Brand in Notre Dame Paris

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wildmotzi
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Re: Brand in Notre Dame Paris

Beitrag von wildmotzi » 17.04.2019, 16:14

Sandküste hat geschrieben:
17.04.2019, 15:30
Der Mensch kann so viele tolle Dinge - Kunst, Helfen (was hier ja umgehend passiert ist mit riesigen Summen) - warum hilft er nicht anderen Menschen?
Warum steht das nicht in einigen Threads hier? Tragetücher für 300 Euro, ein Thermomix für 1500 Euro, Kinderwagen für 500 Euro, Kinderschuhe für 100 Euro... Das ist alles überflüssiger Luxus, oder nicht?
Ich glaube, wir alle hier geben tagtäglich Geld für Luxusgegenstände aus, die nicht sein müssen, du wahrscheinlich auch? Essen gehen, Ausflüge, Kosmetik - muss doch alles nicht sein?

Also müsste die Frage nicht sein, warum hilft ER nicht anderen Menschen, sondern warum helfe ICH (bzw. WIR) nicht anderen Menschen?
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Re: Brand in Notre Dame Paris

Beitrag von Sandküste » 17.04.2019, 16:19

Ich spende Geld - das tue ich......zB an seawatch......
Aber polititsche Entscheidungen kann ich damit auch nicht beeinflussen - leider
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Elena
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Re: Brand in Notre Dame Paris

Beitrag von Elena » 17.04.2019, 16:20

Sandküste hat geschrieben:
17.04.2019, 15:30
Aber es gibt Millionen Menschen da draussen, deren elementarsten Bedürfnisse sind nicht erfüllt. Die können gar keine Kunst wahrnehmen.
Das schieben fast alle - ich ja auch meist - immer weg. Betrifft mich ja nicht direkt (wobei Paris auch nicht um die Ecke ist - das Mittelmeer ist aucht nicht viel weiter weg), mein Leben wird direkt davon nicht beeinflusst (wird es von ND aber auch nicht) - das ist menschlich, das ist normal.
Aber wenn man das mal zu bedenken gibt, dann wird einem gleich um die Ohren gehauen "ach, jetzt darf ich nicht mal mehr traurig sein, weil irgendwo Menchen sterben"
Nachdem ich mich jetzt seit mehr als drei Jahren mehrere Stunden pro Woche mit Flüchtlingsarbeit beschäftige und viele Leute kennengelernt habe, die noch wesentlich mehr tun, würde ich sagen: Es ist genau so, wie oben dargestellt: Eine Kirche lässt sich mit Geld wieder aufbauen, die Flüchtlingskrise und Probleme wie globale Ungerechtigkeit lassen sich durch Geld alleine nicht lösen. Und schon gar nicht mit den relativ "überschaubaren" Summen, die jetzt bei Notre Dame im Gespräch sind.

Ich kenne viele Familien, die 2015 oder 2016 mit praktisch nichts hier angekommen sind. Zu den Zeiten, wo sie in Turnhallen und anderen Massenunterkünften wohnten, waren praktisch alle Arten von Spenden willkommen: Fußbälle, Teddybären, Decken, Klamotten, frisches Obst, Duschgel. Als nächstes brauchten die Menschen aber Ruhe und Privatsphäre. Ich kenne eine Familie mit drei Kindern, die nach gut drei Jahren in einem Containerheim nun endlich in eine Wohnung ziehen konnte. Das verbessert die Situation. Es löst aber noch nicht das Problem, das die Familie mit Bauchgrummeln in die Zukunft blickt und noch nicht wirklich eine Perspektive sieht. Die Eltern sind in Afghanistan geboren und in einem Flüchtlingslager im Iran aufgewachsen. Sie sind als Analphabeten nach Deutschland gekommen. Ein Job als Regaleinräumer im Aldi war relativ schnell gefunden. Aber eine Ausbildung? Auf eine deutsche Berufsschule gehen? Da sind im Grunde Jahre an Schulbildung nachzuholen. Und das sind keine Einzelfälle, so gehts vielen.

Das heißt, wir haben schon jetzt in Deutschland eine nicht zu vernachlässigende Gruppe von Menschen mit schlechten Zukunftschancen, die ihre Hilfsjobs bei einer schlechter werdenden wirtschaftliche Lage auch ganz schnell wieder los sind. Woher sollen diese Menschen, die teilweise erhebliche Traumata mit sich rumtragen, die Kraft nehmen, ihr Leben trotzdem optimistisch anzugehen? Nicht der Versuchung zu erliegen, kriminell zu werden, Drogen zu probieren, gewalttätig zu werden oder auch einfach nur zu resignieren? Genau wie im Falle von Langzeitarbeitslosen ist man da ganz schnell an einem Punkt, wo man mit Geld nicht helfen kann.

