ab wann können Kinder lernen, dass andere Menschen ...

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chennai
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ab wann können Kinder lernen, dass andere Menschen ...

Beitrag von chennai »

... auch Bedürfnisse haben?

Ja, am Rande ist dieser Thread wohl auch wieder einer der 'Verwöhn ich mein Kind nicht doch?'-Threads. Ich hatte mit meinem Mann eben wieder die kurze Diskussion, ob man immer noch auf jedes Quengeln und Jammern der Maus direkt reagieren soll. Als sie noch ganz klein war, war er da absolut einer Meinung mit mir, jetzt kommen doch wieder Zweifel auf. Und obwohl ich denke, dass sie jetzt mit 10 Monaten das Konzept des Anderen, der auch Bedürfnisse hat, noch nicht begreift, frage ich mich schon auch, ab wann das entwicklungspsychologisch Thema ist und wie man dann auch begreifbar macht, dass es durchaus Konflikte gibt zwischen den eigenen Bedürnissen und denen anderer. Ich muss dazu sagen, dass unsere Maus kaum mit anderen Kindern zusammenkommt, die ja ihre Bedürfnisse gegenüber anderen recht unzimperlich einfach durchsetzen. Der Input muss also schon in erster Linie von uns kommen.
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


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Sagittaria
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Re: ab wann können Kinder lernen, dass andere Menschen ...

Beitrag von Sagittaria »

Lernen können die Kinder das ja nur dadurch, dass sie es erfahren ;)

Hast Du mal ne konkrete Situation zum diskutieren?
LIEBE Grüße,
Denise, Anna (12/2007), Mika (05/2010), Jonathan (08/2013) und Lebens/Liebespartner Thomas

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Re: ab wann können Kinder lernen, dass andere Menschen ...

Beitrag von SteffiJ »

Magst Du mal sagen, in welcher Hinsicht konkret Du das meinst? Also ich meine, in welchen Situationen?
Unser Kleiner ist ja auch recht anspruchsvoll (im wahrsten Sinne des Wortes), wenn es um MAMA und manchmal auch um PAPA geht. Er ist ein bißchen älter, also 14 Monate, aber das war auch schon immer so. Äußert sich dann so, dass er mitunter nicht einmal möchte dass ich alleine auf die Toilette gehe, von in Ruhe duschen ganz zu schweigen, auch nicht wenn Papa oder Oma da wären um ihn zu beschäftigen/trösten/etc...
In solchen Situationen renne ich seit er so 8/9 Monate alt ist nicht mehr sofort wenn er motzt (denn genau das tut er dann), denn da befindet er sich nicht wirklich in "Not", verstehst Du was ich meine. Auch wenn ich z.B. koche und er trotzdem grade lieber Mama als Papa oder Schwester hätte. Ich finde aber dass man das am (Protest-)Geheul ganz gut erkennen kann, ob er MICH jetzt wirklich ganz dringend braucht (in solchen Fällen reagiere ich auch heute noch so schnell es eben grade geht) oder ob es nur grade nicht nach seinem Willen geht. In letzterem Fall lasse ich mir schonmal ein bißchen Zeit.
Was ich nicht mehr mache, dass ich mein Leben komplett nach ihm richte wie eben in den ersten Monaten. Er kommt und darf überall mit hin wo ich/wir hingehen, aber das sind eben auch mal die Dinge die mir/meinem Mann/unserer Großen wichtig sind und für Philipp vielleicht eher sterbenslangweilig. Aber diesbezüglich ist er auch sehr anpassungsfähig wenn nur einer von uns dabei ist ;)
Liebe Grüße,
Steffi mit großer S.(09/04), mittlerem P.(08/08) und kleiner I.(02/12) und ganz kleiner E. (07/14)

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chennai
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Re: ab wann können Kinder lernen, dass andere Menschen ...

