Mittlerweile beobachte ich meine Tochter sehr, sehr genau. Heute Nacht habe ich ihr eine Flasche gegeben, die sie glücklich in meinem Arm getrunken hat. Sollte ich mich vielleicht wirklich vom Stillen verabschieden?
Liebe
Venus82,
bitte, gib Dir und Deinem Kind mehr Zeit. Ich zitiere mich einfach noch mal kurz selbst
jusl hat geschrieben:[...] aber bitte mache Dir bewusst, dass Euer jetziges Stillproblem über MONATE hinweg entstanden ist. Es ist einfach völlig unrealistisch zu glauben, es ließe sich innerhalb eines TAGES wieder lösen.
Eine Relaktation dauert oft Wochen, vielleicht Monate. Selbst falls es mit Eurer Relaktation tatsächlich klappen sollte, und das mit einem Minimum an Reibung und Stress: bis dahin wird es noch viele Nächte mit Fläschchen geben.

Sie sind Teil Eures Weges, ganz klar.
Aber weiterpumpen, so dass sie wenigstens Muttermilch bekommt und kein Pulver?
Diese Möglichkeit steht Dir jetzt die ganze Zeit über offen. Muttermilch ist wertvoll für Dein Kind. Du könntest also weiterpumpen, wenn Du das möchtest, und eben schauen wie es weiterhin läuft: Wenn das Stillen mit der Zeit besser klappt, dann mit Sicherheit AUCH DESWEGEN, weil Du vorab Deine Milchmenge gesteigert hast. Ein guter Grund also, jetzt weiterzupumpen.

Und selbst wenn Dein Baby den Weg zurück an die Brust nicht finden sollte: Dann könntest Du ihr weiterhin Muttermilch in der Flasche anbieten, alleinig oder zusätzlich zur Pulvermilch.
Ich bin so hin und hergerissen. Meine Milchmenge wird mehr, das wird nicht das Problem sein. Aber ich hab KEINE Ahnung, wie ich sie wieder an die Brust kriege. Schnuller und Flasche auf einmal vorenthalten stresst sie so wahnsinnig. Das ist glaube ich nicht richtig......
Ja, da sprichst Du den wesentlichen Punkt an: es ist praktisch unmöglich, VORAB abzuschätzen wie es laufen wird, oder VORAB zu wissen, welcher Weg für Euch der richtige ist. Mit dieser Unsicherheit muss man umgehen; es geht nicht anders. Eine Möglichkeit des Umgangs ist: OFFEN bleiben. AUSPROBIEREN, was geht. GEDULDIG sein. Immer wieder in die TRICKKISTE greifen, und kleine Veränderungen versuchen.
Aus stillberaterischer Sicht ist für mich dabei der wesentliche Punkt: Wie groß ist das Saugbedürfnis Deiner Tochter noch? Wenn sie noch VIEL saugt zur Zeit, dann ist das günstig. Denn dann kannst Du immer wieder über den Tag versuchen, dass sie neben den nun gewohnten Schnullern und Saugern AUCH die Brust akzeptiert - eine reine GEWÖHNUNGSfrage. Konkret: immer wieder wechseln, spielerisch. Z.B. ERSTMAL den gewohnten Sauger anbieten, und dann "ganz nebenbei" zur Brust wechseln. Oder umgekehrt: nach längerer oder auch ganz kurzer Saugpause erstmal versuchen, ob sie an der Brust saugen mag. AUSPROBIEREN, anders geht es nicht.
Falls Dein Baby allerdings zunehmend kaum mehr saugt, weder an Brust, Schnuller oder Flasche, dann wird eine Relaktation wohl nicht gelingen. Einfach weil sie dann aus ihrem persönlichen Saugalter offenbar bereits herauswächst.
Weißt Du, die Tatsache, dass Dein Baby in den letzten Tagen ÜBERHAUPT schon erfolgreich an der Brust war - und mit "Erfolg" meine ich: "wenige Momente guten Saugschlusses UND Wohlgefühls auf beiden Seiten" - ist schon ein ganz großer Schritt. Ein Schritt, für den andere Mutter-Kind-Paare mitunter WOCHEN brauchen, und ihr habt das praktisch innerhalb von Stunden geschafft. Darauf kannst Du doch aufbauen - eine gute Grundlage zum Dranbleiben. Es ist sinnvoll, dass Du das angemessen einordnest.

Und außerdem: Vergiss während der nächsten Zeit nicht, Dein Baby noch zu genießen. Spielen, schmusen, kuscheln, bespaßen - hin und wieder auch OHNE Relaktationshintergrund, das ist ganz wichtig.
Relaktation ist zumeist ein ausgesprochen kurviger Weg - oft hangelt man sich von Moment zu Moment und kann kaum einschätzen, wie es wohl in der nächsten Woche, am nächsten Tag, in der nächsten Stunde laufen wird. Das ist normal. Behalte Dir dabei Deine Gelassenheit und Deinen Humor, so gut es eben geht.
LG
Julia