Ich kenne viele sehr ermutigende Beispiele von Leuten, die hier das Abi nachholen, eine Ausbildung machen, tatsächlich ihre Familie in de Heimat unterstützen können, sehr schnell Deutsch lernen, sich selbst ehrenamtlich engagieren, solange sie noch nicht arbeiten dürfen. Aber es bleiben auch sehr viele, denen es anders geht.

Natürlich ist die Seenotrettung ein elementares humanitäres Unternehmen. Natürlich bin ich wie viele andere auch der Meinung, dass in Seenot geratene Menschen gerettet werden müssen. Ganz egal, ob man weiß "wohin mit ihnen" oder nicht.

Aber ich denke auch, dass diejenigen, die laut aufschreien, wenn es mal wieder um Flüchtlingsboote geht, die nirgendwo an Land gelassen werden, es sich zu einfach machen. Man kann es sich kaum vorstellen, aber es gab 2015 wirklich einen Sog aus Happy-End-Geschichten, die Schlepper erfanden oder emigrierte Familienmitglieder den Leuten in ihrer Heimat auftischten, von offenen Grenzen, Jobs, einem guten Leben. Ich kenne eine Familie aus Albanien, die mir das mal sehr eindrucksvoll beschrieben hat. Das sind teilweise sehr wenig gebildete Menschen, die zuhause täglich nah am Hungern lebten, keine Perspektive für ihre Kinder sahen - und die ihre einzige Kuh verkauften für ein Ticket nach Deutschland. Und dann standen sie hier, ohne Bleiberecht und hatten im Grunde weniger als vorher. Solche Schicksale muss man verhindern. Es wäre allen damit gedient, wenn diese Leute ihre Kuh nicht erst verkaufen und sich auf den Weg machen würden, vielleicht ihr Leben auf dem Meer riskieren, sondern eine Perspektive im eigenen Land hätten. Aber das ist von außen nicht so leicht zu beeinflussen.

Großes Theater um die Seenotrettung zu machen, kann auch bewirken, dass sich weniger Menschen auf den Weg übers Meer machen. Da diese Menschen dann zur Zeit in einer furchtbaren Lage in Libyen oder so festsitzen, ist das keine menschliche Lösung. Zumindest nicht, wenn nicht gleichzeitig höchste Anstrengungen unternommen werden, die Fluchtursachen zu bekämpfen.
Der Mensch kann so viele tolle Dinge - Kunst, Helfen (was hier ja umgehend passiert ist mit riesigen Summen) - warum hilft er nicht anderen Menschen?
Weil oft nicht so einfach zu durchschauen ist, was "Helfen" konkret bedeutet. Welche Maßnahmen Hilfe bedeuten und welche alles noch schlimmer machen. Das ist doch letztlich ein altbekanntes Problem der Entwicklungshilfe. :(

Ich kann das manchmal selbst kaum ertragen. Ich versuche eine Mischung aus mich informieren, das richtige wählen, protestieren, wo es sinnvoll erscheint - und eben da helfen, wo ich das Gefühl habe, ich kann mit dem, was ich an Geld oder Zeit geben kann, etwas bewirken. Auch wenns nur wenig ist. :(

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Re: Brand in Notre Dame Paris

Beitrag von Sandküste » 17.04.2019, 16:24

Es geht ja nicht nur darum, was jeder Einzelne tun kann.........jeder Einzelne kann auch Notre Damm nicht wieder aufbauen....

Es geht darum, dass mal jemand sagt "Da muss geholfen werden" - damit das auch mal ins Bewusstseit der Massen dringt.
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Radha
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Re: Brand in Notre Dame Paris

Beitrag von Radha » 17.04.2019, 16:47

Ich denke, dass das, was in diesem Fall etwas sauer aufstößt ist nicht prinzipiell der Wunsch diese beeindruckende Kirche wieder aufzubauen und das dafür schnell eine große Spendenbereitschaft da ist, sondern die Summen einzelner. Wenn eine Milliardärsfamilie oder ein Konzern mal eben spontan 100 oder 300 Millionen Euro für so etwas locker macht. Das sind ja Dimension mit denen man in jedem Hilfsprojekt eine Menge bewegen könnte.
Ich finde es toll, dass die Leute in diesem Fall viel und bereitwillig spenden, aber es mutet eben schlicht etwas ungerecht an, wenn es zum Beispiel gerade auch so viele Menschen in Mosambik oder sonst wo dringend Hilfe brauchen.

