Elternzeit - wir funktioniert das?

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chfly
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Elternzeit - wir funktioniert das?

Beitrag von chfly » 04.07.2019, 14:31

In der Schweiz (wo ich lebe) gibt es gerade grosse Diskussionen betreffend Elternzeit. Es wird oft auf Deutschland verwiesen wo das so toll geregelt sei.
Dazu hätte ich ein paar Fragen
1. wie lange kann Elternzeit bezogen werden
2. wie viel Lohn hat man in der Zeit
3. ist es üblich, dass der Vater mehrere Monate zu Hause ist während die Frau arbeitet oder sind das eher Einzelfällen?
4. wie reagieren Vorgesetzte wenn Männer Elternzeot beziehen wollen?
5. wie habt ihr die Elternzeit aufgeteilt?

Und unabhängig davon:
6. gibt es in DE Gesetze die sicherstellen, dass eine Frau nach der Elternzeit mit einem Teilzeitpensum ihren Job weitermachen kann?

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Missy
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Re: Elternzeit - wir funktioniert das?

Beitrag von Missy » 04.07.2019, 14:56

Ich versuche das mal zu erklären und hoffe auf Ergänzungen, denn die Regelungen dazu ändern sich stetig.

Elternzeit und Elterngeld sind erstmal 2 verschiedene Paar Schuhe.
1. Pro Kind können 36Monate Elternzeit genommen werden, die von den Eltern beliebig unter sich aufgeteilt wrden können. Die Elternzeit muss auch nicht am Stück genommen werden, muss aber spätestens am 8. Geburtstag beendet sein.
2. Lohn gibt es in der Zeit in form von Elterngeld. Mindestens 300€ im Monat (z.B. Studenten, Hausfrauen, Personen ohne vorheriges Einkommen), sonst 65% des vorherigen Durchschnittsnettoeinkommens, aber maximal 1800€ pro Monat. Elterngeld gibt es maximal für 14 Monate voll, die Eltern können sich das unter sich aufteilen. Wobei mindestens 2 Monate genommen werden müssen und maximal 12 Monate genommen werden können. Aufteilung z.B. 7 Monate/ Monate oder 2 Monate/12 Monate.

Zu Elterngeld-Plus müssen andere was schreiben, da kenn ich mich nicht aus. :)

3. Laut Statistik nimmt jeder 3. Vater auch Elternzeit. Wie lange weiss ich aber nicht. Aber aus der Praxis kenne ich einige Fälle, in der der Mann z.B. die ersten 4 Wochen daheim war zur Unterstützung und dann nochmal 4 Wochen zum Abschluss der Elternzeit.
4. Unterschiedlich, nehme ich an. Wobei da eine Entwicklung stattgefunden hat und es ja auch Kündigungsschutz etc gibt.
5. Wir hatten das "4 Wochen nach Geburt ur Unterstützung, und 4 Wochen kurz vor dem 1. Geburtstag zum Reisen" - Modell. :)
6. JEder Arbeitnehmer hat unter bestimmten Bedingungen in Deutschland seit 2001 ein Recht auf Teilzeitarbeit, unabhängig von der Elternzeit. Voraussetzung: Der Betrieb hat mehr als 15 Mitarbeiter und man arbeitet dort länger als 6 Monate.
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Missy
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Re: Elternzeit - wir funktioniert das?

Beitrag von Missy » 04.07.2019, 14:57

Missy hat geschrieben:
04.07.2019, 14:56
I
2. Lohn gibt es in der Zeit in form von Elterngeld. Mindestens 300€ im Monat (z.B. Studenten, Hausfrauen, Personen ohne vorheriges Einkommen), sonst 65% des vorherigen Durchschnittsnettoeinkommens, aber maximal 1800€ pro Monat. Elterngeld gibt es maximal für 14 Monate voll, die Eltern können sich das unter sich aufteilen. Wobei mindestens 2 Monate genommen werden müssen und maximal 12 Monate genommen werden können. Aufteilung z.B. 7 Monate/ Monate oder 2 Monate/12 Monate.
Schon was vergessen: Man kann das Elterngeld auch auf 2 Jahre aufteilen. Insgesamt bleibt die Summe dadurch die Gleiche.
Missy mit dem kleinen Wuselchen (6/13) und *(10/15)

chfly
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Re: Elternzeit - wir funktioniert das?

Beitrag von chfly » 04.07.2019, 16:18

Missy, danke für die Infos

Das Detail, dass Elterngeld 65% des Gehalts und maximal 1800 pro Monat ist wird bei den Diskussionen hier in der Schweiz nicht erwähnt. Je nach Job kann 1800 ja doch viel weniger als der gewohnte Monatslohn sein...

Grizelda
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Re: Elternzeit - wir funktioniert das?

Beitrag von Grizelda » 04.07.2019, 16:27

Eine Ergänzung zu Punkt 6: Generell ruht das Arbeitsverhältnis während der Elternzeit, d.h. wenn Du nach der Elternzeit wieder anfängst zu arbeiten, musst Du Deinen bisherigen Vertrag erfüllen, der ja oft ein Vollzeit-Vertrag war. Gehst Du nur ein Jahr in Elternzeit, muss der Arbeitgeber Dir - soweit ich weiß - sogar genau Deinen bisherigen Job wieder geben, nach drei Jahren muss er Dir eine vergleichbare Stelle anbieten.

