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Was mich immer wieder verletzt...

Verfasst: 10.11.2010, 09:07
von feuerdrache
sind die Kommentare übers Vollstillen.

Sicher, es können angeblich bis auf 2-5% aller Frauen vollstillen.

Hat sich mal wer Gedanken über die Statisitk gemacht? Wie ist sie entstanden? Wieviele Frauen nahmen teil? Wie wurde Vollstillen definiert? Wer hat sie in Auftrag gegeben?

Ich weiß es nicht.

Aber: ich konnte keines meiner Kinder vollstillen. Ich hatte Stillberatung- die wird hier gratis angeboten bei zertifizierten Stillberaterinnen. Die gesamte Stillzeit meiner beiden älteren Kinder habe ich zumindest alle 14 Tage ein Gespräch mit der Stillberaterin gehabt. Ich habe in einem wirklich Stillfreundlichen Krankenhaus entbunden in sehr familiärer Athmosphäre.
Wir haben wirklich alles probiert. Ich habe mir verzweifelt Mühe gegeben und die Schuld bei mir und meiner Einstellung gesucht- aber es ist körperlich- lt Stillberaterin.

So und es tut einfach nur weh immer zu hören, wie kannst Du Dir so sicher sein zuwenig Milch gehabt zu haben? Wir haben wirklich viel angestellt und vielleict stelle ich mal einen Bericht bei den Stillberichten ein. Es ist einfach so dass solche Kommentare Frauen verletzen können die wirklich alles tun um voll zu stillen und wo es wirklich nicht geht. Sicher, es behaupten viele es ginge nicht weil die Flasche einfacher ist. Aber halt nicht alle.

Und dann kann es so gehen wie bei mir, dass ich an meinen Fähigkeiten als Mutter gezweifelt habe. Abstillen wollte nur m die dumpfen Komentare übers Vollstillen und es könne doch nicht sein dass ich zuwenig Milch hätte nicht mehr hören zu müssen. Ich wollte beim dritten Kind überhaupt nicht mehr stillen, weil ich bereits so verzweifelt war. Und stille trotzdem wieder. Und habe keine Saugverwirrung mit der Flasche gehabt. Ich war froh über die Flasche und darüber dass es Pre Nahrung gibt.

Mein Ältester hat nicht vor Hunger geschrien. Er wurde einfach immer matter und weniger.

Und früher- hat mal wer in die Geburts und Todesmatriken geschaut? Ich habe und es sind viele Kinder im Alter bis 2 Monate gestorben. Meine Oma hat selbst immer erzählt, dass manche Kinder immer weniger wurden, immer ruhiger, und irgendwann nicht mehr munter wurden. Mal wer über alte Friedhöfe gegangen?

Ich bin defintiv froh über die heutige Zeit und ihre Möglichkeiten.Und darüber dass meine Kinder dadurch überlebt haben

Re: Was mich immer wieder verletzt...

Verfasst: 10.11.2010, 10:37
von jusl
Du klingst wirklich sehr verletzt wegen der Kommentare (vielleicht auch wegen der Tatsache selbst, dass Du nicht voll stillen kannst?). Wenn der Körper nicht 100% funktioniert, ist dies zwar eine Situation mit der man erst umgehen lernen muss, da gehört normalerweise auch ein Trauerprozess dazu (Nicht stillen können ist in dieser Hinsicht ja durchaus vergleichbar mit z.B. nicht laufen können oder nicht hören können).
Die Nachfragen anderer Leute kommen bei Dir verletzend und beleidigend an; das ist sehr verständlich - aber bestimmt steckt auch oft einfach nur ehrliches Interesse oder Verwunderung dahinter, da "echtes" Nicht-stillen-können eben selten ist, entsprechend anderen körperlichen Fehlfunktionen wie nicht greifen können oder kein Obst verdauen können. Alles selten, aber gibt's.

Dafür gibt es heute Muttermilchersatznahrung, mit denen Babys großgezogen werden können, auch wenn keine oder nicht genug Muttermilch zur Verfügung steht. Das ist ein Segen, gar keine Frage, und es freut mich für Euch, dass Deine Kinder nicht anfällig waren für Saugstörungen, die durch den Wechsel zwischen Brust und künstlichen Saugern verursacht werden, und Ihr so nicht ganz auf das Stillen verzichten musstet. Ich wünsche Dir, dass der Ärger und die Verletzung irgendwann abnehmen und Du Deinen Frieden mit Eurer Stillgeschichte machen kannst.

Eins möchte ich aber dennoch kommentieren:
Die hohe Kindersterblichkeit bis zu Beginn des 20. Jahrhundert in Deutschland war eindeutig NICHT dadurch bedingt, dass Mütter zu großen Teilen körperlich nicht in der Lage wären, genug Milch zu bilden. Dies ergeben Forschungen ganz eindeutig (gerade zum Thema Säuglingsernährung und Säuglingspflege im 20. Jahrhundert und in früheren Jahrhunderten findest Du sogar hier im Forum einige interessante Beiträge von Leuten, die sich wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigen und z.B. sehr aufschlussreiche Originalquellen zitieren).
Die Hauptursachen für die hohe Säuglingssterblichkeit in dieser Zeit waren die allgemein schlechte med. Versorungs- und Ernährungslage (v.a. der Mütter!), Infektionskrankheiten, niederer sozialer Status (insb. Unehelichkeit) und sehr kinderreiche Familien.