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Re: Brand in Notre Dame Paris

Beitrag von carolina » 17.04.2019, 16:59

Das wird doch ständig gesagt. Nur ist der nächste Schritt nicht so einfach, das "wie helfen". Man kann auch gut argumentieren, dass die Seenotrettung im Mittelmeer noch mehr Menschenleben in Gefahr bringt, weil die Schlepper dann erst recht völlig überladene Wracks nur die nötigsten Kilometer aufs offene Meer befördern, damit ihre "Ware" dort von den Rettern übernommen wird.
Aber klar, die Hände virtuell in die Luft werfen und theatralisch einen fb-Post verfassen, was mit "den Menschen" und "deren Werten" wohl nicht in Ordnung ist, das bringt uns weiter. Nicht.
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Re: Brand in Notre Dame Paris

Beitrag von Mandala345 » 17.04.2019, 17:01

Ich würde nicht umbedingt die genauen Spendenwerte vergleichen. Ich denke es geht eher darum, wie viel Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft sofort spürbar waren bzw sind nach dem Brand - besonders von politischer Seite. Beim Flüchtlingsthema war die Reaktion eine ganz andere: Man hatte das Gefühl jeder Staat hat versucht sich so weit es geht rauszuhalten und abzuschotten, so wenig helfen zu müssen wie möglich. Und den bestehenden Hilfsaktionen wurden noch Steine in den Weg gelegt...
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Re: Brand in Notre Dame Paris

Beitrag von carolina » 17.04.2019, 17:05

Sorry, ich bezog mich auf Sandküste.

Mir stört das moralisch überhaupt nicht, dass für den Wiederaufbau von Notre-Dame gespendet wird. Jeder darf seine eigenen Entscheidungen treffen, ich finde das völlig unangebracht, sich da zu echauffieren. Abgesehen davon, dass das menschliche Leid überall auf der Welt so groß ist, wenn man da anfinge, aufzurechnen, welches Hilfs- oder Spendenprojekt es wert ist, dorthin Geld zu geben, eine Punkteskala quasi ... nein, es ist und bleibt eine absurde Diskussion.
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Re: Brand in Notre Dame Paris

Beitrag von chennai » 17.04.2019, 17:12

Sandküste hat geschrieben:
17.04.2019, 16:24
Es geht darum, dass mal jemand sagt "Da muss geholfen werden" - damit das auch mal ins Bewusstseit der Massen dringt.
Ich verstehe ja den Wunsch nach einfachen Lösungen, aber wenn da 'jemand sagt "DA muss geholfen werden"', steht jemand anders auf und sagt, dass das so gar nichts bringt und überhaupt Projekt XY gerade viel dringender Geld bräuchte. Und dieses Hickhack dann eben über Jahre, in denen eine Krise die andere jagt und dazwischen noch verschiedene Naturkatastrophen ebenfalls kurzfristige Spendenbereitschaft fordern und binden.

Da ist eben ein relativ einfaches, überschaubares Projekt, mit dem sich alle irgendwie identifizieren können, wesentlich motivierender.

Und für die Einzelnen Milliardäre: Auch da wissen wir nicht, was diese Menschen regelmäßig unterstützen und finanzieren. Aber die eingerichteten Stiftungen oder monatlichen Unterstützungen machen halt nicht die Schlagzeilen wie 'ich hau mal eben 100 Mio. Euro raus für den Wiederaufbau der Notre Dame'.

Überhaupt müsste Kunst bei all diesen Überlegungen IMMER hinten runter fallen. Warum soll der Staat Museen, Orchester, ein Ballett finanzieren, wenn gleichzeitig nicht genug Geld für *setze beliebigen Grund ein* da ist? Es macht aber den Menschen aus, dass Kunst und Kultur trotz ALLEM einen hohen Stellenwert hat.
Lieben Gruß,
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Re: Brand in Notre Dame Paris

Beitrag von Mandala345 » 17.04.2019, 17:17

Ich sehe gerade meinen Tippfehler, sorry: Unbedingt und nicht umbedingt
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