Da bin ich wieder
Casi, wenn ich das alles so lese, kommt mir das alles sooooo bekannt vor. Schwieriger Stillstart und auch dass die (Groß-)Eltern weit weg wohnen und der Mann immer erst spät nach Hause kommt. Das ist mit einem Baby schon nicht so einfach. Mit Zwillingen ist es - vor allem auf Dauer - nicht nur eine riesige Herausforderung, sondern wirklich auch eine irre Belastung. Für Mama und die Winzlinge.
Ich werde dir einiges über mein erstes halbes Jahr mit den Zwillis schreiben. Vielleicht findest du ein paar Anregungen, die dir in deiner Situation helfen können.
Ich hatte mich auch gescheitert gefühlt. Versagt bei der natürlichsten Sache der Welt. Gescheitert als Mutter
Aber das ist einfach nicht richtig! Weiß ich heute - damals sah ich das ganz anders
Wenn ich so zurückblicke, war das größte Problem der Stress, den ich hatte. Und ich hatte wirklich fast das ganze erste Jahr durchgängig eigentlich nur Stress, auch wenn mir dankenswerterweise das Mutterhirn so vernebelt war, dass ich das selber gar nicht so arg wahrgenommen habe. Ja, dass schreiende Babys Stress machen, und der wenige Schlaf, die rundum Betreuung von zwei so kleinen Zwergen - das hatte ich schon gespürt. Aber wie sehr es sich tatsächlich auf mich und letztendlich auch auf die Kinder auswirkte, das ist mir nur ganz selten bewusst geworden. So richtig realisiert habe ich das erst viel später.
Von daher wäre auch mein wichtigster Impuls an dich: Suche dir Unterstützung! Haushaltshilfe oder andere handfeste Unterstützung klingt gut und ich drücke dir ganz feste die Daumen, dass es klappt. Meine Versuche damals waren leider rundum erfolglos. Das war soooo deprimierend; es ist mir heute noch unbegreiflich, wie Mütter, die um Hilfe bitten, weil sie sich ihrer momentanen Situation allein nicht gewachsen fühlen, so wenig Hilfe bekommen, hängen gelassen oder abgewiesen werden können, denn hier geht es doch auch um das Wohl der Kinder
Was mir aber dann aber sehr geholfen hat, waren Termine. Also Kurse wie Babymassage, Stillgruppe, Pekip etc. Nicht dass ich hier Dinge gelernt oder erfahren hätte, die essentiell für mich gewesen wären. Aber es war für mich unheimlich entlastend, dass ich in dieser Zeit z.B. die Jungs in Ruhe einzeln nacheinander stillen konnte, weil "der andere" währenddessen immer genug Ablenkung gefunden hat. Und auch weil ich mich einfach mal zurücklehnen konnte, während meine Kinder neugierig ihr ungewohntes Umfeld beguckt haben. Oder weil andere Mütter oder die Gruppenleiterin mal die Schunkeltante gespielt hat.
Ich gehe noch heute immer mal zum Zwillingsmütterfrühstück, und habe es mir zur freiwilligen Pflicht gemacht, den Zwillimamas dann mindestens ein Baby abzunehmen, damit sie dort einmal halbwegs in Ruhe essen und ein Gespräch führen können. Und an den Reaktionen merke ich immer wieder, dass diese Geste für die Mütter völlig unerwartet kommt, erstmal unsicher macht, aber bald danach den Mamas wirklich mal ein Durchatmen erlaubt, dass sie sonst in ihrem Alltag kaum mal erleben. So ging es mir damals auch, und es hat mir jedesmal unheimlich gut getan. Hatte auch etwas mit Hilfe annehmen lernen zu tun, auch wenn es sich hier "nur" um ganz kleine Dienste handelte. Ich finde es toll, dass dir hier im Forum jemand seine konkrete Hilfe angeboten hat. Nimm sowas ruhig an und drücke jegliches schlechte Gewissen weg! Du musst gut für dich sorgen! Das vergisst so leicht ...
Zum Stillen an sich:
Es ist schon möglich, wieder mehr zu stillen. Bei uns hatte es 8 (oder 10?

) Wochen (Gefühlt waren es Jahre

) gedauert, bis die Jungs von Stillen mit Zufüttern (abgepumpte Milch und Pre-Nahrung) endlich beim Vollstillen angekommen waren. Für mich war das der Horror. Tag und Nacht drehten sich nur noch ums Stillen und Abpumpen, um Trinkmengen, Gewicht, entzündete Brustwarzen (bei denen ich heute der festen Überzeugung bin, dass sie vom ständigen Wechsel zwischen Flasche und Brust kamen) etc., und das halt wochenlang. Ich wollte das irgendwann nicht mehr, und habe an einem Wochenende, bei dem wir die (Groß-)Eltern besucht haben, einfach nur noch die Brust angeboten. Da saß ich dann zwar wirklich das ganze Wochenende fast ständig mit einem Baby an der Brust, aber es hat funktioniert. Ich konnte mich immer auf 1 Kind konzentrieren, während der andere beschäftigt wurde. Konnte auch das Schöne am Stillen, diese innige Zweisamkeit mit dem Baby, mal richtig kennen und genießen lernen. Die Jungs waren auch enorm stillmotiviert, weil das viele Neue drumherum ihren Hunger nach Mama und das Bedürfnis nach Hautkontakt wohl auch nochmal verstärkt hat. Die Milchproduktion hat sich jedenfalls ziemlich schnell umgestellt. Und meine Zwillis hatten in der Zeit genug Abwechslung, um diese Phase gut zu überstehen.
Es gab dann nochmal eine schwierige Zeit mit 5-6 Monaten, wo die Flasche dann doch wieder bei uns Einzug gehalten hat

