Kate hat geschrieben:
Hin und wieder weg zu sein, bedeutet nicht, dass man abstillen muss oder eine Mahlzeit schon vorher gestrichen haben muss. Die Kinder merken genau, wenn Mama nicht da ist, und können dann auch mal eine längere Zeit ohne Stillen auskommen. Und fühlen sich dennoch geborgen, gerade, wenn sie sonst die Sicherheit haben, dass Mama und Mamamilch immer für sie da ist.
Das kann ich nur bestätigen! Wenn man ein kleines Stillkind hat, kann man sich gar nicht vorstellen, wie es mit einem größeren Stillkind ist. Wenn ein Baby sehr an der Brust hängt, kann man sich nicht vorstellen, wie das je anders werden soll, ohne dass man als Mutter aktiv etwas dafür tut. Aber selbständigwerden funktioniert ganz von allein. Selbständigkeit entwickeln Kinder aus sich selbst heraus, das ist ein ganz starkes Bedürfnis. Dieser Prozess kann am besten gefördert werden, indem man dem Kind viel Sicherheit vermittelt. Je zuverlässiger und stabiler die Basis, desto leichter fällt dem Kind das Selbständigwerden. Das erscheint zunächst mal paradox, aber so funktioniert es tatsächlich.

Ich kann das gern noch etwas näher erklären.
eine mutter, die zwiegespalten ist - zb weil sie einerseits gern weniger stillen möchte, andererseits aber spürt, wie sehr ihr kind das stillen noch braucht - ist außerdem für ein kleines kind (auch für ein größeres, aber dann geht es nicht mehr so sehr "ums nackte überleben") höchst beängstigend. es versteht ja schonmal gar nicht, wieso ihm plötzlich die brust verweigert wird. und obendrein spürt es diese ambivalenz. es kann gar nicht anders, als verzweifelt versuchen, die mutter dazu zu bringen, seine welt wieder in die gewohnten bahnen zu lenken und sein sicherheitsgefühl wieder herzustellen.
wenn die mutter nun immer wieder ohne für das kind nachvollziehbaren grund die brust verweigert, wird sie für ihn uneinschätzbar und unverlässlich. völlig nachvollziehbar, dass es in panik gerät. eine zuverlässige, sichere mutter ist für ein kleines kind überlebensnotwendig!
deswegen ist es so wichtig, dass die mutter, die ein größeres baby oder kleinkind abstillen möchte, sich ohne zweifel klar ist, dass sie auch wirklich abstillen will UND dass ihr kind das verkraften kann. nur so kann sie ihrem kind die sicherheit vermitteln, die es benötigt, um zu kooperieren. wenn man sich nicht wirklich sicher ist, (zum beispiel weil sie eben merkt, wie wichtig ihrem kind das stillen noch ist) ist es besser, erstmal weiterzustillen - und zwar ohne damit zu hadern(!). so zu tun, als sei man sich sicher, funktioniert übrigens nicht, man muss es wirklich SEIN.
es ist richtig, dass eltern stabilität, stärke und sicherheit vermitteln sollten. das bedeutet aber nicht, dass man auf biegen und brechen seinen kopf gegen den willen des kindes durchsetzen muss, sondern dass man eben entscheidungen mit innerer überzeugung und sicherheit trifft. man darf diese innere klarheit nicht mit härte verwechseln. bei seinen entscheidungen die bedürfnisse ALLER beteiligten zu berücksichtigen und auch mal zurückzurudern, wenn man merkt, dass einer zu sehr leiden würde, immer flexibel zu bleiben, das sind
keine zeichen von schwäche, sondern gehören zum sicherheit vermittelnden rahmen für das kind unbedingt dazu. wenn es nicht nur weiß, dass mama weiß, was zu tun ist, sondern auch, dass seine gefühle ernst genommen und auf seine bedürfnisse eingegangen wird, dann, ja dann kooperieren kinder auf ganz wundersame weise.
