LottiBerlin hat geschrieben:Okay, aber warum kann man mit veganer Kost seinen B12-Bedarf nicht decken? Und jetzt sag bitte nicht, dass die Tiere in der Tierfabrik B12 supplementiert bekommen, das trifft auf Weiderinder ganz sicher nicht zu.
Weil wir (zum Glück) hygienisch leben.

Die Bakterien, die B12 produzieren, befinden sich z. B. in gesunden Böden. Würde ich etwa selbstangebautes Biogemüse so aus der Erde ziehen und nicht waschen, bekäme ich damit minimale Mengen B12. Man braucht ja auch nur wenige µg pro Tag. Da ich jedoch nicht auf Erde kauen möchte (und auch regelmäßig Nachbarskatzen bei uns in den Garten sch.....) wasche ich das Gemüse sauber, dann sind auch die Bakterien bzw. ihre Produkte mit weg. Auf genau diese Art und Weise kommen Wildtiere bzw. Weidetiere auch ihr B12 und Tiere in Intensivhaltung eben nicht.
Umstritten ist wohl, ob durchs Kochen B12 zerstört wird, das weiß ich nicht.
Man bekommt z. B. in unseren Breitengraden auch kein Vitamin D im Winterhalbjahr. Der Großteil der Nordeuropäer haben einen Mangel, sogar im Sommer, weil es von der Natur her wohl nicht gedacht war, dass wir zum einen soweit in den Norden wandern und zum anderen auch noch 90% unserer Lebenszeit in geschlossenen Räumen verbringen.
Man könnte nun auch diskutieren: Ist es nun artgerecht oder nicht, dass dann zu supplementieren? Oder anders: Ist es für Menschen dann überhaupt artgerecht, in diesen Breitengraden zu leben?
LottiBerlin hat geschrieben:Dann bist Du wohl der Ansicht, dass Fleisch, Fisch und Eier schaden. Okay, sehen wir hier im Thread halt anders bzw. haben andere Erfahrungen gemacht.
Naja, wie schon mal diskutiert, geht es für mich bei einer Ernährungsweise eben nicht nur um MEIN Wohlbefinden und MEIN artgerechtes Leben, sondern es geht mir auch um andere. Es geht eben genau um den Punkt, dass meine Freiheit dort endet, wo sie die Freiheit der anderen einschränkt und da gehören für mich Tiere genauso dazu wie andere Menschen. Ich unterteile da auch nicht in "Streichel- und Nutztiere", weil es diesen Unterschied nicht gibt. Jedes Schwein oder jede Kuh ist genauso leidensfähig und liebebedürftig wie ein Hund oder eine Katze. Und was ich z. B. meinem Hund niemals antun würde, tue ich auch keinem anderen Tier an, egal wieviel "Genuss" ich davon bekäme. In diesem Zusammenhang widert mich das Wort Genuss einfach nur an.
Ob vegan nun GESÜNDER ist als andere Ernährungen oder nicht, ist für mich nicht relevant, sondern DASS man vegan gesund leben und sich wohlfühlen kann.
Eine pflanzenbasierte Ernährung gelegentlich mit Fleisch von Großtieren, Insekten oder Eiern zu ergänzen, halte ich nicht grundsätzlich für ungesund. Wobei wir uns ja einig sind, dass es von gesunden Tieren stammen muss, was wiederum bei 98% des verkauften Fleisches nicht der Fall ist, da Massentierhaltung, Antibiotika etc.pp. Was eben wiederum das Problem aufwirft, woher soviel gesundes Fleisch und soviele Eier in solchen Mengen für alle stammen sollen.
Was mich wirklich mal interessieren würde, unabhängig von eurem Empfinden, macht ihr auch mal Blutkontrollen von ernährungsrelevanten Werten wie Triglyceride, Cholesterin (HDL/LDL Verhältnis), Glucose etc.? Z. B. einmal vor der Paleo-Umstellung, dann nach 6 oder 12 Monaten und dann wieder nach 2-3 Jahren? Sozusagen eine kleine Studie zur Langzeitwirkung?
Gibt es sowas irgendwo zu finden? Und gibt es Untersuchungen von richtigen Langzeit-Paleos, also Leute, die sich unter heutigen Bedingungen schon Jahrzehnte so ernähren?