LG,
Julia

Re: Was mich immer wieder verletzt...

Verfasst: 10.11.2010, 17:32
von darkdragonsoule
hallo

ich kann dich absolut verstehen.ich konnte und kann auch nie voll stillen und es tut sehr weh.manche können das nicht verstehen weil es für sie entweder selbstverständlich ist oder sie eh nichts von muttermilch halten.du bist nicht alleine und ich glaube schon auch dass die prozentzahl etwas höher sein müsste.ich habe nun schon viele frauen kennengerlernt denen es genauso ging;die aber trotzdem richtige stillberatung hatten und alles richtig gemacht hatten.

du machst nichts falsch ((knuddel dich mal)))

Re: Was mich immer wieder verletzt...

Verfasst: 10.11.2010, 19:03
von Jule
Das ist traurig zu hören....und ich mag erzählen das in der Pekip Gruppe der Großen nur 1 Mutter nicht gestillt hat und ich schon anfangs gedacht habe :warum nicht???? Irgendwann hörte ich ihre traurige Geschichte (Plazentareste in der Gebärmutter was erst nach mehreren Wochen rauskam)...es ging ihr schlecht....und ich war total beschämt weil ich so stolz war das alles nach den harten Anfangsschwierigkeiten so gut lief.... :cry: Da hab ich echt gelernt das nachfragen echt besser ist!
ich glaub leider urteilt man oft zu schnell und leider hab ich schon viele Flaschenkindermütter erlebt die sich über soooo viel keine Gedanken machen....da waren weniger Stillmütter dabei.

Im übrigen finde ich es toll das du den Mut hattest auch beim 3 Kind wieder zu stillen nach den Enttäuschungen!

Re: Was mich immer wieder verletzt...

Verfasst: 10.11.2010, 20:00
von Captainsparrow
Ich verstehe diese Enttäuschtheit nur zu gut, ich hatte dieses Erlebnis auch beim ersten Kind, trotz aller Versuche, und war darüber sehr traurig. Bei Zweiten allerdings hat es geklappt, aber nur mit einer ganzen Armee an Beratern hier im Forum, im richtigen Leben, Hebammen, Krankenhaus, Doktor, Stillberaterinnen....
Du siehst, ich gehörte nichtmals zu den 5%, hätte es aber ohne Unterstützung und viiiiel Fachwissen der Stillberaterinnen nie geschaft, mein Kind voll zu stillen.
Ich denke das mit den 5% kommt bestimmt hin, wenn man die Frauen wie mich "abzieht", bei denen es z.B. auch medikamentöse Möglichkeiten gibt. 5% ist nicht viel, aber wenn man dazugehört und es unbedingt möchte, dann trifft es einem hart zu 100%, da bringen Zahlenspiele nichts.
Ich bin voller Bewunderung für Frauen die das mit der Zwiemilch durchziehen, ich hab da relativ schnell aufgegeben damals da ich der Meinung war, das "bissel" rentierte sich nicht. Heute bin ich da schlauer, weiß dass die "besten" Sachen eh in der Vormilch stecken und so auch ein Zwiemilch-gestilltes Kind jede Menge davon abbekommt. Jeder Tropfen Muttermilch ist doch kostbar, und wenn Du dann das "Beste" gibst und den Rest zum Sattwerden und Gewicht-draufpacken halt mit einer sinnvollen Flaschenmilch aufstockst, dann ist das für Dein Kind eine wundervolle Lösung.

Re: Was mich immer wieder verletzt...

Verfasst: 10.11.2010, 20:14
von Daria
Ich kann Dich gut verstehen.

Ich glaube, viel liegt am Unwissen der anderen Menschen. In deren Vorstellung kann man eben stillen oder WILL es, oder eben nicht.
Ich habe eine gute Bekannte, die per Kaiserschnitt nach langem Wehenkampf (und das war es bei ihr tatsächlich) in einem zwar freundlichen und stillfreundlichen Krankenhaus entbunden hat, aber eben durch die ganze Krankenhausmaschinerie gegangen ist - Wehen, Wehentropf, PDA, Medikamente, Drängeln - letztendlich dann die Sectio.

Dann Stillen. Anlegen klappte prima, das Kind war überwiegend bei ihr, alles gut. Bonding soweit es ging gemacht bzw. nachgeholt.
Der Milcheinschuss liess auf sich warten. Inwzischen ist das Kind gut 5 Monate aber einen richtigen Milcheinschuss hatte sie nie. Sie hat nie so viel Milch gehabt, dass man ein Kind davon ernähren kann. Egal was sie gemacht hat. Mit Stillberatung, stundenlange Gespräche ua mit mir, Ursachenforschung, Frauenarzt, Hebamme. Irgendwann die Überlegung, medikamentös nachzuhelfen - auch nichts, ein bisschen Besserung, aber nicht "genug".

