Hallo Petra,
bei meiner Jüngsten war es ähnlich gelaufen wie bei Deinen Zwillingen; sie war zwar keine Frühgeburt, aber ein Small-for-date-Baby, also mit 1850 g und 46 cm viel zu klein und leicht. Obwohl ich es nach einem Tag durchsetzen konnte, dass sie von der Frühgeborenenintensiv weg und mit mir auf ein Zimmer durfte, war an Stillen leider trotzdem erst mal nicht zu denken; sie konnte auch aus verschiedenen Gründen (Gelbsucht und verm. eben die Unterernährung) noch nicht effektiv saugen, und das Personal versuchte alles, um meine "gefährlichen" Stillversuche zu sabotieren.

Als wir drei Wochen später nach Hause kamen, war sie immerhin voll muttermilchernährt, aber effektiv saugen - Fehlanzeige. Da ich selber Stillberaterin bin (Amt ruht gerade) wollte ich alles dransetzen, sie zu stillen, und zwar mit sowenig Hilfsmitteln wie nötig, weil ich schon bei meinem dritten Kind, das mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zur Welt kam, so sehr auf Hilfsmittel (BES uns anderes) angewiesen war, das wollte ich also nicht. Die Art "kalten Entzug", die Deine Hebamme vorschlug, wäre mir aber nie in den Sinn gekommen, da mit ja klar war, dass meine Tochter nicht stillte, weil es anders bequemer war, sondern weil sie es schlicht noch nicht richtig konnte, also war das Ziel, dass sie effektiv stillen lernt, und zwar so, dass ich ihre Fortschritte auch wahrnehme. Das war auch der Rat der Stillberaterin, die ich hinzugezogen hatte, weil ich einfach zu unsicher war. Ich brauchte Sicherheit - also haben wir beschlossen, dass ich als erstes genau wissen musste, wann ich Erfolg hatte. Und so unangebracht Wiegeproben (also vorm Stillen wiegen, nach dem Stillen wiegen) bei reif geborenen, gesunden Kindern sind, so nützlich können sie in besonderen Situationen sein!
Ich habe mir also als erstes eine elektronische Babywaage (wichtig, mechanische sind da eher unbrauchbar) zugelegt, und zwar eine, die auf 5 g genau wiegt. Dann ging ich zusammen mit der Stillberaterin daran, das Saugen zu üben. Meine Tochter ging zwar damals, 5 Wochen nach der Geburt, noch an die Brust, aber es war auch mehr kuschelnuckeln. Also erst wiegen und notieren. Da sie noch so klein war und die Brust im Verhältnis zu ihrem Kopf so riesig, habe ich sie mit Hilfe eines Stillkissens in der Rückenhaltung angelegt. Dann haben wir geschaut, dass sie möglichst gut angelegt war, also wenn der Mund richtig weit auf war, habe ich meine Brust im C-Griff genommen, relativ zusammengedrückt, und sie meiner Tochter quasi "wie ein Butterbrot" (O-Ton Stillberaterin

) in den Mund gehalten, so dass so viel Vorhof wie möglich auf einen Rutsch in ihrem Mund landete. Den Butterbrot-Griff nenne ich das seither... ;.)
Wenn sie dann richtig angedockt war und Trinkbewegungen machte, habe ich ein "Zungentraining" mit ihr gemacht. Dazu habe ich den "DanCer-Hold" verwendet, den kann eine Stillberaterin Dir zeigen; dabei hälst greifst Du mit dem Daumen und Zeigefinger der "Stillhand" unter das Kinn des Kindes, die beiden Finger landen dann automatisch auf den Wangen des Kindes und ziehen sie fester an die Brust. Dann den Zeigefinger unter das Kinn rutschen lassen und bei jeder Trinkbewegung "mitgehen", also mit dem Zeigefinger relativ fest vom Hals weg in Richtung Kinn streichen, so wie sich halt die Zunge beim Trinken unter der Brustwarze bewegt. Das hilft dem Baby zu merken, was genau es mit seiner Zunge tun muss, und unterstützt die Bewegung.
Das habe ich jedesmal gemacht, so lange, wie sie von sich aus trinken wollte. Dann wieder gewogen und geschaut, ob und wieviel getrunken wurde. Dann habe ich noch nachgefüttert, so viel, wie sie halt genommen hat, mit dem Becher (nachts mit der Flasche, da hatte ich einfach keine Lust auf was anderes...)
Was soll ich sagen? Ich war zuerst so hoffnungslos, aber 4 Tage, nachdem ich dieses Procedere angefangen hatte, hat sie voll gestillt.
Zuerst waren es nur 5 oder 10 ml. Aber schon beim dritten oder vierten Mal mit "Zungentraining" kam offensichtlich plötzlich ein Riesenstrahl Milch, sie hat richtig verdutzt geguckt und gierig den Mund weiterbewegt, ich immer mit dem Finger mit, und dann waren es 30 ml! Nach zwei Tagen dann 50 ml und eine Mahlzeit später 100 ml, und da habe ich nicht mehr nachgefüttert. Wie gesagt nach 4 Tagen habe ich dann den Finger weggelassen, sie hatte es kapiert! Das Abpumpen habe ich dann auch aufhören können, sie hat also 6 Wochen nach der Geburt das Stillen gelernt, von Null Stillen (nur Nuckeln, wenn überhaupt - drei Wochen lang hatte ich sie vor lauter Stress ja nicht mal mehr angelegt) auf Vollstillen. Das hätte ich nie für möglich gehalten, aber ich bin sehr froh, dass es geklappt hat, und heute, mit 22 Monaten, stillt sie immer noch mit Begeisterung (gleich kommt sie sicher wieder an und will "Mamamiich!". Es ist also möglich, auch ohne BES - das ist ganz sicher für viele Stillpaare eine große Hilfe, aber ob es auch jedesmal unbedingt nötig ist? ich bin da skeptisch, es ist kann durchaus auch etwas sein, das sich zwischen Mutter und Kind schiebt, anstatt zwischen beiden zu vermitteln. Aber das ist sicher individuell verschieden. So oder so stehen die Chancen, dass es bei Euch klappen wird, sehr, sehr gut, denke ich. Vielleicht muntert Dich meine Erfahrung ja ein wenig auf! Viel Glück und alles Gute von
Kirsten