Beitrag von chennai »

Sagittaria hat geschrieben:Lernen können die Kinder das ja nur dadurch, dass sie es erfahren ;)
Ja, das ist es eben, was mich beschäftigt...

Dass in Notsituationen immer so schnell wie möglich reagiert wird, steht doch eigentlich außer Frage. Aber man hört ja schon früh Aussagen wie 'Lass mal, die testet Euch bloß aus' und da hab ich ja u.a. hier gelesen, dass Babys das noch gar nicht können. Ab welchem Alter kippt das? Ich find es ehrlich gesagt nicht so einfach ein Protestquengeln immer zu erkennen. Gerade jetzt mit dem Zahnen ist sie manchmal weinerlich und sehr anhänglich, dieses Bedürfnis will ich doch trotzdem stillen, auch wenn es oft keine konkrete Not ist. Auf der anderen Seite sind eben so Situationen wie 'Kind mal kurz auf den Boden gelegt um Wasser zum Wickeln zu holen' oder ich muss nachm Spaziergang dringend auf's Klo und sie will unbedingt sofort aus'm Kiwa, da find ich es nicht schlimm, wenn sie dann kurz weint. Und manchmal bin ich auch ein bisschen egoistisch, wenn ich an der Nähma sitz, sie spielte die ganze Zeit munter vor sich hin, aber will plötzlich auf meinen Arm, dann muss sie sich auch manchmal etwas gedulden.

Vom Gefühl her würd ich sagen, dass wir solche Situationen mehr und mehr 'ausbauen', um sie eben mit der Erfahrung zu konfrontieren, dass es nicht immer nach ihrem Kopf gehen kann und dass andere Menschen auch Bedürfnisse haben. Was ich nicht will ist, dass wir ab sofort 'Machtspielchen' spielen. Also z.B. vorausgesetzt ich hab erkannt, dass es nun ein Protestgeschrei ist, dann will ich eigentlich nicht dasitzen, sie schreien lassen und warten wer den längeren Atem hat. Ich mag eher mein Ding erledigen (z.B. auf's Klo gehen), so lang muss sie warten, aber DANN würd ich sie eben schon hochnehmen. Versteht ihr was ich meine?

MEine Frage geht aber trotzdem noch mehr in's Theoretische, ab welchem Alter Kinder das überhaupt begreifen können. Klar ist vieles ein Lernprozess aber manche Erkenntnis efolgt doch eher wie ein Kippschalter, der umgelegt wird. Weiß das jemand?
Lieben Gruß,
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Re: ab wann können Kinder lernen, dass andere Menschen ...

Beitrag von SteffiJ »

Hm, naja, das ist wahrscheinlich einfach unterschiedlich, ich finde bei Philipp hört man (bzw. ich) sehr deutlich, ob es echte Not ist oder nur Gequengel. Oder ob er eben nur aus Langeweile nach mir schreit oder weil er seinen Kopf durchsetzen will, das klingt anders als wenn er mich braucht, weniger "dringed" - sorry, ich kann es nicht besser erklären.

Und ich hab das schon auch so wie Du gemeint. Also dass ich ihn, wenn ich dann mit dem was ich gerade getan habe fetig bin, schon auf den Arm nehme. Ich lasse ihn auch nicht absichtlich und unnötig jammern, auch wenn es "nur" Protestgejammer ist. Aber ich mache dann eben erst das fertig was ich gerade tue, sprich ich dusche dann z.B. nicht extra schnell (aber auch nicht extra langsam ;) ). Wenn ich dagegen merke dass er mich wirklich braucht spring ich auch mal mit Shampoo in den Haaren aus der Dusche (nur als Beispiel).
Wo ich auch immer sofort reagiere ist wenn einer von den beiden weinend aufwacht.

Was die Theorie anbelangt, dazu kann ich leider keine qualifizierten Statements abgeben ;)
Liebe Grüße,
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Re: ab wann können Kinder lernen, dass andere Menschen ...