Irgendwann schliesslich hat sie versucht, es so zu akzeptieren und den Grund in ihrer Schilddrüsen-Dysfunktion zu sehen, was auch körperlich einfach sein kann (aber nicht muss).
Sie stillt, pumpt und füttert zu. Immer ein Mischmasch aus dem, was gerade geht und nötig ist.

Ich muss gestehen, ich habe mich schwergetan. Ich bin Kinderkrankenschwester und habe ua auch eine Stillberater-Ausbildung. Und ich weiss, dass es solche Phänomene gibt. Aber ich als Mutter, als Person, mir fiele es SO schwer, zu akzeptieren, dass mein Körper nicht das tut, wofür er geschaffen ist! Und wenn ich das dann auch noch anderen so erklären müsste, die keine Ahnung davon haben, was sie fragen oder labern, dann fiele mir das, glaube ich, unendlich schwer und ich hätte daran auch zu arbeiten.

Aber - wie ich schon schrieb, so etwas gibt es und niemand "kann etwas dafür". Das weiss man halt nur selbst am besten...

Re: Was mich immer wieder verletzt...

Verfasst: 10.11.2010, 20:38
von BEcKa
Ich kann auch nicht vollstillen! Du bist nicht allein ! (((feuerdrache)))

Re: Was mich immer wieder verletzt...

Verfasst: 10.11.2010, 23:46
von LanisMommy
:cry:
Ja, mir gehts genauso. Und ich bin immernoch so traurig darüber.
Bei mir lags wohl auch am 4tägigen Einleitungsmarathon, ich hatte einfach keinen Milcheinschuss.
Ich konnte einfach nicht verstehen, dass es nicht gehen soll. Ich habe auch gedacht, entweder man will stillen oder eben nicht. Tja... Heute denke ich oft, ich hätte es noch weiter probieren sollen, auch wenn die Menschen, die dabei waren mir immer wieder sagen, dass ich alles getan habe und mehr, als sie hätten über sich ergehen lassen.

((feuerdrache))

Re: Was mich immer wieder verletzt...

Verfasst: 11.11.2010, 22:18
von Jeannine mit Edgar
Hallo Mädels! Eure Geschichten regen zum Nachdenken an. Ich selber konnte großen Sohn und jetzt Mini-Sohn voll stillen. Doch auch ich mußte erfahren, daß der weibliche Körper einfach manchmal nicht funktioniert. Ich habe bei beiden Kindern keine Wehentätigkeit entwickelt (trotz echter Übertragung, > als 14 Tg nach E.T.). Jedesmal plante ich eine spontane Geburt: beim ersten in einer kleinen Krankenhaus, beim zweiten war sogar eine Geburtshausgeburt geplant. Und trotz rund-um-Betreuung meiner sehr erfahrenen Hebi war nichts zu machen. Es endete jedesmal im OP-Saal :( Ich habe wirklich alles mögliche ausprobiert! Und es ist mehr als frustrierend, wie die Umwelt auf das geschehene eingeht. "Sei froh, dir ist einiges ERSPART geblieben"". HAHAHAHA!
Ich bin sauer auf mich und auf meinen nicht funktionierenden Körper, aber ich muß es akzeptieren!
So Mädels an alle: wir sind trotzdem tolle Mamis mit zauberhaften Kindern 8)

Re: Was mich immer wieder verletzt...

Verfasst: 11.11.2010, 22:43
von AnnaH
Daria hat geschrieben: Ich muss gestehen, ich habe mich schwergetan. Ich bin Kinderkrankenschwester und habe ua auch eine Stillberater-Ausbildung. Und ich weiss, dass es solche Phänomene gibt. Aber ich als Mutter, als Person, mir fiele es SO schwer, zu akzeptieren, dass mein Körper nicht das tut, wofür er geschaffen ist! Und wenn ich das dann auch noch anderen so erklären müsste, die keine Ahnung davon haben, was sie fragen oder labern, dann fiele mir das, glaube ich, unendlich schwer und ich hätte daran auch zu arbeiten.

Aber - wie ich schon schrieb, so etwas gibt es und niemand "kann etwas dafür". Das weiss man halt nur selbst am besten...
Danke Daria :)

@Feuerdrache: Ich habe dir das Meinige ja schon per PM geschrieben und musste danach auch erstmal wieder 'ver- und bearbeiten'.
Aber wie du und auch ich hier lesen können, wir sind nicht alleine.


Und es tut gut zu lesen das man damit nicht alleine ist, weil man vergisst ab und an über dem eigenen "Leid", das es andere gibt denen es genauso geht. Und schon sieht - zumindest für mich - die Welt nicht mehr ganz so düster aus was dieses Thema betrifft.
Danke!