dann will ich dieses schöne Forum mal nutzen, um mir den Frust von der Seele zu schreiben:
Mein Sohn ist mittlerweile neun Wochen alt. Seit er fünf Wochen alt ist, ist das Stillen teilweise echt schwierig geworden. Vorher hat es super geklappt, er hat kräftig getrunken und geduldig bei jeder Mahlzeit eine Brust leergetrunken. Seit vier Wochen kommt es immer wieder vor, dass er beim Stillen brüllt. Meist fängt es damit an, dass er nach ein paar Minuten unruhig wird, zappelt, immer wieder an- und abdockt und schließlich das Schreien anfängt (Oft passiert das, wenn der MSR einsetzt, dann verschluckt er sich einmal und das reicht schon, um ihn so richtig durcheinander zu bringen. Manchmal stört ihn der MSR aber auch überhaupt nicht und er schluckt die Milch ganz cool in einem Affenzahn runter. Er kann es also grundsätzlich).
Er drückt sich dann mit Händen und Füßen von mir weg, versucht aber gleichzeitig, seinen Kopf zu mir hinzubewegen und die Brustwarze zu erwischen, denn Hunger hat er ja. Das klappt natürlich nicht. Wenn ich versuche, ihn sanft festzuhalten und seinen Kopf zu meiner Brust hinzuführen, rastet er richtig aus (Pucken funktioniert auch nicht). Erst verschluckt er sich und fängt an zu würgen, dann brüllt er wütend. Wenn ich ihn dann wegnehme und mit ihm auf der Schulter eine Runde durchs Zimmer drehe, ist fast augenblicklich Ruhe, als wäre nichts gewesen… Wenn ich ihn dann wieder anlegen will, schreit aber sofort wieder los, sobald ich mit der Brust in seine Nähe komme. Wenn ich die zweite Brust anbiete, ebenso. Ich gebe dann meist auf und warte halt, bis er wieder richtig großen Hunger hat.
Meist passiert das, wenn er vorher wach war. Ich vermute, dass er dann so aufgekratzt ist, dass er sich nicht richtig aufs Trinken konzentrieren kann und ihn das frustriert. Er ist ein sehr aufmerksames Kerlchen, der am liebsten auch gar nicht schlafen würde, damit er ununterbrochen alles angucken und bestaunen kann. Beim Stillen kann er manchmal auch gar nicht anders, als den Kopf von der Brust wegzudrehen, um sich im Raum umzusehen. Nach ein paar Sekunden kommt dann der Hunger wieder durch, er dreht sich zur Brust zurück. Bevor er wieder andocken kann, nimmt die Neugier wieder überhand und er dreht sich wieder weg. Das geht zehn, fünfzehn Mal so, dann geht das Geschrei los, weil Trinken und Gucken gleichzeitig eben nicht geht.
Ich versuche schon alles Mögliche, aber eine vernünftige Lösung habe ich noch nicht gefunden. Ich stille immer im selben Zimmer, im Liegen auf dem Bett, bei schummriger Beleuchtung. Ich bin dann auch mit ihm allein, es gibt keine störenden Geräusche etc. Aber die weiße Zimmerdecke scheint trotzdem unfassbar faszinierend zu sein… Außerdem versuche ich, ihn möglichst vor dem Stillen etwas schlafen zu lassen, damit er nicht so aufgekratzt ist. Funktioniert auch nur mäßig. Entweder ist er dann noch so schläfrig, dass er nach zwei Schlucken gleich wieder einpennt und gar nichts mehr geht. Wenn er wach wird, ist er dann auch gleich so wach, dass er schon wieder alles angucken muss und keine Zeit zum Stillen hat. Einen „Normalzustand“ zwischen völlig aufgedreht und Tiefschlaf gibt es irgendwie nicht.
Nachts klappt es noch ganz gut *KlopfaufHolz*, da trinkt er dann im Halbschlaf einigermaßen ruhig. Tja, die Nächte sind aber für uns beide auch nicht so richtig erholsam. Denn da er tagsüber eher schlecht trinkt, muss er das natürlich Nachts nachholen. Oft schläft er da dann aber auch nach einer halben Brust wieder ein (unweckbar) und kommt dann nach einer halben bis Dreiviertelstunde wieder, weil das natürlich zu wenig war. Weder er noch ich kriegen also erholsamen Schlaf.
Satt wird er insgesamt zwar (jede Menge volle Windeln, wächst und gedeiht), aber dieses Still-Theater schlaucht uns beide ziemlich. Er hat mehr oder weniger dauernd Hunger, weil er sich fast nie satt trinkt, sondern immer nur den gröbsten Hunger stillt, bevor das Geschrei losgeht. Und ich fühle mich immer wie einer Versagerin, wenn er so schreit und würde am liebsten mitheulen… An manchen Tagen sind es nur ein paar Mahlzeiten, an manchen Tagen jede einzelne.
Vielleicht gibt es hier ja jemanden, der was ähnliches erlebt (hat) und noch irgendwelche Ideen hat, wie man die Situation etwas verbessern könnte? Zuerst hatte ich schon an einen Schub gedacht, aber das müsste ja allmählich mal vorbei sein? Den acht-Wochen-Schub hatten wir gerade, der hat nichts daran geändert…
Ich hoffe, mein Text ist einigermaßen lesbar, wer bis hier gekommen ist, kriegt Kaffee und Mandelstollen!
Lieben Dank fürs Lesen,
Suleikha
PS: Er bekommt weder Schnuller noch Flasche.
PPS: Es tat schon mal sehr gut, das Ganze einfach aufzuschreiben!

