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Re: "Saugverwirrung gibt es nicht"

Verfasst: 23.03.2011, 21:33
von seelenkind
Tritt Saugverwirrung vielleicht eher bei Babys auf, die eher saugschwach sind? In meinem Umfeld kenne ich zumindest nur zwei Kinder, die Probleme mit dem Wechsel Brust-Flasche hatten:

-ein Minifrühchen, das die Brust immer nur in den Mund nahm und dann einschlief, und bei dem es schon ein riesiger Erfolg war, dass es wenigstens aus der Flasche trank. Immerhin war das besser als nur zu sondieren. Der Kleine ging trotz aller Bemühungen von Mama, Stillschwester und Krankengymnastin nie richtig an die Brust und wurde pumpgestillt.

-ein Herzkind, das kurz nach seiner Geburt operiert werden musste und sowieso nicht der größte Trinker ist. Die Mutter hat, sobald sie aus dem Krankenhaus raus war, konsequent Flasche und Schnuller weggelassen, sonst hätte sie das Stillen wahrscheinlich vergessen können.

Alle anderen Babys in meinem Umfeld, inklusive meiner Tochter, haben problemlos auch mal zwischendurch ein Fläschchen genommen, wenn Mama nicht da war. Gut, das Mädl einer Freundin hat manchmal die Flasche verweigert und lieber gewartet, bis die Mama heimkam, aber dadurch war das Stillen ja nicht gefährdet :wink:

Re: "Saugverwirrung gibt es nicht"

Verfasst: 23.03.2011, 21:43
von Lösche Benutzer 6191
wir hatten hier noch keine saugverwirrung
donni wurde gestillt, ab und an gabs ein teefläschchen und gesaugt hat er am schnuller und daumen
arnau wurd gestillt, es gab teilweise fläschchen mit mumi oder mal tee und er hat seit dem ersten tag nen schnuller

bei beiden habe ich keine stillprobleme, bzw. andock/saug probleme beobachtet

Re: "Saugverwirrung gibt es nicht"

Verfasst: 24.03.2011, 20:34
von Urania
Mein großer hat von Anfang an Schnuller bekommen(so isses besser sagten Schwestern im KH :roll: ) aber er hatte keine Verwirrung beim stillen.
Der kleiner nimmt kein Schnuller und keine Flasche ,ob das auch ein e saugverwirrung ist?nur halt anderest rum :wink:

Re: "Saugverwirrung gibt es nicht"

Verfasst: 24.03.2011, 23:01
von Kathymami
emily und Lenny hatten beiden einen Schnuller gleich ´nach der Geburt UND keine stillprobleme.....

Re: "Saugverwirrung gibt es nicht"

Verfasst: 22.02.2013, 14:07
von klimaforscherin
Ich hol das nochmal hoch. Heute bei der U4 hat die KIÄ behauptet, das Thema "Saugverwirrung" wäre ein hartnäckiges Ammenmärchen und es gäbe Studien, die das widerlegen. Nun habe ich nicht daran gedacht, mal nach den Studien zu fragen. :oops:
Kennt hier jemand diese Studien dazu? Oder welche Artikel sind dazu geschrieben worden, die Saugverwirrung für Unsinn halten?
Sonst ruf ich nochmal in der Praxis an und lasse sie mir nennen. :lol:

Ich glaube auch, die KIÄ ist durchaus für Studien und aktuelle wiss. Erkenntnisse offen. Kennt jemand einen guten Artikel über das Thema Saugverwirrung?

Re: "Saugverwirrung gibt es nicht"

Verfasst: 22.02.2013, 15:16
von EhUSb
Also, soweit ich weiß, ist das Thema allenfalls umstritten. nicht widerlegt. Ich bin allerdings auch keine Medizinerin.
Gefunden habe ich auf die schnelle zwei Artikel aus englischsprachigen Fachzeitschriften:

1. Howard, C.R., et al. (1999). The Effects of Early Pacifier Use on Breastfeeding Duration. Pediatrics, 103 (3), S. 33-39.
Hier wird keine Saugverwirrung bei Kindern festgestellt, die früh einen Schnuller bekamen. Das Phänomen der Saugverwirrung an sich wird aber nicht widerlegt.

2. Dowling, D.A. & Thanattherakul, W. (2001). Nipple Confusion, Alternative Feeding Methods, and Breast-Feeding Supplementation: State of the Science. Newborn and Infant Nursing Reviews, 1 (4), S. 217–223.
Ist schon etwas älter. Dort kommt man zu folgendem Ergebnis: "The relationship between exposure to artificial nipples and pacifiers and the development of the aversive feeding behaviors associated with nipple confusion is neither refuted nor supported in the research literature"

Mir fehlt gerade die Zeit, eine ausgedehnte Literatursuche zu machen, aber mir scheint, dass es weder Belege dafür, noch dagegen gibt. Wenn du möchstest, kann ich dir beide Artikel schicken, brauche nur deine Mailadresse.

Re: "Saugverwirrung gibt es nicht"

Verfasst: 22.02.2013, 17:00
von jusl
Ich fürchte, hier liegt einfach ein Ansatz-Problem vor.