Beitrag von Altraia »

Wirklich in andere Menschen hineinversetzen können Kinder sich, wenn sie andere Perspektiven einnehmen können. So ist es zumindest in der Theorie der kognitiven Entwicklung von Piaget beschrieben, und bei meinem Sohn kam das hin. Damit ist gemeint, dass Kinder sich in die räumliche Position eines anderen hineinversetzen und wissen, was der andere dann theoretisch sieht oder auch nicht sieht. Das ist ab ca. 4 Jahren der Fall.

Dass Kinder es noch nicht verstehen, bedeutet aber ja nicht, dass man ihnen auch noch keine Rücksichtnahme abverlangen kann. Euren Weg finde ich gut und halte es ähnlich.
Liebe Grüße,
Christine mit Sohn (2/05), Tochter (6/07) und Tochter (2/14)
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Re: ab wann können Kinder lernen, dass andere Menschen ...

Beitrag von SteffiJ »

hoppla, ich schmeiß hier mal ne Runde "n"´s und "r"´s hinterher... :oops:
Liebe Grüße,
Steffi mit großer S.(09/04), mittlerem P.(08/08) und kleiner I.(02/12) und ganz kleiner E. (07/14)

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Re: ab wann können Kinder lernen, dass andere Menschen ...

Beitrag von chennai »

Steffi, ich hatte dich schon auch so verstanden, aber es gibt da ja durchaus andere Ansätze :roll: - Allerdings muss ich da wohl auch etwas toleranter werden, schließlich ist die 'Leidensgrenze', also wann man dann wirklich tröstet, bzw. wie schnell man seine Sache gerade noch fertig macht bei Protestgejammer dann doch unterschiedlich und ich denke das muss ich akzeptieren, wenn mein Mann da evtl. etwas langsamer ist.

Altaria, vielen Dank für die Info! Klar kann/ muss man auch vorher darauf hin arbeiten, aber ich finde es schon wichtig mal im Kopf zu haben, was das Kind eigentlich schon können kann, bzw. was nicht. Ich sag auch jetzt schon, dass mir das weh tut, wenn sie an meinen Haaren zieht, manchmal funktioniert das auch - meine ich zumindest. Sowas gehört meiner Meinung nach in den Lernprozess mit rein und außerdem isses mir ja auch ein Bedürfnis meinen Schmerz zu artikulieren :mrgreen:

Danke Euch für die Einschätzungen! (vielleicht kommt ja noch was...)

LG
Chennai
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lala
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Re: ab wann können Kinder lernen, dass andere Menschen ...

Beitrag von lala »

Ich habe mal von einem Experiment gelesen, das ich ganz anschaulich fand: auf einem Tisch stehen Kekse (oder etwas anderes verführerisches für Kinder) und Rohkost (also etwas, das sie nicht so doll anmacht). Das Kind greift sich einen Keks und gibt seiner Mama/Papa auch einen, weil es den selbst so lecker findet. Der Erwachsene mag aber lieber Rohkost. So, und ab einem gewissen Alter / Reife merken die Kinder das (sind in gewisser Weise empathisch) und bieten dem Erwachsenen die Rohkost an, obwohl sie die Kekse besser finden. Wann genau die Altergrenze liegt, weiß ich nicht mehr, aber deutlich früher, als das, was Altraia beschrieben hat. Ich meine, bei meinen Kindern war das mit 1 1/2 etwa, wobei ich mich da jetzt nicht wirklich festlegen möchte.
Viele Grüße von lala mit größerer Tochter (03/05) und kleinerer Tochter (11/07).
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Re: ab wann können Kinder lernen, dass andere Menschen ...

Beitrag von chennai »

Das ist ja interessant! Im ZDF kam vor einiger Zeit eine Doku 'Kleine Entdecker' oder so, da kamen auch so interessante Experimente, kann mich leider nicht so genau mehr erinnern...
Lieben Gruß,
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