Minchen hat geschrieben:Aber ich halte das nach wie vor nicht für eine optimale Trageweise, auch wenn mir die Trageberaterinnen hier bestimmt widersprechen werden.
hi minchen,
auch mir ist aufgefallen, dass du sehr gegen das rückentragen bist - da es nicht optimal ist und gleichzeitig - verständlich - postulierst, dass eine reflexion diverser tragehilfen konsumenten verunsichern kann.
zunächst einmal ist es in meinen augen faktisch, dass es nicht die "optimale" trageweise gibt.
es kommt immer sehr darauf an unter welchen kritikpunkten man eine tragehilfe betrachtet.
was will man testen: anhockung, abspreizung, zugrichtungen der tragehilfe, nackenstütze, kopfstütze, handhabung, design, verstellbarkeit?
und selbst, wenn man sich klar ist, welche rubrik man "bewertet", so gibt es auch hinsichtlich bewertungen einen spielraum. es ist nämlich tatsächlich in einem gewissen rahmen subjektiv wie viel bedeutung man der zugrichtung der schultergurte z.b. bei komforttrage gibt oder den bändern beim marsupi+. objektiv klar ist, dass z.b. eine angemessene rundung der anatomie des kindes entgegen kommt, aber es ist nicht objektiv geklärt inwieweit gewissen abstriche tatsächlich dem kind schaden. vergleicht man das getragene kind in einer nicht 1+ bewerteten trage mit einem kompletten liegling, so kommt man evtl. zu dem ergebnis, dass das tragen in dieser tragehilfe dem baby doch mehr entspricht, als das liegen.
zudem kommt bei der beurteilung einer trage - vor allem vom endkonsumenten aus - noch viel subjektivere gesichtspunkte zum tragen. du fühlst dich beim tragen wohl und geborgen, wenn dein baby sich vorne bei dir ankuscheln kann, du mit einer hand ggf. das köpfchen stützen kannst, etc. pp.
für mich als mutter hat dies z.b. überhaupt keine rolle gespielt und ich persönlich fand es extrem ätzend mein baby (2. kind) vorne zu tragen, es hat mich gestört und zwar massiv. hätte es mir jemand gezeigt hätte ich mit fünf wochen auf dem rücken getragen, da mein leidensdruck und meine genervtheit groß waren. so musste ich warten bis zu ihrer 8. lebenswoche. von da an wurde mein zweites kind ausschließlich hinten getragen und von mir nie mehr vorne.
eine optimale kopfstützung war mir als - damals noch etwas rebellische - tragemutter (nicht in meiner rolle als trageberaterin, hier kommen unterschiedliche aspekte zum tragen!) nicht so wichtig. ich hatte bilder von schlafenden kindern in peru, guatemal und afrika gesehen und fand den hype, um die kopfstützung westlicher babys überzogen.

d.h. der kopf war schon gestützt, aber vermutlich nicht so, dass es z.b. einer anderen tragemutter mit ihren bedürfnissen gereicht hätte.
für mich und mein kind war dieses vorgehen das optimale vorgehen beim tragen. es hat uns zusammengebracht, glücklich gemacht und entlastet. so subjektiv und dennoch optimal waren meine erfahrungen als tragemutter.
wenn man jedoch aus einer anderen position - z.b. der, der trageberaterin - eine tragehilfe betrachtet. sieht man die tragevariante zunächst deutlich emotionsloser unter den jeweiligen aspekten und gibt den einzelnen teilbereichen eine wertung, die durch subjektive gewichtungen unterstrichen werden.
dies kann natürlich den endkonsumenten verwirren, da leider, der konsument es leichter findet der werbung zu folgen oder einer klaren empfehlung. dies kann ich verstehen, da die welt sehr komplex und ausdifferenziert ist, die "wahrheit" liegt aber darin, dass es nicht die allgemeingültige empfehlung gibt, dass es nicht das optimale tragen gibt, da es durch eine vielzahl von variablen bestimmt wird. stimmen objektive und subjektive kriterien überein findet man seine optimale lösung, sei dies beim stillen, beim tragen, schlafen, ernähren, impfen, wohnen, reisen, etc.
aber wie gesagt kann ich verstehen - bin ja selber auch endverbraucherin in vielen bereichen - dass kritische reflexionen verwirren und mehr kapazität abverlangen und man hierbei durchaus auch vorsichtig sein muss, man kann - als individuum - nicht jedes thema bis ins letzte glied sezieren.
ich persönlich halte z.b. in meiner rolle als trageberaterin und mit meiner subjektiven wertigkeit die manducatrage nicht für die erste (oder zweite) wahl für ein neugeborenes. dennoch hatte ich gestern in einem infokurs ein paar, die eigentlich überhaupt nicht tragen wollten und dies ablehnen. weder tuch, noch sling, noch bondolino, noch marsupi+ gefiehlen ihnen, der bb war ganz o.k. ... es sollten schnallen sein, die man klicken kann und irgendwie trekkingmäßig aussehen.
wenn überhaupt kommt für sie der manduca in frage. mir persönlich rollen sich da eher die nägel hoch und es fällt mir tatsächlich nicht leicht eine ng-beratung im manduca zu machen und zu wissen, dass das kind die nächsten sechs monate irgendwie drin ist ... aber wenn das die optimale - da einzig in frage kommende - trage ist, dann ist das so. ich würde ihnen auch den bb anpassen. wertungen sind immer subjektiv ... haben allerdings die möglichkeit neue dimensionen und ansichten zu erschließen.
so, das war jetzt recht theoretisch.
lg und viel spass beim tragen