Wie Missy aber geschrieben hat, gibt es ein Recht auf Teilzeitarbeit unter bestimmten Bedingungen, das kann man dann nach der Elternzeit entsprechend mit dem Arbeitgeber verhandeln.
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Re: Elternzeit - wir funktioniert das?

Beitrag von Dorkas » 04.07.2019, 16:30

Missy hat geschrieben:
04.07.2019, 14:57
Schon was vergessen: Man kann das Elterngeld auch auf 2 Jahre aufteilen. Insgesamt bleibt die Summe dadurch die Gleiche.
So war das zumindest noch bei deinen Kindern. ;-)

Ist inzwischen geringfügig anders, aber ähnlich:
Ganz grob: Aus einem Elterngeld-Monat kann man zwei ElterngeldPlus-Monate machen, wo man jeweils nur die Hälfte bekommt. Dafür kann man währenddessen besser Teilzeit arbeiten, weil das Gehalt nicht komplett angerechnet wird wie beim „normalen“ Elterngeld.
Dies kann man auch frei variieren. Wenn ich z.B. 12 Monate Elterngeld nutzen möchte, kann ich es auch so aufteilen, dass ich z.B. 6 Monate davon ganz zuhause bleibe und jeweils das volle Elterngeld erhalte, und dann noch 12 Monate Teilzeit arbeite und jeweils das halbe Elterngeld dazubekomme. Nur so als Beispiel.

Das Elterngeld wird übrigens vom Staat bezahlt, nicht vom Arbeitgeber. Der zahlt einem während der Elternzeit nichts, sondern muss einen nur freistellen.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich es hauptsächlich so erlebt habe: Die Mutter nimmt 12-24 Monate Elternzeit (und 12 Monate Elterngeld(Plus) ), und der Vater die restlichen 2 Monate, oftmals am Stück zu Beginn. So ist der Elterngeldanspruch voll ausgeschöpft, und es entsteht kein Zeitraum, wo die Mutter gar kein Einkommen hat.
Gibt natürlich auch Fälle, wo die Mutter die kompletten 36 Monate Elternzeit nimmt, aber das dritte Jahr hat sie dann kein Einkommen.
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Re: Elternzeit - wir funktioniert das?

Beitrag von LilyGreen » 04.07.2019, 16:32

Ergänzend noch zum Punkt Einkommen:
Solange man Elterngeld bezieht, ist man auch beitragsfrei krankenversichert.
Das Durschnittseinkommen in DE für Vollzeitbeschäftigte liegt um die 3.700 Euro Brutto (aber Durchschnitt heißt auch, dass sehr viele weniger bekommen - der Median ist nämlich niedriger). Je nach vorheriger Steuerklasse sind die 1.800 nicht eklatant weniger als das vorherige verfügbare Einkommen.
Missys Antwort ist an der Stelle auch nicht ganz vollständig: man bekommt mindestens 65% (aber nur bis zu 1.800 Euro), aber je niedriger das vorherige Einkommen, desto höher der Berechnungssatz - bis zu 100%.

Das deutsche System ist insgesamt so kompliziert, dass es sich nur das absolute Grundprinzip durch wenige Fragen abbilden lässt.
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Re: Elternzeit - wir funktioniert das?

Beitrag von Grizelda » 04.07.2019, 16:35

LilyGreen hat geschrieben:
04.07.2019, 16:32
Ergänzend noch zum Punkt Einkommen:
Solange man Elterngeld bezieht, ist man auch beitragsfrei krankenversichert.
Auch da gibt es Ausnahmen. Wenn man selbst zum Beispiel vorher freiwillig gesetzlich versichert war, und der Mann privat versichert ist, zahlt man während der Elternzeit seine Krankenversicherung komplett selbst.
Liebe Grüße von Grizelda mit Maus (08/17) und Mäuschen (03/20)

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Re: Elternzeit - wir funktioniert das?

Beitrag von Dorkas » 04.07.2019, 16:37

chfly hat geschrieben:
04.07.2019, 16:18
Das Detail, dass Elterngeld 65% des Gehalts und maximal 1800 pro Monat ist wird bei den Diskussionen hier in der Schweiz nicht erwähnt. Je nach Job kann 1800 ja doch viel weniger als der gewohnte Monatslohn sein...
Dabei musst du aber bedenken, dass der deutsche Durchschnittslohn (vermute ich zumindest) deutlich unter dem schweizer Durchschnitt liegt. ;-)
Ich denke, dass die meisten Deutschen vom Höchstsatz nur träumen können... (auch wenn hier im SuT viele Gutverdiener unterwegs sind, aber das repräsentiert glaube ich nicht den Durchschnitt)
Aber ja, es sind halt „nur“ 65%, die man als Lohnersatz bekommt. Dafür muss man halt in der Zeit nicht arbeiten... Also ich finds gut.

Wie ist das denn in der Schweiz geregelt?
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Re: Elternzeit - wir funktioniert das?

Beitrag von carolina » 04.07.2019, 16:38

Chfly, Du kannst die Deckelung von 1.800 € nicht per Wechselkurs auf die Schweiz umrechnen. Das Lohn- und Ausgabenniveau ist doch wesentlich höher. Von 2000 CHF im Monat kann man nicht leben, von 1800€ im Monat in Deutschland schon.
Gibt es in Deutschland eigentlich Vaterschaftsurlaub? Ich dachte, ja, aber ich bin schon zu lange weg ...
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