Selbstverständlich gibt es keine vernünftigen randomisierten Studien dazu. Man kann nicht einfach 1000 zufällig ausgewählten Neugeborenen im Blindversuch Flaschegeben, und 1000 andere ausschließlich stillen, und dann gucken, ob die Untersuchungsgruppe mehr Stillprobleme aufweist. Das verbietet die Ethik und wäre auch praktisch gar nicht durchführbar.
Die Geschichte zeigt jedoch, was passiert, wenn man Säuglingen routinemäßig (durchaus mit den besten Absichten!..) künstlichen Saugern aussetzt: Die Stillraten gehen gegen null. Dies war in den 60er und 70er Jahren in Deutschland der Fall.

Auf der anderen Seite stehen die reichlichen Erfahrungen der viiiielen Stillberaterinnen, die Mütter dabei unterstützen, ihre Stillprobleme zu überwinden. Dabei gelten zwei Dinge als sicher: 1. An den meisten Stillstörungen ohne med. Background sind künstliche Sauger beteiligt. 2. Das Weglassen von künstlichen Saugern ist bei den meisten erfolgreich überwundenen Stillproblemen dieser Art wesentlicher Bestandteil der Lösung gewesen.

Außerdem ist es sinnvoll, Kommunikation über diese Themen genauer zu analysieren: Wer schildert wem welches Problem?

Wenn eine Mutter vom KiA empfohlen bekommt, ihrem 3 Monate alten Baby ab jetzt abends zusätzlich ein Fläschchen zu füttern, weil "die Milch nicht mehr reicht", und sie das auch tut, und ihr Baby daraufhin zunehmend mit Stillschwierigkeiten reagiert, und sie sich deshalb nach einigen Wochen - Baby inzwischen 4-5 Monate alt - an ihren KiA wendet und ihr Problem schildert, dann sagt der möglicherweise: "Aber das ist doch kein Problem, sondern ganz natürlich - ihr Baby möchte sich jetzt eben abnabeln und ist jetzt sowieso alt genug für Brei. Zeit zum Abstillen!" Dieser Arzt wird den Bericht der Mutter selbstverständlich NICHT unter der Überschrift "durch künstliche Sauger verursachte Stillprobleme" verbuchen, sondern unter "Ganz normales Baby mit ganz normaler Entwicklung" abhaken.

Anderes Beispiel: Die Schwestern auf irgendeiner Neugeborenenstation füttern routinemäßig mit Flasche zu, verteilen Schnuller und Hütchen. Auch das Stillen wird probiert - das Baby versucht tapfer, mit allem irgendwie klarzukommen (logo, was soll es auch sonst machen). Nach drei Tagen, spästestens einer Woche gehen die Mütter nach Hause. Die Stillprobleme nehmen zu, nach 3-4 Wochen haben die ersten so schwere Stillstörungen, dass abgestillt wird (gut belegt durch die SuSe-Studie!), in den nächsten Wochen und Monaten folgt der Rest. Die Schwestern auf der Neugeborenenstation können weiterhin überzeugt behaupten, dass Flasche, Schnuller und Hütchen das Stillen nicht stören - sie bekommen es zeitlich ja gar nicht mit!.. Und in den 3 Tagen Anwesenheit hat es doch ganz gut geklappt... Welche Mutter latscht zwei Monate später wieder ins Krankenhaus auf die besagte Neugeborenenstation, sucht die Schwester, die damals bei ihrem Wochenbett Dienst hatte (als ob dies nur EINE wäre...), und zeigt dort ihr saugverwirrtes Kind vor?? Selbstverständlich keine.

Stillberaterinnen bekommen natürlicherweise hauptsächlich die Probleme mit - auch das ist klar, denn es wenden sich ja nun überwiegend nur Mütter mit PROBLEMEN an Stillberaterinnen. Die "problemlos Brust und Flasche wechselnden" Babys kriegen wir in dieser Funktion nicht mit (aber doch, ich weiß dass es sie gibt ;-) :lol: - freut mich aufrichtig für diese Familien!..).
Saugverwirrung kann in einem breiten Spektrum ausgeprägt sein, von leichten Andockproblemen "und dann geht's doch" bis hin zu "Stillen derzeit völlig unmöglich". Die Behandlung von Saugverwirrung ist unser täglich Brot. Oft gelingen deutliche Verbesserungen, in nicht wenigen Fällen sogar ein komplett glücklicher Ausgang, aber leider bleibt manchmal der Erfolg auch vollständig aus. Wenn ich mit dem Ausspruch "Saugverwirrung gibt es nicht!" konfrontiert werde (was zum GLück nur selten vorkommt), dann denke ich nur "Aha, und warum sitzen dann ständig diese ganzen Frauen mit ihren brüllenden Babys und den Tonnen an sterilisiertem Kunststoff in ihren riesigen Wickeltaschen auf meinem Sofa??... Und warum sind meine Beratungen dann so oft so erfolgreich, wenn die Familie es schafft, die künstlichen Sauger wegzulassen und stattdessen das Stillen zu üben?"
Ich persönlich fühle entsprechend NULL Drang, mich an dieser Diskussion zu beteiligen - ich diskutiere ja auch nicht drüber, ob die Welt wirklich rund ist oder doch eine Scheibe.
Aber ich hoffe sehr, dass die Versorgung und Beratung junger Mütter in Deutschland hinsichtlich des Stillens weiter verbessert wird. "Saugverwirrung gibt es nicht" hilft da in meinen Augen kein einziges bisschen weiter.