Aber auch da hat es relativ gut funktioniert, die Häufigkeit zugunsten des Stillens bzw. Breinahrung zu reduzieren.
Ich sehe, bei dir hat jeder Bub "seine" Brust. Stillst du denn beide gleichzeitig oder nacheinander? Oder mal so, mal so? In welchen Positionen? Wenn du tandemstillst, könntest du vielleicht mittendrin die Seiten tauschen, damit Luis sich nicht drüber ärgert, nur eine Brust trinken zu dürfen

Beim Einzelstillen könntest du sonst Lennox zuerst trinken lassen, Luis dann Lennox Seite weitertrinken und danach dann zu seiner Seite rüberwechseln lassen. Dann hat er auch zwei

Die Menge passt sich dann schon an.
Ich hatte irgendwann für mich erkannt, dass es bei uns DAS typische Stillen nicht gab, sondern dass für verschiedene Situationen auch verschiedene Stillpositionen besser waren.
Bei Doppelgebrüll war es das Tandemstillen, sitzend, Kinder mit den Füßen zu meinem Rücken.
Aber den zweifach Hunger habe ich irgendwann versucht zu vermeiden. Anfangs weil ich das Einzelstillen intimer und schöner fand. Einfach so für die Mutter-Kind-Beziehung zu jedem Zwilling ganz individuell. Zwillis werden so oft als Einheit betrachtet und behandelt - ich fand es toll, beim Stillen die Situation schaffen zu können, mich jedem der beiden auch mal voll und ganz allein widmen zu können. Tatsächlich schienen die Jungs auch viel entspannter, wenn ich jeden einzeln gestillt habe. Sie waren da viel ausdauernder, ruhiger. Und beim Einzelstillen habe ich gemerkt, dass die Milch im Liegen oder gebückt über dem Kind bei mir besser floss als im Sitzen. Irgendwie erschienen mir die Jungs danach satter als beim Tandemstillen.
Fies waren auch bei uns die Wachstumsschübe. Aber das ist wohl einfach so. Nicht mal wegen der höheren Milchmenge, denke ich. Sondern wegen des besonderen Kuschelbedürfnisses der Kinder während dieser Phasen, wo sie halt im doppelten Sinne noch mehr Mama tanken müssen.
Ganz toll war gerade auch an solchen Tagen das Stillen im Bett tagsüber. Da bin ich (Oberkörper frei) mit den Kindern zu dritt reingekrochen, bevor der große Hunger da war. Wer dringendsten Kuscheln wollte und zuerst Lust zum Stillen hatte, durfte dann einfach ran, und mit dem anderen konnte ich in Blick- und Körperkontakt sein, ihm was erzählen, vorsingen. Manchmal sind wir drei dann auch einfach so eingeschlummert, was ich dann immer wunderschön fand, gerade weil ja aufgrund der Schubphase eigentlich grad das total Chaos rundrum geherrscht hatte.
Es hat bei uns viel Stress aus dem Alltag und damit auch aus dem Stillen genommen, wenn ich es geschafft hatte, schöne Momente zu schaffen. Und wahrzunehmen! Und wenn ich mich voll und ganz auf die Kinder einlassen, ja sie genießen konnte, ohne an irgendwelche anderen Dinge zu denken. Aber geschafft habe ich das letztendlich leider auch nur selten, weil es einfach viel zu turbulent bei uns zuging, weil ich noch keine erfahrene, routinierte Mutter war, und weil ich viel zu sehr unter Strom gestanden habe, als dass ich mir regelmäßig ins Gedächtnis habe rufen können, das Schöne im Blick zu haben. Doch die Momente und Phasen, in denen es mir gelungen ist, waren wirklich schön, die sind mir in wunderbarer Erinnerung geblieben.
Dein Verhältnis zur Flasche - quäle dich nicht so! Du bist ganz wundervoll zu deinen Kindern, hast ihnen schon so viel von dir gegeben, hast ihnen den besten Start bereitet, der möglich war. Und du musst noch lange für sie da sein. Das schaffst du nur, wenn du selbst bei Kräften bleibst. Das Stillen wird sich für euch nicht verbessern, wenn du dich selbst damit immer weiter stresst. Du kannst nur Energie weitergeben, die du auch hast. Und ein Stück davon musst du sogar behalten, damit du selbst bei Kräften bleibst. Nein, du musst nicht "konsequent" bleiben, wenn es deine Kräfte übersteigt. Was hätte das denn für einen Sinn? Insofern kannst du die Flasche ganz einfach als eine handfeste Unterstützung für euch ansehen, wann immer die Situation es erfordert. Sie bedeutet auch nicht zwangsläufig, dass ihr euch immer weiter vom Stillen entfernt. Es kann auch noch ganz lange einfach so weiterlaufen, dass du stillst wie bisher und halt nach Bedarf zufütterst. Wenn das eine gute und machbare Lösung für euch ist, ist das doch völlig in Ordnung.
Ich höre jetzt mal auf. Ist eh schon ein Roman geworden
