Liebe Sakura,
oje, es tut mir leid, deine Welt so erschüttert zu haben, daher erst mal ein Trostpflaster:
„Bei jeder wahren Mutter wird ferner der Gedanke von großem Gewicht seyn, daß durch die eigne Ernährung des Kindes das Band der Liebe und Zuneigung zwischen ihr und dem Kinde auf das innigste geknüpft, die Abwendung der kindlichen Liebe von der Mutter zur Amme vermieden, der oft nachtheilige Einfluß der Amme auf die körperliche und geistige Natur des Kindes, auf die Sitten, Neigungen und Charakter desselben verhindert, und das körperliche Gedeihen und selbst die Erziehung des Kindes unendlich erleichtert wird.“ Menke 1832
„Sind Mutter und Kind gesund, so daß die erste hinlängliche Fülle an Milch, und das Kind Bedürfniß und Kraft zum Trinken hat, so kommt das Geschäft des Stillens leicht in die gehörige Ordnung, die Mutter richtet sich nach dem natürlichen Bedürfniß des Kindes, und läßt es, so oft es will, sich satt trinken." Menke 1832
"Wir verließen den im ersten Schlummer liegenden Säugling an der Seite der Mutter, denn dort findet derselbe in der ersten Zeit seine beste Stelle; er befindet sich behaglich in der Nähe der Mutter, der die Natur nicht umsonst eine erhöhte Wärme und reichlichen Schweiß gegeben hat. Es ist dem Neugeborenen in dieser Brutwärme wohl und dort schlummert er sanft und ungestört, bis das Nahrungsbedürfniß ihn weckt.“ von Ammon 1854
Ich bin der Meinung, unsere Instinkte können nicht falsch sein. Den Instinkt, ein weinendes Baby zu trösten, haben eigentlich alle Mütter. Das
kann nicht falsch sein.
Wenn ich in meinen alten Erziehungsratgebern lese und dort steht, "die Mutter muss sich überwinden, ihr Kind schreien zu lassen" oder "die Mutter darf nicht den weit verbreiteten Fehler begehen, das Kind bei jedem Laut herumzutragen" (und das steht da!), dann lese ich in erster Linie daraus, dass es durchaus
nicht üblich war, die Kinder schreien zu lassen. Das kam im großen Maß erst mit Erfindung der Pädagogik.
Man muss sich allerdings davor hüten, zu verallgemeinern. Es war vorher garantiert nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Und der Umgang mit den Kindern war von Region zu Region höchst unterschiedlich. Das zeigen ja schon allein die unterschiedlichen Stillquoten und Sterberaten.
Die Erziehungsziele waren früher einfach andere. Will ich ein Kind, das sich gut einfügen kann? Will ich ein Kind, dass sich nicht unterbuttern lässt? Will ich ein Kind, das nicht stört? Ich, denke, man wusste damals schon sehr genau, was man tat. Der springende Punkt dabei ist jedoch, dass man es eigentlich immer
für das Kind tat. Das Kind sollte es leicht haben im (späteren) Leben und dafür musste es gewisse Dinge lernen. Und so hart das klingt, aber was richtig oder falsch ist, liegt im Auge des Betrachters.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen: ich für meinen Teil bin überzeugt, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle AP machen würden.
LG
Karin