LG
Julia

Re: "Saugverwirrung gibt es nicht"

Verfasst: 22.02.2013, 17:46
von Weidenkätzchen
Hallo,

ich finde das Thema sehr spannend!

Ich persönlich muss sagen, dass ich größten Respekt vor einer Saugverwirrung habe. Mein Sohn bekommt ab und an ein Fläschchen (aber mit abgepumpter Milch), vor allem, wenn ich auf der Arbeit bin, aber auch schon einmal, wenn ich einen Infekt habe und sehr schlapp bin. Ich versuche das absolut auf ein Minimum zu beschränken. Eine Saugverwirrung habe ich Gott sei Dank noch nicht feststellen können, wohl aber eine gewisse "Trinkfaulheit" an der Brust, wenn er mehr Flaschen als üblich bekam. Nach ein zwei mal Stillen hat sich das bisher immer erledigt, aber die Male erfordert es etwas Geduld, weil er eher an der Brust spielt.

Auch bekommt er ziemlich von Anfang an Schnuller, leider mag er auch keine "stillfreundlichen" Schnuller. Er bekommt ihn, weil er sich zu Anfang das Fäustchen sehr tief in den Mund gesteckt hat, so dass er würgen musste. Der Schnuller hat beim noch nie Probleme gemacht, auch wenn er ihn kurz vorher im Mund hatte stillt er ganz normal. Er hat sich lediglich daran gewöhnt und so oder so ein hohes Saugbedürfnis, daher und aufgrund dessen, dass er keine Probleme macht, kann er ihn gerne haben, ich habe da kapituliert.

Was mir aber ganz klar aufgefallen ist: Fläschchen nimmt er von mir nicht, da werde ich nur sehr, sehr böse angeschaut. Bei meinem Mann nimmt er sie ohne Probleme, jedoch auch nicht, wenn ich dabei bin. Das haben ja viele, wie ich schon rausgelesen habe. Auch den Schnuller will er von mir nicht gern, was mir recht ist.

Ich muss aber auch sagen, dass Herzbübchen keine Flasche bekäme, wenn es sich vermeiden ließe. Ich bin dankbar für die Möglichkeit, aber mich nervt das Drumherum (Spülen, Sterilisieren, Zusammenbauen etc.) doch sehr. Und das Schreckgespenst Saugverwirrung tut sein übriges. Meine Hebamme sagte mir aber, dass er keine Saugverwirrung bekäme, wenn man ihn vor der Flasche anlege und er die Milch aus Teesaugern bekomme. Ob das stimmt weiß ich nicht, aber es hat ihm bisher nicht geschadet. Letztlich glaube ich, dass das immer ein Glücksspiel ist... und ich würde unsere Stillbeziehung auch nicht für eine Studie riskieren wollen...

Re: "Saugverwirrung gibt es nicht"

Verfasst: 22.02.2013, 17:49
von klimaforscherin
Ich war auch schockiert, als ich diese Aussage gehört hatte.
Insbesondere, weil ich jetzt persönlich ein Kind mit Gedeihproblemen kenne: 3 Tage älter als meine Tochter, ich hatte das Kind unterwegs immer nur "zugestöpselt" gesehen. Im Rübi sah es erschreckend dünn aus. :( Jetzt habe ich die Mutter wieder getroffen, das Kind hat eine Gedeihstörung, ausgelöst durch eine Saugverwirrung (Diagnose durch KIA und Stillberaterin). Sie füttert zu (mit Flasche) und einen Schnuller bekommt das Kind trotzdem. Ob sie nicht Angst hätte, dass durch die Flasche erst recht eine Saugverwirrung entsteht? Nein, wenn es nicht klappt, dann stillt sie halt ab.
Ich habe da nicht nachgehakt, ist ja auch nicht mein Problem und ich berate ja auch nicht. Nachdenklich macht es mich schon.
Insbesondere weil meine Tochter in letzter Zeit, als ich krank im Bett lag, etwas mehr als sonst (Sonst: etwa alle 3 Tage für 10 Minuten, z.B. Autofahrt) einen Schnuller bekommen hat. (Wollte lieber Schnuller als Stillen :? )

Ich will jetzt echt wissen, woher sie die Studie hat. Montag ruf ich da nochmal an. Wer solche Behauptungen aufstellt, sollte sie doch auch belegen können!

Re: "Saugverwirrung gibt es nicht"

Verfasst: 22.02.2013, 18:58
von jusl
Ich will jetzt echt wissen, woher sie die Studie hat. Montag ruf ich da nochmal an.
Prima. Das lass uns doch teilhaben. :lol: