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Relaktation - lohnt durchhalten noch?!

Verfasst: 07.10.2012, 20:43
von EhMiSFR
Ich habe am 14.9. unsere zweite Tochter per KS bekommen und leider am 15.9. eine Abstilltablette genommen. 5 Tage später habe ich angefangen abzupumpen, weil ich die Entscheidung bereut habe. Also pumpe ich nun seit 17 Tagen ab und lege seit knapp 2 Wochen auch an, inzwischen so 5-7 mal am Tag. Pumpen tue ich eher selten, so 2x durchschnittlich mit jeweils 15-25 ml Erfolg. Anlegen klappt prima, allerdings nicht im Hinblick aufs Sattwerden. Also gibt es alle 3 Std eine Flasche, jedoch trinkt sie da deutlich weniger als nötig für ihr Alter. Kommt also doch was an der Brust :)
Seit 1 Woche nehme ich jetzt Boxhornkleekapseln zur Milchanregung. Aber so richtig läuft es eben nicht. Da ich noch eine 20 Monate alte Tochter habe, habe ich nicht die Zeit, noch mehr Zeit für die Milchanregung zu investieren. Auch so ein BES ist mir für nachts einfach zu aufwendig, komme so schon zu kaum Schlaf ;)
Nun bin ich etwas ratlos wie lange ich das so wie jetzt noch durchhalte (n soll) und wie gut die Aussuchten wohl sind, dass sich noch was tut, dass ich zumindest mal die ein oder andere Mahlzeit stillen kann.

Re: Relaktation - lohnt durchhalten noch?!

Verfasst: 07.10.2012, 21:09
von jusl
Hallo und herzlich willkommen hier!

Grundsätzlich ist eine Relaktation durchaus möglich, und bei Dir stehen die Chancen wahrscheinlich recht gut (weil Dein Baby noch so jung ist). Allerdings ist es so, dass Du für eine erfolgreiche Relaktation (erfolgreich im Sinne von "Baby kann überwiegend durch Muttermilch ernährt werden) aller Voraussicht nach deutlich MEHR tun musst als nur 2x täglich zu pumpen und ab und zu Dein Baby anzulegen. Ich geh mal der Reihe nach:
Ich habe am 14.9. unsere zweite Tochter per KS bekommen und leider am 15.9. eine Abstilltablette genommen.
Wie kam es dazu? Die Erfahrung zeigt, dass es wichtig ist, sich damit noch mal auseinanderzusetzen, wenn der zweite Anlauf mit dem Stillen klappen soll.
5 Tage später habe ich angefangen abzupumpen, weil ich die Entscheidung bereut habe. Also pumpe ich nun seit 17 Tagen ab und lege seit knapp 2 Wochen auch an, inzwischen so 5-7 mal am Tag. Pumpen tue ich eher selten, so 2x durchschnittlich mit jeweils 15-25 ml Erfolg.
Die Milchbildung hängt von der Nachfrage ab. 2x täglich 25 ml abpumpen und 7 mal täglich anlegen ist ein guter Anfang, aber das reicht nicht, um die Milchbildung in die Nähe des Vollstill-Niveaus zu bringen. Ein Baby trinkt normalerweise 8-12 mal in 24 Stunden, und dies kräftig und ausdauernd. Dies ist notwendig, um auf Vollstill-Niveau Milch zu produzieren. Auf MINDESTENS diese Nachfragemenge, ob per Stillen oder Pumpen, müsstest also Du auch kommen.
Anlegen klappt prima, allerdings nicht im Hinblick aufs Sattwerden.
Es ist ein ganz großes Glück, dass Dein Baby noch an die Brust geht. Nutze das JETZT - denn in wenigen Wochen wird das wahrscheinlich schon nicht mehr so gut klappen, wegen der Gewöhnung an die Flasche.
Also gibt es alle 3 Std eine Flasche, jedoch trinkt sie da deutlich weniger als nötig für ihr Alter. Kommt also doch was an der Brust :)
Das wäre natürlich schön - allerdings ist dies nicht sicher, sondern kann nur über das Gedeihen Deines Babys beurteilt werden. Wie war denn die Gewichtsentwicklung bislang?
Seit 1 Woche nehme ich jetzt Boxhornkleekapseln zur Milchanregung. Aber so richtig läuft es eben nicht.
Medikamente können eine Unterstützung sein, ABER NUR DANN, wenn die Voraussetzungen stimmen (mind. 10-12 mal stillen/pumpen in 24 Stunden). Bei seltenerem/kürzerem Stillen können die Medikamente nicht die gewünschte Wirkung erzielen.
Da ich noch eine 20 Monate alte Tochter habe, habe ich nicht die Zeit, noch mehr Zeit für die Milchanregung zu investieren.
Ja, mit einem Kleinkind im Haushalt musst Du schauen, was geht. Für Relaktation sind ZUSÄTZLICHE Ressourcen nötig, Entlastung von Haushalts- und Kinderpflichten, Unterstützung durchs Umfeld. Ohne wird es schwer...
Auch so ein BES ist mir für nachts einfach zu aufwendig, komme so schon zu kaum Schlaf ;)
Das BES ist eine Stillhilfe, die klassisch bei Relaktationen zum Einsatz kommt. Damit ist ein Zufüttern an der Brust beim Stillen möglich. Dein Baby geht noch an die Brust (wirklich großes Glück!..), d.h. ein BES bietet sich geradezu an! Wenn es gut läuft, wirst Du bald einige Mahlzeiten täglich OHNE BES stillen können, z.B. die in der Nacht. Aber bis dahin wird das BES rund um die Uhr wohl nötig sein.
Nun bin ich etwas ratlos wie lange ich das so wie jetzt noch durchhalte (n soll) und wie gut die Aussuchten wohl sind, dass sich noch was tut, dass ich zumindest mal die ein oder andere Mahlzeit stillen kann.
Wie gesagt, es "wird sich nichts von selbst tun", sondern da liegt ein Batzen Arbeit vor Dir, den Du bewältigen musst. Ich habe schon recht viele Mütter bei ihren Relaktationen begleitet, und - so unterschiedlich die Verläufe und Ausgangssituationen waren - ALLE waren sich einig, dass es sich gelohnt hat.

Ich kann Dein Zögern gut verstehen - Dein Alltag ist bereits anstrengend, und Du fragst Dich, ob der ganze Aufwand wohl die Mühe lohnen wird. Niemand kann in die Zukunft schauen, aber wenn Du es nicht ausprobierst, wirst Du es nicht herausfinden. ;-)

Kennst Du schon unsere Linksammlung Stillwissen? Darin findest Du auch einige Threads, deren Lektüre ich Dir empfehlen mag, insb. den Thread "Vorüberlegungen zur Relaktation", aber z.B. auch "Was ist Saugverwirrung" und "stillfreundliche Zufüttermethoden". Mein Vorschlag ist: Stelle die dort beschriebenen Vorüberlegungen an (das können wir hier auch gerne gemeinsam tun). Und dann siehst Du vielleicht schon klarer, wie die nächsten Wochen bei Dir aussehen könnten.

Ich hoffe diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich,
Rückfragen immer gerne und
LG
Julia

Re: Relaktation - lohnt durchhalten noch?!

Verfasst: 07.10.2012, 21:26
von EhMiSFR
Vielen Dank Julia, ich schau da mal rein. Und überlege weiter.

Die Gewichtszunahme von Mathilda ist laut Hebamme gut und im Rahmen (gute 20 g am Tag) und sie meint, das kann nicht nur die Flasche sein.
Fakt ist, dass Mathilda die Brust liebt und ich sie ständig damit beruhige. Nachts hängt sie dauernd an der Brust und auch tagsüber lass ich sie viel ran. Aber das gilt nicht als Anlegen, oder?!

Re: Relaktation - lohnt durchhalten noch?!

Verfasst: 07.10.2012, 21:32
von jusl
Die Gewichtszunahme von Mathilda ist laut Hebamme gut und im Rahmen (gute 20 g am Tag)
20 g am Tag bzw. entsprechend 140 g pro Woche wären auffällig wenig; die durchschnittliche Gewichtszunahme in den ersten 2 Monaten liegt zwischen 170 und 330 g wöchentlich.(Quelle)
Fakt ist, dass Mathilda die Brust liebt und ich sie ständig damit beruhige.
Sehr gut. Nutze das! :D
Nachts hängt sie dauernd an der Brust und auch tagsüber lass ich sie viel ran. Aber das gilt nicht als Anlegen, oder?!
:lol: Doch, sicher. Aber der wesentliche Punkt ist vielmehr: 1. Trinkt Dein Baby mit einer Technik, die eine reichliche Milchbildung stimuliert? Und 2. Ist Deine Hormonlage inzwischen so, dass ein reichliche Milchbildung derzeit möglich ist?
ich schau da mal rein. Und überlege weiter.
Prima, viel Spaß beim Stöbern.

LG
Julia

Re: Relaktation - lohnt durchhalten noch?!

Verfasst: 07.10.2012, 22:33
von EhMiSFR
Ups, 40, nicht 20g am Tag. Bor, ich bin etwas neben der Spur.

Re: Relaktation - lohnt durchhalten noch?!

Verfasst: 07.10.2012, 22:37
von jusl
Solche Tippfehler passieren, kein Problem. Aber deshalb gibt es unsere Grundinfo Wie funktioniert Stillberatung hier im SuT? ;-) - es ist empfehlenswert, Gewichtsdaten nur in der dort vorgeschlagenen Form zu posten. Das minimiert Fehler.

LG
Julia

Re: Relaktation - lohnt durchhalten noch?!

Verfasst: 07.10.2012, 22:38
von EhMiSFR
Also letzte Woche waren es bei 4 Tagen 160 Gramm.

Re: Relaktation - lohnt durchhalten noch?!

Verfasst: 07.10.2012, 22:41
von jusl
jusl hat geschrieben:unsere Grundinfo Wie funktioniert Stillberatung hier im SuT? - es ist empfehlenswert, Gewichtsdaten nur in der dort vorgeschlagenen Form zu posten.
;-)

Re: Relaktation - lohnt durchhalten noch?!

Verfasst: 07.10.2012, 23:00
von kicka
ich finde das ganz toll, dass du dich umentschieden hast und diesen weg gehst - du bist hier gut aufgehoben!!

ggggggggggggggggglg kicka

Re: Relaktation - lohnt durchhalten noch?!

Verfasst: 08.10.2012, 12:22
von EhMiSFR
So, ich habe jetzt mal ein wenig in der Linksammlung bzgl Relaktation geschaut.
Also ich habe meine große Tochter knapp 2 Wochen voll gestillt, allerdings mit erheblichen Schmerzen und es war gar keine Besserung für mich erkennbar. Deshalb habe ich dann abgestillt. Und die selben Schmerzen nach einer Nacht dauernuckeln haben mich diesmal auch die Tablette nehmen lassen. Obwohl ich vorher so sicher war, es diesmal zu packen und die Schmerzen auszuhalten. Nun war ich nach dem KS ziemlich runter mit den Nerven und auch die letzten SS-Monate waren eher unerfreulich, so dass ich mich dann nicht in der Lage gefühlt habe, das nun durchzustehen. Aber die Enttäuschung folgte rasch. Schließlich wollte ich doch diesmal alles anders. Aber nein, ich musste wieder einen KS bekommen, habe wieder beim Stillen aufgegeben :( hat nicht gerade zu positiven Emotionen bei mir beigetragen. Außerdem hatte ich die ganze Zeit weiter viel Vormilch, so dass ich dann dachte, ich versuche es noch mal. Meine Hebamme ist da sehr entspannt und Sieht da ganze sehr positiv - auch mit der Häufigkeit des Anlegens etc.
Fakt ist, dass ich mir erhoffe, zumindest mal eine volle Mahlzeit stillen zu können und nicht immer noch hinterherfüttern zu müssen. Ob das dann eine, drei oder acht Mahlzeiten am Tag sind, ist mir erst mal nicht so wichtig. Ist das ein realistisches Ziel? Mathilda trinkt gut und saugt kräftig an der Brust. Sowohl Ohr von ihr als auch meine Brust bewegen sich. Sie schluckt auch.

Wenn das keine realistische Zielsetzung ist, kann ich mir den Aufwand eigentlich sparen. Dann kann ich ihr auch nur als Lebend-Schnuller fungieren und ihr die Brust zu Beruhigung anbieten.