustwarzen die bald garnicht mehr da waren hab ich abgstillt. Es ging nicht mehr. Ich hab geweint und mich soooooo schlecht gefühlt. Ich hab so gerne gestillt und wollte das doch viel länger.
Meine Brustwarzen haben ein halbes Jahr gebraucht um wieder einigermassen in Ordnung zu kommen.
Jetzt stille ich mein zweites Kind und hatte dasselbe Problem prompt wieder. Bereits nach acht Wochen problemlosem Stillen. Ich hab schon wieder geweint weil ich Angst hatte dass es wieder auf Abstillen hinausläuft.
Und da ich jetzte wusste dass das feucht halten bei mir ein Schuss in den Ofen war hab ichs diesemal komplett anders gemacht.
Ich hab Schüsslersalze eingenommen und meine Arnikatinktur aus dem Kühlschrank geholt.
Ich hab ein Schnapsglas mit abgekochtem Wasser gefüllt, Arnikatinktur hineingegeben (sicherlich gut 20 Tropfen), das Glas auf die Brustwarze aufgesetzt so dass auch der Vorhof noch gut mit drin war. Dann hab ich mit der Tinktur alles gut eine Minute lang umspült und habs dann an der Luft trocknen lassen. Und dann bin ich sooft es ging (sicherlich 20 von 24 h) mit offenem Still BH rumgelaufen und hab Luft drangelassen. Klar wird das Gewebe schorfig, und klar wurde es beim Stillen wieder etwas gelöst. Aber die Prozedur hab ich anfangs nach jeden Stillen wiederholt. Sonst hab ich NICHTS! weiter auf die Brustwarzen "geschmiert". Und schon nach drei Tagen war beinahe alles wieder in Ordnung. Nach einer Woche war das Thema erledigt.
Meine Haut an den Brustwarzen ist auch nicht mehr trocken (wie sie in der Anfangsphase der Heilung - ja, Heilung! - war, klar, durch den Alkohol in der Tinktur), sondern wieder vollkommen geschmeidig.
Ich möchte nur deutlich machen dass man trotz aller medizininscher Erkenntnisse und Empfehlungen auch die Individualität eines jeden beachten sollte. Ausserdem gabs vor der "Idee der feuchten Wundheilung" auch die trockene Wundheilung. Die durchaus auch manches Mal erstaunlich gut funktioniert hat. Man hat dann festgestellt dass die feuchte Wundheilung besser ist. Aber nunmal nicht bei jedem.
Ich bin jedenfalls soooooo unbeschreiblich froh dass ich dieses Horrorszenario wie bei meinem Sohn nicht nochmal durchmachen musste.
Ich müsste mal in meinen Büchern nachlesen, dann kann ich noch mehr dazu sagen. Ich bin einfach ein bisschen zu lange raus aus dem Job, als dass ich alle Zusammenhänge noch deutlich erläutern könnte ohne Fehler zu machen
